Lonsinger: Die A/U/F wird schlagkräftig

Recycling-Neustart

Er gehört zu jenen, die etwas zu sagen haben, aber nie Aufhebens um die eigene Person gemacht haben. Walter Lonsinger, ehemals Geschäftsführer der WICONA GmbH, meldet sich zu Wort: als alter und neuer Vorsitzender der A/U/F.

Herr Lonsinger, Sie stehen der Recycling-Initiative A/U/F zum zweiten Mal vor. Wo sehen Sie in der neuen Amtsperiode Schwerpunkte und Aufgaben, die Sie aus dem Ruhestand gelockt haben? 
Walter Lonsinger: Im März 2010 wurde ich von verschiedenen Systemhäusern angesprochen, ob ich denn wieder bereit wäre, den Vorsitz der A/U/F (GbR) zu übernehmen. Sie soll künftig verstärkt und noch aktiver im Bereich Wertstoffkreislauf im Fenster- Türen- und Fassadenbereich werden. Und nachdem ich über sechs Jahre Vorsitzender war und mich nach wie vor für die Systembranche interessiere und die Initiative als eine sehr wichtige und erfolgreiche Institution sehe, habe ich dieses Angebot gerne angenommen.
Die Schwerpunkte sind in der neu ausgerichteten Organisation folgende: A/U/F ist keine GbR mehr, sondern ein eingetragener Verein. Dadurch ist es für alle Beteiligten wesentlich einfacher, aktiv mitzuarbeiten und dadurch diese Initiative auf eine wesentlich breitere Basis zu stellen. Ab sofort sind nicht nur die Systemhäuser Träger der Initiative, sondern wir bieten allen Metallbauern, den Bauelementehändlern, Schrottverwertern, anderen Firmen und jenen, die unsere Ziele unterstützen, die Möglichkeit Mitglied zu werden. Wir wollen künftig wieder mehr in die Öffentlichkeit gehen und uns in dem Bereich Nachhaltigkeit, ökologisches Bauen und Recycling von Aluminium in Deutschland und Europa engagieren.
 
Nach einer Phase der Zurückhaltung unternimmt die Organisation einen zweiten Anlauf, um durchzustarten. Was sind die Beweggründe und welche Ziele?
Walter Lonsinger: Die Initiative hat sich seit der Gründung im Jahre 1994 bewährt, ist und war für die Metallbaubranche von Beginn an eine  wichtige und wertvolle Einrichtung. Nachdem die Aluminiumverbote aufgehoben wurden und der Markt Aluminium als endlos recycelbaren Wertstoff akzeptiert und anerkannt hat, waren jedoch die öffentlichen Auftritte fast zum Erliegen gekommen. Dennoch funktioniert der Wertstoff-Kreislauf nach wie vor und es werden laufend neue Urkunden an Metallbauer ausgestellt, die sich unseren Zielen und Gedanken anschließen.
Die konkreten Ziele sind: Gewinnung von  Mitgliedern insbesondere aus dem Bereich Metallbau und Bauelementehandel. Nachhaltiger Umweltschutz dadurch, dass der Aluminiumschrott aus der Fertigung und ausgebauten Elementen im nämlichen Kreislauf wieder zum Einsatz kommt. Aus einem/r alten Alufenster, –Türe, –Fassade werden wieder neue Produkte. Wir bieten den Mitgliedern an, einen produktspezifischen Recyclingprozess nachhaltig zu beeinflussen und zu optimieren. Dadurch können auch die  Anforderungen des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes nachgewiesen und für die Zukunft weiterentwickelt werden. Mit unserem System ist ein „closed loop“ für unsere Aluminiumprodukte möglich, der Recyclinganteil wird ständig erhöht.
Wir sichern einen qualifizierten Aluminium-Wertstoff-Kreislauf in Deutschland und Europa und garantieren, dass diese Wertstoffe in Deutschland und Europa verbleiben. Damit bieten wir eine starke Partnerschaft für nachhaltiges Bauen und zukunftsorientierte Wertstoffwirtschaft.
 
Was soll jetzt anders werden im Gegensatz zu früher, um diese gesteckten Ziele anzugehen? Welche Veränderungen stehen in den nächsten Monaten an?
Walter Lonsinger: Wir befinden uns jetzt in einer ganz anderen Ausgangsposition als vor 15 Jahren: Die Themen Nachhaltigkeit, CO2-Reduktion und Zertifizierung von Gebäuden bestimmen mehr und mehr unser operatives Geschäft. Wer als Metallbauer beispielsweise bei einem DGNB-Gebäudezertifikat Pluspunkte sammeln will, sollte einen geschlossenen Aluminium-Wertstoffkreislauf schon belegen können. Darüber hinaus sollen künftig nicht nur die Systemhäuser Träger der Initiative sein, sondern wir wollen die gesamte Branche aktiv einbinden. Mit dieser Änderung fordern wir alle Beteiligten zu aktiver Mitarbeit und somit bewusstem Handeln auf.
 
