Rettungswegtechnik

Sachkundenachweis für Hauks Metallbauer

Wer Rettungswegtechnik in Betrieb nimmt oder wartet, braucht einen Sachkundenachweis. Hersteller der Produkte bieten dafür einschlägige Seminare an. In Berlin wurden kürzlich elf Mitarbeiter von F.R. Hauk Stahl- und Leichtmetallbau durch den Hersteller Assa Abloy geschult und geprüft. Stefanie Manger hat an der Veranstaltung teilgenommen und berichtet.

Für den Bereich der Rettungswegtechnik ist vor allem die EltVTR relevant – die Richtlinie über elektrische Verriegelungssysteme von Türen in Rettungswegen veröffentlicht das DIBt. Diese sieht vor, dass die Inbetriebnahme und die jährliche Überprüfung nur von geschulten Fachkräften, sogenannten Sachkundigen, ausgeführt werden darf. Assa Abloy folgt dieser Vorgabe und schult jährlich ca. 350 Seminarteilnehmer für den Sachkundenachweis, darunter zahlreiche Metallbauer.

Die schwedische Unternehmensgruppe für Sicherheitstechnik, die weltweit mehr als 40.000 Mitarbeiter beschäftigt, hat in Deutschland zwei Training Center eingerichtet. Eines in Berlin und ein weiteres in Albstadt. Dort bietet Assa Abloy seit zwei Jahren auch Intensiv-Workshops zu Rettungswegsystemen an speziellen Labortischen an.

F.R. Hauk Stahl- und Leichtmetallbau mit Firmensitzen in Berlin und Nauen hat für elf seiner 35 Mitarbeiter in der Berliner Zentrale ein Tagesseminar für den Erwerb des Sachkundenachweises gebucht. Den Kurs leitet Dipl.-Ing. Jochem Mülhausen. Der studierte Holzingenieur pendelt nicht nur zwischen den Schulungszentren in Albstadt und Berlin, sondern ist auch in fernen Ländern unterwegs, um Monteure in die fachgerechte Verarbeitung der Produkte für Sicherheitstechnik einzuweisen.

Die Mitarbeiter von F.R. Hauk sind nicht weniger weltgewandt, das Unternehmen hat einen Schwerpunkt auf Neubau und Sanierung der Gebäude deutscher Botschaften – weltweit gibt es 220 deutsche Auslandsvertretungen: Die Metallbauer kommen herum: Steffen Korthaus hat kürzlich drei Wochen in Südamerika gearbeitet, Fred Monte zwei Wochen in Mittelamerika, Günter Garboczok drei Wochen ebenfalls in Mittelamerika.

Metallbauer Martin Hanse war im November drei Wochen in Osteuropa tätig und bereitet sich auf seine Auslandsmontage in Afrika vor. „Im vergangenen Jahr war ich insgesamt ca. sechs Monate im Ausland tätig“, sagt er. Bis zu einem viertel Jahr ohne Pause verbringen Hauks Leute im Ausland. „Familienfreundlich ist der Job nicht, aber sehr abwechslungsreich, und an den Sonntagen ist Zeit, Land und Leute kennenzulernen.“

Metallbauer als Allrounder

Ganz gleich in welchem Land das Gebäude der deutschen Botschaft steht, bautechnisch werden die Normen und Regeln der Heimat angewandt. Wenigstens in diesem Punkt stellt diese Art von Auslandsauftrag keinen zusätzlichen Anspruch, wenngleich andere Herausforderungen zahlreich sind. Beispielsweise Verzögerungen des Materialtransports, Probleme mit örtlichen Behörden, regionale Epidemien oder ein Lebensalltag im Bürgerkrieg. Die kleinsten Reklamationen verursachen horrende Kosten. „Meine Metallbauer sind Allrounder sowohl menschlich als auch technisch“, sagt Franz Hauk (Interview siehe Seite 6).

Die meisten seiner Mitarbeiter sind zwar als Metallbauer ausgebildet, müssen im Ausland aber gewerkeübergreifend arbeiten. Mechatronik im Bereich Fenster und Türen, die Installation von Steuerungen oder die Vernetzung von Türen und Fenster über BUS-Systeme sollten kein Problem sein. In diesem Sinne investiert Hauk in die Weiterbildung seiner Mitarbeiter.

