Der „Rentenstern“ im neuen Glanz

Winkhaus aluPilot – ein Beschlag geht in Serie

Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) Westfalen hat bei der Modernisierung ihrer Hauptverwaltung in Münster auf Innovation gesetzt. Bis 2019 werden in dem Gebäude sukzessive fast 2.100 Fenster ausgetauscht. Für den Fensterbeschlag Winkhaus aluPilot wird das Bauvorhaben zur Premiere. Das System, das mit verkürzten Anschlagzeiten und einfachem Handling von sich reden macht, erfüllte die Erwartungen und ging in Serie.


In dem 30.128 Quadratmeter großen Komplex, der wegen seines sternförmigen Grundrisses liebevoll „Rentenstern“ genannt wird, arbeiten 900 Menschen. Das 1973 erbaute Gebäude ist inzwischen in die Jahre gekommen. Umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen sind notwendig. Neue Fenster stehen ganz oben auf der Dringlichkeitsliste, denn die Fassade des Kerngebäudes soll energetisch ertüchtigt werden. Da das Gebäude mit seiner gelungenen Architektur in der Stadt das einzige Objekt seiner Art aus dieser Bauzeit ist, hat sich die DRV entschieden, die prägenden Stilelemente der Fassade zu belassen und sie nicht durch eine moderne Glasfassade zu ersetzen.

Insgesamt zählt der Kernbereich des Baus rund 2.100 Fenster. Diese werden in zwölf Bauabschnitten während der nächsten vier Jahre gegen neue ersetzt. Die Sanierung ist ein äußerst komplexes Projekt und muss „perfekt durchorganisiert werden, da sie natürlich im laufendem Betrieb stattfindet“, berichtet Architekt Oliver Boelker, Leiter des Baureferats der DRV, „allein die Planungen nahmen zwei Jahre in Anspruch“.

Erfahrene Fensterspezialisten

Um den Auftrag zur Lieferung und Montage der Fenster, der europaweit ausgeschrieben wurde, bewarb sich auch Metallbau Lansing (siehe Interview Seite 14) aus dem rund 60 Kilometer entfernt liegenden Vreden. Mit Erfolg. Das Familienunternehmen, dessen Tradition bis ins Jahr 1873 zurückreicht, fertigt und montiert Fenster, Fassaden, Brandschutzelemente, Türen und vieles mehr. Für die Aluminiumfenster verarbeitet der Betrieb das System von TKI. In den 1960er-Jahren als Zusammenschluss hessischer Metallbaubetriebe gegründet, beliefert das Systemhaus seit 2013 Unternehmen deutschlandweit. Mit dem Neuauftrag in der Tasche hielten Thomas Lansing, geschäftsführender Gesellschafter bei Lansing, und Thomas Fattler, Leiter Systementwicklung bei TKI, Ausschau nach dem passenden Beschlag für die bestellten Alufenster. Angesichts der großen Stückzahl standen neben einer hohen Materialqualität auch die Rationalisierung der Produktions- und Montageabläufe im Vordergrund.

Optimale Lösung bei Winkhaus

Die beiden Techniker wurden auf der Messe fensterbau/frontale im März 2016 fündig. Wie erhofft, passte das kurz zuvor von Winkhaus angekündigte Beschlagssystem aluPilot genau ins Anforderungsprofil. Beide besuchten den Stand in Halle 4, um es sich genauer anzusehen: Das speziell für Fenster aus Aluminium entwickelte Dreh- und Dreh-Kipp-Beschlagssystem optimiert die Fensterfertigung und ist für viele Fensterformen geeignet. Zur Auswahl stehen der aufliegende Beschlag aluPilot Concept und der vollverdecktliegende Beschlag aluPilot Topstar. Mit aluPilot Concept können Flügelgewichte bis 130 Kilogramm, bei aluPilot Topstar Flügelgewichte bis 180 Kilogramm realisiert werden. Beide wurden für die Aluminium Euronut konzipiert und erfüllten damit auch diese Vorgabe der Ausschreibung der DRV.