Jetzt ist ein eingetragener Verein geplant. Wer kann Mitglied werden und wie profitiert zum Beispiel ein einzelner Metallbaubetrieb davon?
Walter Lonsinger: Die Gründungsversammlung des A/U/F e.V. erfolgte bereits am 24. November 2010 in Dortmund. Alle bisherigen Gesellschafter sind diesem neuen Verein beigetreten. Ab sofort kann jede volljährige Person, wie auch eine juristische Person des öffentlichen oder privaten Rechts Mitglied werden, die sich den Zwecken des Vereins verbunden sieht. Der einzelne Metallbaubetrieb von der Mitgliedschaft dadurch, dass er all die vorher genannten Inhalte in seinem Tagesgeschäft verwenden kann. Er muss sich allerdings auch an alle Rahmenbedingungen der Initiative und deren Satzung halten. Letztendlich dient die Mitgliedschaft auch der eigenen Existenzsicherung des Metallbaues mit Aluminium. 
 
Welche Kosten entstehen bei einer Mitgliedschaft und wie errechnen sich die Beiträge?
Walter Lonsinger: Es gibt eine Beitragsstaffel, die drei Kategorien, Systemhäuser, Hersteller/Bauelemente-händler und Sonstige, z.B. Zulieferer, vorsieht. Die Jahresbeiträge sind gestaffelt zwischen 10.000.- € und 200.- €. Dadurch wollen wir jedem Interessierten die Möglichkeit geben, Mitglied zu werden.
 
Die A/U/F ist ein Zusammenschluss führender Systemanbieter von Bauprofilen aus Aluminium. Droht in der neuen Zusammensetzung des Vereins eine Art Zwei-Klassen-Gesellschaft?
Walter Lonsinger: Die Recycling-Initiative war ein Zusammenschluss führender Systemhäuser. Durch die neue Form und die Satzung haben die Systemhäuser keine anderen Rechte als jedes andere Mitglied. Es gibt also keine Zwei-Klassen-Gesellschaft, sondern nur gemeinsame Ziele und gemeinsames Handeln.
 
Mit Hilfe des geschlossenen Recycling-Kreislaufes will der Verein den Anteil von Sekundäraluminium weiter erhöhen. Auf welche Weise wollen Sie dieses anspruchsvolle Ziel erreichen?
Walter Lonsinger: Dadurch, dass künftig eine wesentlich breitere Basis in Form der Mitglieder gegeben ist und diese sich verpflichten müssen, ihr Aluminium über den kontrollierten Kreislauf zu verwerten, erhöht sich der Anteil an Sekundäraluminium im Fenster und Fassadenbereich permanent. Wir sind nicht in der Lage, den gesamten Recyclinganteil an Aluminium zu erhöhen, sondern wir sorgen dafür, dass für unsere Materialien ein geschlossener Kreislauf erfolgt und das Material in Deutschland und Europa bleibt. Wir suchen auch ganz bewusst die Zusammenarbeit mit dem GDA, VFF, DGNB und anderen Institutionen, um unsere Zielsetzungen erfolgreich einzubringen und umzusetzen.
 
Ökologie und Nachhaltigkeit schreiben sich manche Unternehmen gerne auf die Fahnen, um einen positiven Eindruck zu machen. Wie steht es um Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit? Wer überprüft die einzelnen Schritte?
Walter Lonsinger: Künftig gibt es keine Urkunden mehr, sondern ein Zertifikat, das dem Mitgliedsunternehmen bestätigt, dass es an dem Kreislauf teilnimmt. Dieses Zertifikat ist jeweils auf ein Jahr befristet und wird nur dann neu ausgestellt, wenn sich das Mitglied an die Regeln hält. Durch Meldungen der Schrotthändler undAufbereitungspartner wird überprüft, ob sich das teilnehmende Unternehmen an die Bedingungen hält oder nicht. Wir haben uns zum klaren Ziel gesetzt, dass wir einen nachvollziehbaren Kreislauffür eine ökologische Umwelt und eine nachhaltige Wertstoffverwendung erreichen wollen und an dieser Zielsetzung arbeiten wir sehr sorgfältig.
 
Sind bundesweit genügend Sammelstellen eingerichtet? Wie funktioniert das geänderte Sammelsystem und welche Partner kommen auf Metallbauer zu?
Walter Lonsinger: Wir haben mit den Firmen Kural und TSR  Verträge geschlossen, die sicherstellen, dass der Kreislauf funktioniert. In Deutschland stehen derzeit ca. 40 Sammelstellen den Mitgliedsunternehmen zur Verfügung, die nicht nur sehr leistungsfähig, sondern auch äußerst effizient arbeiten.
 
