Das ift und seine Fenstertage

Markt honoriert Differenzierung

Mit 750 Teilnehmern aus 20 Ländern zeigte sich die Führungsriege des Prüfinstitutes zufrieden. Die Themenblöcke wurden dieses Jahr von acht auf 13 mit insgesamt 38 Referaten erweitert und standen unter dem Motto „Qualität und Sicherheit“. Neu war zudem ein Powerworkshop für Fensterbauer. Allein 120 Teilnehmer nutzten die praxisorientierte Veranstaltung am Tag vor dem Start der Fenstertage. „Das Angebot war ausgebucht“, hob Prof. Sieberath hervor.
Mit Umsatz- und Gewinnzuwachs in 2014 hatte auch Dr. Peichl gute Nachrichten zu vermelden. Im Vergleich von 2013 und 2014 wurde eine Umsatzsteigerung von knapp einer Million erreicht. In punkto Gewinn wies er lediglich auf Zuwächse hin. Für das laufende Jahr prognostizierte er Zuwächse in ähnlicher Höhe. Dank der stabilen finanziellen Situation kann das ift die Finanzierung des Technologiezentrums eigenständig stemmen.
Mit einem Investitionsvolumen von ca. 7,2 Millionen Euro entsteht auf über 3.000 m² Bruttogrundfläche ein modernes Prüf- und Forschungszentrum für großformatige Bauteile wie Brand-/Rauchschutzelemente, Fassaden, Fenster, Flügel-/Schiebetore, Türen sowie Dach und Wandelemente. Großformatige Bauelemente bis zu 8 x 5 m² können an nur ein und demselben Probekörper auf Rauchschutz und Feuerwiderstand, Dauerfunktion sowie Windlast, Luft-, Wind- und Schlagregendichtheit geprüft werden. Dies wird durch spezielle Aufbau- und Montagekonzepte möglich, bei denen die Besonderheiten der verschiedenen Prüfnormen berücksichtigt werden.

Ab Juni 2016 sind folgende Prüfstände verfügbar:

  • Brandöfen B x H ca. 8 x 5 m² und 5 x 5 m²
  • Brandofen B x H x L ca. 4 x 4 x 5 m³ für tragende Decken-, Wand- und Dachbauteile
  • 20 Dauerfunktionsprüfstände mit Größen bis zu 8 x 5 m²
  • Prüfstand für Luft, Wind, Wasser B x H ca. 10 x 7 m²
  • Rauchschutzprüfstände mit ca. 8 x 5 m², 5 x 5 m² und 3,6 x 3,6 m²

Alle Prüfstände sind so konzipiert, dass nicht nur nach deutschen und europäischen Normen, sondern auch nach amerikanischen, russischen, britischen und weiteren Standards geprüft werden kann. Das ift Rosenheim verfügt hierfür über zahlreiche bilaterale Anerkennungen, beispielsweise für Nachweise nach UL, AAMA, ASTM, CWCT, Ghost. Mit dem zusätzlichen Angebot wird das Personal von derzeit 185 angestellten Mitarbeitern um rund 40 erweitert. „Wir brauchen vor allem Techniker und Diplom-Ingenieure“, sagte Prof. Sieberath fest.

Stufenkonzept für Qualität startet
Anlässlich der Fenstertage 2014 wurde die Einführung eines neuen Stufenkonzeptes für Qualität angekündigt, dieses Jahr verkündete Bernhard Helbig, Vorsitzender des Vorstands, den Start mit 200 Unternehmen. Die Hersteller und Produkte werden auf der ift-Website gelistet und sind via QR-Code und ID-Nummer zu finden. „Nach den Fenstertagen geht es los.“ In Kooperation mit der RAL-Gütegemeinschaft hat sich das ift auf folgende Regelung geeinigt. „Für Fenster, Fassaden und Außentüren wird es das ift-Qualitätszeichen “Standard„ und “Qualität„ geben. Das höchste Qualitätslevel wird weiterhin durch das RAL-Zeichen ausgedrückt“, so Helbig.
„ift-Standard“ steht für ein ordnungsgemäß deklariertes Produkt mit dem CE-Zeichen, das über die notwendigen Prüfungen, Nachweise und eine normkonforme werkseigene Produktionskontrolle (WPK) verfügt. Durch eine jährliche Fremdüberwachung wird dies durch die Auditoren des ift überprüft und dem Hersteller bestätigt. Damit hat sowohl der Hersteller als auch der Käufer die Sicherheit, dass die gesetzlichen Mindestanforderungen des CE-Zeichens in Ordnung sind und eingehalten werden.
„ift-Qualität“ steht für Produkte, die hohe Anforderungen an die Gebrauchstauglichkeit erfüllen und damit echte Qualitätsfenster sind. Hierzu zählt beispielsweise auch, dass die Prüfung der Eigenschaften erst nach einer Dauerfunktion, auch mit höheren Lasten, durchgeführt wird, um den gestiegenen Anforderungen aus der Nutzung gerecht zu werden. So wird sichergestellt, dass die zugesicherten Eigenschaften auch nach einer langjährigen Nutzung erreicht werden. Über die jährliche Überwachung des Herstellers durch die ift-Auditoren hinaus ist eine regelmäßige Prüfung eines Fensters oder ein Tür hinsichtlich der Eigenschaften Luftdurchlässigkeit und Schlagregensicherheit auf einem Prüfstand notwendig.

