Der Markt bleibt schwierig

„Wir sind gut, wenn wir besser sind.“

Verhangener Himmel, Regen und Acqua alta beim Roto Fachpressetag in Venedig, das passte zu den eher düsteren Aussichten, die der Vorstandsvorsitzende Dr. Eckhard Keill Anfang November für das Geschäftsjahr 2015 stellte: „Die schwarze Umsatz-Null schaffen wir nächstes Jahr nur, wenn wir mit Kraft, Kondition und Kompetenz Marktanteile gewinnen.“

„Als wir für 2014 bestenfalls Seitwärtsbewegungen der Märkte vorhersagten, handelten wir uns den Vorwurf ein, zu pessimistisch zu sein. Heute wissen wir, dass wir sogar zu optimistisch waren“, konstatierte Dr. Eckhard Keill. Trotz schwieriger Märkte gelang es Roto, einen „guten Umsatz“ zu erreichen. Derzeit gilt die Devise: „Wir sind gut, wenn wir besser abschneiden als Märkte und Wettbewerber.“

Finanzvorstand Michael Stangier bezifferte den Gruppenumsatz per 30. September 2014 auf rund 500 Millionen Euro. Dieses Ergebnis liege zwar 1 % unter Vorjahr, sei jedoch im Vergleich zu der im Schnitt negativen Marktentwicklung als „konkreter Erfolg“ zu werten. Was den Gesamtumsatz 2014 betrifft, hat Roto die Hoffnung, das Rekordniveau von 2013 zu halten. Der Ertrag, der 2013 verbessert werden konnte, soll auch 2014 gehalten werden, wie Stangier informierte.

Mit ihren beiden Divisionen Fenster- und Türtechnologie (FTT) und Dach- und Solartechnologie (DST) erwirtschaftet die Gruppe den Gesamtumsatz zu zwei Dritteln durch das Auslands- und zu einem Drittel durch das Inlandsgeschäft. Die Mitarbeiterzahl von 4.400 im Jahresdurchschnitt ist stabil. Stangier kündigte an, dass Anlageinvestitionen zur Modernisierung und Rationalisierung planmäßig umgesetzt würden, um die Produkt- und Lieferqualität weiter zu erhöhen.

Der Markt für Fenster und Türen

Im Jahr 2014 mussten die Prognosen für die Märkte nach unten korrigiert werden. Als einzigen Lichtblick identifizierte Dr. Keill den Aufschwung Nordamerikas. In Deutschland bingt der Roto Chef das deutlich schwache Wachstum in den Jahren 2014 und 2015 auch mit der Politik der Bundesregierung in Zusammenhang. „Es fehlen Investitionen in die Infrastruktur oder die energetische Sanierung.“ Roto erwartet im nächsten Jahr keine Impulse vom deutschen Markt, insbesondere vom dominanten Sektor Sanierung/Renovierung. „Dieser hängt wesentlich vom Verbrauchervertrauen ab, das nach den Erhebungen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) seit Mitte des Jahres mit einem Minus von 42 Punkten dramatisch einbricht.“

Für die Fenster- und Türenmärkte konstatierte der Vorstandsvorsitzende tendenziell stärkere Marktrückgänge als vor einem Jahr erwartet. Nach Auffassung des Branchenzulieferers sinkt der Herstellermarkt für Fenster und Türen um 6 bis 8 %. Dazu tragen steigende Importe, beispielsweise aus Polen bei. Die Einschätzungen der Branchenverbände, die für Fenstereinheiten einen Zuwachs von um 3 % prognostizieren und für Außentüren 3,6 %, stuft Dr. Keill als „eindeutig zu hoch“ ein.

Der Markt in Frankreich, Italien und Spanien

Francesc Gimeno, der für Roto den Wirtschaftsraum Südeuropa der Division Fenster- und Türtechnologie leitet, gab anlässlich des Fachpressetags einen Überblick über die Fenstermärkte in Frankreich, Italien und Spanien.

