50 Jahre R+T

Vernetzung, Austausch, Automation

Stolz verkündeten die Verantwortlichen der Messe Stuttgart auf der internationalen Pressekonferenz in Istanbul den 50. Geburtstag ihrer Messe R+T – Weltleitmesse für Rollladen, Tore und Sonnenschutz. Anfang Oktober Iud die Messe ein internationales Pressepublikum an den Bosporus ein, um Inhalte und Formate der Jubiläumsveranstaltung vorzustellen. Die Leitthemen vom 24. bis 28. Februar werden „Energieeffizienz“, „Smart Buildings“ und „Universal Design“ sein. Es werden Fachbesucher aus rund 40 Ländern erwartet.

Rollladen und Tore – so heißt zwar die Messe nach wie vor – sie bietet aber sehr viel mehr! Aus Sicht des energieeffizienten Bauens spielt der Schutz vor Sonneneinstrahlung eine ebenso wichtige Rolle wie die solaren Einträge. Wie also muss das Tageslichtmanagement gestaltet werden ,und wie kann man Tageslicht sinnvoll ausbeuten? Und nicht nur das: Die Beleuchtung von Büroräumen beispielsweise ist entscheidend für die Arbeitsleistung und Motivation der Menschen. Ebenfalls ein Thema ist Heizen und Kühlen. So verfolgt die Politik z.B. mit den steten Novellierungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) das Ziel, im Jahr 2020 nur noch sogenannte „Nearly Zero Energy Buildings“ zu erlauben – zumindest bei Neubauten. Peter Winters, Präsident des ES-SO (European Solar-Shading Organization,) nennt die großen Herausforderungen für die Zukunft: „Es muss uns gelingen, Energie in den Gebäuden nicht nur zu speichern, sondern vor allem die Fassaden zu dynamisieren – innen wie außen.“ Er bezieht sich auf Forschungsergebnisse der iea (International Energy Agency), die vorhersagt, dass bis zum Jahr 2050 der Bedarf an Kühlung weltweit um 150 %, in den Entwicklungsländern sogar um 300 bis 600 % ansteigen wird. Gefragt sind also vor allem die Fensterhersteller in Sachen Isolierung und Innenarchitekten in Sachen Tageslichtführung und -management. Das heißt in Konsequenz, dass alleine im Bestand in Deutschland Millionen von Fenstern getauscht werden müssten.

Zukunft braucht Herkunft

Für all diese Zukunftsfragen will die Messe R+T eine Plattform sein, bei der sich im Februar 2015 ein Fachpublikum aus aller Welt trifft. Der Geschäftsführer der Messe Stuttgart Ulrich Kromer von Baerle zeigt sich als stolzer Gastgeber und freut sich, dass die Messe sich so zukunftsfähig zeigt. Nach dem Motto „Zukunft braucht Herkunft“ blickt er auf eine solide Entwicklung der vergangenen 50 Jahre zurück. Was im Jahr 1965 in Stuttgart unter dem Namen „R65“ begann, hat sich bis zur letzten R+T stetig weiterentwickelt. Inzwischen gibt es Dependancen in Schanghai (seit 2006), in Istanbul (seit 2013) und in Australien (seit 2014). Bereits im Jahr 1991 lobte die Messe erstmalig einen Designpreis aus. Deutschland feierte kurz davor die Wiedervereinigung, und so veränderte sich auch das Messegeschehen. Erstmalig erweiterte sich die bis dahin noch auf Rollladen spezialisierte Messe um den Bereich „Tore und Torzubehör“ – seitdem ist das „T“ im Namen.
Internationales Publikum kam schon von Beginn an nach Stuttgart. 2012 waren sogar 66 % der Aussteller aus dem Ausland, bei den Besuchern 50 %. Was also reizt an der Teilnahme? Viele nennen die hohe Investitionsbereitschaft, den hohen Anteil an Entscheidern über Investitionen und vor allem die Tatsache, dass zukünftige Investitionen diskutiert und abgeschlossen werden. Und gilt bei vielen der Spruch, dass „die Schuster die schlechtesten Schuhe tragen“, so trifft dies nicht auf die Messe Stuttgart zu. Denn das neue Messegelände zeigt sich in tageslichtdurchfluteten Räumlichkeiten  — ein Hinweis auf die Zukunftsfähigkeit des Standorts für die erwarteten 58.000 Besucher im Februar.