Nach dem erfolgreichen Messebesuch empfahlen Lansing und TKI dem Bauherren das Beschlagssystem aluPilot Concept. Dessen Facility Management prüfte eingehend ein Musterfenster und war ebenfalls überzeugt: Das System ist stabil, hochwertig verarbeitet und leichtgängig. Darüber hinaus lassen sich einzelne Beschlagsteile – wenn nötig – leicht austauschen. Das erledigt im Bedarfsfall der technische Dienst der Deutschen Rentenversicherung Westfalen selbst.

Das Beschlagssystem

Nachdem der Bauherr „grünes Licht“ gab, konnte die Produktion in Vreden starten. Der Beschlag hielt, was er versprach: aluPilot verkürzt die Montagezeit beim Fensterbau erheblich, unter anderem aufgrund des geringen Bauteilumfangs. Die Beschläge werden direkt von außen frontal mithilfe eines handlichen Montagehebels in die Beschlagnut eingesetzt. Zur Befestigung der Beschlagsteile wird lediglich ein Torx TX-25 verwendet und justiert wird einheitlich mit einem 4mm-Inbusschlüssel.

Ein Freistanzen der Flügelbeschlagsnut erübrigt sich bei aluPilot. Das reduziert zusätzlich die Bearbeitungszeit. Bei aluPilot entfallen zudem ganze Arbeitsschritte wie etwa das Messen, Ablängen und Stanzen von Schubstangen, da Treibstangen in sieben Fixlängen (118 bis 488 mm) verwendet werden. Insgesamt reduziert dieses Konzept die Anschlagszeit eines Fensters um rund zehn Minuten.

Neben der geringen Anzahl einzelner Beschlagsteile trägt auch das Verpackungskonzept zur Vereinfachung der Lagerhaltung bei. Zur Verfügung stehen Grundkartons mit den größenunabhängigen Bauteilen jeweils einer Beschlagsgarnitur oder alternativ auch umfangreiche Verpackungseinheiten für große Projekte. So reduziert sich der Aufwand beim Handling der einzelnen Beschlagsteile, die Bauteile sind beim Transport optimal geschützt und es bleibt weniger Abfall übrig.

Kurze Wege erleichtern Zusammenarbeit

Die Fenster des Rentensterns erhalten eine reinweiße (RAL 9010) Oberfläche. Wie häufig in Bürobauten, erlauben sie die Schaltfolge Kipp-vor-Dreh. Ein Drehbegrenzer mit Endanschlag verleiht dem Fenster zusätzliche Stabilität und verhindert, dass es sich zu weit öffnet.

Mitte Juni 2016 startete der Einbau der ersten 260 Elemente und aluPilot erwies sich als die richtige Wahl. Das Einhängen der Flügel gelang wesentlich leichter als mit bisherigen Beschlagsystemen. Denn Winkhaus bietet einen Eck-Kantenschutz für Aluminiumflügel an. Dieser kann über den Überschlag des Fensterflügels geschoben werden. Auf diese Weise werden die Kanten des Flügelprofils beim Einhängen in den Blendrahmen geschont. Handliche Flügelformate können unverglast sowohl liegend als auch stehend von nur einem Mitarbeiter in den Blendrahmen eingehängt werden.

Der zweite Bauabschnitt ist für Herbst 2017 vorgesehen. Der Weg zur Baustelle für die Monteure von Lansing ist vergleichsweise kurz. Von Vreden sind es rund 60 Kilometer bis Münster. Ein Vorteil, den auch der Bauherr zu schätzen weiß, der trotz europaweiter Ausschreibung lieber regionale Lieferanten beauftragt.

Regionale Kooperationen

Die Kooperation läuft bei diesem Pilotprojekt partnerschaftlich. TKI, Lansing, die Rentenversicherung und das im Münsterland beheimatete Unternehmen Winkhaus verstehen sich als Team. Bei Fragen ist schnell jemand vor Ort – vom Fensterbauer ebenso wie vom Beschlagshersteller. Die Abstimmungswege sind kurz, die Hierarchien flach. Alle profitieren davon: Der Bauherr erhält langlebige Fenster, die exakt seinen Wünschen entsprechen. Lansing kann mit aluPilot in kurzer Zeit eine höhere Anzahl von Fensterelementen fertigen und lastet die Produktion optimal aus. TKI hat in Winkhaus den passenden Partner für eine nachhaltige Kooperation gefunden. Seit 2017 wird aluPilot als Standardsystem produziert. ⇥red ◊