Treppenexperte Schmid

Johannes Schmid führte in Salach zunächst einen Metallbaubetrieb mit klassischem Portfolio. Wobei der Treppenbau immer schon des Unternehmers liebstes Kind war. In einem kontinuierlichen Prozess über etwa fünf Jahre hinweg hat sich der ausführende Betrieb zum Zulieferer für Treppen entwickelt.

Es war ein schleichender Prozess vom Metallbauer zum Zulieferer, der sich über einige Jahre hinzog. Heute erwirtschaftet dieser Geschäftsbereich über 75 % des Umsatzes. In Konsequenz wurden allgemeine Schlosserarbeiten und der Fassadenbau reduziert.

Johannes Schmid ist überzeugt, die Entwicklung seines Betriebs kann ein Modell für andere Metallbauer sein, die sich gerne auf ein Marktsegment fokussieren möchten. „Die Anforderungen an Maschinen und Fachwissen für das umfassende klassische Portfolio im Metallbau sind so anspruchsvoll geworden, dass eine Spezialisierung auf ein Arbeitsfeld naheliegt“, so der 54-Jährige.

Den Impuls, MetallArt in Richtung eines Treppenzulieferers zu entwickeln, gaben Unternehmerkollegen. „Die Nachfragen meiner Kollegen nach komplexen Treppenbauteilen und Anlagen häuften sich signifikant“, berichtet der Geschäftsführer. Das zunehmende Interesse befeuerte die Idee, dieses Geschäftsfeld auszubauen. Der Betrieb mauserte sich vom regionalen Anbieter im Städtedreieck Stuttgart/München/Frankfurt zum bundesweiten Spezialisten für Treppen. Inzwischen stammen ca. 20 % der Aufträge aus dem Ausland. Aus der Schweiz, Frankreich, Luxemburg und Österreich. Die EN 1090 vereinheitlicht die Vorgaben für Treppenkonstruktionen in den europäischen Staaten, in den Landesbauordnungen gibt es insbesondere für Geländerhöhen und die Maße der Geländerfüllungen noch Unterschiede.

Damit die Kunden in größerer Entfernung zum Standort in Salach einen regionalen Ansprechpartner haben, setzte Schmid vier Techniker/Ingenieure als Außendienstmitarbeiter ein – in Trier, Lemgo, Hamburg und Crailsheim.

Organisatorische Änderungen. Vom Metallbauer zum Zulieferer ändert sich organisatorisch in erster Linie die Geschwindigkeit. „Die Mitarbeiter hat die Beschleunigung sämtlicher Betriebsabläufe herausgefordert“, berichtet Schmid. Angebote müssen schneller fertiggestellt werden, bei Aufträgen von Treppenbauteilen oder Biegeelementen gibt es keinen langen Zeitvorlauf. Die Erwartungen professioneller Kunden derselben Branche sind generell höher als die von typischen Endkunden. Ein Zulieferer muss kurzfristig agieren. „Falls nötig, arbeiten wir zeitweise im Schichtbetrieb.“

Erfolg im Treppenbau setzt sehr gut ausgebildetes Personal voraus. „Wir beschäftigen keine ungelernten Kräfte, allerdings acht Auszubildende“, sagt Schmid. Bei MetallArt sind die meisten Mitarbeiter als Metallbauer oder Metallbaumeister qualifiziert, darüber hinaus verfügt der Betrieb über einen Ingenieur, einen Schweißfachingenieur, einen Architekten und sieben Techniker. Der Arbeitsvorbereitung stehen sieben PC-Arbeitsplätze mit 3D-Software zur Verfügung. Statik und Schwingungsberechnungen leisten die Ingenieure im Hause selbst. Auch Anträge für Zulassungen im Einzelfall (ZiE) wickeln die Mitarbeiter von Schmid eigenständig ab. Insgesamt sind im Bereich Treppen derzeit 55 Mitarbeiter beschäftigt, im Segment Aluminiumbau und Lohnfertigung ca. 20.

Damit die Belegschaft ständig auf dem Laufenden ist, finden kontinuierlich interne Schulungen statt. Die Außendienstmitarbeiter werden zwischen drei- und viermal jährlich zu zweitägigen Schulungen nach Salach eingeladen. „Die Normen und Vorschriften im Treppenbau sind das Gebetbuch meiner Mitarbeiter.“

Seit etwa einem Jahr ist MetallArt nach der DIN EN 1090 zertifiziert. Stahlkons-truktionen können in der Ausführungsklasse EXC 2 und EXC 3 gefertigt werden. Für die Verarbeitung von Aluminium reicht die Ausführungsklasse EXC 2.

Die CAD-Daten für den Maschinenpark werden CNC-gesteuert vom technischen Büro aus übertragen. Neben CNC-Biegemaschinen für Profile und Bleche, zählen zwei 5-Achsbearbeitungszentren mit einer Bearbeitungslänge bis 8 Metern und seit zwei Jahren auch eine Laserschneideanlage von Trumpf zur Ausstattung. „Dank dieser Maschinen können wir kostengünstig produzieren und Preise kalkulieren, die uns im Wettbewerb nach vorne bringen“, stellt Schmid fest.

Die Hightech-Maschinen legen ein Standbein im Marktsegment Lohnfertigung nahe. Mit Profilbearbeitungen für andere Metallbauunternehmen werden ca. 15 % des Umsatzes erwirtschaftet, etwa zwölf Mitarbeiter sind mit Aufträgen in diesem Bereich ausgelastet.

Metallbauer als Partner. Weitere Synergien im Netzwerk mit Metallbauunternehmen ergeben sich, wenn Generalunternehmer, öffentliche Bauherren oder Planer Gesamtpakete über Schlosser-, Stahl- und Metallbauarbeiten ausschreiben. „Hier können wir unsere Kunden ins Spiel bringen, im Laufe der Jahre hat sich ein gutes Netzwerk entwickelt“, sagt Schmid.

Anders als man es bei einem Treppenzulieferer annehmen würde, sind Systemtreppen nicht der Schwerpunkt. Nur bis zu 20 % des Umsatzes im Treppenbau wird mit Systemen erwirtschaftet. Systemtreppen werden sowohl für den Wohnbereich als auch für Gewerbe und Industrie gefertigt.

Wie sich die Zusammenarbeit mit den Auftraggebern konkret gestaltet, liegt in deren Hand. Teils übernimmt MetallArt die Visualisierung und Planung der Treppen; geht es um die Berechnung der Statik, insbesondere Schwingungsberechnungen, greifen Auftraggeber gerne auf das Fachwissen der Spezialisten zurück. „Unsere Ingenieure haben einen großen Datenbestand und langjährige Erfahrungen.“ Die Ausführenden montieren die Treppen entweder nach einem beigefügten Montageplan und den Schweißanweisungen oder fordern von Schmid einen Vorarbeiter für die Baustelle.

Fazit. Der Ausbau der fachlichen Tiefe und die Konzentration auf Kalkulation, Planung und Fertigung sind die Vorzüge einer Spezialisierung. Aufwändiges Baustellenmanagement entfällt.⇥ma ◊