Vernetzung, Kongresse und Gewinner

Projektleiter der R+T, Sebastian Schmid, unterstreicht den Erfolgskurs mit einigen Zahlen. 2012 verzeichnete die Messe einen Besucherrekord mit 830 ausstellenden Unternehmen. Wer richtig mitgerechnet hat, kommt – wie auch Schmid – auf 280 inländische Firmen. Der Rest kam aus dem Ausland. 60 aus Italien, jeweils 40 aus Spanien und der Türkei, 30 aus Frankreich und 20 aus der Schweiz. 2015 wird das gesamte Hallengelände belegt sein. Auch eine Premiere erwartet die Besucher der R+T 2015: Smart homes werden immer mehr diskutiert, und so gibt es erstmalig ein Forum mit den Themen „Das vernetzte Haus“ und Gebäudeautomation. Darüber hinaus erwartet die Besucher ein Elektropraktiker-Forum sowie Messerundgänge für Planer und Berater.
Wie schon 2012 veranstaltet die Messe auch im kommenden Jahr einen Fassadenkongress „Façades 2015“, der sich vorwiegend an Architekten richtet. Bereits bei der letzten R+T lockte der Kongress rund 1.500 Teilnehmer an. 2015 sollten es sogar noch mehr werden. Hierzu sollen renommierte Namen auf dem Podium wie Volker Staab, Matthias Schuler oder Manuelle Gautrand die begehrte Zielgruppe anlocken. Aber nicht nur die Außenfassade spielt eine wichtige Rolle für die Zukunft, sondern auch alles, was sich im Inneren eines Gebäudes abspielt. So geht die Messe Stuttgart erstmalig mit dem „German Interiors Designer’s Day (GID) auf die Innenarchitekten zu, der am 27. Februar stattfinden wird. Die Namen der angekündigten Referenten verheißen auch hier hohe Besucherzahlen: u.a. Jan Kleihues, Jürgen Mayer H., Enrique Sobejano u.v.m. Für Metallbauer sind diese Veranstaltungen eine gute Gelegenheit, sich mit den Planern auszutauschen. Nicht neu, aber nicht minder erfolgreich ist der R+T Innovationspreis, der bereits zum neunten Mal prämiert wird. Präsentiert und gekürt werden die Gewinner bereits einen Tag vor Messebeginn. Die Produkte sind dann für alle Besucher vom ersten Messetag an auf den jeweiligen Ständen zu sehen.

Herausforderungen für das Handwerk

Architekten und Innenarchitekten sind eine noch vergleichsweise neue Zielgruppe der R+T, während das Handwerk schon immer die Hauptzielgruppe war. Gerade weil das Bauen und damit sowohl Produkte als auch Montagen, Wartungen und Pflege immer komplexer werden, werden auch die Aufgaben für das Handwerk immer vielfältiger. Betrachtet man die derzeitigen Auslastung von Handwerksbetrieben, wird deutlich, dass die Auftragslage für nahezu alle bestens ist.
Alleine bei den Rollladen- und Sonnenschutztechnikern lag der Umsatz 2013 bei rund 2,1 Milliarden Euro. Der Bundesverband für Rollladen und Sonnenschutz e.V. war als Gründungsmitglied wieder stark in die inhaltliche Konzeption der Messe R+T eingebunden. Präsident Georg Nüssgens stellt die Themen vor, denen sich der Verband auf der R+T widmet: Energieeffizienz, Einbruchschutz und Hausautomation. „Die politisch gewollten Klimaschutzziele sind nur mit energetischer Optimierung von Gebäuden erreichbar“, sagt Nüssgens. Alleine der Sanierungsbedarf in Deutschland beträgt mehr als 30 Millionen Gebäude. „Das erfordert einen wirksamen Sonnen-, Hitze- und Kälteschutz.“ Auch dem Einbruchschutz, der für die Branche schon immer eine wichtige Rolle spielte, kommt gebührend Aufmerksamkeit zu. Eher neu und immer mehr diskutiert ist das Thema Hausautomation. Bei den zunehmenden Smart-Home-Objekten verzeichnet der Verband hohe Zuwachsraten, wenn Rollläden und Sonnenschutzlösungen eingebunden werden. Der Verband verleiht zu diesen Themen seinen bewährten Innovationspreis, des Weiteren zeigt er eine Ausstellung über Arbeiten des Nachwuchses unter dem Namen „Junge Talente“. Außerdem wird es wieder einen Wettstreit, den „battle“ geben, der sich bereits auf den letzten Messen als Publikumsmagnet erwiesen hat.

