Aluprof, CEO Tomasz Grela

„Wir entwickeln uns auf vielen Märkten“

Das polnische Unternehmen Aluprof hat mit seinen Aluminiumsystemen international reüssiert, in Deutschland hat der Systempartner in Schwanewede seinen Standort. Ende 2016 überstieg der Umsatz ca. 231,9 Mio. Euro und der Gewinn betrug ca. 37,1 Mio. Euro. Diesen Erfolg erklärt Tomasz Grela im Interview.

metallbau: Seit 2008 sind Sie Vorstandsvorsitzender, Aluprofs Umsatz und Gewinne haben sich seither mehrfach erhöht, wie ist Ihnen dieser Erfolg gelungen?

Tomasz Grela: Als ich diese Position übernahm, betrug der Jahresumsatz weniger als ca. 92,8 Mio. Euro und das Unternehmen brachte weniger als ca. 13,9 Mio. Euro Gewinn ein. Ende 2016 überstieg der Umsatz ca. 231,9 Mio. Euro und der Gewinn betrug ca. 37,1 Mio. Euro. Diese Ergebnisse haben wir ohne Übernahme oder Fusion, mit einem völlig organischen Wachstum, den richtigen Strategien und der harten Arbeit unserer Mitarbeiter erreicht. Wir entwickeln uns nicht nur auf dynamischen, sondern vor allem auf vielen verschiedenen Märkten. Derzeit sind wir in den größten Teilen Europas und den USA präsent, aber auch in Kuwait, Katar, Dubai, der Mongolei oder dem Iran. Die Vereinigten Staaten sind derzeit der größte ausländische Markt, auf dem wir tätig sind.

metallbau: Schätzungsweise wurden in Polen bei sieben von zehn der modernen Gebäude Ihre Fassadensysteme verwendet.

Grela: Ja, das wachsende Vertrauen unserer Investoren, die Realisierung von Architekturvisionen und unser guter Service haben unsere Position als Marktführer in Polen gestärkt. Aber noch vor ein paar Jahren war es für polnische Firmen sehr schwer auf dem heimischen Markt zu bestehen. Nach dem Übergang vom Kommunismus zum Kapitalismus wurden die prestigeträchtigsten Projekte, die in Polen erbaut wurden, von ausländischen Investoren oder Unternehmen übernommen. Der Grund war, dass kein Vertrauen in die polnischen Produkte bestand. Es war hart, den Durchbruch zu erlangen und wir mussten viele Argumente bringen, wie Flexibilität und eine individuelle Vorgehensweise.

metallbau: Aber das Blatt hat sich gewendet …

Grela: Heute sind wir ein Unternehmen, das mehr als 2.000 Mitarbeiter beschäftigt. Man kann sich leicht ausmalen, dass unsere Reaktionsgeschwindigkeit und die Möglichkeit der technischen Unterstützung in Polen auf einem viel höheren Niveau sind als die von ausländischen Unternehmen. Als Teil der Kapitalgruppe Grupa Kety S.A, haben wir eine der größten Aluminiumpressen Europas, mit der wir jedes Projekt individuell angehen können. Folglich konnten wir Jahr für Jahr, Objekt für Objekt, beweisen, dass unsere polnischen Systeme keinesfalls schlecht sind und die Service-Qualität sowie die technische Unterstützung umfassend.

metallbau: Ihr Architektenwettbewerb „Gebäude des Jahres aus Aluprof-Systemen“ findet Anklang!

Grela: Es gäbe keinen Wettbewerb, wenn wir nicht so viele große Projekte in Polen aufweisen könnten. Und so benennen wir alle zwei Jahre über 100 Gebäude, von denen die Jury 50 bewertet und die besten 10 auszeichnet. Es gibt keinen anderen Wettbewerb in Polen, bei dem alle Akteure dieses Marktes bei einer Verlosung zu sehen sind: Architekten, Investorenvertreter, Generalunternehmer, unsere Kunden, etc.

metallbau: Aluprof ist bestrebt, eine internationale Marke zu werden. Wieviel Prozent des Gesamtumsatzes sind auf den Export zurückzuführen?

