DIN 18008 - was meinen Metallbauer

Die Einführung der DIN 18008 schlug in Deutschland hohe Wellen. Auch in metallbau wurden zahlreiche Artikel zu dem Thema veröffentlicht: Es ging um rechtliche Maßgaben, um die betroffenen Produkte, die technische Umsetzung und welchen Standpunkt Verantwortliche des Normungsausschusses zur Einführung dieser DIN-Norm haben. Unter den Stichpunkten, die im Infokasten angegeben sind, lassen sich im Online-Archiv diese Beiträge recherchieren. Da noch immer Stimmen laut werden, die sowohl die Einführung sehr kritisch betrachten als auch Ängste schürten, es könnten die neuen Regelungen ignoriert werden, ist es Zeit, Metallbauer selbst zu befragen. Frederic Lafontaine aus dem Saarland und Bernd Dörnhöfer aus Bayern haben von ihren Erfahrungen mit der DIN 18008 berichtet.

Sinn und die Praxistauglichkeit der Norm

Der in der Bauwirtschaft diplomierte Ingenieur Frederic Lafontaine leitet sowohl die Geschäfte als auch die Technik bei Metakon im saarländischen Saarwellingen. Das Metallbauunternehmen ist auf anspruchsvolle Fassadenkonstruktionen, Fenster und Türen aus Aluminium spezialisiert. Über 50 Mitarbeiter engagieren sich für das inhabergeführte Familienunternehmen, das seit 1988 besteht. Das Saarland hat zwar die neue Norm als Erstes eingeführt, aber entscheidend ist, wo die jeweilige Baustelle liegt. Seit der Einführung der Norm hatte Metakon- Metallbau Baustellen im gesamten süddeutschen Raum – im Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Lafontaine kennt also den Umgang mit der Norm inzwischen sehr gut. Sein Blick richtet sich allem voran auf die Praxistauglichkeit. Prizipiell kommen er und sein Betrieb mit der neuen Norm klar. Aber es gibt ein paar Herausforderungen: „Die Norm hat durch zusätzliche Lastfälle, wie zum Beispiel Klimalasten und ein höheres sogenanntes Schutzziel zu teilweise sehr aufwändigen Scheibenaufbauten geführt. Angesichts der Tatsache, dass es in der Vergangenheit nicht zu gehäuften Glasbrüchen aufgrund statischen Versagens gekommen ist, sehe ich dies eher kritisch. Auf der einen Seite wird durch die ‚u-Wert-Rallye’ (immer höhere Anforderungen der EnEV) versucht, Energie zu sparen, auf der anderen Seite spielt dies keine Rolle und es werden ohne Not dickere Scheiben gefordert, die energieintensiver hergestellt werden müssen. Kleineren Handwerksbetrieben, die keine eigene technische Abteilung haben, wird durch immer neue Normen mit hohen Berechnungs- und Dokumentationspflichten das Leben unnötig schwer gemacht. Dies wird, wenn es so weitergeht, zu einer Industrialisierung des Handwerks führen und zum Aussterben der kleinen Handwerksbetriebe – was aus meiner Sicht nicht wünschenswert ist! Von den Monteuren, die auf der Baustelle immer schwerere Lasten bewältigen müssen, will ich gar nicht reden. Aber auch das ist ein Problem! Alles in allem erscheint mir der Normungsprozess in diesem speziellen Fall eher praxisfern und wie eine akademische Insel.“

