Interview: Mike de Vries, Zhongde Metal Group

Die Zhongde Metal Group wurde Anfang 2015 in Stuttgart als Schnittstelle ­zwischen deutschen und chinesischen Unternehmen gegründet. Vorsitzender der Geschäftsführung ist Mike des Vries, ihm steht ein 15-köpfiges deutsch-chinesisches Team zur Verfügung. Wir haben ihn nach Risiken und Chancen beim Einstieg in die Metal Eco City (MEC) gefragt.

metallbau: Herr de Vries, welche Voraussetzungen muss ein deutsches mittelständisches Metallbauunternehmen erfüllen, um in der MEC Fußfassen zu können?

Mike de Vries: Es muss zunächst einmal gar nichts erfüllen. Es muss eine unternehmerische Entscheidung herbeiführen wollen, sich in China niederzulassen oder zu beteiligen. Was ich ihm aber empfehlen würde, ist, sich Zeit zu nehmen für die Entscheidung. Jegliche Entscheidung, die in China unter Druck gefällt wird, ist schlecht. Der Unternehmer braucht Zeit, um Prüfungen vornehmen zu können. Prüfungen, die ­seine eigene Marktmöglichkeit und den möglichen Kooperationspartner angehen.

metallbau: Wie kommt der Unternehmer an die wichtigen Informationen heran?

de Vries: Ich habe festgestellt, dass viele deutsche Unternehmer verärgert und verschreckt waren, weil sie mit irgendwelchen Agenturen oder Beratern nach China gebracht wurden und dann unter enormen Druck gerieten, sich schnellstmöglich zu entscheiden und zu investieren. Bei uns ist es anders: Ich nehme den Unternehmer mit, zeige ihm vor Ort die MEC oder unsere anderen Standorte. Gleichzeitig versuchen wir, für ihn passende Gesprächspartner zu finden. Über unsere Mitgliedschaft kann er in der MEC ein Jahr lang kostenlos einen Showroom beziehen, mit eigener Unternehmensadresse, wenn er das wünscht. Die Mitgliedschaft selbst ist ebenfalls gratis. In diesem Jahr kann er ohne Zeitdruck recherchieren. Wir als deutsches Management begleiten den Unternehmer beim Anbahnungs-, Vertrags- und operativen Ansiedlungsprozess. Den Service zu nutzen, den wir bieten, erleichtert ihm sehr viel. Außerdem arbeiten wir eng mit Rechtsexperten aus Deutschland und China zusammen. Die können wir vermitteln.

metallbau: Was ist, wenn sich zwei Partner gefunden haben und schon nach relativ kurzer Zeit, sagen wir nach einem halben Jahr, den Kooperationsvertrag aufsetzen. Sehen Sie das kritisch?

de Vries: Das hängt ganz davon ab, wie China-erfahren der Unternehmer ist. Das muss jeder für sich entscheiden. Wir sind im Grunde ja nur die Begleiter und Moderatoren.

metallbau: Es gibt den konkreten Fall, dass 2016 ein deutscher mittelständischer Metallbauunternehmer ein Joint Venture in der MEC gegründet hat. Kurz danach ist er damit gescheitert. Muss man dieses ­Risiko in Kauf nehmen?

de Vries: Das Risiko zu scheitern gibt es nicht nur in der MEC, das gibt es überall in China. Die sprachlichen Hürden sind immens hoch und der Kulturunterschied ist einfach zu gravierend. Wenn Sie glauben, dass alles so läuft wie in Deutschland, dann haben Sie sich geirrt. Im Fall, den Sie hier meinen, kommen mehrere Punkte zusammen: Einerseits habe ich sehr spät davon erfahren. Irgendwie ist der Fall durch unser deutsches Management-Netzwerk gerutscht. Der Unternehmer hatte zunächst selbständig eigene Beziehungen aufgebaut und ist dann wohl an den falschen Partner geraten. Ich glaube, wenn ich bei dem Projekt von Anfang an mit dabei gewesen wäre, wären vielleicht die einen oder anderen Sachen langsamer und vorsichtiger vonstattengegangen. Man darf als Unternehmer optimistisch und enthusiastisch sein, muss aber immer Vorsicht walten lassen. Ich habe in den vergangenen Wochen zu diesem Fall viele Gespräche geführt und vermittelt – aktuell zeichnet sich eine Lösung ab.

metallbau: Wie kann man sich über den richtigen Partner absichern?

de Vries: Es braucht hier eine Vertrauensbasis. Wir versuchen, diese zu liefern, zum Beispiel durch das Netzwerk des Unternehmerverbandes aus Jieyang, dessen Vorstandsmitglied ich auch bin. Dieses Netzwerk reguliert. Aber trotzdem muss man als Unternehmer selbst tätig werden. Wenn Sie in China eine Aufgabe vergeben und den Chinesen fragen, ob er das kann, lautet die Antwort immer Ja. Das ist seine Mentalität. Erst, wenn Sie ganz sicher sind, den richtigen Partner und den richtigen Markt gefunden zu haben, wird das Projekt für Sie auch ein erfolgreiches Geschäft.