Die bestandene Sachkundeprüfung, die am Ende des Seminartags ansteht, erlaubt den elf Metallbauern die Inbetriebnahme und Wartung der elektrischen Verriegelungen. Der Nachweis kann vom Bauherren oder Architekten nachgefragt werden. Dabei ist dieser Nachweis nur ein Mosaikstein in einer Reihe von Zusatzqualifikationen bei F.R. Hauk.

Test rundet Seminartag ab

Einige der Seminarteilnehmer legten die Sachkundeprüfung erstmals ab, andere frischten den Nachweis auf. Als Hersteller gibt Assa Abloy vor, dass die Sachkunde im Turnus von fünf Jahren wiederholt werden sollte. Der Prüfungsbogen umfasst 25 Fragen. Um das Seminar erfolgreich abzuschließen, muss der Prüfling 25 von 34 Punkten erreichen. Die Fragen drehen sich um die Vorschriften rund um den Aufbau und die Inbetriebnahme des Rettungswegs. Das Seminar ist nicht verschult. Das Skript, ein A4-Ordner, steht für die Bearbeitung der Prüfungsfragen als Hilfsmittel zur Verfügung. „Entscheidend ist, dass ihr wisst, wo was zu finden ist“, erklärt Mülhausen den Teilnehmern. Klar, dass die Monteure, die teils weitere Sachkundenachweise für die Inbetriebnahme und Wartung von Feststellanlagen beispielsweise der Hersteller Geze und Dorma besitzen, ihren Aktenschrank mobil im digitalen Format bei sich haben.

Richtlinien für
Rettungswegtechnik

Entscheidende Richtlinie für die Rettungswegtechnik ist die EltVTR, die nach Angabe von Mülhausen auch in der Schweiz und in Österreich berücksichtigt wird. Der Mustererlass ist wichtig wegen der bauaufsichtlichen Anforderungen an elektrische Verriegelungen von Türen in Rettungswegen und regelt die Inbetriebnahme und die Wartung durch einen Sachkundigen. Darüber hinaus gelten die Arbeitsstättenrichtlinie (ASR) und die Vorgaben des DIBt für die Änderungen bei Feuerschutztüren (Fassung Juni 1995) sowie die Zulässigen Änderungen und Ergänzungen an Feuerschutztüren (Stand Dezember 2009).

Ob nun bei Feuerschutztüren die Regeln vom Juni 1995 anzuwenden sind oder die vom Dezember 2009 hängt vom Zulassungsdatum der Türe ab. Mülhausen hebt hervor, „dieses Datum steht nicht auf dem Kennzeichnungsschild an der Türe, sondern muss in der bauaufsichtlichen Zulassung der Tür nachgeschlagen werden“. Führt ein Metallbauer eine Änderung an einer Feuerschutztüre durch, die nicht zulässig ist, wird das als Ordnungswidrigkeit geahndet, der ein Bußgeld folgen kann.

Nicht zu vernachlässigen sind Rettungswege in Kindergärten. Wenngleich an diesem einen Seminartag nicht die einzelnen Sonderregelungen vermittelt werden, nach der Schulung sollte der Teilnehmer wissen, für Kindergärten und –tagesstätten oder auch für Verkaufsstätten gibt es spezielle Anforderungen an Rettungswege. Die Hersteller bieten dafür meist maßgeschneiderte Lösungen.

Strittige Normen

Wer Paniktürverschlüsse einbaut, muss sich unweigerlich mit den Unsicherheiten beschäftigen, die in Bezug auf die Gültigkeit der DIN EN 1125 (Paniktürverschluss) und DIN EN 179 (Notausgangtürverschluss) diskutiert werden. Mülhausen erläutert die Gründe für diese Debatten und stellt fest, „der Markt verfügt inzwischen umfassend über Systeme, die mit dem CE-Kennzeichen versehen sind, nennenswerte Alternativen gibt es keine“. Bei Installation der Produkte mit CE-Kennzeichnung ist der Verarbeiter auf der sicheren Seite.

