Interview

Kirsten Schönharting, Schorisch

„Wir haben Schorisch Stahlbau zukunftsfähig gemacht!“

Kirsten Schönharting gehört seit 2013 der Schorisch Gruppe an, sie ist einer der beiden Gesellschafter und im Vorstand der Aktiengesellschaft — der Muttergesellschaft von Schorisch Magis und Elektronik. Ihre Aufgaben sind die strategische Ausrichtung der beiden Unternehmen und projektbezogene Sonderthemen wie derzeit die Digitalisierung. Die operative Geschäftsführung des Stahlbaubetriebs mit ca. 100 Mitarbeitern hat Detlef Möhr inne (siehe S. 30).

metallbau: Sie haben in Ihrer Rede am Tag der Offenen Tür von wichtigen Veränderungen für Schorisch Magis gesprochen, könnten Sie diese kurz auf den Punkt bringen und die Maßnahmen nennen, mit denen diese umgesetzt werden?

Kirsten Schönharting: Konkret sind wir beispielsweise am Thema teilautomatisiertes Schweißen. Wir wollen trotz unserer Losgröße 1, mit der wir es in unserem Bereich zu tun haben, Lösungen finden, um effizienter zu produzieren. Dieser Schritt hilft uns auch, fehlende Fachkräfte zu kompensieren und die Dokumentation und die Qualität des Schweißens zu verbessern. Wir werden die neuen Möglichkeiten der Schweißtechnologie nutzen, welche sicher auch das Ausbildungsprofil des Schweißers bzw. Konstruktionsmechanikers verändern werden. Dadurch werden das Berufsbild und wir als Betrieb für die junge Generation, die mit diesen Technologien aufwächst, interessanter. Das zweite Thema ist die Digitalisierung. Datenvolumen und auch die Geschwindigkeit, Daten zu verarbeiten, werden wohl künftig nicht mehr das Problem sein, das hat die Wirtschaft begriffen. Aber beim Format ist sich die Bauwirtschaft noch nicht einig. Hier sollte ein Standard für 3D-Daten gesetzt werden. Derzeit müssen wir Daten wegen der vielen Schnittstellen immer wieder neu erzeugen. Effizientes Arbeiten geht anders. Aktuell wäre es wichtig, dass die ausführenden Unternehmen Initiative ergreifen und verbändeübergreifend ihre Interessen in die regelgebenden Gremien einbringen.

metallbau: Welche Investitionen stehen für das Jahr 2019 an?

Schönharting: Aktuell sind wir mit Aufträgen und wichtigen Maßnahmen, wie zum Beispiel die Anpassung unserer internen Prozesse, eingespannt. Wir haben in den vergangenen Jahren insgesamt über 1,5 Mio. Euro investiert und werden das für die Folgejahre auch so fortsetzen. Schwerpunkt werden das Thema automatisiertes Schweißen und die Digitalisierung sein. Den Bau einer weiteren Halle werden wir dann ab 2020 planen.

metallbau: Der Umsatz von Schorisch Magis hat sich in der Zeit von 2015 bis 2018 mehr als verdoppelt. Haben Sie das mit derselben Belegschaft und derselben Ausstattung geschafft?

Schönharting: Die Umsatzsteigerung ist damit einhergegangen, dass wir unseren Fokus verändert haben. Ursprünglich kommt Schorisch Magis aus dem Bereich Instandsetzungsservice für Maschinen — als ich ins Unternehmen eingestiegen bin, wurden vor allem Komponenten als verlängerte Werkbank gefertigt. Für einen Betrieb, der in Deutschland produzieren möchte, war dieses Portfolio nicht mehr zukunftsträchtig. Inzwischen haben wir uns Richtung Projektierung verändert, bauen Stahlkonstruktionen für Brücken, Verkehrswasserbauwerke wie Schleusen oder Wehre, und Stahlbauanlagen für die Industrie. In diesen Märkten können wir ein produzierender Betrieb bleiben, das ist mir sehr wichtig.

metallbau: Hat sich auch die Gewinnmarge entsprechend dem Umsatz entwickelt?

Schönharting: Für die Neuausrichtung haben wir in den vergangenen Jahren sehr viel investiert. Im Stahlbau/Stahlbearbeitung ist man bei Maschineninvestitionen immer gleich bei einer halben/dreiviertel Million Euro. Kürzlich haben wir eine neue Lüftungsanlage für die Schweißabgase installiert, um unseren Mitarbeitern auch über die gesetzlichen Anforderungen hinaus ein optimales Arbeitsumfeld zu schaffen. Wir sehen Erfolg langfristig und nicht kurzfristig und daher steht zunächst im Vordergrund, uns optimal am Markt zu platzieren: als Anbieter von komplexen Stahlbauanlagen und Verkehrswasserbauwerken, als Arbeitgeber, um die besten Mitarbeiter zu gewinnen, als Kunde, um die besten Partner und Lieferanten zu gewinnen. Aktuell liegt unser Fokus darauf, unsere Prozesse an den Schnittstellen intern/extern zu verbessern und unsere Mitarbeiter mit Gesundheitswochen betrieblicher, arbeitgeberfinanzierter Altersvorsorge und Ähnlichem enger an uns zu binden, sodass jeder sein Bestes geben kann und will. Damit ist die Basis für langfristiges profitables Wachstum geschaffen.

metallbau: Mit welchen Maßnahmen haben Sie sich auf die neuen Märkte ausgerichtet?

