Die Zukunft der Sägetechnik

Sägen für additive Bauteile

Kasto-Metallsägen gehören in vielen Werkstätten zum Inventar – auf seiner Hausmesse zeigt der badische Maschinenbauer nun die neuesten Entwicklungen seiner Sägentechnologie.

Der badische Maschinenbauer Kasto zählt zu den Unternehmen, die in vielen Metallwerkstätten vertreten sind. Kasto ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei Metallsägen. Mehr als 140.000 Stück hat das 1844 gegründete Unternehmen davon bereits verkauft. Daneben entwickelt, produziert und verkauft Kasto auch Lagersysteme, die zu großen Teilen vollautomatisch funktionieren. So hat das Unternehmen eine eigene Softwareabteilung, in der es eigene Anwendungen wie Apps oder webbasierte Programme entwickelt und programmiert, die den metallverarbeitenden Unternehmen die Arbeit erleichtern. Auf den Future Days, der mehrtägigen Hausmesse, wurden jetzt am Firmensitz in Achern bei Karlsruhe die neusten Entwicklungen des Unternehmens gezeigt. Daneben gab es auch einen Blick auf die wirtschaftliche Lage von Kasto.

Geschäftslage

So hat Kasto seinen Umsatz im vergangenen Jahr um fast ein Viertel gesteigert. Das Volumen steigt um 22,6 Prozent auf 112,8 Millionen Euro. Diese Zahl nannte Firmenchef Armin Stolzer. Dieses Jahr geht er aufgrund der guten Auftragslage von einem neuen Höchstwert aus. So rechnet Stolzer damit, dass der Umsatz auf mehr als 120 Millionen Euro ansteigen werde. 2017 habe man Aufträge in Höhe von 127 Millionen Euro verbucht. Ursächlich für den deutlichen Umsatzsprung sei vor allem das gute Projektgeschäft gewesen, sagt Stephanie Riegel-Stolzer.
Kasto ist 174 Jahre alt und wird heute in fünfter und sechster Generation geführt. Bereits seit 2012 gehört das Unternehmen komplett der Familie Stolzer. Armin Stolzer, seine Frau Ruth sowie deren beide Töchter und sogar die beiden Schwiegersöhne sind operativ im Unternehmen tätig.

Von den 700 Mitarbeitern sind gut 550 am Stammsitz in Achern-Gamshurst tätig. Daneben gibt es noch ein zweites Werk in Thüringen sowie sechs internationale Niederlassungen. Erst vor Kurzem hatte Kasto eine weitere Auslandsgesellschaft im chinesischen Taicang eröffnet.

Neue Sägen-Serie

Highlight unter den Neuheiten bei Kasto ist die neue Sägen-Familie Miwin. Damit hält eine Doppelgehrungsbandsäge für Abläng- und Gehrungsschnitte zwischen -45 und +60 Grad Einzug in das Programm des Acherner Unternehmens. Vorerst als halbautomatische Miwin U 4.6 und als automatische A 4.6-Variante verfügbar, ist sie insbesondere für Zuschnitte im Stahlbau, Stahlhandel, Anlagenbau sowie im Sondermaschinenbau konzipiert.
Die neue Säge besticht durch einen elektrischen Sägevorschubantrieb mittels Kugelrollspindel. Bei der A-Variante sorgt zudem ein Zahnstangenantrieb für den Materialvorschub. Der Einfachhub des Materialvorschubs beträgt bei der A-Variante 3.000 Millimeter. Der Spannbereich beträgt je nach Materialprofil bis zu 460 Millimeter. Die kleinste zu sägende Abmessung liegt bei zehn mal zehn Millimeter. Im Einzelschnitt lässt die Miwin ein Reststück von 30 Millimetern übrig. Im Automatikbetrieb erhöht sich die Reststücklänge auf 200 Millimeter bei 90°-Schnitten. Die Schnittgeschwindigkeit kann der Anwender von zwölf bis 150 Meter pro Minute stufenlos einstellen. Die Acherner Entwickler haben die Säge so konstruiert, dass kein Verschleiß durch Einsägen in den Materialauflagetisch auftreten kann. Dennoch liegen die Abschnitte direkt hinter dem Sägeband auf. Die Materialauflagehöhe beträgt 700 Millimeter.

