Arbeitskleidung im Metallbau

Mehr als gut angezogen

Ob beim Fräsen, Drehen, Stanzen oder Schneiden: Mitarbeiter im Metallbau sind darauf angewiesen, dass sie jederzeit optimal ausgerüstet und geschützt sind. Deshalb wählt der Betrieb Siegmetall seine Arbeitskleidung sorgfältig aus.

Der Markt für Berufsbekleidung boomt, zeigt die Studie „Branchenfokus Berufsbekleidung“ aus dem vergangenen Jahr. Für Latzhosen, Kittel und Co sind erstmals mehr als eine Milliarde Euro ausgegeben worden. Das beliebteste Vertriebsformat für Arbeitskleidung ist mit 29 Prozent Marktanteil der Mietservice, dicht gefolgt vom Direktvertrieb. Immer mehr an Bedeutung gewinnen Online-Versender. Auch für viele Arbeitgeber aus dem Metallbau nimmt Berufsbekleidung einen großen Stellenwert ein. Abgesehen von der Schutzfunktion soll etwa „Corporate Wear“, wie eine unternehmenskonforme Kleidung genannt wird, Mitarbeiter motivieren und ihre Identifikation mit dem Arbeitgeber steigern.

Arbeitgeber stellt Berufskleidung

Wer bei Siegmetall in Haiger eine Stelle in der Produktion antritt, braucht sich keine Gedanken mehr darum zu machen, was er zur Arbeit anzieht: „Jeder Mitarbeiter erhält eine Sommer- und Winter-Grundausstattung, die aus jeweils drei Hosen und Oberteilen sowie einer Jacke besteht. Dazu kommt ein Paar Schuhe“, berichtet Produktionsleiter Wolfgang Schäfer. Sein Arbeitgeber, ein mittelständisches Familienunternehmen, stellt Trapez- und Wellbleche sowie Dachpfannenprofile samt Zubehör her. Die Produkte kommen beispielsweise an Carports, Scheunen oder Industriegebäuden zum Einsatz.

Von insgesamt 85 Mitarbeitern arbeiten 35 in der Produktion. „Wir stellen 2,5 Millionen Quadratmeter Mehrwertblech im Jahr her. Beim Umformen oder Zuschneiden ist es wichtig, dass die Kleidung der Maschinenanlagenführer robust und strapazierfähig ist und gleichzeitig genügend Bewegungsfreiheit lässt“, betont Schäfer. Die Hosen, Shirts, Pullis, Jacken und Schuhe bezieht der 36-Jährige vom Berufsbekleidungs-Versand- und Einzelhändler Engelbert Strauß. Alle Mitarbeiter tragen einheitliche Oberbekleidung in Schwarz-Grau mit kleinen, roten Akzenten. Man habe sich bewusst für eine dunkle Farbe entschieden. „Eine schwarze Hose sieht einfach länger sauber aus.“ Da alle Arbeiten in der Produktionshalle ausgeführt werden und nicht etwa im Freien auf Baustellen, bestehe auch kein Risiko, dass im Sommer die Körpertemperatur unnötig steigt, weil die Sonne auf die dunkle Kleidung brennt. „Von jeder Größe sind mindestens drei Kleidungsstücke vor Ort auf Vorrat, so lassen sich beschädigte Teile schnell austauschen“, erzählt Schäfer weiter. Während bei Hosen und Oberteilen die Modelle vorgegeben sind, können die Kollegen bei Sicherheitsschuhen selbst mit auswählen: „Nicht jede Schuhform passt allen gleich gut, deshalb überlassen wir die Auswahl der Schuhe den Mitarbeitern.“

Arbeitskleidung im Corporate Design

Um auch nach außen hin die Unternehmens-Zugehörigkeit sichtbar zu machen, werden die Rückseiten der Shirts und Jacken, die alle Mitarbeiter in der Produktion tragen, direkt vom Lieferanten mit dem Siegmetall-Firmenlogo bedruckt. „Unsere Mitarbeiter sollen leicht zu erkennen sein und den Betrieb bei jeder Gelegenheit in Szene setzen.“ Da die Kleidung häufig bereits auf dem Arbeitsweg getragen wird, hat sich darüber schon der ein oder andere Auftrag ergeben. „Die Leute sprechen uns an, wenn sie anhand des Logos auf dem T-Shirt erkennen, dass wir in einem metallverarbeitenden Betrieb arbeiten“, sagt Schäfer. Er selbst hätte auf diese Weise bereits drei Aufträge für seinen Arbeitgeber eingeholt.

