Im Gespräch mit Lothar Zeglinski

Bei der jüngsten Tagung des Fachverbandes Türautomation (FTA) in Kassel (siehe metallbau 11/S. 36) diskutierten Vertreter der Hersteller mit den Verarbeitern über die künftige Zusammenarbeit im Fachverband. Dabei vertrat Metallbauunternehmer Lothar Zeglinski auf dem Podium die Interessen der Verarbeiter. metallbau hat mit ihm über die Situation in diesem Markt­segment gesprochen.

metallbau: Inwiefern hat die Harmonisierung der Normen und die Einführung der Bauproduktenverordnung die Rolle der Verarbeiter verändert?

Lothar Zeglinski: Meiner Meinung nach hat sich die Situation für die Verarbeiter dramatisch verändert. Die Normenlage macht uns zum Hersteller von kraftbetätigten Türen, Toren und Fenstern. Konkret sind wir dadurch stärker in die Haftung miteinbezogen. Ein kleines Unternehmen ist kaum in der Lage, den Anforderungen korrekt nachzukommen. Die Dokumentationspflicht ist so anspruchsvoll, dass ein Unternehmen eigentlich nach ISO zertifiziert sein müsste, um alle Prozesse durchführen zu können. Es muss eine Leistungserklärung erstellt werden, zu der ein kleines Unternehmen nur mit einem sehr hohen Aufwand in der Lage ist.

metallbau: Inwiefern ist die Verantwortung von Hersteller und Verarbeiter unterschiedlich?

Zeglinski: Auch der Hersteller hat in Zukunft einen höheren Aufwand, um alle Anforderungen an die Materialien und die Nachweise seiner Produkte (Einzelnachweise aller Teilkomponenten) zu erbringen. Er hat die Pflicht, diese Dokumentationen seinen Produkten beizulegen. Meiner Ansicht nach ist es aber für den Verarbeiter viel schwieriger,  die geforderte Dokumentation zu leisten: Damit meine ich beispielsweise statische Nachweise, dass die Decken, Wände, Konstruktionen (Stahl, Alu) auch das Produkt tragen können. Hierzu benötigt er Angaben vom Architekten oder Bauherren, die meist auch nicht über diese Nachweise verfügen. Was soll er in diesem Fall machen?

metallbau: Welche Interessen der Verarbeiter werden vom FTA noch zu wenig vertreten?

Zeglinski: Die Verarbeiter haben zurzeit nur die Möglichkeit an den Sitzungen und Arbeitskreisen des FTA teilzunehmen, ohne konkrete Einflussnahme. Ich gehe aber davon aus, dass die Hersteller auch daran interessiert sind, mit uns gut zu kooperieren. Gegen oder ohne die Verarbeiter wird es für die Hersteller in Zukunft auch nicht gehe≠n – nur gemeinsam können wir die Herausforderungen meistern.

metallbau: Was sind die widersprüchlichen Interessen zwischen Produzenten und Verarbeitern?

Zeglinski: Die wird es immer geben, der Hersteller möchte seine Produkte zu den bestmöglichen Preisen verkaufen, die Verarbeiter zu den günstigsten einkaufen. Dazwischen bewegen wir uns, wobei die Qualität und nicht der Preis in den nächsten Jahren das Ziel sein muss.

metallbau: Unter den Verarbeitern findet man vielfach Serviceunternehmen von Geze, G-U usw. Warum lassen sich Metallbaubetriebe diesen Markt aus der Hand nehmen?

Zeglinski: Angesichts der aktuellen Vorgaben für kraftbetätigte Türen, Fenster und Tore ist es für ein Metallbauunternehmen sehr aufwändig, eine Abteilung für die Montage, Inbetriebnahme und den Service zu unterhalten oder aufzubauen. Es geht um sehr viel Fachwissen der Mitarbeiter, eine hohe Lagerhaltung von Ersatzteilen und schließlich muss der Betrieb auch einen Notdienst vorhalten. Die Metallbauer sind aber schon mit den klassischen Arbeitsfeldern gut ausgelastet, dazu haben die neuen Anforderungen der EN 1090 und die Bauproduktenverordnung beigetragen. Zum jetzigen Zeitpunkt scheuen viele Verarbeiter einen weiteren Aufwand.

metallbau: Welche Perspektiven sehen Sie für die Verarbeiter von Automatiktüren, was müssen die Unternehmen beachten, die in dieser Branche erfolgreich agieren möchten?

Zeglinski: Wer Automatiktüren verarbeitet, muss viel mehr tun als in der Vergangenheit. Wenn er dazu bereit ist, hat er gute Perspektiven. Es genügt nicht, dass man das Produkt gut kennt, ein Auto besitzt und über einige Werkzeuge verfügt. Der Verarbeiter muss sich einschlägig qualifizieren, in bauphysikalische Grundsätze einarbeiten, sich mit statischen Berechnungen und dem Korrosionsschutz gut auskennen. Um eine Leistungserklärung zu erstellen, ist dieses Wissen notwendig. Er muss die neuen Normen für seine Marktsegmente beherrschen. Darüber hinaus sollte er in der Lage sein, eine Dokumentation über alle Bereiche zu führen, dazu gehören die werkseigene Produktionskontrolle und die Leistungserklärungen. Aber ich möchte niemanden verängstigen, weiterhin Automatiktüren zu montieren, es geht mir nur darum, meine Kollegen für die aktuellen Veränderungen zu sensibilisieren. Die Mitgliedschaft im Verband kann dabei helfen, allerdings müssen wir uns aktiv engagieren. Wir Fördermitglieder müssen bereit sein, uns über Internetforen, Telefonkonferenzen oder Treffen in die Arbeit des FTA einzubringen.

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