Von manuell bis vollautomatisch

Mit den Schwenkrahmen-Bandsägen der Baureihe Micut hat Kasto eine vielseitige Lösung speziell für den Einsatz in Werkstätten am Markt etabliert. Anwender können je nach Bedarf zwischen manuell bedienten, halb- und vollautomatischen Varianten auswählen – und neuerdings auch zwischen verschiedenen Schnittbereichen. Dafür ergänzt Kasto die Reihe um drei weitere Modelle. Die E 4.6 sägt Rundmaterial bis 335 Millimeter Durchmesser und Flachmaterial mit Abmessungen bis zu 460 x 335 Millimeter. Sie ist speziell für einseitige Gehrungswinkel konzipiert und für Schnitte von null bis +60 Grad geeignet. Die Säge besitzt einen hydraulisch gesteuerten Vorschub, die Band- und Materialspannung erfolgen mechanisch. Die Schnittgeschwindigkeit lässt sich zwischen 20 und 110 Meter pro Minute stufenlos einstellen. Mit der U 4.6 können Anwender sogar bis zu 520 Millimeter breites Flachmaterial bearbeiten. Bei dieser Säge erfolgt auch die Materialspannung über einen hydraulischen Horizontalspannstock. Die stufenlos einstellbare Schnittgeschwindigkeit liegt zwischen zwölf und 150 Meter pro Minute. Für Nutzer, die hauptsächlich kleinere Werkstücke sägen, hat Kasto die Micut-Baureihe um die kompakte P 1.8 erweitert. Diese besitzt einen Schnittbereich von bis zu 180 Millimetern und ist ebenfalls für Gerad- und Gehrungsschnitte von null bis +45 geeignet.

Säge für additive Bauteile

Mit der Kasto Win AMC hat das Unternehmen nun auch eine Säge speziell für die additive Fertigung im Programm. Der Hochleistungs-Bandsägeautomat ist speziell für Einzelschnitte additiv hergestellter Bauteile konzipiert. Dank der integrierten 180-Grad-Wendevorrichtung, einer intelligenten serienmäßigen Steuerung und der durchdachten Vollverkleidung der Maschine erreichen Anwender ein Höchstmaß an Produktivität, Effizienz, Präzision und Sicherheit. Die Maschine ist eigens dafür ausgelegt, mit additiven Fertigungsverfahren hergestellte Bauteile aus leicht bis schwer zerspanbaren Werkstoffen von ihrer Grundplatte zu trennen. Die Bandsäge verfügt dafür über eine Wendevorrichtung, mit der sich die Werkstücke um 180 Grad drehen lassen. Die Teile werden damit kopfüber bearbeitet und das Sägeband so wesentlich geringer belastet.

Fernwartung — Industrie 4.0

Ein weiterer Entwicklungsschwerpunkt liegt auf Industrie 4.0. Schon jetzt können die Daten aus den Maschinen gesammelt und ausgewertet werden. Und besonders interessant für den Anwender ist auch das Thema Fernwartung, genannt Visual Assistance. Kasto ermöglicht Fernwartung per Tablet, Smartphone oder Smart Glasses Live-Videos. So können die Bediener direkt mit den Service-Technikern aus Achern kommunizieren und einfache Reparaturen selbst erledigen. Sie erhalten in Echtzeit visuelle Hilfen und Informationen bei Störungen oder Instandhaltungsarbeiten.  Stillstandzeiten lassen sich damit auf ein Minimum reduzieren, was sich positiv auf die Kostenbilanz auswirkt.
Kasto stattet Sägemaschinen und Lagersysteme bereits seit Längerem mit der Möglichkeit der Fernwartung aus. Auch Gebrauchtmaschinen (Retrofit) können nachträglich mit den Fernwartungstools aufgerüstet werden. Die Servicetechniker können sich optional online auf die Anlagen schalten und Störungen beheben oder Prozesse optimieren. Ein zeitintensiver Besuch vor Ort ist damit in vielen Fällen nicht mehr nötig.
Die Kasto-Techniker haben über die App auch die Möglichkeit, visuelle Hilfestellung zu leisten und zum Beispiel Markierungen im Live-Video einzublenden.

Während der Kunde vor Ort die Wartung oder Reparatur an der Säge oder dem Lager durchführt, bekommt er alle nötigen Informationen per Augmented Reality direkt in seinem Display angezeigt. Nutzt er die Smart Glasses, hat er die Hände frei – das erleichtert die Reparaturarbeit zusätzlich.

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