Simonmetall zweimal ausgezeichnet

Unternehmerehepaar auf Erfolgskurs

Simonmetall hat sich auf Geländer, Balkon- und Treppenanlagen sowie Überdachungen spezialisiert. Der mittelständische Familienbetrieb aus Tann in der Rhön erwirtschaftet mit 36 Mitarbeitern rund 3 Millionen Euro Umsatz. Trotz seines regionalen Schwerpunktes erfährt das Unternehmen regelmäßig bundesweit Anerkennung.

2014 wurde Simonmetall als innovativstes Handwerksunternehmen in der Fügetechnik ausgezeichnet. Innovationen scheinen der Unternehmerfamilie im Blut zu liegen. Bereits kurz nach der Gründung seines Handwerksbetriebs im Jahr 1919 meldet Schmied Rudolf Simon Erfindungen wie einen lenkbaren Vorderwagen als deutsches Reichsgebrauchsmuster an. Seine Produkte kennzeichnet er mit seinen Initialen „RS“ in einem Stern. Der Stern ist heute noch im Firmenlogo des Unternehmens, das sich 2005 auf seinen heutigen Namen umfirmiert hat. Inzwischen wird Simonmetall in der vierten Generation von Christian Simon als alleinigem Gesellschafter und seiner Frau Yvonne als Mitgeschäftsführerin geführt. 2004 sind die beiden Diplom-Wirtschaftsingenieure ins Unternehmen gekommen.

Erfolgreiche Nachfolge

Vater Bernhard Simon hat es verstanden, seinen Sohn frühzeitig ins Unternehmen zu integrieren. Obwohl selbst erst knapp über 60 Jahre alt ist, hat er 2013 das Unternehmen an Christian übergeben. „Ein Übergabeprozess ist immer kompliziert und geht über Jahre“, sagt der 36-jährige Christian Simon. Deshalb haben sie sich Unterstützung durch einen Unternehmenscoach geholt. Zwar bilden der gelernte Metallbauer und seine Frau heute die Geschäftsführung, aber in einem Führungskreis, der Teil der neuen Firmenstruktur ist, sind seine Eltern ebenso mit von der Partie wie der Fertigungsleiter und der Betriebsleiter. „Jeder bringt seine Erfahrungen ein. Das macht uns stärker und besser“, ist sich Yvonne Simon sicher, die für Vertrieb und Marketing zuständig ist.

Chance Wiedervereinigung

Bereits der Vater Bernhard hatte die Firma in den vergangenen Jahrzehnten deutlich erweitert und als Schmiedehandwerksmeister noch eine Ausbildung als Schweißerfachmann draufgesattelt. Lange Jahre lag Tann im Zonenrandgebiet, nur ein paar Steinwürfe von der Grenze zur DDR entfernt. Heute wirbt die 4.500-Seelen-Gemeinde mit dem Slogan „Grenzenlos schön“. Nach der Wiedervereinigung vergrößerte sich auch der Aktionsradius von Simonmetall deutlich. Bereits 1995 investierte Bernhard Simon in den vierten Hallenanbau. Viele Kunden kommen aus dem Landkreis Fulda oder dem Rhein-Main-Raum. „Wir waren aber auch schon in Berlin, Passau oder in der Schweiz tätig“, berichtet die 35-jährige Geschäftsführerin.

Seine Kunden findet Simonmetall vor allem im privaten Bereich, die bei den Tannern für ihre Neubauten Geländer oder Treppenarbeiten ordern. Verstärkt spielen inzwischen zudem Aufträge im Rahmen von Renovierungs- und Sanierungsarbeiten eine Rolle. „In Werbung investieren wir wenig“, bekennt die Marketingverantwortliche und gelernte Industriekauffrau. „Denn neue Kunden kommen durch persönliche Empfehlungen zufriedener Kunden zu uns. Und wir setzen bei unserer Arbeit auf hochwertige Materialien mit guten Oberflächen sowie neueste Techniken“, ergänzt Ehemann Christian.

