Tagung „Glas im konstruktiven Ingenieurbau 10“

Technik trifft Praxis

Wissenschaftliche Erkenntnisse, aktuelle Normen gemischt mit Praxis-Erfahrungen – ein Erfolgsrezept der Hochschule München, das 270 Fachleute aus der Metall- und Glasbranche nutzten.

Ob Metall- und Stahlbauer, Glashersteller, Ingenieure oder Branchenkenner – auf dem Seminar „Glas im konstruktiven Ingenieurbau 10“, das Mitte März in der Hochschule für angewandte Wissenschaften München stattfand, gab es für jeden Bereich Interessantes. In den Pausen diskutierten Experten und Fragensteller über technische Details und Lösungen, im hochkarätigen Fachprogramm erläuterten Wissenschaftler und Praktiker aktuelle Erkenntnisse, neue Regelungen sowie Normen und zeigten ausgeführte Projekte. Praktisch für Teilnehmer war auch der direkte Kontakt zu Experten aus der Bauingenieurbranche. Die Möglichkeit, Fragen vor Ort zu klären, wurde ausgiebig genutzt.

Die Tagung fand bereits zum zehnten Mal statt. Das Labor für Stahl- und Leichtmetallbau und der Verein der Freunde des Stahlbaus an der Hochschule München e.V. organisieren zu den Themenschwerpunkten Stahlbau und konstruktiver Glasbau jährlich je eine zweitägige Veranstaltung. Im Frühjahr finden seit 1999 an der Hochschule München traditionell die Fachtagungen „Glas im konstruktiven Ingenieurbau“ statt. Vorgesehener Termin für das nächste Seminar ist der 7. und 8. März 2013. Organisator und Gründer des Labors für Stahl- und Leichtmetallbau ist Prof. Dr.-Ing. Ömer Bucak.

Initiator. Er kündigte vor kurzem seinen Ruhestand an. Zahlreiche namhafte Experten nahmen das zum Anlass und berichteten zu Beginn der Veranstaltung über Prof. Dr. Bucaks Einsatz im Bereich Stahl- und Leichtmetallbau und der erfolgreichen Zusammenarbeit – gespickt mit amüsanten Anekdoten. Koryphäe, Ikone, Vorbild für viele, waren nur einige Bezeichnungen, mit denen er beschrieben wurde. Prof. Lothar Schmidt, Dekan der Fakultät Bauingenieurwesen, Hochschule München, versprach in seinem Vortrag: „Prof. Bucak ist eine unserer tragenden Säulen. Wir haben großes Interesse daran, dass das Labor weitergeführt wird. Ich werde alles dafür tun, dass er weiterhin mit dabei ist.“ Der Geehrte bedankte sich sichtlich gerührt bei den zahlreichen Rednern. Als seine Nachfolgerin stellte er Prof. Dr.-Ing. Imke Weich vor, die seine Arbeit gemeinsam mit einer Stiftungsprofessur, die noch nicht besetzt ist, weiterführen soll.

Seminar. Das Fachprogramm eröffnete schließlich Prof. Dr.-Ing Gerald Siebert von der Professur für Baukonstruktion und Bauphysik der Universität der Bundeswehr München. Er informierte die rund 270 Fachbesucher über den „Aktuellen Stand der Normenreihe 18008“ darunter die Baurechtliche Situation und das Bemessungskonzept der bereits veröffentlichten DIN 18008-1 und 2. Außerdem sprach er über den Entwurf der 18008-3,4 und 5. Teil 3 umfasst „Punktförmig gelagerte Verglasungen“, Teil 4 „Zusatzanforderungen an absturzsichernde Verglasungen“ und Teil 5 „Zusatzanforderungen an begehbare Verglasungen“. Die drei Entwürfe erschienen bereits im Oktober 2011. Die darauffolgende Einspruchsfrist bis Ende Februar 2012 wurde genutzt. Voraussichtlich am 20. April 2012 findet eine Einspruchssitzung statt, an der die Norm-Vorschläge noch einmal besprochen werden. Weitere Informationen finden Metallbauer unter www.entwuerfe.din.de

Prof. Siebert berichtete auch über unterschiedliche Richtlinien für geregelte und ungeregelte Bauprodukte und Bauarten. „Bauprodukte dürfen genutzt werden, wenn ihre Verwendbarkeit in dem dafür geforderten Übereinstimmungsnachweis bestätigt ist und sie ein Ü- oder CE-Zeichen tragen“, sagte er. „Bauarten brauchen keinen schriftlichen Übereinstimmungsnachweis durch den Hersteller und tragen kein Ü- oder CE-Kennzeichen.“

