Fassade aus Stein und Holz

Auftrag im Paket für Lindner

Die Fassade der neuen Firmenzentrale von DAW SE in Ober-Ramstadt besteht aus einem Aluminium-Pfosten-Riegel-System und aus vorgehängten hinterlüfteten Verkleidungen. Lindner Fassaden aus Arnstorf war mit der Gebäudehülle beauftragt, das Umsatzvolumen betrug ca. 3,2 Millionen Euro. Das Objekt wurde 2017 fertiggestellt.

DAW SE gilt als ein europäischer Marktführer für Baufarben, Lithodecor ist ein Geschäftsbereich des Unternehmens. Mit dem Neubau der Firmenzentrale sollte die bisherige Geschichte aufgegriffen und weitergeschrieben werden. „Wir haben den architektonischen Grundentwurf des Bestandsgebäudes weitergeführt und variiert“, erläutert CEO Dr. Ralf Murjahn. Gesamtverantwortlich für die Planung des Baus waren die Würzburger Architekten Brückner & Brückner.

Das z-förmige Gebäude mit einem sechsgeschossigen Mittelteil und viergeschossigen Flügeln dockt nahtlos an den Bestandsbau an. Der gestalterische Charakter aus den 1960er-Jahren ist erhalten geblieben. Das Farb- und Materialkonzept des Erweiterungsbaus hat das Caparol FarbDesignStudio mit Brückner & Brückner entwickelt. Naturstein, Holz, Glas und Metall bestimmen die Optik, die von verhaltenen Farben wie Beige und Grau dominiert wird.

Die Fassade

Im Rahmen der umfangreichen Bemusterung wurde eine 3,75 x 3,78 Meter große Musterfassade aufgebaut, um dem Bauherren und den Architekten technische und gestalterische Details der Fassade im Maßstab 1:1 zu präsentieren. Alle Elemente wurden schließlich als aufwendige Architekturelemente ausgeführt. Eine Besonderheit der Ausführung lag darin, dass für die Befestigung der Unterkonstruktion der Steinverkleidungen nicht die Dichtebene der Pfosten-Riegel-Fassade durchdrungen werden musste, sondern die komplette werkseitig von Lithodecor vorgefertigte Airtec Stone Fassade durch in die Pfosten eingelassene Schwerter direkt an der Fassadenkonstruktion befestigt wurde. Die aus der Verkleidung resultierenden Lasten wurden über die Fassade abgeleitet. Die spezielle Abmessung der Verkleidungen erforderte eine zusätzliche Aussteifung durch Aluminiumbügel. 

Brandschutzflächen

Zwei Teile der Aluminium-Pfosten-Riegel-Fassade mussten in F90 ausgeführt werden. In diesem brandschutztechnisch geprüften Fassadenbereich dürfen keine Lasten eingebracht werden. „Wir haben die Unterkonstruktion in diesem Bereich als Sonderlösung so ausgebildet, dass die Lasten direkt in den Rohbau eingeleitet wurden“, erklärt Eva Steinbrunner, die bei Lindner das Projekt geleitet hat. Zudem wurden hinter den Holzverkleidungen in mehreren Etagen Brandriegel aus Metall eingebaut. Alle Konstruktionen mit brandschutztechnischen Anforderungen wurden prinzipiell mit dem Brandschutzgutachter abgestimmt.

Naturstein- und Holzverkleidung

Die Gestaltung der Pfosten-Riegel-Fassade aus Stein, Holz und Glas wird geprägt durch die Gliederung der Natursteinbänder. Die horizontal und vertikal geführten Bänder verschränken die Stockwerke z-förmig miteinander – das Z der Gebäudegeometrie wird in der Optik der Fassade gespiegelt. Realisiert wurde die charakteristische Gliederung mit einem gelben gesandeten Muschelkalkstein.

Voraussetzung für die Umsetzung der differenzierten Fassadengestaltung war eine enge Zusammenarbeit der Lithodecor Spezialisten mit Brückner & Brückner Architekten und dem ausführenden Unternehmen Lindner Fassade. So hat beispielsweise Lithodecor die modularen Naturstein-Fassadenelemente nach den Fertigungszeichnungen von Lindner produziert. Dabei ging es vor allem um die Größe der Naturstein Verbundelemente. „Die Befestigungspunkte an den Paneelen wurden von unseren Konstrukteuren und mittels CAD an Lithodecor übergeben. Dies bedeutet zwar einen höheren Planungsaufwand im Vorfeld, ermöglicht aber einen reibungslosen Montageablauf“, so Steinbrunner.

