Kuppel des Louvre in Abu Dhabi NURonline

Im Regen des Lichts

Im November hat der Louvre in Abu Dhabi eröffnet. Es ist eine Hommage Frankreichs an die arabische Welt. Der Kunstpalast wird von einer Kuppel überspannt, die über dem gesamten Museumskomplex zu schweben scheint. Sie ist ein Meisterstück des Stahlbaus. In Kooperation des Wiener Unternehmens Waagner Biro, des Maschinenherstellers elumatec und dem Metallbauer White Aluminium in Abu Dhabi wurde die knifflige Konstruktion gelöst.

Die Gestaltung dieses futuristisch anmutenden Museumkomplexes stammt von dem französischen Architekten Jean Nouvel. Seine Formensprache unterstreicht den Wunsch der beiden Länder - Vereinigte Arabische Emirate (VAE) und Frankreich - ein universelles Museum zu schaffen, in dem alle Kulturen zusammengeführt werden. Bei der gewählten freien Form ließ er sich von den elementaren Beobachtungen Licht und Schatten, Reflexion, Bewegung und Ruhe sowie vom Klima des Landstrichs leiten. So entstand zwischen Land und Wasser eine einladende Welt, in der ein Staat seine Geschichte, seine Zivilisation, seine Geografie und seine Kulturen vorstellt. Durch die Volumenausdehnung der Kuppel über dem Wasser werfen die Kuppelreflexionen wiederum ein schimmerndes Licht an die Fassaden.

Die Kuppel – faszinierend wie komplex
Kuppelbauten haben in der arabischen Kultur eine lange Tradition und Symbolcharakter (Mausoleum, Moschee und Madrasa). Auf Saadiyat Island wird diese Symbolik durch Jean Nouvel mit innovativen Materialien neu interpretiert. Das Besondere an der Kuppel des Louvre ist die Inszenierung von „Licht und Bewegung“. Die Konstruktion der Kuppel mit einem Durchmesser von 180 Metern ruht auf vier Stützen, die im Abstand von jeweils 110 Metern angeordnet wurden. Der höchste Punkt liegt 40 Meter über dem Meeresspiegel. In der Nacht bildet die Kuppel einen Baldachin von insgesamt 7.850 Sternen, die von innen und außen sichtbar bleiben. Die komplexe „Sternen“-Konstruktion besteht aus acht Ebenen versetzter Stahl- und Aluminium-Module in verschiedenen Größen und Winkeln.

Internationale Zusammenarbeit
Die Projektentwicklung für dieses  Bauvorhaben übernahm Waagner Biro aus Wien. Den Fertigungsauftrag für die Kuppelelemente sicherte sich der in Abu Dhabi ansässige elumatec-Partnerbetrieb White Aluminium. Die Umsetzung des architektonischen Entwurfs in eine machbare und wirtschaftliche Fertigung erforderte das enge Zusammenspiel zwischen dem Projektentwickler Waagner Biro und elumatec als Hersteller intelligenter Stabbearbeitungszentren.

Umfassender Support bei Werkplanung
elumatec unterstützte den Verarbeiter in Abu Dhabi nicht nur bei der Beschaffung und Einrichtung von Fertigungseinrichtungen, sondern auch mit technischem Service. Der Support für den Louvre erstreckte sich über den gesamten Fertigungsprozess hinweg, von der virtuellen Schnittstellenbewältigung und der digitalen Datenaufbereitung über die Testphase und die Empfehlung zur Installation des für diese Bauaufgabe geeigneten Stabbearbeitungszentrums bis hin bis zur Logistik und zeitweisen Produktionsbegleitung beim Kunden vor Ort. Dort erfolgte neben der Profilbearbeitung dann auch die Endmontage der einzelnen Elemente.
Für die Abwicklung des spektakulären Architekturprojekts richteten die Maschinentechniker von elumatec zwei baugleiche Stabbearbeitungszentren des Typs SBZ 151 Flexium+ bei White Aluminium in Abu Dhabi ein. Es handelt sich um ein 5-Achs-Stabbearbeitungszentrum, das für die wirtschaftliche und rationelle Bearbeitung von Aluminium- und dünnwandigen Stahlprofilen konstruiert wurde. Alle Arbeitsgänge des SBZ 151 Flexium+ wie Fräsen, Bohren, Gewindeschneiden, Gewindefräsen, Klinken und Sägen finden bei ruhendem Profilstab zur Schonung der Profiloberfläche statt. Dabei werden alle sechs Profilseiten gleichzeitig bearbeitet. Die mitfahrenden Werkzeugmagazine sorgen für kurze Werkzeugwechselzeiten und damit für optimale Bearbeitungszyklen.

Mit eluCad die Daten im Griff
Angesteuert wird das SBZ 151 Flexium+ mit der Software eluCad. Diese Software ist so konzipiert, dass der Anwender nicht selbst ISO-Codes programmieren muss, sondern lediglich seine Daten in eine sinnvoll strukturierte grafische Oberfläche eingeben muss. Die Programmierung erfolgt über eine automatisierte CSV-Schnittstelle. Für die Werkplanung und anschließende Arbeitsvorbereitung stellte der Projektentwickler die erforderlichen CSV-Dateien zur Verfügung, aus denen bei elumatec die relevanten Parameter übernommen wurden. Aus diesem Input konnten insgesamt 21 Masterdateien generiert und die Produktionsdaten für ca. 500.000 Profilteile in das eluCad-Softwareprogramm übertragen werden. Nach einer Testphase am Standort Mühlacker wurden die arbeitsvorbereitenden Maßnahmen in Abu Dhabi gestartet.

Fazit
Der Louvre ist ein architektonisches Meisterwerk von Jean Nouvel und eines der ehrgeizigsten kulturellen Projekte in der Welt. Der Bau belegt eine leistungsstarke internationale Zusammenarbeit der Stahlbaubranche - vom Planer über den Maschinenbauer bis hin zum ausführenden Unternehmen. red