„Wir bauen die Weiterbildung aus“

Im Gespräch mit Umberto Colicchio von der SMU

Die Schweizerische Metall-Union (SMU) mit Sitz in Zürich ist der Arbeitgeberverband der Branchen Metallbau, Metallhandwerk (Hufschmiede) und Landtechnik. Umberto Colicchio leitet den Fachverband Metallbau und ist seit diesem Jahr auch der Geschäftsführer der Stahlpromotion Schweiz. Stefanie Manger hat ihn in der Geschäftsstelle Zürich getroffen und mit ihm über die Lage des Schweizer Metallbaus gesprochen.

metallbau: Wie strukturiert sich der Fachverband Metall organisatorisch?

Umberto Colicchio: Es gibt ca. 2.500 Betriebe des ausführenden Stahl- und Aluminiumbaus in der Schweiz, ca. 1.200 sind Mitglieder bei uns. Unser zentrales Thema ist die Weiterbildung. Darüber hinaus gibt es regionale Branchen- und Fachverbände (RBF) die eigenständig sind. Unsere Mitglieder zahlen zwei Beiträge, einen an die RBF und einen an die SMU. Die Beiträge sind lohnsummenabhängig. Der Mitgliedsbeitrag ist bei 12.000 Franken im Jahr gedeckelt. Neben einem kostenfreien Support, den unsere Mitglieder erhalten, betreffen die Vorteile vor allem unsere Angebote der Grund- und Weiterbildung. Für Mitglieder sind z.B. Seminare mindestens 30 % günstiger.

metallbau: Welche Tradition hat der Schweizer Metallbau?

Colicchio: Der Beruf des Metallbauers hat den des Schlossers vollständig abgelöst. Es gibt drei Fachrichtungen: Metallbau, Schmiede und Stahlbau. Bei allen dreien handelt es sich um vierjährige Ausbildungen. Im Anschluss können sich die Metallbauer im Bildungszentrum der SMU in Aarberg, ein Ort zwischen Zürich und Bern, oder anderen Bildungsinstituten weiterbilden. Wir bieten derzeit zwei Möglichkeiten an: Zum einen die Berufsprüfung, die sich über dreizehn Monate zieht und in Deutschland mit der Meisterprüfung vergleichbar ist: zum anderen die Kurse zur Höheren Fachprüfung (HF-Techniker), die über 18 Monate dauern. In beiden Fällen reduzieren die Teilnehmer in der Regel ihre Berufstätigkeit um ca. 20 %. Wir sind dabei, die Angebote für den Metallbau schrittweise auszubauen.

metallbau: In welchen Leistungen sind Ihre Betriebe besonders stark?

Colicchio: Unsere Mitglieder sind die klassischen Metallbauer, die vom Wintergarten bis zum Treppengeländer alles herstellen. Aber auch Firmen, die Schiebefenster oder filigrane Stahl-Glas-Konstruktionen herstellen, gehören zu uns. 5 % unserer Mitglieder sind größere Unternehmen, die im internationalen Fassadenbereich tätig sind. Es gibt vielleicht 20 solcher Firmen, die ich persönlich kenne.

metallbau: Welche Prognose stellen Sie zum Fachkräftemangel?

Colicchio: Wir haben derzeit schon Probleme, ab dem Alter von 35 Jahren mangelt es an Fachkräften. Der Mangel wird sich weiter zuspitzen. In den kommenden Jahren sind die Geburten weiter rückläufig, und neben der Demografie haben wir eine starke Konkurrenz zwischen Dualer Bildung und akademischer Laufbahn. Viele Eltern meinen, dass es ihren Kindern mit einer akademischen Bildung besser geht. Bauhandwerkliche Berufe haben ein schlechteres Image. Wir von der SMU versuchen, mit einer übergeordneten Imagekampagne nächstes Jahr etwas zu verändern. In der Nachwuchswerbung müssen wir aktiver werden. Der BVM in Essen ist uns da mit seiner Kampagne ein Vorbild.

metallbau: Seit Anfang 2014 sind Sie auch Vorsitzender der Stahlpromotion Schweiz. Was ist die Aufgabe dieser Branchenorganisation, die es erst seit 2009 gibt?

Colicchio: Ja, die SMU ist einer der Träger dieses Zusammenschlusses. Stahlpromotion möchte ganz allgemein die Stahl- und Metallbauweise fördern und in der Öffentlichkeit sowie an den Hochschulen die Vorteile unserer Bauweise hervorheben.

metallbau: Wie steht es um die Konjunktur der Branche?

