Zum Restaurator im Handwerk

„Man sieht nur, was man weiß. Die Geschichte oft nicht!“

Dipl.-Ing. Eckard Zurheide bildet an der Akademie des Handwerks Schloss Raesfeld Restauratoren im Handwerk aus. Wir haben uns beim Ausbildungsleiter Handwerkskultur und Denkmalpflege über das Potenzial dieser Weiterbildung für Metallgestalter erkundigt.

Dipl.-Ing. Eckard Zurheide bildet an der Akademie des Handwerks Schloss Raesfeld Restauratoren im Handwerk aus. Wir haben uns beim Ausbildungsleiter Handwerkskultur und Denkmalpflege über das Potenzial dieser Weiterbildung für Metallgestalter erkundigt.

metallbau: Inwiefern ist die Ausbildung zum Restaurator im Handwerk für Metallgestalter interessant?

Eckard Zurheide: Restauratoren legen Hand an historische Objekte von kulturellem Wert. Dies stellt eine große Verantwortung und zugleich eine besondere Herausforderung dar, schließlich wurden diese Kulturgüter von unseren handwerklichen Vorfahren mit den Materialien und Techniken ihrer Zeit geschaffen. So verlangt jedes zu restaurierende Objekt seine objektspezifische Vorgehensweise und führt zu einer in jeder Beziehung spannenden Auseinandersetzung mit neuen beruflichen Aufgaben.


metallbau: Mit welchem neuen Lehrstoff müssen sich Metallgestalter in der Ausbildung auseinandersetzen?

Zurheide: In der Weiterbildung müssen die Handwerker hören, dass der Umgang mit Kulturgut nur selten eine einfache Problemlösung anzubieten hat. Im Gegenteil — es geht darum, dass die traditionellen Techniken zur Schadensbehebung und die speziellen Methoden der Restaurierung oder Konservierung gezielt für jede einzelne Restaurierungsaufgabe entwickelt und festgelegt werden. Denn egal ob es wir es mit einer vernachlässigten Toranlage oder einem verbogenen Abendmahlskelch zu tun haben: Immer geht es um die Erhaltung von historischer Substanz als materiellem Bedeutungsträger! Restaurieren heißt nicht wieder neu machen, und so richtet die Weiterbildung im Theorie- wie auch im Praxisunterricht konsequent den Fokus auf den Respekt vor der unwiederbringlichen Originalsubstanz, auf die Sensibilisierung zum Sehen, Erkennen und Erfahrbarmachen historischer Werte und auf die Techniken zum Pflegen und Erhalten unseres Kulturerbes.


metallbau: Welcher Aufwand ist für die Weiterbildung nötig?

Zurheide: Die Weiterbildung Restaurator im Handwerk ist berufsbegleitend über einen Gesamtzeitraum von 18 Monaten organisiert. Der Lehrplan umfasst 450 Unterrichtsstunden, die auf 20 Seminare verteilt sind. Alle vier Wochen findet ein zwei- oder dreitägiges Seminar auf Schloss Raesfeld statt. Die Kursgebühr beträgt 3.870 Euro, im Schloss bieten wir auch Übernachtung und Verpflegung an. Dazu kommt die Prüfungsgebühr von 490 Euro, Prüfbehörde ist die Handwerkskammer Münster. Für Weiterbildung und Prüfung gibt es Meister-Bafög-Förderung.


metallbau: Wie sind die Chancen auf einen qualifizierten Arbeitsplatz?

Zurheide: Restauratoren im Handwerk sind gefragte Spezialisten für berufliche Aufgaben, die nicht auf der Grundlage von Normen und mit den in der handwerklichen Berufsausbildung erlernten Regeln der Technik zu lösen sind. Ihre Kernkompetenzen — tiefes Verständnis des kulturellen Wertes von Originalen und exklusives Wissen um traditionelle und innovative Techniken zur Erhaltung — eröffnen bei dem entsprechenden Durchhaltevermögen außerordentliche Perspektiven als selbständiger Restaurator. Als ungleich schwieriger erlebe ich es, mit Restaurierungsaufgaben ein zweites Standbein neben dem kundenorientierten betrieblichen Alltag zu etablieren.


metallbau: Derzeit ist der Beruf des Restaurators noch ungeschützt, aber Sie bemühen sich, den Beruf schützen zu lassen?

Zurheide: Die Qualifikation “Geprüfter Restaurator im Handwerk“ ist gemäß Handwerksordnung in 15 Gewerken geschützt. Aber dennoch ist es schwieriges Terrain: Das Deutsche Handwerk hat zwar die Weiterbildung Restaurator im Handwerk als höchste Qualifikationsstufe für Denkmalpflege und Restaurierung geschaffen, gesteht dem Meisterbrief allerdings die gleichen Kompetenzen beim Marktzugang zu, was die erfolgreichen Absolventen der Weiterbildung naturgemäß als Paradoxum empfinden. Mit der Handwerksorganisation sind wir in dieser Sache nicht weitergekommen, jetzt bauen wir einen Dachverband der geprüften Restauratoren im Handwerk zur eigenständigen Wahrnehmung unserer Interessen auf. ma

Info & Kontakte

Akademie des Handwerks Schloss Raesfeld e.V.
Freiheit 25 - 27
46348 Raesfeld
Tel. 02865 6084 14

www.akademie-des-handwerks.de