„Hightech und Handwerk zugleich“

Nach Einschätzung von Host Villmeter, Geschäftsführer des Fachverbandes Metall Hessen, werden bis Juli 2014 ca. 50 % aller hessischer Metallbaubetriebe nach EN 1090 zertifiziert sein. metallbau hat sich mit ihm über die Arbeit des Landesverbandes unterhalten.

metallbau: Wofür steht die Metallbaubranche in Hessen?

Horst Villmeter: In Hessen sind über 3.000 Metallbaubetriebe in die Handwerksrollen der Kammern eingetragen, unsere Meisterbetriebe verbinden Hightech mit klassischer Handwerkskunst – insbesondere unsere Metallgestalter.

metallbau: In welchen Leistungen unterscheidet sich ihr Fachverband Metall?

Villmeter: Dem Fachverband Metall Hessen kommt zu gute, dass seit 1954 eine verbandseigene Meisterschule besteht. Diese Meisterschule ist natürlich ein Innovations-treiber, da wir neben der Meisterschule diverse andere Kurse und Lehrgänge für unsere Betriebe anbieten. So sind wir unter anderem DVS-Kursstätte, Kompetenzzentrum Befestigungstechnik, Kompetenzzentrum Edelstahlverarbeitung und bieten den Lehrgang „Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten im Metallhandwerk“ an. Wir beraten auch in juristischer und betriebswirtschaftlicher Hinsicht. Eine leistungsfähige Anwaltskanzlei übernimmt komplizierte juristische Fälle an den Gerichten.

metallbau: Was sind aktuell die Themen, die dem Landesverband Metall auf den Nägeln brennen?

Villmeter: Im Zusammenhang mit der Umstellung auf harmonisierte europäische Normen kommen wir nicht umhin, unsere Betriebe massiv bei den geforderten Zertifizierungen (zum Beispiel nach EN 1090) zu unterstützen. Glücklicherweise verfügt der Fachverband Metall Hessen über einen technischen Berater, der vom Zentralverband des Deutschen Handwerks besonders empfohlen wurde. Für die Herstellwerke handwerklich gefertigter Feuerschutzabschlüsse bedeutet dies unter anderem, dass sich im Bereich der Überwachung und Zertifizierung der Produkte ein Paradigmenwechsel ergeben hat. In der Vergangenheit stand die Qualität des Produkts im Mittelpunkt. Heute drängen sich die Regelwerke und Dokumentationen in den Vordergrund.

metallbau: Kommt der Metropole Frankfurt eine besondere Bedeutung für den Metallbau zu?

Villmeter: Frankfurt-Rhein-Main kommt natürlich eine besondere Bedeutung zu. „Mainhattan“, wie Frankfurt durch die Ansicht des Bankenviertels mit seinen sehr schön gestalteten Hochhäusern genannt wird, steht dafür, dass die moderne Architektur durch Glas und Metall bestimmt wird. Aber wir dürfen auch nicht den Regionalbereich Kassel unterschätzen. Kassel hatte in den letzten Jahren höhere konjunkturelle Wachstumswerte als Frankfurt.

metallbau: Auf was sollten Ihrer Ansicht nach die hessischen Betriebe im konstruktiven Metallbau achten?

Villmeter: Die Betriebe sollten darauf achten, dass sämtliche Regelwerke nach europäischer und internationaler Normung eingehalten werden. Weiter müssen die Betriebe ihre Fertigung rationalisieren. Hierzu ist der Einsatz von EDV unerlässlich, in der Fertigung selbst werden immer mehr CNC gesteuerte Maschinen eingesetzt. Ein weiterer Punkt ist, die fachliche Qualifikation der Belegschaft auf hohem Niveau zu halten. Auf die Betriebe kommen Investitionen im Bereich des Know-hows, der Ausstattung und der Weiterbildung der Mitarbeiter zu. Für die Betriebsinhaber wird die Beratung des Kunden noch bedeutungsvoller.

metallbau: Welche Beratungen und Leistungen sind derzeit kostenfrei?

Villmeter: Die Beratungen im Fachverband Metall Hessen in technischer, betriebswirtschaftlicher und juristischer Hinsicht sind prinzipiell kostenfrei. Nicht kostenfrei sind die Vertretungen an Gerichten, soweit sie nicht das Personal des Verbandes leistet. Ebenfalls nicht kostenfrei sind diverse Kurse und Lehrgänge, die von der Metallfachschule Hessen angeboten werden. Insbesondere die Beratung und Begleitung der Unternehmen bei der Zertifizierung nach EN 1090 ist ein Pfund, mit dem der Verband wuchern kann. Gleichermaßen ist es rätselhaft, dass Mitgliedsbetriebe sich diese Leistungen für teures Geld an anderer Stelle einkaufen.

metallbau: Sind die hessischen Betrieben schon nach EN 1090 zertifiziert?

Villmeter: Die „guten“ Mitgliedsbetriebe des Verbandes sind bereits zertifiziert beziehungsweise stehen im Zertifizierungsverfahren. Ca. 3.000 Betriebe sind in Hessen in die Handwerksrolle der Handwerkskammern als Fachbetriebe eingetragen. Davon gehören ca. 1.000 Betriebe auf freiwilliger Basis dem Verband an. Wir können bestenfalls schätzen: Hier laufen die Schätzungen auf ca. 10 % zertifizierte und weitere 10 % die kurz vor Abschluss der Zertifizierung stehen. Weitere 10 % sind mitten im Verfahren. Einige wenige Inhaber haben noch nie etwas davon gehört. Aus diesen geschätzten Annahmen lässt sich vermuten, dass bis zum Juli 2014 wahrscheinlich weniger oder gerade die Hälfte der hessischen Metallbaubetriebe zertifiziert ist. Für uns gibt es also viel zu tun.