Metabo Akku-Kantenfräse

Testauswertung von Stahlbau Haist

Der Betrieb Stahlbau Haist in Baiersbronn-Mitteltal hat sechs Wochen lang die Akku-Kantenfräse KFM 18 LTX 3RF getestet. Gleich vorab: Unternehmer Egon Haist hat das Testgerät von Metabo gekauft.

Die meisten Metallbauer schleifen die Kanten ihrer Bauteile mit dem Winkelschleifer (WS), für Bohrungen werden ein Kegelsenker oder ein Gradschleifer genutzt. Normkonform gerundete Kanten, wie sie die DIN EN 1090-2 und die DIN EN ISO 12944 für den Korrosionsschutz fordern, lassen sich verlässlich weder mit dem Winkelschleifer noch mit dem Kegelsenker erzielen.

Kurz zu den Vorgaben der Norm: Die DIN EN ISO 12944 gliedert die Dauer des Korrosionsschutzes in drei Zeitspannen: < 5 Jahre, 5 bis 15 Jahre und > 15 Jahre. Diesen drei Zeitfenstern werden die Korrosivitätskategorien von C1 bis C5 (s. Tab. 1) zugeordnet korrelierend mit einem definierten Vorbereitungsgrad P1 bis P3 (s. Tab. 2; beide auf www. metallbau-magazin.de).

Der Ausschreibende kann also hinsichtlich der Dauer des Korrosionsschutzes eine Korrosivitätskategorie von C1 bis C5 mit einem Vorbereitunsgrad von P1 bis P3 für den ausführenden Auftragnehmer festlegen. P1 definiert eine leichte Vorbereitung. So heißt es beispielsweise: Durch Schneiden hergestellte Kanten dürfen nicht scharfkantig sein und die Kanten müssen frei von Graten sein. P2 fordert eine gründliche und P3 eine sehr gründliche Vorbereitung mit festgesetzten Mindestradien, mit denen die Kanten gerundet sein müssen. „Um einen gleichmäßigen Radius auszubilden, ist der Winkelschleifer nicht das richtige Werkzeug“, so Egon Haist.

Gleichmäßige Fasen und Radien

Die neue Akku-Kantenfräse hat Metabo so entwickelt, dass sich mit ihr die Anforderungen der Norm exakt erfüllen lassen. Mit der Maschine kann auf eine scharfe Kante eine 45° Fase von maximal 4 mm oder auf eine scharfe Ecke ein Radius von maximal drei Millimeter aufgebracht werden. Es werden gleichmäßige, glatte Oberflächen ohne Untiefen erzeugt. Die beim Fräsen entstehende Hitze wird mit den Spänen abtransportiert, das Bauteil kann sofort weiterverarbeitet werden.

„Für das Verrunden von Ecken oder Bohrungen ist der Winkelschleifer nicht ideal“, räumt Haist ein. Der Metallbaumeister fungiert als geprüfter Beschichtungsinspektor nach DIN EN ISO 12944. Ihm ist die Problematik geläufig, die nicht gleichmäßig verrundete Kanten und Bohrungen beim Beschichten verursachen. Bislang gab es kein spezielles Werkzeug dafür.

Von scharfen Kanten fließt das Beschichtungsmaterial weg, in der Fachsprache als Kantenflucht bezeichnet, daher kann die Beschichtung − egal ob Zink oder Nassbeschichtungen jeglicher Art − nicht dauerhaft gegen Korrosion aufgebracht werden. Präzision ist jedoch auch bei Rundungen von Bohrungen notwendig, gerade weil Verbindungsstücke besonders korrosionsanfällig sind. Laut Metabo kann die KFM 18 LTX 3RF in einer Minute die Kanten von sechs Bohrungen in einer Stahlbauplatte von beiden Seiten fräsen. Haist berichtet, dass der Test das angegebene Leistungspotenzial bestätigt.

Der Unternehmer freut sich über die Maschine, die künftig für eine noch bessere Qualität seiner Bauteile sorgt. „Nicht gleichmäßig geschliffene Kanten mussten in der Lackiererei zeitaufwändig mit dem Pinsel vorbereitet und nachbearbeitet werden, um den gewünschten Korrosionsschutz zu erreichen.“ Deutlich mehr Kosten sind entstanden, wenn nach drei bis vier Jahren die öffentlichen Auftraggeber Korrosion an diesen prinzipiell empfindlichen Bauwerksstellen gemeldet haben, weil bei der Herstellung die Beschichtung nicht ordentlich gehaftet ist. „Meist handelt es sich bei den Reklamationen um Bauteile im Brücken- oder Geländerbau“, erzählt Haist.

Optimierte Qualität

Mit der Akku-Kantenfräse sollten sich solche Mängel und Reklamationen vermeiden lassen. Haist ist überzeugt: „Das Gerät ist hervorragend, um Radien anzubringen oder runde Aussparungen anzufräsen.“ Nach der gründlichen Kantenvorbereitung lässt sich der Beschichtungsstoff, sei es nun Zink oder eine Nassbeschichtung, sehr gut elektrostatisch oder mit dem Airless Sprühgerät aufbringen ohne aufwändigen Kantenschutz. Nacharbeiten mit dem Pinsel fallen nicht mehr an. „Im Ergebnis können wir mit der neuen Maschine ein Produkt mit optimierter Qualität erreichen.“

Die Akkuleistung

Metabo hat die Maschine 2017 in den Markt eingeführt. Obwohl sie zu 95% in der Werkstatt eingesetzt wird, wurde sie mit einem Akku ausgestattet. Haist hat mit einem CAS 18Volt 8Ah Akku gearbeitet und war rundum zufrieden. „Wir kamen bei keiner Anwendung an einen Punkt, wo wir uns mehr Leistung gewünscht hätten, und wir möchten auch nicht das mobile Gerät gegen ein Netzgerät tauschen.“ Sehr gut findet der Metallbaumeister, dass sich der Akkupack frei drehen lässt. „Bei beengten Arbeitssituationen hilft die flexible Einstellungsmöglichkeit“, sagt er.

Der Kantenfräse liegen drei Plattentypen bei: Eine Wendeschneidplatte für das Anfasen im 45° Winkel und zwei Wendeschneidplatten, mit denen sich ein definierter Radius (R2/ - 2 mm oder R3/ - 3 mm) auf die Kante übertragen lässt. Möchte der Bediener den Radius wechseln, dann braucht er nicht den Universalkopf auszutauschen, sondern nur die Messer. Haist bestätigt: „Die Platten haben sich problemlos wechseln lassen.“

Noch nichts für große Grate

Während der Testphase wollte der Stahlbauer auch Schneidkanten an Stahlplatten entgraten, die vorab mit der Plasmaschneidmaschine geschnitten wurden. Dieses Testergebnis fiel unzureichend aus. „Für diesen Zweck ist die Maschine nicht geeignet“, bedauert Haist. Durch den großen Grat könne die Maschine nicht sauber an der Kante entlanggeführt werden. Mit dem WS hingegen kann die Schnittkante problemlos bearbeitet werden. Gross von Metabo stellt klar: „Nur bei Bauteilen mit sehr kleinem Grat kann auch mit der Akku-Kantenfräse entgratet werden.“

Ebenfalls mit dem WS wird der Betrieb Haist weiterhin Platten kleiner als DIN A4 entgraten. „Bis die Platte in einen Schraubstock eingespannt ist, in der Zeit ist sie auch entgratet.“⇥sm ◊

www.stahlbauhaist.de

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