Konsequenzen bei der Einführung

Ebenfalls viel Erfahrung im Stahl- und Metallbau hat Bernd Dörnhöfer, unter anderem Inhaber und Geschäftsführer von Dörnhöfer Stahl-Metallbau in Kulmbach – ein Unternehmen, das seit über 115 Jahren besteht. Unabhängig von der Art des Auftrags wickelt Dörnhöfer Aufträge ganzheitlich ab. Das heißt, es beginnt mit der persönlichen Beratung und mündet in Lösungen, die aus einer Hand kommen – von der Planung bis zur Montage. In Bayern greift die Norm seit Anfang 2015. Bernd Dörnhöfer berichtet, wie sein Unternehmen bei der Einführung mit der DIN 18008 umgegangen ist. „In der Regel muss bei den Architekten und Bauherrn diese Norm erst greifen. Daher haben wir zum Teil noch übergangsweise die TRAV angewendet. Gleichzeitig haben wir uns aber schnell auf die neuen Regeln eingestellt. Zunächst haben wir alle notwendigen Informationen an unsere Mitarbeiter weitergeleitet. Dies erfolgte in Form von Info-Blättern der Glasindustrie und Fachartikeln in entsprechenden Zeitschriften. Da wir aber für die Verwendung und Bemessung von Glas sehr häufig Ingenieurbüros für die Bemessung beauftragen, erfolgt meist von diesen Büros eine entsprechende Fachinformation. Natürlich mussten wir auch eine neue Bemessungssoftware für die Erst- und Grobbemessung von Gläsern kaufen.“

Metakon war mit denselben Konsequenzen konfrontiert. Lafontaine pflegte daher auch einen vergleichbaren Umgang mit der Einführung in seinem Unternehmen wie Dörnhöfer. „Betroffen war insbesondere die technische Abteilung. Es wurde eine entsprechende Software angeschafft und die Mitarbeiter in Bezug auf die Norm und die Nutzung der Software intern geschult. Ansonsten waren natürlich besonders die Statiker, mit denen wir zusammenarbeiten, betroffen.“

Umgang mit der DIN 18008

Die eingangs erwähnten kritischen Stimmen aus der Branche zur Einführung der DIN 18008 tragen sowohl Lafontaine als auch Dörnhöfer mit Fassung. Viel Lärm um nichts? Lafontaine spannt den Fächer auf: „Unsere Auftraggeber und deren Architekten arbeiten meist sehr professionell, die neue Norm ist Teil der meisten Ausschreibungen. Auch unsere Zulieferer im Bereich Glas sind alle gut informiert. Man hört jedoch, dass die Norm bei kleinen Betrieben und kleineren Bauvorhaben häufig nicht beachtet wird. Aus meiner Sicht wären für Standardverglasung, also zum Beispiel für normal verglaste Gebäude ohne architektonische Highlights bis ca. drei bis vier Stockwerke und Scheibengrößen bis ca. 2,5 x 2,5 m Faustregeln nötig, die keiner speziellen Berechnung bedürfen.“ Auch Dörnhöfer kennt die kritischen Stimmen, setzt aber auf Aufklärung: „Wie üblich hinken bei Einführung von neuen Normen generell die ausschreibenden Stellen etwas hinterher mit den neuen Begriffen und Vorschriften, was teilweise zu Irritationen führt und eine Aufklärung im Vorfeld notwendig macht. Die Frage, was nötig wäre, um das Arbeiten mit der DIN 18008 für alle gleichzusetzen, stellt sich mir nicht, da mit der Einführung der neuen Norm diese für alle verbindlich ist. Sie bildet eine Rechtsgrundlage und wer diese nicht anwendet und einführt, macht sich im Grunde genommen straffällig. Eine Norm ist wie ein eingeführtes Gesetz zu werten! Und da gilt: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht!“

Fazit

Die Glasbemessung wurde durch die Einführung der DIN 18008 komplizierter. Denn nach der neuen Norm müssen nun deutlich mehr Lastfälle untersucht werden als nach den früheren Technischen Regeln. Aber durch die Entwicklung am Markt, beispielsweise die Nachfrage nach Dreifach-Isolierglas, waren Berechnungen schon vor Einführung der neuen Norm kompliziert und nicht mehr per Hand zu bewältigen. Autor: Dipl.-Ing. Melanie Seifert



-> DIN 18008 - der BF stellt klar

Info & Kontakte

Frederic Lafontaine Leiter Technik

Metakon-Metallbau GmbH

Rudolf-Diesel-Straße 1

66793 Saarwellingen

Tel. +49 68 38 8 64 78 14

www.metakon-gmbh.de




Dörnhöfer Stahl-Metallbau GmbH&Co KG

Dörnhöfer Maschinenbautechnik GmbH&Co.KG

Am Kreuzstein 15

95326 Kulmbach

Tel. +49 92 21 60 08 0

www.doernhoefer.de