Colicchio: Wir sind in einer Hochkonjunkturphase, die schon vier, fünf Jahre dauert. Die Preise der teuren Liegenschaften entspannen sich jetzt allmählich. Und es sieht ganz so aus, als ob die Konjunktur noch weiter auf dem Level bleibt. Die Anfragen im Wohnungsbau werden etwas zurückgehen, auf der anderen Seite sind Wohnbauten nicht das Hauptsegment unserer Kunden. Der Gewerbebau ist für unsere Branche wichtiger, zudem sind Renovationen auch weiterhin im Trend. Bauherren investieren derzeit lieber in Renovationen als an der Börse.

metallbau: Schweizer kaufen bei Schweizern. Unter welchen Voraussetzungen beauftragt ein Bauherr/Architekt ein Metallbauunternehmen aus dem Ausland?

Colicchio: Generalunternehmen schauen auf den Preis und nicht aus welchem Land der Betrieb stammt. Das ist schon eine Herausforderung für unsere Branche. Deshalb hat die Schweiz eingeführt, dass jeder Betrieb, der in unserem Markt tätig wird, eine Kaution von max. 10.000 Franken bei einer  Institution hinterlegt. Es handelt sich dabei um eine Art Versicherung zur Sicherung der Einhaltung des GAV. Unsere Mitglieder müssen die Kaution nicht bezahlen, sondern die SMU hinterlegt die Kaution in Form einer Versicherungspolice. Man kann nach Recht ja nicht festlegen, dass nur Firmen aus dem Ausland die Kaution leisten müssen, sondern die Anforderung muss paritätisch gestellt werden und deshalb auch von einheimischen Firmen geleistet werden. Ein weiterer Schutz für unseren Markt sind Mindestlöhne für Metallbauer und Monteure ausländischer Firmen. Dank Kontrollen durch die Behörden wird auf diese Weise ein Preisdumping eingeschränkt.

metallbau: Wie viele der Betriebe führen international Aufträge aus?

Colicchio: Der klassische Metallbaubetrieb bei uns hat keinerlei Motivation, ins Ausland zu gehen. Sicher gibt es für unsere Betriebe Chancen in den russischen und chinesischen Märkten. Aber da ist momentan der Respekt davor noch groß. Einige wenige unserer Fassadenbauer sind dort tätig.

metallbau: Die Harmonisierung der Normen trägt zur Internationalisierung bei. Wie weit ist bei Ihnen die Zertifizierung der Betriebe nach EN 1090 gediehen?

Colicchio: Zu dem Thema haben wir einen regen Austausch auf der Fachebene mit dem BVM. Was die Harmonisierung der Normen betrifft, können wir innerhalb der D-A-CH-Länder sicher von Synergien profitieren. Natürlich ist der Schweizer Markt ein bisschen speziell. Wir können die Vorgaben aus Deutschland hier nicht eins zu eins übernehmen, es gibt immer eine Swiss Applikation. Mit den Deutschen ist der Kontakt etwas enger als mit den Österreichern, aber auf Führungsebene der D-A-CH-Länder gibt es jährlich ein fixes Treffen.

metallbau: Welche Probleme zeigen sich bei der Einführung der EN 1090?

Colicchio: Es gibt jetzt schon Bundesstellen, die schreiben nach EN 1090 aus. Ein Betrieb, der nicht zertifiziert ist, darf dann kein Angebot einreichen. Andererseits gibt es ein gewisses Verständnis in der Branche, dass wir noch in einer Übergangsphase sind. Die Koexistenzphase der äquivalenten SIA Normen gilt bis Mitte 2015. Nach diesen waren keine Zertifizierungen gefordert wie nach der DIN 18800 in Deutschland. Diese Prüfungen sind mit Gültigkeit der EN 1090 vollständig neu für unsere Metallbauunternehmen und für viele eine Herausforderung.

metallbau: Welche Vorgaben gelten derzeit in der Schweiz für Betriebe, die Brandschutzelemente herstellen?

Colicchio: Die Vereinigung Kantonaler Feuerversicherung (VKF) hat mit der SMU eine Vereinbarung: Jedes Brandschutzelement muss über eine Plakette verfügen. Die Plakette erhält der Metallbauer, wenn er sich sowohl bei der SMU als auch bei seinen Profilsystemgebern schulen lässt. Die Schulung beim Fachverband ist einmalig, die Weiterbildung beim Systemgeber je nach Systemwechsel mehrmalig. Die Kontrolle leistet die VKF auf der Baustelle. Dort wird geprüft, ob eine Brandschutztüre eine normkonforme Plakette hat. Stellt ein Betrieb Brandschutzelemente her, lässt er meist drei, vier Metallbauer weiterbilden.

metallbau: Ich meine, in der Schweiz ist es noch etwas einfacher, einen Metallbaubetrieb zu führen.

Colicchio: Das stellen wir immer wieder fest. In Deutschland sind die Hürden extrem hoch, das bekommen wir oft von den Geschäftsführern zu hören. Vielleicht muss man sagen, zum Glück ist die Bürokratie in der Schweiz noch nicht so umfassend wie in Deutschland.

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