Messenachbericht

Trubel auf der EuroBLECH

Konjunktur & Fachkräftemangel treiben das Geschäft

Insgesamt 56.301 Besucher und ca. 1.500 Aussteller aus 40 Ländern zählte die EuroBlech in Hannover. Die Zahl der Besucher blieb stabil, die Veranstaltung ist im Wechsel mit dem Messeduo Blechexpo/Schweisstec in Stuttgart etabliert.

Die EuroBLECH ist mit 58 Prozent Auslandsanteil auf Ausstellerseite und 37 Prozent bei den Besuchern eine internationale Messe. Wichtigste Besucherländer waren neben Deutschland Italien, die Schweiz, die Niederlande, Spanien, die Türkei, Indien, Großbritannien, Polen, Österreich und Belgien. 97 Prozent waren Fachbesucher, 79 Prozent der Besucher sind an Kaufentscheidungen beteiligt, so die Info der Messe.

Viel Besuch am Messestand hatte beispielsweise Kemper. Das Unternehmen aus Vreden wird nicht nur von der Konjunktur geputscht, sondern auch vom Thema digitalisierter Arbeitsschutz, verschärfte Staubgrenzwerte und Fachkräftemangel. Im Januar meldete der Betrieb für Serienabsauggeräte im Jahr 2017 ein Umsatzplus von 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt stieg der Umsatz im vergangenen Jahr um 14 Prozent, der Deutsche Markt wuchs um fünf Prozent. Im Februar zeichnete die Wirtschaftswoche Kemper als „Weltmarktführer Future Champion“ aus.

Hintergrund war, dass Kemper als angehender Weltmarktführer gelistet wurde. Der Weltmarktführerindex wird erstellt von der Universität St. Gallen in Zusammenarbeit mit der Akademie Deutscher Weltmarktführer. Die Wissenschaftler hinter diesem Index erwarten, dass die „Future Champions“ aufgrund ihres Unternehmenswachstums die höchste Kategorie „Weltmarktführer Champions“ mittelfristig erreichen.

Einen Grund für die zunehmende Nachfrage sieht Geschäftsführer Björn Kemper im Fachkräftemangel. Schweißer beispielsweise sind heute gefragter denn je. „Nur mit Arbeitsschutzmaßnahmen werden Betriebe künftig gutes Fachpersonal gewinnen können.“ Auch in diesem Sinn stellte der Zulieferer auf der EuroBLECH den Absaugtisch TheSlagger vor, mit dem sich im Vergleich zu herkömmlichen Schneidtischen die Ausfallzeiten bei automatisierten Schneidprozessen auf ein Minimum reduzieren lassen. Dank der speziellen Reinigungstechnik vermeidet er eine aufwändige Demontage der Schneidtischelemente und dadurch lange Maschinenstillstände. Regelrecht zu einem Trendprodukt hat sich das Luftüberwachungssystem AirWatch entwickelt. In Hannover stellte Kemper eine überarbeitete Variante vor, die dank neuer Sensorik nur noch ein Drittel so groß ist wie das Vorgängermodell – dafür aber um ca. 800 Euro günstiger. Das Gerät mit integrierter Mobilfunk-Connectivität können die Betriebe selbst installieren. „Ohne verfügbares WLAN kann die internetbasierte Cloud als zentrales Steuerungselement alle Anlagen untereinander vernetzen.“

Eine Rot-Grün-Ampel macht die Hallenluftqualität für Mitarbeiter transparent. „Das weiterentwickelte System erfasst neben der Partikelkonzentration auch Temperatur- und Luftfeuchtigkeitswerte. Der AirWatch erkennt ultrafeine Staubpartikel, die 0,1 Mikrometer groß sind. Auf Basis hinterlegter Arbeitsplatzgrenzwerte werden Absauganlagen und Raumlüftungssysteme bedarfsabhängig gesteuert. Die Werte lassen sich ortsunabhängig über Webbrowser von Smartphone, Tablet oder PC überwachen.

Effiziente Schweißtechnik für das Handwerk

Vernetzung und Automatisierung sind auch Stichworte für die Hersteller von Schweißtechnik. Fronius entwickelt sein Dokumentations- und Datenanalysesystem WeldCube kontinuierlich weiter. Die Software unterstützt die Schweißaufsichten in Betrieben. Ein Vorteil in Zahlen: Die manuelle Einstellung bei 15 Schweißmaschinen dauert ungefähr zwei Stunden, Fronius verspricht, dass WeldCube die Übertragung in weniger als fünf Minuten gelingt.

Die Vernetzung von etwa 50 Stromquellen ermöglicht, Daten unter anderem über Strom, Spannung, Drahtvorschub und Schweißgeschwindigkeit nicht nur pro Maschine, sondern auch standort- und geräteübergreifend auf Bauteilebene automatisch zu dokumentieren. Ein Bauteilreport lässt sich mit nur drei Klicks erstellen. Für die Übersicht sorgt inzwischen ein Dashboard mit Statistik- und Filterfunktionen. Die Ergebnisse kann die Schweißaufsicht auf dem PC und über mobile Endgeräte abrufen.