Der Fenstermarkt in Frankreich wurde 2014 auf 10 Mio. Einheiten geschätzt. 56 % Renovierungsanteil, 44 % Neubau.  2017 soll es wieder Wachstum geben. „Wichtigstes Fenstermaterial ist mit 62 % PVC vor Aluminium (23 %) und Holz (15 %).“ Der italienische wie der französische Markt wird stark von Importen aus Polen tangiert, die allein von 2011 bis 2013 um 30 % auf rund 600.000 Einheiten gestiegen sind.

„In Italien hat sich der Neubaumarkt seit 2009 mit prognostizierten 118.000 Häusern für 2014 mehr als halbiert. Der auf rund sechs Mio. Einheiten reduzierte Fensterabsatz teilt sich im Verhältnis zwei Drittel zu ein Drittel auf Renovierung und Neubau auf.“ Letzterer soll sich ab 2016 wieder beleben. Im Materialsektor liegt Holz mit 43 % vor Aluminium (35 %) und PVC (22 %). „Die polnische Konkurrenz macht den italienischen Fensterherstellern zu schaffen, kletterten die entsprechenden Importe doch in nur zwei Jahren um etwa 50 % auf fast 460.000 Stück“, berichtete Gimeno.

Die Situation in Spanien charakterisierte Gimeno mit dem Begriff „Neubaukollaps“. Dieses Segment brach seit 2009 um 85 % ein. Auch die Fensterverkäufe sanken erheblich von 7,9 Mio. (2010) auf 3,7 Mio. Einheiten. Erst 2017 soll es hier den Prognosen zufolge wieder aufwärts gehen. Unter den Materialien dominiert Aluminium (57 %) eindeutig vor PVC (35 %) und Holz (8 %).

Marktoffensive Sicherheitstechnik

Für Udo Pauly wird Deutschland inzwischen zu Recht als „Paradies für Einbrecher“ bezeichnet. Nach Information des Marketingleiters ist die Zahl der Delikte seit 2008 kontinuierlich gestiegen und 2013 auf rund 150.000 geklettert. Hinzu kommt die extrem niedrige Aufklärungsquote von zuletzt 15,5 %. Die Polizei kann also nur jeden sechsten Diebstahl als „gelöst“ melden.

Neben dem materiellen Schaden, den die deutsche Versicherungswirtschaft für 2013 auf etwa 480 Mio. Euro beziffert, führt die Entwendung von Erbstücken, Andenken usw. oft zu unersetzbaren Verlusten. Genauso wichtig sind die langfristigen psychischen Belastungen der Opfer. All das bietet laut Pauly den Profis im Baugeschäft eine „exzellente Steilvorlage“, um Kompetenz zu dokumentieren, Kunden zu begeistern, Nachfrage zu generieren und Mehrwert zu verkaufen. Pauly gab beim Fachpressetag den Startschuss für eine vernetzte Einbruchschutz-Kampagne. Konkret: Bei Fassadenfenstern basiert „Roto Quadro Safe“ produktseitig auf Komponenten des universellen Drehkipp-Beschlagsortimentes „Roto NT“. Das für eine effiziente „Ganovenabwehr“ sorgende Quartett besteht aus abschließbaren Fenstergriffen, Anbohrschutz, Pilzkopf-Sicherheitsschließzapfen und Sicherheitsschließstücken.

Zentrales Ankermedium für alle Beteiligten ist die Microsite www.quadro-safe.com. Das Portal informiert über „Roto Quadro Safe“ und enthält Downloads sowie Links zu den Fenster- und Türenherstellern, die sich auf der Website kostenfrei registrieren können. Aktionspakete sollen Verarbeiter das Engagement am Point of Sale erleichtern. Diese umfassen u.a. eine Informationsbroschüre für Endverbraucher, Aufkleber für Ausstellungs- und Verkaufsräume sowie ein Programm für PR.  Mit einer bundesweiten PR-Kampagne sollen ab Februar 2015 ca. 25 Mio. Endverbraucher angesprochen und informiert werden.⇥ma ◊