Lara Marwinski-Eich

Starke Träger - starkes Team - starke Frau

Als Metallbaumeisterin zählt Lara Marwinski-Eich noch immer zu einer Minderheit in ihrer Branche. Aber der 29-Jährigen bereitet das weder Sorgen noch Schwierigkeiten. Im Gegenteil! Im Jahr 2014 hat sie ihren Betrieb Norma Stahlbau gegründet. Heute, nach dem dritten Geschäftsjahr, ist aus der vierköpfigen Belegschaft bereits eine zehnköpfige geworden. 

Lara Marwinski-Eich ist noch keine 30 Jahre alt, führt aber schon seit über drei Jahren ihren eigenen Metallbaubetrieb. Und sie sitzt nicht etwa nur im Büro. Nein! Die 29-Jährige steht vor allem auf der Baustelle oder in der Werkstatt.

Zurzeit ist die Auftragslage so gut, dass ihre Hobbys wie Reiten, Windsurfen oder Motorradfahren wohl eher zu kurz kommen. Denn Marwinski-Eichs Know-how ist sehr gefragt. So sehr, dass nach der Gründung von Norma Stahlbau im September 2014 aus der ursprünglich vierköpfigen Belegschaft eine zehnköpfige geworden ist. Vor der Unternehmensgründung hat sie in einem Betrieb mit Schwerpunkt Maschinen & Hallenbau eine Ausbildung als Metallbauerin gemacht und diese im Jahr 2005 abgeschlossen. Danach hat sie ihre Meisterprüfung absolviert. Dass sie später mal ihre eigene Firma gründet, hat sie bis dato nicht geplant, aber als sich die Möglichkeit bot, den Maschinenpark und den Standort einer insolventen Stahlbaufirma zu kaufen, ergriff sie diese Gelegenheit.

„Mein Vater führt seit rund 30 Jahren den Betrieb Norma Stahlmontagen. Der Name „Norma“ setzt sich übrigens aus seinem Vor- und Nachnamen Norbert Marwinski zusammen. Als Unternehmer-Tochter war ich an die Arbeit eines Selbständigen gewöhnt und hatte Lust, auch einen eigenen Betrieb zu führen als sich diese einmalige Möglichkeit ergab.“  Wenn der Vater in Rente geht, lassen sich die beiden noch eigenständigen Betriebe eventuell einmal zusammenführen. Bereits jetzt ist es manchmal so, dass der Betrieb des Vaters die Montagearbeiten ausführt.

Unternehmensprofil

Die Fertigung von Stahlkonstruktionen ist ein Schwerpunkt der Leistungen. Marwinski-Eich berichtet: „Im Prinzip fertigen wir Stahlhallen. Unser Spektrum reicht zwar noch viel weiter, so fertigen wir auf Anfrage natürlich auch Balkone, Treppen oder Geländer oder sämtliche anderen Konstruktionen aus Stahl sowie Stahl- und Rostdesign, das wir ebenfalls in unserem Portfolio haben. Ab und an bieten wir auch die Dienstleistung der Schweißnahtprüfung an, dafür haben wir 2016 das entsprechende Prüf-Equipment angeschafft, das zugehörige Personal ausgebildet und TÜV-zertifizieren lassen. Aber hauptsächlich sind wir gefragt, wenn es um große Stahl-Konstruktionen geht, die nach der Norm DIN EN 1090 ausgeführt werden.“ Gefertigt wird in der nordrhein-westfälischen Stadt Geldern kurz vor der holländischen Grenze. Vertrieben werden die Konstruktionen aber deutschlandweit und über die Landesgrenzen hinaus wie ins D-A-CH-Gebiet oder nach Luxemburg oder in die Niederlande. „Im Durchschnitt reicht unser Vertrieb etwa 300 bis 400 Kilometer weit“, sagt Marwinski-Eich.

Motivation der Mitarbeiter

Norma Stahlbau zählt derzeit zehn Mitarbeiter. Davon arbeiten fünf Kräfte Vollzeit und zwei in Teilzeit in der Werkstatt. Darunter auch Schweißer, zum Großteil aber Metallbauer. Seit Kurzem unterstützt auch ein Schweißfachingenieur das Team. Weiter hilft im Büro noch eine Teilzeitkraft aus. Mit der Inhaberin zusammen sind es insgesamt zehn Leute. In drei Jahren ein doch recht beachtlicher Ausbau, wenn man bedenkt, dass zu Beginn nur vier Leute im Unternehmen tätig waren und schon im Folgejahr fünf bis sieben. Da stellt sich die Frage, ob Marwinski-Eich auch ausbildet: „Noch nicht, aber wir haben es vor, recht bald auszubilden. Bislang wollte ich den Betrieb erst einmal sorgfältig aufbauen, bevor ich diesen nächsten Schritt wage.“

Referenz-Objekt(e)

Viel mutiger ist die Unternehmerin bei ihren Objekten. Diese können ihr nicht groß genug sein: „Mich begeistern Projekte im Großformat. Jüngst hatten wir mit dem BV. Vorwerk in Wuppertal so ein Projekt mit 90 Tonnen Stahl zu bewältigen. Alleine ein Träger wiegt drei Tonnen und ist 18 Meter lang. Ich war total begeistert, dass wir mit unserem kleinen Team so ein Kaliber hier in unserer Halle fertigen konnten. Und das auch noch in der sportlichen Zeit von drei Wochen. Da haben wir hart gearbeitet. Ein Zwölf-Stunden-Tag war normal. Und: Wir hatten zusätzliche Unterstützung von einem Schweißer. Ich bin noch immer fasziniert, wie gut uns der Zusammenhalt im Team gerade in dieser sehr stressigen Zeit getragen hat.“

