Strukturwandel bei Wurst Stahlbau

Der Bersenbrücker Stahlbauer Wurst beschäftigt 200 Mitarbeiter und setzt rund 50 Millionen Euro um. Mithilfe von Change-Management wollen sich nun die Brüder Christian, Michael und Thomas Wurst den Herausforderungen von Demografie und Digitalisierung stellen. Sie bauen ihr Unternehmen um:

Acht Meter, so lang ist die Tapete im Change-Room. Bemalt mit Skizzen, unterteilt in viele, viele Aufgaben und Zielvereinbarungen. Das Lastenheft sprengt jedes Monitor-Format. Doch das Unternehmen Wurst Stahlbau hat so die Abläufe auf den Schirm. Führungsebene, Mitarbeiter, Finanzen, Vertrieb und immer wieder: Prozesse. Alles kommt auf ´s Tapet. Alle sind daran beteiligt. Die Geschäftsleitung, die Mitarbeiter, der Vertrieb. Und der Change-Manager. Kein externer, sondern einer, der sich mit den Abläufen im Unternehmen auskennt. Der die Zahlen zu deuten weiß. Und täglich ansprechbar ist. Dauer des Projektes: Zwei Jahre. 7.900 Arbeitsstunden. Kostenpunkt: 285 000 Euro.

Die Anfänge
Begonnen hatte alles mit einem Programm zur Kostensenkung. Eine hausinterne Strategiegruppe hatte im Auftrag der Geschäftsleitung die Warenbeschaffung auf Einsparpotentiale untersucht. Berechnungen ergaben, dass sich mit optimierten Prozessen Einsparungen in sechsstelliger Höhe erzielen lassen - pro Jahr. Der Umsatz von Wurst hatte sich innerhalb von zehn Jahren fast verdoppelt – aber die Arbeitsabläufe waren die alten geblieben. „Die Strukturen  haben mit dem schnell wachsenden Unternehmen nicht mehr Schritt halten können“, sagt Christian Wurst, der das Unternehmen mit seinen Brüdern Michael und Thomas führt. „Von der Herstellerseite digitaler Software-Systeme werden endlos scheinende Einsatzmöglichkeiten und Erfolgspotenziale propagiert“, sagt Christian Wurst. Nur dass ineffiziente Prozesse  durch den Einsatz neuer Technologien nicht automatisch effizienter werden. Diese Erkenntnis war der Startschuss für den strukturellen Umbau. Mit zweiwöchentlichen Workshops, Hausaufgaben und Einzelgesprächen nimmt der Change-Manager den Wandel ins Visier. Das macht 15 Stunden Mehrbelastung pro Mitarbeiter und Monat.

Öffentlichen Hand unterstützt Branche
Schützenhilfe erhält der Familienbetrieb von der öffentlichen Hand. Der Transformationsprozess wird mit 100.000 Euro aus dem Europäischen Fond für regionale Entwicklung (EFRE) und der Niedrigschwelligen Innovationsförderung von der Niedersachsenbank (NBank) finanziert. Bezuschusst werden die Entwicklung und die Umsetzung von Produkt- oder Prozessinnovationen.
Der Stahlbau ist eine kleinteilige Branche: etwa 10.157 Unternehmen sind in der Branche Stahlbau und Leichtmetallbau gelistet und setzen im Schnitt  ca. eine Mio. Euro um. Durchschnittlich beschäftigen die Betriebe sechs Mitarbeiter. Die meisten sind in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg angesiedelt.

red, 5.06. 2017