Am Puls. Vorsicht Falle

Auf das Thema deutsch-chinesische Kooperationen in der Metal Eco City (MEC) in Jieyang sind wir gestoßen, weil im Mittelstand heftig die Werbetrommel für unternehmerische Chancen in China gerührt wird (siehe Seite 47).

Die Recherche nach einem Metallbauunternehmer, der dieses Angebot umsetzt, hat uns dann allerdings die Risiken aufgezeigt. Unsere Informationen über das Scheitern eines chinesisch-deutschen Joint Ventures können wir nicht veröffentlichen, der Metallbauunternehmer hat dem Abdruck des anonym geführten Interviews nicht zugestimmt. Er befürchtete der Anonymität zum Trotz weitere Repressalien. Nach seinen Erzählungen sind die Chinesen im Netzwerken viel gewandter als wir – mit allen negativen Auswüchsen, die resultieren, wenn Netzwerke sich wie Banden verhalten und wirtschaftlich agieren.

Weshalb die Initiative des deutschen Metallbaumeisters gescheitert ist, war sicher vielschichtig. Wer allerdings in einem Joint Venture die Mehrheitsanteile dem anderen überlässt, liefert sich dessen Entscheidungen aus. Ein weiterer wichtiger Grund waren Einkäufe von Grundstücken, zu denen der Metallbaumeister gezwungen werden sollte: Die chinesischen Partner bremsten das besprochene Projekt immer wieder aus, weil unser Interviewpartner nicht in Grundstückseinkäufe einwilligen wollte. Über diese wurde aber weder beim Einstieg in den Vertrag gesprochen noch waren sie für das gemeinsame Vorhaben, den Aufbau eines Metallbauunternehmens, notwendig.

Walter Gürtner ist seit sieben Jahren im chinesischen Markt tätig, kennt das Projekt MEC und bestätigt die Erfahrungen des Metallbaumeisterns im Editorial. Er hatte aus ähnlichen Gründen Verluste im niedrigen sechsstelligen Bereich. Dass er heute im Reich der Mitte mit acht Mitarbeitern zwei Mio. Euro Umsatz macht, liegt sicher an seinem finanziellen Kreuz und seiner Hartnäckigkeit – vielleicht auch an der Liebe zu Land und Menschen. Er rät deutschen Einsteigern, für ihre Geschäfte die volle Verantwortung zu übernehmen, will heißen, sich unabhängig davon zu machen, chinesischen Geschäftspartnern vertrauen zu müssen.

Stefanie Manger, Chefredakteurin