Innovationstransfer

Erst im September 2014 wurde das Unternehmen mit dem Innovationspreis „Fügen im Handwerk“ ausgezeichnet. Der Preis wurde erstmals vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und vom DVS – Deutscher Verband für Schweißen und verwandte Verfahren verliehen. ZDH Präsident Hans Peter Wollseifer würdigte Christian Simon als Persönlichkeit, die sich dafür einsetze, „einen hohen und umfangreichen Qualifikationsstand ihrer Mitarbeiter zu sichern, und die gleichzeitig den reibungslosen Innovationstransfer in der Fügetechnik unterstützt und beschleunigt.“

Tatsächlich haben Simon und seine Mitarbeiter das Ohr beständig am Markt. Sie verfolgen über die Fachpresse neue Verfahren in der Fügetechnik oder bei Glasarbeiten und testen sie umgehend in der betrieblichen Praxis. „Ein permanenter Prozess“, unterstreicht Christian Simon. Die Mitarbeiter werden kontinuierlich weiterqualifiziert, Handbücher aktualisiert und Fertigungsprozesse angepasst. Nicht zuletzt wirken die Mitarbeiter von Simonmetall in einschlägigen fachlichen und branchenspezifischen Gremien am Transferprozess mit.

Seit 2014 ist Simonmetall nach der Norm EN 1090 zertifiziert. Allerdings kritisiert Simon, dass neue Vorschriften dem Handwerker viel abverlangen, da sie meist auf die Industrie ausgerichtet sind. „Wie soll der bürokratische Aufwand gemeistert werden, und wie sind wir wettbewerbsvergleichbar, wenn viele Kunden und Gemeinden die EN 1090 nicht kennen?“, merkt er dazu an. Trotzdem hat er inzwischen auch das EG-Zertifikat für die werkseigene Produktionskontrolle erhalten. „Damit dürfen wir eine CE-Kennzeichnung für unsere Produkte vornehmen“, sagt Simon.

Nachhaltige Fortbildung

„Wir schweißen wie andere auch. Aber wir ermuntern unsere Mitarbeiter zur beständigen Fortbildung“, berichtet Yvonne Simon. So haben sie ein Prämiensystem entwickelt, bei dem jeder Mitarbeiter für seine Fortbildungen Geld auf ein Altersvorsorgekonto erhält. Das Unternehmen ist in einzelnen Abteilungen vom CAD-Büro, über die Montage bis hin zur Schlosserei, Stahlbau oder Lager organisiert. Die Abteilung, in der die meisten Prämienpunkte durch Fortbildungen gesammelt werden, bekommt zudem Geld für eine teambildende Maßnahme wie gemeinsames Klettern. „Unsere Mitarbeiter können selbst Fortbildungen vorschlagen. Wir nutzen aber auch das Seminarprogramm des DVS bis hin zur örtlichen Volkshochschule“, sagt Christian Simon. Bezahlt werden die Fortbildungen vom Unternehmen. Die Mitarbeiter selbst investieren Freizeit oder Urlaub. „Die hohe Qualifikation unserer Mitarbeiter ist unser starkes Plus“, ist Simon überzeugt.

Schlank aufgestellt

Erstaunlich ist, dass das Unternehmen in Sachen Maschinenpark eher schlank aufgestellt ist. Eine vier Meter Kantpresse und eine vier Meter Schlagschere gehören zum Handwerkszeug ebenso wie Schleif- und Schweißmaschinen, Bohrmaschinen, Flex oder Säge. „Unsere Hallen haben wir funktional auf die unterschiedlichen Arbeitsbereiche ausgerichtet“, so der Geschäftsführer. „Das Lager selbst ist klein. Wir halten nur Dinge vor, die wir permanent brauchen. Alles andere wird projektbezogen kommissioniert.“ Er hat für die Produktion ein eigenes Kaban-System entwickelt und für die Lagerverwaltung ein eigenes Programm geschrieben. Die Auftragsbearbeitung erfolgt durch die Software eines regionalen Programmierers. Ansonsten haben sie Auto-CAD und Office-Standardsoftware im Einsatz.