Bislang habe Schäfer noch von keinem Mitarbeiter gehört, dass es ihn stört, auch in der Mittagspause oder auf dem Arbeitsweg als Siegmetall-Mitarbeiter erkennbar zu sein. „Im Gegenteil, die meisten sind froh, dass sie Arbeitskleidung gestellt bekommen und so auch für Außenstehende erkennbar ist, in welcher Branche sie arbeiten.“ Besuchern und Kunden soll das einheitliche Erscheinungsbild vermitteln: Hier arbeiten Profis. Innerhalb des Teams ist das Ziel, mit dem Corporate Design das „Wir-Gefühl“ zu stärken und etwaige Unterschiede auf sozialer Ebene außen vor zu lassen. Weil alle die gleiche Kleidung tragen, sind persönliche Vorlieben, was Mode angeht, nicht mehr zu erkennen. Das vereinfacht das Miteinander, weil keiner sich für seinen Geschmack rechtfertigen muss.

Zwischen Festangestellten, Auszubildenden und Praktikanten gibt es – was Arbeitskleidung betrifft – bei Siegmetall keinen Unterschied. Alle werden gleich ausgestattet, eine Rückgabe von getragener Kleidung, zum Beispiel nach Ende eines Praktikums, ist nicht vorgesehen. Für die Pflege ist jeder Mitarbeiter selbst verantwortlich. „Das klappt sehr gut“, so Schäfer. Er hätte sich bewusst gegen einen Mietservice für Wäsche und Pflege entschieden: „Die Auswahl an Kleidung bei den entsprechenden Mietservice-Anbietern ist häufig nicht so groß wie bei unserem Ausstatter. Uns war außerdem wichtig, dass jeder Mitarbeiter neue Ware bekommt und nicht etwa gereinigte Hosen oder T-Shirts, die vor ihm schon andere getragen haben.“ Nach Schäfers Einschätzung gehen Mitarbeiter außerdem mit Kleidungsstücken, die in ihren Besitz übergehen, sorgsamer um als mit gemieteter Ware. Da die Hosen, Pullover und Shirts bei Siegmetall nicht unter Schutzausrüstung fallen, brauche es keine strengen Vorgaben zum Waschen und Pflegen: „Jeder im Team achtet selbst darauf, dass er ordentlich und sauber angezogen ist.“ Es gebe lediglich Empfehlungen, etwa, die Arbeitskleidung separat zu waschen und nicht mit Freizeitkleidung zu mischen.

Schutzausrüstung gemäß neuer Verordnung

Strenger sind die Vorgaben bei Schutzausrüstung: Der Gesetzgeber unterscheidet zwischen Berufskleidung, die als Ersatz für Alltagskleidung dient – darunter fällt bei Siegmetall alle Oberbekleidung – und gesetzlich vorgeschriebener, persönlicher Schutzausrüstung (PSA). Die Berufsgenossenschaftlichen Regeln für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit beschreiben sehr ausführlich, inwiefern Betriebe verpflichtet sind, Beschäftigten funktionsbereite Schutzkleidung zur Verfügung zu stellen. Diese hat den Zweck, Mitarbeiter vor Unfällen und gesundheitlichen Schäden zu schützen. Wer beim Haiger Mehrwertblech-Hersteller an einer Maschine arbeitet, muss etwa schnittfeste Handschuhe, einen schnittfesten Unterarmschutz, eine Schutzbrille, Sicherheitsschuhe sowie einen Gehörschutz tragen.  So schreibt es die Verordnung vor. „Wie verlangt, werden alle PSA-Artikel von uns gestellt und müssen an den Maschinen während des kompletten Arbeitstages getragen werden“, erklärt Schäfer. Um dies sicherzustellen, führe er regelmäßig Stichproben durch.

Die neue PSA-Verordnung gilt seit April und ersetzt die Richtlinie von 1989, die bisher nur für Hersteller galt. Nun sind auch Händler, Importeure sowie alle am Vertrieb Beteiligten in der Pflicht: Sie müssen sich vergewissern, dass die von ihnen gehandelten bzw. ausgegebenen Produkte ausreichend geprüft sind, aktuelle Normen erfüllen und jedem Teil eine entsprechende Erklärung beiliegt.

Bei Siegmetall findet dieser Prüfprozess im Wareneingang statt: „Wir bestellen unsere PSA bei einem zertifizierten Händler und achten bei allen Lieferungen darauf, dass jedem einzelnen Teil eine Herstellerinformation beiliegt“, so Schäfer. Jede Ausgabe wird dokumentiert. Für die Mitarbeiter gibt es außerdem halbjährliche Unterweisungen, in denen der sichere Umgang und die Kontrolle der Schutzausrüstung vermittelt wird. Denn die PSA-Benutzungsverordnung verpflichtet Unternehmensleiter u.a. dazu, Schutzkleidung, wenn notwendig, zu warten, zu reparieren oder auszutauschen. Dazu Schäfer: „Jeder Mitarbeiter, der bei uns an einer Maschine arbeitet und PSA tragen muss, weiß, dass er Schutzbrille, Schnittschutz und Gehörschutz täglich prüfen und verschlissene oder defekte Teile sofort austauschen muss.“ Deshalb sei Schutzausrüstung immer ausreichend vorrätig. „Im Schnitt hält ein Unterarmschutz vier bis sechs Wochen. Was ausgegeben wird, bestellen wir regelmäßig nach.“

www.siegmetall.de

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