PeTe-Schweißnahtlehre im Test

Zwei Metallbauer sind begeistert

Um die Qualitätskontrolle von Schweißnähten deutlich zu verbessern, entwickelte Schweißfachmann und Dipl.-Ing. Peter Trappe die PeTe-Schweißnahtlehre. Sein Credo: „Schweißer müssen in der Lage sein, fertige Nähte selbst zu bewerten. Eine Kontrolle erst nach Herstellung ist aus wirtschaftlicher Sicht zu spät.“ Er behauptet, dass Maßkontrolle, Toleranzabgleich und Bewertung mit seiner Lehre in einem Zug durchgeführt werden können und sich so der Prüfaufwand um bis zu neunzig Prozent reduziert. Fachjournalistin Ulrike Hensel befragte den geschäftsführenden Gesellschafter Clemens Schütt des Stahl- und Metallbauunternehmens Mäule & Beck in Stuttgart und Geschäftsführer Christian Rebmann von der Schlosserei Rebmann in Marbach am Neckar. Beide hatten die Lehre im Test.

Clemens Schütt, geschäftsführender Gesellschafter Mäule & Beck

„Am liebsten hätten wir die Lehre gleich behalten!“

metallbau: Mit welchen Lehren wurde bisher bei Mäule & Beck gearbeitet?

Clemens Schütt: Bisher haben wir Format Schweißnahtlehren mit Schieber mit Nonius im Einsatz. Außerdem nutzen wir für grobe Prüfungen Schweißnahtlehren mit Blättern. Das ist lange nicht so genau, denn auf den Blättern gibt es keine Skala, die Werte werden eher geschätzt.

metallbau: Welche Fehlerquellen gab es?

Schütt: Vor allem durch ungenaues und schräges Ablesen konnten relativ schnell Fehler passieren.

metallbau: Sie haben jetzt die PeTe-Schweißnahtlehre getestet. Was ist anders?

Schütt: Sie hat wesentlich mehr Funktionen und lässt sich wie ein Messschieber bedienen. Sie ist auf jeden Fall genauer als ein einfaches Prüfwerkzeug. Mich hat auch angesprochen, dass man bei Kehlnähten die a-Maße sehr einfach und schnell ablesen kann. Das ist wichtig, wenn man zum Beispiel wegen verschiedener Werkstoffstärken ungleichschenklig schweißen muss.

metallbau: Wie beurteilen Sie die Handhabung und Bedienbarkeit?

Schütt: Unproblematisch. Nach einer kurzen Einübungszeit ist die Schweißnahtlehre für jeden Schweißer einsetzbar.

metallbau: Schweißspritzer machen bei der Nahtkontrolle immer wieder Probleme. Wie ist das bei der neuen Lehre?

Schütt: Das ist korrekt, wobei Schweißspritzer bei uns nicht das Problem sind. Schwierig war eher das schräge Anlegen oder ungenaue Hinschauen, weil man bisherige Lehren immer direkt am Werkstück ablesen musste. Die PeTe-Lehre wird angehalten, mit einem Rädchen fixiert, abgenommen und vor‘s Auge gehalten. Das ist wesentlich genauer.

metallbau: Das ist ein Thema beim Handschweißen?

Schütt: Ja, denn der Schweißer legt die voreingestellte Lehre gelegentlich an der Naht an und erkennt sofort, wenn etwas aus dem Ruder läuft. Vorteilhaft ist das aber auch beim Maschinenschweißen. Je genauer der Schweißer seine Maschine einrichten kann, umso besser. Beim Schweißen prüft er dann vielleicht eine Stelle nochmal nach oder kontrolliert jede zehnte Schweißnaht.

metallbau: Was meinen Sie, wieviel Zeitersparnis bringt Ihnen diese Lehre?

Schütt: Das steht nicht an oberster Stelle. Für uns ist wichtig, dass die Genauigkeit besser wird und es weniger Ausschuss gibt.

metallbau: Bringt die neue Schweißnahtlehre Vorteile in Bezug auf die EN 1090?

Schütt:   Auf jeden Fall, weil die erforderlichen Nachweise einfacher erstellt werden können. Für unsere zertifizierten Schweißfachingenieure, die die Schweißnähte prüfen und abnehmen dürfen, wird das Arbeiten definitiv einfacher. Man kann mit der Schweißnahtlehre  eine viel bessere Dokumentation machen, ohne riesigen
Aufwand.


Christian Rebmann, Schlossermeister, Schlosserei Rebmann

„Beim Anlegen sehe ich, ob die Toleranzen stimmen.“

metallbau: Schweißnähte haben Sie bisher mit herkömmlichen Schablonen und Lehren überprüft. Was war schwierig?

Christian Rebmann: Richtiges und genaues Anlegen war besonders kompliziert. Manchmal mussten wir zwei oder drei Schablonen für die a-Maße verwenden, je nach Zugänglichkeit der Schweißnähte.

metallbau: Welche Fehlerquellen taten sich auf?

Rebmann: Durch den Verzug der Schweißteile konnte man die bisherigen Schablonen teilweise gar nicht, falsch oder nur ungenau anlegen. Dadurch passierten Messfehler bzw. man konnte gar nicht messen und nur grob schätzen.

metallbau: Und das dauerte auch entsprechend lang?

Rebmann: Ja, zwei bis drei Minuten konnten das pro Messung schon sein.

metallbau: Mit der PeTe-Schweißnahtlehre soll das schneller gehen?

Rebmann: Mit der neuen Lehre brauchen wir etwa die halbe Zeit. Das liegt vor allem am besseren Anlegen. Bei den herkömmlichen Lehren muss man den Winkel oder die Anlegekante genau erwischen, sonst bekommt man ein falsches Messergebnis. Die PeTe-Lehre hat zwei Messzungen, mit denen die gewünschten Werte inklusive der Toleranzen vorher eingestellt werden. Hier kann man nicht falsch anhalten und sieht sofort, ob das passt.

metallbau: Wie beurteilen Sie jetzt die Ist-Maß-Ermittlung an einer fertigen Naht?

Rebmann: Mit der PeTe-Schweißnahtlehre geht das vor allem schneller, weil man das a-Maß, die Nahtbreite, die Nahtüberhöhung und auch die Schenkellängen mit einem Mal bestimmen kann. Außerdem kann man toleranzbezogen prüfen, ohne Ist-Maß-Ermittlung.

metallbau: Welchen Nutzen sehen Sie mit der neuen Schweißnahtlehre insgesamt?

Rebmann: Der Zeitaufwand ist wesentlich geringer, die Nachprüfbarkeit ist einfacher und eine schnelle Kontrolle ist sogar während der Fertigung möglich. Der Hauptvorteil für uns sind aber die langen Messzungen. Wir fertigen gelegentlich abgestufte Drehteile, auf die eine Scheibe geschweißt wird. Mit den herkömmlichen Schablonen sind wir an die Schweißnaht gar nicht hingekommen. Jetzt sind auch engere bzw. weit entfernte Stellen messbar.

metallbau: Welche Vorteile hat der Einsatz der Lehre hinsichtlich der EN 1090?

Rebmann: Wir können Teile kontrollieren, die wir bisher nur geschätzt haben. Die Fertigung wird viel genauer und wir können das nun auch dokumentieren.

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