Nachweis. Den Weg zur „Allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung“ zeigte Anke Zillmann vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt), Berlin, auf - u.a. am Beispiel für Verbund-Sicherheitsglas. Im DIBt werden deutschlandweit allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen (abZ) für Bauprodukte und Bauarten sowie europäisch technische Zulassungen (ETA) für Bauprodukte und Bausätze erteilt. Außerdem stellen die Mitarbeiter technische Regeln für Bauprodukte und Bauarten in die Bauregellisten A, B und C auf. Die Listen können Interessierte unter www.dibt.de einsehen.Die abZ regelt Bauprodukte, Bauarten sowie deren Verwendbarkeit. Die Zulassung für ein Bauprodukt wird gebraucht, wenn es von den veröffentlichten technischen Regeln in der Bauregelliste A abweicht. „Darunter fallen beispielsweise die Zulassungen für teilvorgespanntes Glas, gebogenes Glas und für Verbund-Sicherheitsglas mit nicht geregelten Zwischenschichten“, erklärte Anke Zillmann. Für eine Bauart sei eine abZ erforderlich wenn es für sie keine Bestimmung gebe, sagte Anke Zillmann weiterhin. „Darunter fallen geklebte Fassaden- und punktförmig gelagerte Konstruktionen mit Senkhaltern sowie absturzsichernde Verglasungen mit Klemmhaltern“, gab die Expertin Beispiele. 

Aktuell. Auf großes Interesse stieß auch der Vortrag „Tragfähigkeit von Dünnschicht-PV-Modulen“ von Prof. Dr.-Ing. Jens Schneider, TU Darmstadt. Er sprach u.a. über Unterschiede im Sicherheitsniveau bei PV-Elementen nach DIN EN 61646 und DIN 18008. Im Vordergrund standen dabei die Berechnung der Tragkraft von typischen Modulaufbauten, der wachsende Einsatz von Modulen, die steigende Anzahl von Schadensfällen und seine Einschätzung der Zukunft.
Wissenschaftliche Erkenntnisse zu „Spannungsoptik – Einsatz für die Qualitätskontrolle von thermisch vorgespannten gebogenen Glasscheiben“ trug anschließend Dr.-Ing. Ruth Kasper vor. An dem Gemeinschaftsprojekt arbeiteten sie, Prof. Dr.-Ing. Markus Feldmann, Prof. Dr.-Ing. Ömer Bucak und Marcus Illgut. Beteiligt waren zudem vier Partner, darunter Glasveredler der Flintermann GmbH & Co. KG, Salzbergen, und Mitarbeiter der ISRA Vision AG, Darmstadt. Ein Ziel der Forschung war es, allgemein die Prozessoptimierung der Qualität von gebogenen Glasscheiben zu erreichen. Die Experten prüften systematisch den Nutzen der Qualitätskontrolle mithilfe von Polfilterbildern. Einen „Leitfaden für thermisch gebogenes Glas im Bauwesen des Bundesverbandes Flachglas“ lieferte anschließend Michael Elstner von der Interpane Glasindustrie AG, Plattling. Diese Leitlinie soll Metallbauern, Architekten und Planern eine Orientierung bei der Verwendung von gebogenem Glas bieten - von der Entwurfsphase bis hin zur Ausführung. Den Leitfaden können sich Interessierte im Internet als PDF herunterladen.

Erfahrung. Höhepunkte des zweiten Seminartages waren Vorträge aus der Praxis. Darunter z.B. der „Erfahrungsbericht zur ESG-H Zertifizierung“ von Alexander Lorenz, Mitarbeiter des Labors für Stahl- und Leichtmetallbau, „Hochfeste Siliconklebstoffe in Struktural Glazing Konstruktionen“ von Frank Boldt, SIKA Deutschland GmbH, Bad Urach, oder „Herausforderungen moderner Fassadenprojekte an einem Beispiel aus den USA“ von Franz Heger und Harald Elbert, Josef Gartner GmbH, Gundelfingen. Im Vortrag „Intelligente Glaskonstruktionen für höchste Transparenz“ zeigten Thomas Baugärtner und Emil Höppel von der Glas Trösch GmbH, Nördlingen, das Beispiel des 2011 fertiggestellten U-Bahnhofes Kaulbachplatz in Nürnberg. 

Hochschule München

FK 02 Bauingenieurwissen / Stahlbau

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Hier finden Sie die nächsten Tagungs-Termine


Neues zur DIN 18008

In folgendem PDF können Sie sich den Vortrag von Prof.Dr.-Ing. Gerald Siebert von der Professur für Baukonstruktion und Bauphysik der Universität der Bundeswehr München ansehen.