Tore und Gebäudeautomation

Auch der Vorsitzende des BVT — Verband Tore Dr. Claus Schweizer sieht die Trends für Industrietore bei Energieeffizienz und Sicherheit, für private Tore bei Komfort und Design. Er nennt weitere Themen wie Luftdurchlässigkeit, EPDs, Vernetzung und Steuerung, die im Rahmen der Messe aus- und vorgestellt werden. Die Gebäudeautomation nimmt – wie nicht anders zu erwarten – auch hier einen großen Teil ein. „Mobile Geräte werden immer wichtiger, um für Berührungslosigkeit und Sicherheit zu sorgen.“ Die vorgelegten Zahlen, die sich auf die Reaktion der Branche zur Messe beziehen, zeigen, dass die R+T immer wieder zum wirtschaftlichen Aufschwung beigetragen hat. Auch auf der kommenden Messe soll das nicht anders werden,   und so widmet sich der Messeauftritt des BVT den folgenden Themen in Halle 4: Feuer/Rauch (EN 16034), Normen und Standards, Sicherheit und Wartung, Energie und Nachhaltigkeit sowie Komfort und Barrierefreiheit.

Zukunftsmusik

Prof. Ulrich Sieberath vom ift Rosenheim wagt einen Blick in die Zukunft für das Jahr 2030 und zieht ein Resümee zum Status Quo. „Der Standard der U-Werte liegt schon heute deutlich unter 1,0.“ Das ist eine gute Basis, wenn man nach Einsparpotenzialen bei Gebäuden sucht. Die Suche geht weiter, und Sieberath geht davon aus, dass das Energiemanagement der Gebäudehülle eine Fundgrube ist. Lichtlenkung, Photovoltaik, Sonnenschutz, Lüftung, solare Zugewinne, geringe Transmissionswärmeverluste, Rückkopplung an die Haustechnik – das alles soll helfen. Für Smart Homes können Rollläden, also der Sonnenschutz, wichtige Beiträge leisten. Und, im Grunde ist die Branche hierzu sehr gut aufgestellt. Weiter erwähnt Sieberath Zukunftsthemen, an denen die Industrie noch fleißig forscht und entwickelt wie z.B. OLEDs. Das sind organische LEDs, die ganze Flächen ausleuchten. Ein Ausblick auf leuchtende Markisen? Weiter nennt er die Themen Universal Design, die Nanotechnologie und funktionale Oberflächen sowie das Onlinebusiness und das sogenannte Datamining. Hierzu gibt es in Halle 9 eine Sonderschau unter dem Motto „Mehr als Licht und Schatten“ und eine Ausstellung von innovativen Produkten und Lösungen.

Neue Berufsfelder und mehr Bedienkomfort

Oliver Hopert, Präsident des Industrieverbands ITRS, geht sogar einen Schritt weiter und würde der R+T am liebsten die Buchstaben A+S hinzufügen, die für „Automation“ und „Sonnenschutz“ stehen. Darüber hinaus wirbt er für den neuen Beruf des Technischen Konfektionärs, bei dem u.a. das Know-how in Sachen Digitaldruck für individuellen Sonnenschutz einen besonderen Stellenwert hat. Auch er stellt sich den Fragen, wie bei all der Komplexität der Verbraucher mitgenommen werden kann und unterstreicht damit ebenfalls die Wichtigkeit des Universal Designs. „Schließlich muss der Endverbraucher diese komplexen Technologien auch ohne ein wissenschaftliches Studium bedienen können.“ Der Bedienkomfort und die Selbstverständlichkeit in der Anwendung sind zu meistern.

Gründe für den Messebesuch

Eines ist klar: Vernetzung ist angesichts der modernen, komplexen Bauweise ein Muss und ohne interdisziplinären Austausch und Kontaktbörsen nicht möglich. Wer diesen – auch als Metallbauer – noch nicht pflegt, hat im kommenden Februar eine hervorragende Möglichkeit, damit zu beginnen. Die Plattform ist da, die Fachleute auch.

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