metallbau: Dafür braucht man aber auch qualifizierte Mitarbeiter. Wie sieht die Situation in Jieyang aus?

de Vries: In der Planung ist ein Ausbildungszentrum in der MEC, das nach dem deutschen dualen System durchgeführt werden soll. Hier arbeiten wir derzeit mit dem Bildungswerk der Bayrischen Wirtschaft e.V. (bbw) zusammen. Dieses übernimmt die vier Ausbildungszweige Mechatronik, Werkzeugmacher, CNC und Galvanik. Ab September 2017 sollen dann die ersten Ausbildungslehrgänge beginnen und in zwei beziehungsweise drei Jahren die ersten ausgebildeten Facharbeiter abgehen können. Jetzt geht es vor allem darum, Lehrpläne aufzusetzen und Lehrpersonen zu akquirieren.

metallbau: In einem anderen Interview sprechen Sie von ­einer Kooperation mit der Hochschule Esslingen. Ist das noch aktuell?

de Vries: Ich war etliche Male mit der Hochschule Esslingen in der MEC. Sie hat aber letztlich von der Landesregierung kein grünes Licht bekommen, dort eine eigene Hochschule zu ­gründen.

metallbau: In einer Pressemitteilung der MEC heißt es, dass die Bank of China mittelständischen Unternehmen Finanzierungsmodelle und Förderprogramme anbietet. Kommen auch die Joint Ventures in der MEC in diesen Genuss?

de Vries: Es gibt neben der Bank of China auch andere Banken, die sich dort gerade niederlassen. Diese bieten, genauso wie bei uns in Deutschland, Joint Ventures oder deutschen Firmen eine finanzielle Unterstützung zu besonderen Konditionen an. Ich weiß aber von keinem konkreten Fall, in dem das in Anspruch genommen wurde. Meistens ist es so, dass der chinesische Partner Eigenkapital mitbringt. Wo er das her hat, erschließt sich uns nicht. Zu nennen sind an dieser Stelle aber die Subventionen seitens der Stadtverwaltung. Wenn Sie in der MEC Grundstücke kaufen wollen, bietet die lokale Regierung Steuererleichterungen und begünstigende Steuermodelle an.

metallbau: Ist es zwingend erforderlich, dort ein Grundstück zu kaufen?

de Vries: Nein, das ist es nicht. Sie können von bestehendem Grund Gebäude anmieten, bestehende Gebäude kaufen, Grundstücke kaufen oder selber bauen. Alles ist möglich, aber nichts zwingend erforderlich. Es gibt zum Beispiel ein deutsches Unternehmen, das eine hundertprozentige Niederlassung in der MEC plant. Weil es zunächst weniger Platz braucht, mietet es erst einmal eine Halle an, schaut aber jetzt schon nach einem Grundstück, um in zwei bis drei Jahren zu bauen und mit der Produktion zu beginnen.

metallbau: Welche Kooperationen sind derzeit in der MEC ­aktiv?

de Vries: Da ist die Alba-Gruppe, die Hausmüll-Recycling-Anlagen baut. Das ist eines der größten Projekte. Und dann gibt es unterschiedlichste Formen, vom kleinen, also 2–3-Mio. Euro-Umsatz-Unternehmen, das dort momentan nur ein Büro hat, bis hin zu Firmen wie der Bauku GmbH, die im Bereich Abwasser- und Kanalisierungsrohre in die Produktion gegangen ist. Kein Projekt gleicht dem anderen. Aktuell befinden sich mehrere Mittelständler in konkreten Verhandlungen. Sie kommen unter anderem aus den Bereichen Umwelttechnologie, Energieeffizienz, Industrie 4.0 und Brandschutz. Aus dem Metallbaubereich gibt es Firmen aus der Galvanik, nicht aus der Herstellung selbst. Zwei Galvanikunternehmen und zwei Firmen aus dem Bereich Abwasser wollen sich jetzt in der MEC niederlassen.

metallbau: Wie beurteilen Sie die wirtschaftliche Lage und Entwicklung Jieyangs?

de Vries: Wenn Sie sehen, was sich jetzt in Südchina entwickelt, also in der Provinz Guangdong, dem ehemaligen Kanton, ist das schon unglaublich. Durch die neue Seidenstraßeninitiative verschiebt sich der gesamte Fokus auf Südchina, und da kommt von chinesischer Seite jetzt auch ordentlich Kapital hinein. Trotzdem ist und bleibt die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und China allein wegen der Kulturunterschiede nicht immer einfach. Aber wenn sich welche gefunden haben, kann das sehr erfolgreich sein. Mercedes beispielsweise ist seit 25 Jahren in Peking. Das deutsch-chinesische Team dort ist absolut eingespielt. Für den kleinen Mittelständler aber, der nach Südchina kommt, ist China zunächst einmal komplettes Neuland. Und so bestehen trotz unternehmerischer Vorsicht immer Risiken und Gefahren. Deswegen ist es aus meiner Sicht immens wichtig, mit uns zu reden und sich die Zeit zu nehmen, um den Markt zu analysieren und den richtigen Partner zu finden. Chancen gibt es in China und speziell in der MEC allemal!

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