Ausgeführt wurde der Naturstein auf einer Fläche von 1.705 Quadratmetern. Insgesamt verarbeiteten die Handwerker 2.190 Platten und 730 individuell gefertigte Architekturelemente. Die Abwicklung der Regelelemente beträgt 350 x 450 x 350 Millimeter für die U-Formteile, 180 x 1.032 x 475 Millimeter für die U-Formteile der Attika und 350 x 799 Millimeter für L-Formteile an den Gebäudeecken. In der Länge wurden Maße von bis zu 2.800 Millimetern realisiert. Die Paneele für die Holzverkleidung stammen aus der werkseigenen Schreinerei von Lindner und wurden mit Baufarben von DAW beschichtet.

DGNB Gold zertifiziert

Die technischen Gebäudestandards erfüllen höchste Ansprüche an Energieeffizienz und Ökologie. Auch die Gebäudehülle hat einen guten Beitrag dazu geleistet. Lindner unterhält eigens eine Green Building Abteilung, die die Nachhaltigkeit der Produkte prüft, die vorgesehen sind, und im Fall der Fälle nach Alternativen recherchiert. „Beim Vorgehen wird eng mit Bauherren und Architekten kooperiert“, berichtet Steinbrunner.

Das DAW-Gebäude kommt ohne aktive Klimatisierung aus. Sämtliche dreifachverglasten Fenster mit Sonnenschutzbedampfung lassen sich von Hand öffnen; über Wärmepumpen wird Erdwärme genutzt. Darüber hinaus wird eine Bauteilaktivierung eingesetzt, um die Gebäudemasse zur Temperaturregulierung zu nutzen. Auch Kühl-Heiz-Decken kommen zum Einsatz. Die Flachdächer des Gebäudes erhalten eine Begrünung, die Wasser speichert und Kohlendioxid in Sauerstoff umwandelt. Der Primärenergiebedarf liegt rund 20 Prozent unter dem, was die Energieeinsparverordnung fordert. Das qualifiziert den Bau für die Gold-Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB).

Fazit

„Die Chancen für Paketaufträge am Markt sind gut“, sagt Projektleiterin Steinbrunner. Mit der Zuständigkeit für die Gebäudehülle war Lindner beispielsweise auch mit Toren, Schiebetüren, Karusselltüren u.a. beauftragt. Aktuell bietet der Markt lukrative Chancen für Betriebe, die über das Portfolio ihres Kerngeschäftes hinaus Aufgaben übernehmen. „Die Herausforderung liegt bei einem solchen Auftrag vor allem in der technischen Klärung, der Planungskoordination und dem Projektmanagement. Alle Schnittstellen rund um die Gebäudehülle liegen in diesem Fall in der Verantwortung des Metallbauers.“ ⇥ma

Info & Kontakte

Lindner Fassaden GmbH
Georgstraße 2
94424 Arnstorf, Deutschland
Tel. 08723 20 0

www.Lindner-Group.com

Thematisch passende Artikel:

1-2/2016

Fassadensystem für Wintergärten

Das wärmegedämmte Fassadensystem heroal C 50 bewährt sich in der Ausführung als senkrechte oder senkrecht-abknickende Pfosten-Riegel-, Riegel-Riegel- oder Pfosten-Pfosten-Fassade. Die Fassade ist...

mehr
1-2/2017

Hueck

Große Glasflächen wirtschaftlich realisieren

Die Fensterfassade Lambda WS 075 FC verbindet die Vorteile einer stabilen Fensterkonstruktion mit der schlanken Kontur einer Pfosten-Riegel-Fassade. Mit den schmalen Ansichtsbreiten von nur 50 mm...

mehr
10/2015

Modulare Funktionalität

Mit dem passivhauszertifizierten Fassadensystem AA 100 HI von Kawneer ist es den Entwicklern gelungen, die Standardfassade mit 50 mm Ansichtsbreite durch Variation vorhandener Baugruppen bzw. durch...

mehr

iconic skin und Hueck kooperieren

iconic skin, Hersteller des r Glass Sandwich Panels GSP, und der Systemhersteller Hueck haben einen Kooperationsvertrag zur Vermarktung des Glass Sandwich Panels GSP geschlossen. Ziel des Vertrages...

mehr

Gipfelrestaurant Monte Generoso

Architektur in Stahl, Stein und Glas

Der Monte Generoso im südlichen Tessins zählt zu den Klassikern des Alpentourismus. Seit über 125 Jahren fährt eine Zahnradbahn von Capolago am Luganersee die rund neun Kilometer lange Strecke...

mehr