„Ich brauche Allrounder“

Das Unternehmen F.R. Hauk Stahl- und Leichtmetallbau sichert die Gebäude deutscher Behörden im Ausland – beispielsweise deutsche Botschaften in Arabischen Krisenstaaten. 25 % seines Umsatzes erwirtschaftet der Berliner Betrieb in diesem Segment. Stefanie Manger hat mit Franz Hauk über die speziellen Anforderungen dieses Bereichs gesprochen und eine Weiterbildung seiner Monteure begleitet (siehe Seite 8).

metallbau: Wie kommt ein Metallbaubetrieb zu Neubau und Sanierung der deutschen Botschaften weltweit — angefangen von China über Afrika bis Südamerika?

Franz Hauk: Unsere Firmengruppe beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit Sicherheitstechnik der höchsten Kategorien. Es begann mit der reinen Durchschusshemmung und erweiterte sich Schritt für Schritt zu Kombinationselementen mit hoher Durchbruchhemmung, Sprengwirkungshemmung, Brandschutz, elektronischer Steuerung und Perimeter-Absicherung. Anfangs waren wir nur in Deutschland tätig. Dann ergab es sich fast zwangsläufig, dass wir auch für weltweite Einsätze angesprochen wurden.

metallbau: Bei wie vielen deutschen Behörden im Ausland sind Sie inzwischen zum Zug gekommen?

Hauk: Wenn Sie die Konsulate, Residenzen, Goethe-Institute oder deutsche Schulen mitrechnen, haben wir im Ausland über 200 Standorte abgesichert.

metallbau: Wie viel Prozent Ihres Umsatzes erwirtschaften Sie mit Aufträgen im Ausland?

Hauk: Der Auslandsanteil beträgt etwa 20 – 25 % unseres Umsatzes.

metallbau: Was gilt es organisatorisch, logistisch und menschlich zu beachten, wenn ein Großteil der Aufträge im Ausland ausgeführt wird?

Hauk: Die Auslandsaufträge beinhalten einen sehr hohen Anteil an sogenannten durchlaufenden Posten ohne eigene Wertschöpfung. Ich denke da an Speditions-, Flug- und Hotelkosten. Darüber hinaus muss halt alles bis zur letzten Schraube und Dichtung zum Zeitpunkt des Versandes bereitliegen. Alle Nachlieferungen bedeuten immense Zusatzkosten und Verwaltungsaufwand bis hin zur Zollabfertigung im Zielland. Außerordentliche Sorgfalt und Zuverlässigkeit und viel Erfahrung sind hier besonders erforderlich.

metallbau: Für welchen zusätzlichen Aufwand sorgen die Botschaften mit ihren Vorgaben?

Hauk: Inzwischen umfasst ein Metallbauauftrag im Ausland die ausgefallensten Arbeiten. Von der Möblierung bis hin zum Trockenbau oder Fliesen- und Elektroarbeiten war schon alles dabei. Dies alles bindet sehr viel Zeit für die Planung und Organisation und bedeutet eine ständige Herausforderung für unsere Auslandsmonteure.

metallbau: Wie lange sind Ihre Metallbauer im Ausland?

Hauk: Der längste Aufenthalt war im Nahen Osten mit fast zwei Jahren. Nach drei Monaten war jedoch grundsätzlich ein Heimaturlaub angesagt.

metallbau: Was war die bislang spannendste Aufgabe, die Ihre Firma im Rahmen dieser Auslandsaufträge zu erledigen hatte?

Hauk: Eine besonders spannende Situation erlebten wir, als das Containerschiff mit einer Sendung nach Ostafrika im Mittelmeer auf ein Riff lief und wegen eines Wassereinbruchs SOS funkte. Zwar wurde das Schiff nach Messina geschleppt, aber plötzlich gehörten nach Seerecht ein Großteil des Schiffes und unsere Ladung dem Bergungsunternehmen, das erst einmal alles an „die Kette“ gelegt hatte. Es dauerte Monate bis wir über die Ladung wieder verfügen konnten. Auch die Tätigkeit in Kriegs-, Krisen- oder Epidemiegebieten fordert zusätzliche logistische Vorbereitungen und Schutzmaßnahmen. Hier gilt für uns selbstverständlich das Gebot der Freiwilligkeit.

metallbau: Was muss ein Metallbauer mitbringen, damit er in diesem speziellen Auftragsbereich tätig werden kann? Mit welchen Maßnahmen, Weiterbildungen… bereiten Sie die Auslandsmonteure vor?

Hauk: Ein Auslandsmonteur braucht jahrelange Erfahrung als Obermonteur. Er sollte zumindest gut Englisch sprechen. Unsere Auslandsmonteure werden ständig weitergebildet, speziell auf den Gebieten der Elektro- und Elektroniktechnik. Es sollte eigentlich ein handwerklicher „Allrounder“ sein, der sich in schwierigen Situationen zu helfen weiß.

metallbau: Werden im Ausland vor Ort andere Unternehmen für Sie als Subunternehmen tätig?

Hauk: Subunternehmer aus Deutschland passen wegen der hohen Logistikkosten nicht in das Kalkulationssystem. Örtliche Firmen erfüllen in der Regel nicht das geforderte hohe Niveau. Deutsche Qualität und deutsche Normen sind Vertragsbestandteil.

metallbau: Ihre Leute arbeiten im Ausland mehr oder weniger notgedrungen gewerkeübergreifend – wie macht man einen Metallbauer zum Allrounder?

Hauk: Einen „Allrounder“ kann man sich nicht backen. Das muss er schon selbst mitbringen. Spezielle Fertigkeiten werden jedoch im Vorfeld bei Spezialfirmen trainiert.

metallbau: Wie hat sich der Markt Sicherheitstechnik in den vergangenen drei Jahren verändert?

Hauk: Die Forderung nach Sicherheitstechnik ist in den unteren Schutzklassen der Einbruchhemmung immer häufiger geworden. Tür- und Fensterabsicherungen im Wohnbereich sollten zum Standard werden. Im Hochsicherheitsbereich ist der Trend zu Multifunktionselementen unverkennbar. Dieser Marktsektor ist jedoch nicht zuletzt wegen der bereits flächendeckend erfolgten Absicherung gefährdeter Gebäude und Personen eher rückläufig.

metallbau: Sie bieten ja Fenster, Türen und Fassaden mit enorm hohen Sicherheitsstandards an. Was sind die höchsten Sicherheitsklassen mit welcher Einbruchhemmung, die Hauk Metallbau fertigt und einbaut?

Hauk: Wir decken folgende Höchstanforderungen ab: Durchbruchhemmung RC5, Durchschusshemmung FB7 und Sprengwirkungshemmung EXR 5. Selbstverständlich sind alle unsere Elemente in amtlichen Prüfinstituten getestet.