Welche Vergütung erhalten die Metallbaubetriebe, die ihren Aluminiumschrott wie gewünscht korrekt abliefern?  Wird es Abstufungen geben für sortenreine Materialsammlungen?
Walter Lonsinger: Die Vergütungen sind gestaffelt, je nachdem wie sortenrein der Aluminiumschrott ist. Die Schrottpreise sind so gestaltet, dass es für die Mitgliedsunternehmen auch Sinn macht, mit A/U/F zusammenzuarbeiten. Nur wenn das teilnehmende Mitglied akzeptable Preise erhält, können wir Erfolg haben. Diese Preise orientieren sich selbstverständlich auch an der LME.
 
Wie sieht für Sie das optimale Sammelsystem aus und wie lange wird die A/U/F brauchen, um die Ziele annähernd zu erreichen?
Walter Lonsinger: Optimal ist das Sammelsystem dann, wenn wir eine breite Marktabdeckung mit Mitgliedern aus allen gewünschten Bereichen haben und diese Unternehmen sich nachweislich an unseren Zielen orientieren und diese auch erfüllen. Es wird sicher einige Zeit vergehen, bis dies so ist, aber ich könnte mir vorstellen, dass wir bis Ende 2011 schon eine stolze Anzahl an Mitgliedern aufweisen können. Ich halte es gerne mit Schillers Spruch: “Macht keine kleinen Ziele, denn sie bringen das Blut nicht zum Wallen“. Dennoch weiß ich, dass es ein schwerer, aber erfolgreicher Einsatz sein wird.
 
Wie wollen Sie gewährleisten, dass der Schrott letzten Endes doch nicht in Fernost z.B. in China landet, sondern hierzulande die Aluminiumprofile zu neuen Bauteilen verarbeitet werden? Gibt es vertragliche Regelungen und Kontrollen?
Walter Lonsinger: Ja, die unterschriebenen Verträge sagen aus, dass das gesammelte Material ausschließlich an die deutschen, bzw. europäischen Aluminiumschmelzwerke und Presswerke weitergeliefert werden darf, die daraus wieder Pressbolzen für Fenster, Türen und Fassaden herstellen. Wir streben an, dass auch diese Presswerke Mitglieder bei uns werden und somit ein noch effizienterer Prozess erfolgt.
 
Zum Thema Mengen, Betriebe und Mitglieder: Welche Ziele bzw. Größen haben Sie sich mittel- und langfristig gesetzt?
Walter Lonsinger: Wir haben uns zum Ziel gesetzt, eine „Institution“ in der Aluminiumbranche zu werden. Dazu gehört, dass wir möglichst alle Metallbauer, Bauelementehändler, Systemhäuser und auch Schrotthändler als Mitglied gewinnen möchten. Durch EPDs und weitere Anforderungen im Hochbau wird es für die Branche immer wichtiger, Nachweise zu führen. Unsere Organisation ist dafür prädestiniert.
 
Welche Erwartungen haben Sie? Mit welcher Unterstützung rechnen Sie im Verein?
Walter Lonsinger: Aus dem Bereich der bisherigen Gesellschafter verspüre ich eine sehr starke Unterstützung in allen Bereichen. Wenn die am Bau beteiligten Unternehmen sich mit der A/U/F und deren Zielsetzung auseinandersetzen und all die Möglichkeiten sehen, die sich daraus bieten, bin ich sicher, dass wir eine sehr schlagkräftige Organisation zur Verfügung haben, bei der es auch Freudemacht, sich zu engagieren. Demnach gehe ich davon aus, dass wir eine gute Resonanz und auch entsprechende Unterstützung erhalten.
 
Wie funktioniert das Aufnahmeverfahren? Wer kann Mitglied werden und wo können die Mitgliedsanträge bestellt werden? Wie viele Systemhäuser sind absehbar zur BAU in München dabei?
Walter Lonsinger: Jeder, der sich mit dem Zweck der Initiative verbunden sieht, kann Mitglied werden. Dafür gibt es einen Aufnahmeantrag, der bei A/U/F, Walter-Kolb-Strasse 1 – 7, 60594 Frankfurt, bestellt werden kann. Des Weiteren kann ein Aufnahmeantrag direkt bei den Systemhäusern,  die Mitglied sind, oder gerne auch bei mir ( ) direkt angefordert werden. Mit dem Aufnahmeantrag erhält der Interessent einen Flyer, eine Satzung sowie eine Beitragsstaffel per Post oder elektronisch zugesandt.
Ebenfalls werden auf der Bau 2011 in München alle zehn Systemhäuser, die bereits Mitglied sind, Aufnahmeanträge bereithalten und gerne Interessenten informieren.
 
Die Idee ist gut und sinnvoll. Wie hat sich der Zuspruch in den letzten Wochen entwickelt?
Walter Lonsinger: Sehr positiv, es macht Freude, sich mit dieser Organisation, deren Ziele und insbesondere dem Gedanken Nachhaltigkeit und Umwelt zu beschäftigen. Bisher habe ich nur Zustimmung erfahren und die Organisation wächst täglich.
Herr Lonsinger, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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