Die „-innen“ der Branche

Zum Thema „Frauen in der Metallbaubranche“ hat Marwinski-Eich eine klare Haltung: „Klar. Es gibt nach wie vor sehr wenige Frauen, die unseren Beruf ausüben, und mir ist durchaus bewusst, dass das, was ich mache, nicht selbstverständlich ist, aber in meinem Fall spielt das Mann-Frau-Ding keine Rolle! Die Leute kennen mich und meine Arbeitsweise, weil sie mich auf der Baustelle erleben. Und die Kunden suchen ja auch nicht explizit nach einer Frau oder nach einem Mann, wenn sie eine Stahlhalle planen. Es ist eher so, dass die Leute mich kennen und sagen: ‚Ach ja, das ist doch die Metallbaumeisterin aus Geldern!’ Und das spielt mir schon ein wenig in die Hände.“ Ihre besondere Rolle als Frau in der männerdominierten Branche zeigt Marwinski-Eich ohne Scheu. So hat sie unlängst für das Handwerkmagazin unter dem Titel „Powerfrauen“ gemodelt und für Arbeitskleidung von Engelbert Strauss geworben. „Das Shooting hat mir viel Spaß gemacht. Bei der Bewerbung hatte überhaupt nicht damit gerechnet, ausgewählt zu werden. Aber als es so weit war, habe ich mich dann doch gefreut, unter den Top 10 von hundert Meisterfrauen zu sein, die an dem Wettbewerb teilgenommen hatten.“

Helden im Team

Der Bekanntheitsgrad von Norma Stahlbau ist nicht die größte Herausforderung für die junge Inhaberin. „Das Wichtigste für mich ist, mein Team bei Laune zu halten. Das ist nicht immer einfach, denn unsere Kunden fordern von uns nicht nur höchste Präzision, sondern auch höchste Flexibilität. Und das alles selbstverständlich nach aktuellster Normung. Manchmal ruft jemand spontan an und benötigt kurzfristig ‚mal eben eine Zehn-Tonnen-Halle – wenn’s geht, bis nächste Woche’. Bei solchen geringen bis hin zu gar keinen Vorlaufzeiten ist der Druck hoch. Besonders für mein Team. Ich muss dafür sorgen, dass meine Leute trotz des Drucks Spaß an der Arbeit haben und die Aufgaben gerne in diesen kleinen Zeitfenstern erfüllen.“

Marketing und Akquise

Entsprechend wirbt Marwinski-Eich um Mitarbeiter. In ihren Stellenanzeigen finden sich motivierende Aspekte wie „Es erwarten Sie gute Sozialleistungen, die Mitarbeit in einem motivierten Team oder auch bei guter Eignung, Möglichkeiten der persönlichen Weiterentwicklung im Unternehmen.“ Solche Ausschreibungen finden sich beispielsweise in Online-Stellenmärkten, in der Zeitung oder bei der Agentur für Arbeit. „Die meisten Mitarbeiter habe ich aber über mein persönliches Netzwerk akquiriert“, sagt Marwinski-Eich.

Ganz ähnlich verhält sich das mit dem Netzwerk in der Kunden-Akquise. „Auch hier werde ich meistens weiterempfohlen. Von Architekten, Planern, von meinem Vater über seine Montagefirma oder auch von den eigenen Zulieferern.“ Andere Quellen wie Unternehmer-Stammtische oder dergleichen muss die Metallbaumeisterin gar nicht anzapfen. „Das habe ich zwar mal rein aus Neugierde gemacht, aber wirklich gebracht hat es mir nichts. Ich beschäftige mich vermutlich mit Fragen, die sich nicht in einer solchen Runde klären lassen.“

Ausblick

Ein mittelfristiges Ziel ist eine eigene Fertigungshalle in Geldern. „Zurzeit fertigen wir noch in einem Mietobjekt, aber ich träume von einer eigenen Halle mit einer eigens gefertigten Stahlkonstruktion, in der ich mit meinem Team in Zukunft arbeiten kann. Ich hoffe, wir können dieses Ziel bald angehen. Weniger schnell wird sich Marwinski-Eichs Traum von besser angesehenen Metallbauern erfüllen, denn noch hat ihrer Meinung nach das Handwerk nicht den Stellenwert, den es verdient. „Wir Handwerker werden immer als ‚die vom Bau’ gesehen, deren Arbeit nur wenig wertgeschätzt und zu gering bezahlt wird. Ich will das ändern! Meine Mitarbeiter, die bei Minusgraden auf der Baustelle lange Tage hinter sich bringen, sind für mich immer wieder Helden, die Arbeiten mit einem enormen Termindruck verrichten. Ich wünsche mir, dass jeder von ihnen mit seinem verdienten Geld nachhaltig zufrieden ist und auch privat seine eigenen Träume verwirklichen kann.“

Info & Kontakte

Norma Stahlbau GmbH
Liebigstr. 6
47608 Geldern
Tel. 02831 87 0 71

www.norma-stahlbau.de