Kommt die Anfrage eines Kunden, werden zunächst bei einem Vorort-Termin Fotos gemacht. Simonmetall entwickelt auf Grundlage des Kundenwunsches einen Vorschlag. In der hauseigenen CAD-Abteilung werden Varianten erarbeitet. Nach der Freigabe und Fertigungszeichnung erfolgt die Bestellung des Materials. Die Veredelung und Beschichtung erfolgt durch regionale Partner. „Wir wollen, dass alles von Anfang an passt“, berichtet Yvonne Simon. „Die Rhön ist etwas unwegsam. Wenn etwas vergessen wurde, dauert es, bis man es an der Baustelle hat. Deshalb bereiten wir uns intensiv auf die Montage vor und sind gut organisiert.“

Keine Nachwuchssorgen

Früh hat Simonmetall die Chancen des Internets erkannt. Bereits zur Jahrtausendwende erstellte Christian Simon den ersten Internetauftritt des Betriebes. Und seine Frau twittert inzwischen und ist auf Facebook unterwegs. Mit Maßnahmen zur Gesundheitsförderung seiner Mitarbeiter, aber auch durch ein überdurchschnittliches Engagement in Sachen Ausbildung hat sich Simonmetall einen guten Namen weit über die Region hinaus gemacht. Bei 36 Mitarbeitern werden acht Azubis beschäftigt, eine Ausbildungsquote von über 22 % „Fachkräfte gewinnt man am besten dadurch, dass man sie selber ausbildet“, erklärt Christian Simon. „Nur Betriebe mit guten Mitarbeitern haben langfristig eine Perspektive.“ Er selbst greift Azubis durch Nachhilfe unter die Arme, wenn sie in einem Fach Probleme haben. Er vereinbart Ziele mit ihnen, an denen sie sich messen lassen und mit denen sie wachsen können. Seine Frau setzt sich in Sachen Berufsorientierung an den regionalen Schulen ein und schwört auf Praktika. „So sehen die Jugendlichen und wir am besten, ob der Beruf für sie der richtige ist“, sagt sie. Bereits 2010 wurde Simonmetall mit dem „Ausbildungs-Ass 2010“ in Gold in der Kategorie Handwerk bundesweit ausgezeichnet. „Wir haben keine Probleme, neue Auszubildende zu finden“, erklärt Christian Simon. Einige Bewerbungen für das Jahr 2015 sind bereits im Herbst eingegangen.

Gesunde Unternehmenskultur

Seinen guten Ruf als Arbeitgeber stärkt Simonmetall zudem durch sein Engagement im Gesundheitsmanagement. Der Betrieb ist im IHK Arbeitskreis „Gesundheit und Werte“ in Fulda aktiv und bietet seinen Mitarbeitern beispielsweise regelmäßige Rückenschulkurse, Qigong-Kurse, Seminare zur Ernährung oder Raucherentwöhnung an. „Mancher findet es vielleicht schräg. Qigong ist aber eine prima Möglichkeit, um sich aus dem Alltagsstress auszuklinken und zu entspannen“, erzählt Yvonne Simon. Sie arbeitet nicht nur in der Firma, sondern stemmt ebenfalls den Haushalt und die Erziehung der beiden Töchter im Alter von fünf und sieben Jahren. Die umtriebige Geschäftsführerin, die sich zudem um die Teilnahme an passenden Wettbewerben kümmert und so das Unternehmen auch im Sinne des Employer Branding prägt, wurde erst im Oktober vom Verband der Unternehmerfrauen im Handwerk (UFH) zur Unternehmerfrau des Jahres gewählt. „Ganz ohne Bewerbung“, sagt sie verschmitzt. „Denn hier wird frau nominiert.“

Das Jahr 2014 verlief für Simonmetall nicht nur mit Blick auf die Auszeichnungen gut. „Wir sind mit unserer Geschäftsentwicklung sehr zufrieden“, sagt Christian Simon. Mit Aufträgen bis in den Sommer 2015 hinein ist sein Betrieb gut ausgelastet. Wie es kommt, dass sich ein Handwerksbetrieb, der lange im Schatten der Mauer zwischen Ost und West lag, so erfolgreich entwickelt hat? Christian Simons Antwort fällt einfach aus: „Wir setzen auf Qualität in der Fertigung, gute Lieferanten und eine langfristige Partnerschaft zu unseren Zulieferern. Das begeistert unsere Kunden, die gerne wiederkommen.“ Und die eigenen Mitarbeiter. So zeigt Simonmetall, wie Unternehmen mit Investitionen in Menschen langfristig Erfolg haben. Ein Beispiel, nicht nur fürs Handwerk.

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