Sind sich Planer und Metallbauer nicht einig, wie eine Fluchttüre genutzt wird, ob im Ernstfall die Situation vor der Türe als Not- oder als Paniksituation (s. Infokasten website www.metallbau-magazin.de) einzuschätzen ist, empfiehlt Mülhausen den Paniktürverschluss. „Im Zweifelsfall sollte immer dieser Vorrang haben.“ Ob die Entscheidung nun auf einen Paniktürverschluss oder Notausgangstürverschluss fällt, Schloss und Beschlag müssen in jedem Fall als System geprüft sein. „Auf dem Markt werden diese geforderten Systeme zahlreich angeboten.“

Komponenten für Rettungswegtechnik

Rettungswegtechnik zielt darauf ab, den Missbrauch von Notausgängen zu verhindern, beispielsweise unerlaubtes Hereinlassen oder Flucht. Die Technik wird vor allem in Möbelhäusern, Hotels, Supermärkten, Flughäfen, Krankenhäusern und Kindergärten eingesetzt. In diesem Zusammenhang erläutert Mülhausen die Funktionen einer Drückerüberwachung, einer Türüberwachung und einer elektrischen Verriegelung. Wie beim Paniktürverschluss gilt auch bei der elektrischen Verriegelung: Die Komponenten wie Steuerungen oder Terminals und die Verriegelungselemente müssen als System geprüft worden sein.

Als Verriegelungselemente für Rettungswegtechnik stellt Mülhausen drei Varianten vor: Haftmagnete, Fluchttüröffner und Aufbaulösungen. Alle drei Varianten müssen gemäß der EltVTR folgende Voraussetzungen erfüllen: Die Türen müssen stromlos offen sein (Ruhestromprinzip), die Zuhaltekraft mindestens 2.000 N betragen und die Vorlastfähigkeit mindestens 90 % der Zuhaltekraft, also max. 3.000 N. Die geprüften und zugelassenen Verriegelungselemente werden unabhängig vom Hauptschloss montiert.

Bei der Montage von Haftmagneten rät Mülhausen folgende Punkte zu beachten. An FH Bestandstüren können nur Haftmagnete nachgerüstet werden, wenn diese FH Türen vor dem 01.01.2010 zugelassen wurden. Die lichte Türhöhe muss laut ASR mindestens 1,95 m betragen, und der Haftmagneten benötigt einen separaten Türkontakt. Im Vergleich zum Haftmagnet ist ein Fluchttüröffner optisch unauffälliger. Soll eine Bestandstüre mit einem Fluchttüröffner nachgerüstet werden, muss die Türe möglicherweise für den Einbau eines zusätzlichen Fallenschlosses aufwändig gefräst werden. Diese nachträgliche Veränderung darf an einer FH Türe nur vorgenommen werden, wenn die dafür notwendigen Fräsungen bereits vorhanden sind und die Nachrüstbarkeit in der Zulassung der Türe vermerkt ist. „Also Vorsicht“, betont Mülhausen.

Für die Freigabe der Verriegelung der Türen mit Fluchttüröffner oder Haftmagneten gibt es zwei Möglichkeiten: ein Steuerterminal oder ein Türterminal. Während das Steuerterminal kompakt Anschlüsse und Steuerung integriert, sieht das Türterminal eine separate Steuerung mit vielen weiteren Anschlussmöglichkeiten vor. Das zugeordnete Terminal besteht dann nur aus Nottaster, Schlüsselschalter, Sirene und Anzeige-LEDs. Von der Optik her unterscheiden sich die beiden Bedienvarianten nicht. Zur Vernetzung der elektrischen Verriegelungen lassen sich BUS-Systeme einsetzen. Wie viele Türen sich über ein BUS-System ansteuern lassen, variiert. Der BUS-Controller 970-TSBC von Assa Abloy ist für maximal 110 Türen geeignet.

Fazit

Hat sich ein Betrieb auf die Montage von Feuerschutztüren spezialisiert, ist es von Vorteil, wenn seine Metallbauer auch das Marktsegment Rettungswegtechnik bedienen können. Mit der regelmäßigen Weiterbildung garantiert der Betrieb die Qualität seiner Leistungen und führt die Aufgaben rechtssicher aus.

Das Unternehmen Hauk hat sich einen Nischenmarkt erarbeitet, für den es nach den jüngsten Meldungen der Tagespresse noch viel zu tun gibt. So berichtete Anfang April die Süddeutsche Zeitung von Millioneninvestitionen, die in den Ausbau oder Neubau wichtiger deutscher Botschaften fließen sollen — in erster Linie um die Sicherheitstechnik aufzurüsten.⇥

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