Schönharting: Wir haben uns eine Abteilung für Konstruktion und Engineering aufgebaut. Dafür haben wir ein Bürogebäude modernisiert, Projektingenieure eingestellt, haben verstärkt im Dualen Studium ausgebildet und darüber hinaus zehn Auszubildende aufgebaut. Um das Know-how zu sichern, war ein Bündel an Maßnahmen nötig. Zurzeit arbeiten wir noch intensiv an unserer Ablauforganisation – wichtig ist, dass alle an einem Strang ziehen und das gleiche Ziel vor Augen haben, Schorisch erfolgreich am Markt zu etablieren.

metallbau: Mit welchem Projekt sind Sie denn in den neuen Markt eingestiegen?

Schönharting: Die Drehbrücke Malchow 2014 war unser Pilotprojekt. Mit diesem Auftrag haben wir den Schritt in den öffentlichen Bereich gewagt und kontinuierlich ausgebaut. Zupass kam uns dann das Infrastrukturpaket der Regierung, von dem wir gerade sehr profitieren. Unser neuer Kurs wurde bestätigt, aktuell hat dieses Segment eine so starke Nachfrage, dass ein Unternehmen, das „kann“ und die Eignungsnachweise vorlegt, den Auftrag erhält. Die Firmen sind zu mit Arbeit. Wir brauchen keinen großen Aufwand für Bewerbungen zu betreiben, wir werden laufend angefragt.

metallbau: Schorisch Stahlbau hat einen Auftragsbestand von 21 Millionen Euro. Macht Sie das eher ruhig oder doch nervös?

Schönharting: Wir arbeiten mit einem hohen Adrenalinspiegel, seit wir die Ausrichtung geändert haben. Grundsätzlich bin ich guter Dinge, da wir im Bereich der öffentlichen Aufträge einen so hohen Bestand haben. Aus Erfahrung weiß ich, dass die Projekte nicht wirklich gradlinig laufen. Deshalb ist es von Vorteil, dass wir flexibel an mehreren Aufträgen arbeiten können.

metallbau: Nach meinen Informationen will Schorisch im nächsten Jahr 20 Mitarbeiter aufbauen. Wie soll das gelingen?

Schönharting: Ich glaube nicht, dass uns dies ausschließlich durch regionale Fachkräfte gelingen wird, zumal wir auch keine Abwerbestrategie verfolgen. Wir haben sehr gute Erfahrungen mit ehemaligen sogenannten Flüchtlingen. Aber auch da scheint es keine Kapazitäten in unserem Fachgebiet mehr zu geben. Ich hoffe, dass das geplante Einwanderungsgesetz schnell umgesetzt wird, damit wir gute Handwerker im Ausland werben können. Ein Konzept zur Integration haben wir bereits. Auch die Wohnungen, um die Menschen hier am Ort zu integrieren, sind angemietet und fertig eingerichtet. Wir wollen diese Mitarbeiter langfristig gewinnen und dazu motivieren, sich hier nicht nur kurzfristig niederzulassen. Wir investieren viel in die Ausbildung und Weiterbildung unserer Mitarbeiter, wir wollen gemeinsam mit unseren Mitarbeitern wachsen. Dabei spielt es keine Rolle, woher die Mitarbeiter kommen, es geht darum, dass sie grundsätzlich geeignet und lernfähig sind. Wichtig ist, dass sie unser Wertesystem mittragen und sich in diese wunderschöne Region/Prignitz – auch meine Wahlheimat — integrieren.

metallbau:  Wie finden Sie es, dass bei öffentlichen Aufträgen im Brückenbau der günstigste Anbieter den Zuschlag erhält?

Schönharting: Das Entscheidende für die Kalkulation solcher Projekte ist der Plan, wie sie konzeptionell abgearbeitet werden sollen – das macht meiner Erfahrung nach den Preisunterschied der Angebote aus. Das Wichtige und Intelligente sind also effiziente Abläufe. Damit die scheinbar zahllosen Parameter dafür angemessen bedacht werden, haben wir erfahrene Projektleiter, Kooperationen mit Ingenieurbüros und auch Hochschulen.

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