Katastrophentaugliche Fenster
Die Auswirkungen des Klimawandels machen sich immer häufiger auch in Deutschland bemerkbar. Prof. Sieberath hält inzwischen ein Hagelregister auch hierzulande für notwendig, um die erhöhten Anforderungen zu definieren, klassifizieren und schließlich korrekte Ausschreibungen zu ermöglichen.
In der Schweiz beispielsweise klassifiziert das Hagelregister der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) diverse Produkte der Gebäudehülle hinsichtlich ihrer Hagelwiderstandfähigkeit. Bei Tornados wie dieses Jahr in Augsburg überschreiten Windlasten oft die kühnsten Annahmen. „Gebrochene Gläser trotz richtiger Dimensionierung, Zerstörung der Rahmen durch fliegende Gegenstände und Hagel oder zerstörte Bauteile durch Hochwasser zeigen, dass die normativen Anforderungen zu gering angesetzt sind“, stellte Prof. Sieberath fest.

Aufklärung in punkto  DIN 18008
Angesichts der zahlreichen Nachfragen zur neuen DIN 18008 unterstrich Prof. Sieberath im Schulterschluss mit Prof. Franz Feldmeier, dass die Norm keine wesentlichen neuen Anforderungen an die Verarbeiter stellt. Bei der linienförmig gelagerten Verglasung hat sich in der praktischen Auswirkung nicht viel zur bisherigen technischen Regelsetzung geändert (TRLV). Durch das neue Bemessungskonzept kommt es bei kleinformatigen Scheiben aber zu erhöhten Glasdicken oder dem Einsatz anderer Glasarten mit höherer Festigkeit (ESG oder TVG). Für die Praxis wurde daher die Nachweiserleichterung für kleinformatige Scheiben unter 1,6 m² übernommen – wie in der bisherigen technischen Regel für linienförmig gelagerte Verglasungen auch. Dass bei diesen kleinformatigen Scheiben, im Besonderen bei asymmetrischen Aufbauten, ein erhöhtes Bruchrisiko vorhanden ist, ist ebenfalls nicht neu. Auch dies musste bei Bemessungen nach TRLV beachtet werden, wird aber nun mit der baurechtlichen Einführung der DIN 18008-2 kontrovers diskutiert. „Auch für diese Scheiben hat sich nicht wirklich viel verändert und erfahrene Hersteller wissen, wann sie besonders aufzupassen haben“, teilte Prof. Sieberath mit. Er wies auf eine ift-Fachinformation hin, die in Arbeit ist und Bemessungs-Diagramme beinhaltet, mit denen sich Glaskonstruktionen einfach bemessen und dimensionieren lassen. Prof. Feldmeier stellte in Aussicht, dass mit der anstehenden Überarbeitung von DIN 18008 Teil 1 und 2, das Sicherheitsniveau bei ausfachenden Verglasungen thematisiert wird und das Problem der Klimalasten bei kleinen Formaten gelöst wird. Eine Erleichterung habe die Norm für den Nachweis der Stoßsicherheit gebracht. „Statt eines experimentellen Pendelschlagversuchs kann der Nachweis rechnerisch erbracht werden“, so Prof. Feldmeier. Nichtsdestotrotz gilt: „Für einen prüfbaren Nachweis sind detaillierte Lastannahmen nötig, eine Statiksoftware und eine entsprechende Qualifikation.“⇥ma ◊

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