Grela:  Unser Hauptziel sind die europäischen Märkte, in denen wir bereits präsent sind, aber wir sind natürlich ständig auf dem Vormarsch. Die derzeitigen Exporte machen rund 40 Prozent der Einnahmen von Aluprof aus. Im vergangenen Jahr haben wir das höchste Wachstum in den USA, Großbritannien, Deutschland und den Niederlanden verzeichnen können. In der Tschechischen Republik und in der Slowakei sind wir ein erstklassiger Spieler, mit einem zweistelligen Marktanteil. Für die Zukunft planen wir unsere Aktivitäten in Frankreich, Spanien, Portugal und Italien zu verstärken. Gleichzeitig sind wir in den USA sehr aktiv. Aber auch den Nahen Osten lassen wir nicht außer Betracht, wir sind hier ebenfalls tätig und bereiten uns auf ein weiteres Geschäftsumfeld vor.

metallbau: Was sind für Produzenten die größten Hindernisse bei der Entwicklung ihrer Exportaktivitäten?

Grela: Offensichtlich logistische Kosten, unzureichende Kenntnis über die Marktbesonderheiten, mangelnde vorhandene Referenzen über Projektrealisierungen, die speziell für potentielle Investoren wichtig sind, oder das Fehlen eines Faktors, der das Unternehmen von der Konkurrenz abhebt. Bevor wir auf dem amerikanischen Markt gestartet sind, mussten wir über andere Baurichtlinien lernen, um den Designansatz besser zu verstehen, und unsere Produkte z.B. ausgiebig für auftretende Erdbeben testen. Ansonsten war es auch notwendig, die Logistik zu planen – in die USA liefern wir fertige Produkte, die Elemente werden produziert, fertig verglast und versendet.

metallbau: Wie hat Ihr Unternehmen den Sprung über den großen Teich geschafft?

Grela: Wie es meistens mit der Realisierung des „amerikanischen Traums“ geschieht, braucht man ein wenig Glück und natürlich jede Menge harte Arbeit. Die Erfolgsgeschichte begann bei uns vor zehn Jahren mit einer Anfrage eines Mitarbeiters einer amerikanischen Baufirma. Diese Firma war auf der Suche nach einem alternativen Anbieter von Aluminiumlösungen. Einer ihrer Angestellten war Pole und kontaktierte uns als die größte polnische Firma in dieser Branche. Mit der Zeit haben wir mit unserem US Joint Venture zahlreiche Partner hinzugewonnen. Es war ein wichtiger Moment für unsere Firma, das weitere Geschäft auf Basis gründlicher Forschungen zu planen, den Markt zu erkunden und unser Produktportfolio an die Besonderheiten der einzelnen Märkte anzupassen.

metallbau: Wie beabsichtigen Sie, zukünftig zu expandieren?

Grela: Es ist kein Geheimnis, dass wir unsere Expansion in den asiatischen Märkten vorbereiten. Wir machen täglich sehr viele neue geschäftliche Kontakte dorthin und lernen die Besonderheiten der einzelnen Märkte kennen. Wir handeln aber nicht voreilig. Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass für den Erfolg die richtige Vorbereitung und harte Arbeit notwendig sind sowie eine Portion Optimismus, die uns sicherlich nicht fehlt.

metallbau: Was sind Ihre Pläne für die kommenden Jahre?

Grela: Wir investieren ständig in innovative Lösungen und Projekte. In diesem Jahr haben wir einen Zuschuss erhalten, für den Bau eines neuen Zentrums für Forschung und Entwicklung, welches auf einer Fläche von 10.000 qm bis Ende 2018 fertiggestellt werden soll. Für dieses Vorhaben sind Investitionen in Höhe von ca. 11,6 Mio. Euro nötig, von denen nun ca. 2,3 Mio. Euro bezuschusst werden. Für das Zentrum werden wir 60 neue Mitarbeiter beschäftigen, hinzukommen die Mitarbeiter in unserem aktuellen Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Als Umsatzziel haben wir uns für 2020 ca. 347,9 Mio. Euro gesetzt. Wir denken über dieses Ziel hinaus. Wir wollen uns keine starren Rahmen oder Vorgaben setzen, um schnell auf die Erwartungen des Marktes reagieren zu können. Darüber hinaus formen wir das Image unseres Landes. Wir produzieren polnische Produkte von sehr hoher Qualität und werden unsere Herkunft auch künftig bei unseren Auftritten beispielsweise auf Messen stets hervorheben.⇥red ◊

Kurs PLN in Euro vom 1.Oktober 2017

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