Manfred Macheit, Schweißlehrer

„Wir haben die Schweißausbildung enorm verbessert!“

Die Schweißwerkstatt der Metallfachschule (Metall-FS) Hessen in Bad Homburg wurde von Grund auf renoviert und mit elf Schweißkabinen ausgestattet. Träger der Ausbildungsstätte ist der Fachverband Metall Hessen, der dort neben Vorbereitungskursen zur Meisterprüfung auch diverse Metallverarbeitungs-Lehrgänge anbietet. Ausbilder Manfred Macheit berichtet im Interview über die Modernisierung.

metallbau: Die Schweißwerkstatt der hessischen Metallfachschule in Oberursel wurde ein Jahr lang renoviert und erstrahlt seit August 2017 in neuem Glanz. Was war der Grund?

Manfred Macheit: Die Metallfachschule Hessen zog 1990 von Bad Homburg in ihren damals neuerrichteten Gebäudekomplex nach Oberursel im Taunus. Nach über 25 Jahren intensiver Nutzung war sie in die Jahre gekommen und entsprach auch nicht mehr den neuesten technischen An-forderungen an eine gute Schweißausbildung. Deshalb wurde die Schweißwerkstatt komplett entkernt und neben neuer Beleuchtung und Elektrik mit elf modernen Schweißkabinen und einer modernen leistungsfähigen Absauganlage ausgestattet.

metallbau: Wie hoch war die Investitionssumme? Gab es Förder-mittel?

Macheit: Die Investition lag im sechsstelligen Bereich. Fördermittel wurden keine beantragt. Die Modernisierung wird vom Fachverband Metall Hessen getragen.

metallbau: Die Metallfachschule bietet Lehrgänge und Weiterbildungskurse in der Metallverarbeitung und zum Schweißen an. Was genau?

Macheit: In unseren Meistervorbereitungskursen bilden wir jährlich ca. 50 angehende Jungmeister im Metallbauer-, Landmaschinenmechaniker- und Feinwerkmechaniker-Handwerk aus. Als vom DVS zertifizierte Schweißkursstätte bieten wir Schweißerausbildung für Stahl, Edelstahl und Aluminium nach der DIN EN ISO 9606 an. Hinzu kommen verschiedene Metallverarbeitungs-Lehrgänge und -Kurse wie zum Beispiel Schließ- und Sicherungstechnik, Verarbeitung von Edelstahl und Befestigungstechnik.

metallbau: In welchen Schweißverfahren bilden Sie aus?

Macheit: Wir können WIG-, MAG/MIG- und E-Handschweißen. Also fast alle Verfahren für fast alle Materialien. Unsere Schweißkabinen sind in zwei separaten Räumen untergebracht, in einem sogenannten weißen und einem schwarzen Bereich. Im weißen Bereich mit drei WIG-Plätzen werden Chromnickelstähle und Aluminium geschweißt, im schwarzen Bereich gibt es acht Schweißplätze für MAG und E-Hand für Baustahl. Auch Kupfer kann geschweißt werden, das kommt aber sehr selten vor.

metallbau: Wie sind die Arbeitsplätze ausgestattet?

Macheit: Wir haben an die 24 Schweißgeräte, sodass wir für jede Kabine Schweiß- und Austauschgeräte besitzen. Beim WIG-Schweißen arbeiten wir mit Invertertechnik. Für das MAG-Schweißen haben wir eine Drahtfördereinheit. Nur für das E-Handschweißen brauchen wir noch einen großen Umformer, also ein größeres Gerät, das entsprechend Strom zieht.

metallbau: Welche Zertifikate können abgelegt werden?

Macheit: Für jedes Schweißverfahren gibt es Lehrgänge mit vier bis fünf Übungsmodulen, die man mit einer Prüfung nach DVS-Richtlinien ablegen kann. Wir stellen also internationale Schweißer-Prüfzeugnisse und -Prüfbescheinigungen aus.

metallbau: Wer kann die Schweißkurse belegen?

Macheit: Hauptsächlich schicken Metallbaubetriebe ihre Mitarbeiter zu den Ausbildungs- und Auffrischungskursen. Vereinzelt auch mal eine Privatperson, die sich für das Schweißen interessiert. Wir haben ein ständiges Kommen und Gehen. Es kann sein, dass gleichzeitig drei WIG-Schweißer, zwei MAG-Schweißer und vier E-Handschweißer anwesend sind, die wir persönlich betreuen.

metallbau: Ist die Schweißaus- und Weiterbildung in der Metallfachschule auf das Land Hessen beschränkt?

Macheit: Nein. Zu uns können auch Schweißer aus anderen Bundesländern kommen.

metallbau: Damit ist die Schweißwerkstatt in Summe sicher voll ausgelastet?

Macheit: Momentan ist da noch etwas Luft nach oben. Nach der Renovierung sind die Kurse erst langsam angelaufen. Im November und Dezember 2017 wurde es aber bereits ziemlich voll.

metallbau: Soll das Angebot in Zukunft erweitert werden?

Macheit: Mehr Schweißlehrgänge als wir anbieten, gibt es fast nicht. Einzig das Unterwasserschweißen oder Schweißen nach Baustellenbedingungen können wir nicht anbieten, weil dies besondere Voraussetzungen braucht. Sonderschweißverfahren wie Laser- oder Plasmaschweißen bieten wir auch nicht an. Das ist dann eher eine Sache der schweißtechnischen Lehranstalten SL oder der schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalten SLV.

metallbau: Und ein Wort zu Ihnen persönlich. Sie sind ja erst nach der Renovierung, also seit 1. August 2017 für die Schweißwerkstatt verantwortlich. Wie kamen Sie dazu und welche Ausbildung haben Sie?

Macheit: Mein Vorgänger ist aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden. Ich war damals bei der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main angestellt, aber der Bürojob war mir zu trocken. Ich bin ein Praktiker. Und als ich mitbekam, dass die Metallfachschule einen Schweißlehrer sucht, habe ich mich beworben. Ich habe viele Qualifikationen. Ursprünglich habe ich mal Anlagenmechaniker gelernt und war viele Jahre selbstständig im Rohrleitungsbau tätig. Mit 40 habe ich den Metallbaumeister gemacht, anschließend den Schweißfachmann und den Betriebswirt. Weil ich nicht mehr selbstständig sein wollte, habe ich mich zum Schweißwerkmeister qualifiziert und dann noch zum Schweißlehrer. Dadurch darf ich nun auch unterrichten.

metallbau: Welche Fächer sind Ihnen zugeordnet?

Macheit: Schwerpunktmäßig bin ich in der Schweißwerkstatt für die praktische Ausbildung zuständig. Für die Qualifizierung zum Schweißfachmann Teil 1 unterrichte ich auch die Theorie. Innerhalb der Metallfachschule gibt es natürlich noch mehr Fächer. Beispielsweise unterrichte ich noch Steuerungstechnik in Theorie und Praxis.

Info + Kontakte

Fachverband Metall Hessen
Ludwig-Erhard-Straße 20
61440 Oberursel im Taunus
Tel. 06171 88303 40

www.fm-hessen.de

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