WeldCube dokumentiert die Ist-Werte jeder Schweißnaht. Anwender können Parameter-Limits für die jeweilige Schweiß-Aufgabe einstellen. Das System informiert den Benutzer, wenn diese während des Schweißens unter- oder überschritten werden, woraufhin er zum Beispiel eine Sichtprüfung vornehmen kann. Man kann den Schweißvorgang auch bei einer Limit-Überschreitung automatisch abbrechen lassen.

Ob im Brücken-, Stahl-, Behälter-, Schiffs- oder Schienenfahrzeugbau, der Schweißtraktor FlexTrack 45 Pro ist sowohl auf Baustellen als auch in Werkstätten einsetzbar, das Gerät besteht aus einem Schienensystem und einem Fahrwerk, das den Brenner führt. Gerade und flexible Schienen sowie Ringsegmente sind geeignet für den horizontalen wie auch vertikalen Einsatz, für gewölbte Bauteile oder zum Orbitalschweißen von Rohren. Entsprechend den Materialeigenschaften des Bauteils stehen unterschiedliche Montagebrücken (Magnet, Vakuum, Stellfüße) zur Verfügung.

Die konstante Fahrgeschwindigkeit des FlexTrack 45 Pro sorgt für reproduzierbare Ergebnisse. Das Schweißfahrwerk kann sowohl für herkömmliches Metall-Schutzgas-Schweißen (MIG/MAG) als auch für den Cold Metal Transfer (CMT) Schweißprozess verwendet werden. Zudem ist es kompatibel mit der Fronius TPS/i Stromquelle. Der Anwender kann somit weitere Schweißprozesse wie LSC (low spatter control) und PMC (pulse multi control) nutzen und dadurch von nahezu spritzerfreiem Schweißen und verbesserter Tropfenablöse profitieren.

Die Bedienung ist dank der neuen Fernbedienung FRC-45 Pro intuitiv. Touch-Display, Funktionsrad sowie Sprachauswahl helfen dem Anwender sich rasch zu orientieren. In Verbindung mit der TPS/i kann der Schweißer die Stromquellenparameter direkt an der Fernbedienung einstellen.

Schweißhelm mit Blutooth

Als Messeneuheit präsentierte Fronius den Schweißhelm Vizor Connect, der mittels Bluetooth mit einer Stromquelle kommuniziert. Diese sendet ein Signal an den Schweißhelm, sobald der Schweißer den Ein-Taster am Brenner betätigt. Dadurch kann er bereits vor dem Zünden abdunkeln anstatt erst bei der Einstrahlung des Lichtbogens. Zudem eliminiert der Helm das Problem der Fremdlichteinflüsse und dunkelt auch in schwierigen Schweißsituationen zuverlässig ab. Die Schutzstufenregulierung stellt automatisch die für das Schweißverfahren geeignete Schutzstufe im Bereich DIN 5 bis DIN 12 je nach Intensität des Lichtbogens ein. Ist der Helm nicht verdunkelt, bietet er mit einer Helligkeitsstufe von 2,5 einen klaren Durchblick. Im manuellen Modus kann der Schweißer die Abdunkelung stufenlos regulieren. Trennt er die Bluetooth-Verbindung zwischen Helm und Stromquelle, verhält sich der Vizor Connect wie konventionelle Schutzhelme und ist auch für die Tätigkeiten vor und nach dem Schweißen geeignet.

Roboter fürs Handwerk

Mit EWM-Euen hat der Hersteller von Schweißtechnik aus Mündersbach seit Kurzem einen Spezialisten für Roboter an seiner Seite und stellte dem Handwerk auf der Messe Roboter mit teil- oder vollautomatischer Offline-Programmierung vor, die für Stückzahl eins genauso einsetzbar sind wie für Klein- und Großserien. Sie arbeiten auf der Basis von 3D-CAD-Konstruktionsdaten.

Auch für die Roboter gilt die EWM All-in-one Philosophie, sie können für MIG/MAG-, WIG- sowie für das Plasma-Schweißen eingesetzt werden. Standardisierte Roboterzellen werden vormontiert und schweißbereit geliefert. Eine intuitiv bedienbare Einstiegslösung für die Schweißautomatisierung, ohne dass der Bediener Programmierkenntnisse benötigen würde, realisiert EWM mit kollaborierenden Robotern.

Möglicherweise wird der Fachkräftemangel den Abbau von Vorbehalten beschleunigen, die insbesondere kleinere Betriebe häufig gegenüber dem Einsatz von Robotern hegen. ⇥sm ◊

Die nächste EuroBLECH findet vom 27. – 30. Oktober 2020 statt.

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