Die Vielgestalt von Gitterrosten

Vom Bodeneinsatz emanzipiert

Wird der Gitterrost nicht traditionell als Bodenbelag oder Lichtschacht verarbeitet, sondern zum Beispiel als Fassadenelement oder Deckenabhängung, wird den Projektbeteiligten eine intensive Absprache abverlangt. Aber es lohnt.

Gitterroste werden weitestgehend als Bodenbelag verbaut – bei industriellen Bühnenbelägen, als Treppenstufen, Laufstege oder für Fluchtwege und im privaten Einfamilienhaus als Abdeckung eines Lichtschachts. Allerdings gibt es zahlreiche Möglichkeiten, für die der Gitterrost nicht nur auf seine praktische Funktion unter den Füßen reduziert wird, sondern bei denen er für den Charakter eines Gebäudes, eines Raumes oder einer besonderen Treppe entscheidend ist. Fest steht: Die reine Funktion macht den Gitterrost als Bauteil attraktiv, aber eben auch seine ästhetischen Qualitäten.

Das Wesen der Gitterroste

Zum Warm-up: Gitterroste sind nach Definition im RAL GZ 638 „freitragende, unterschiedlichste belastbare plattenförmige Körper mit vielen durchgehenden Öffnungen in regelmäßiger Anordnung (…). Sie werden unterschieden nach Schweißpress-, Press-, Durchsteck- und Einsteckrosten“. Soweit zur Begrifflichkeit. Die beiden am häufigsten vorkommenden Typen sind der Schweißpressrost und der Pressrost. Erstgenannter zeichnet sich durch verdrillte Querstäbe aus und wird eher in der Industrie verwendet, zum Beispiel als Bodenbelag bei Kraftwerken. Der Pressrost dagegen, der mit Flachmaterial hergestellt wird, kommt eher als Bauteil in Frage, wenn es sehr variabel sein muss. Zum Beispiel bei architektonischen Lösungen. Dabei können Gitterroste aus unterschiedlichen Materialien hergestellt werden. Am häufigsten wird herkömmlicher Baustahl verwendet. Je nach Anwendungsfall eignet sich aber auch anderes Material, zu denen Edelstahl, Aluminium oder auch glasfaserverstärkter Kunststoff (GFK) gehören.

Diese Materialien sind gerade dann geeignet, wenn geringe Gewichte benötigt werden oder es eine besondere Anforderung an die Korrosionsbeständigkeit gibt. Dimensionierung, Herstellung und statische Berechnungen erfolgen in der Regel entsprechend der Richtlinien der Gütesicherung für Gitterroste RAL-GZ 638. Hinsichtlich Belastungen und Rutschhemmung müssen sich Hersteller von Gitterrosten nach Normen und Richtlinien richten, wie beispielsweise der DIN 24531, DIN 24537, DIN EN ISO 14122, DIN EN 1991-1-1 oder der DGUV 108-003.

Angesichts so vieler Normen und Möglichkeiten wollen Kunden individuell und gut beraten sein. Sie müssen sich darauf verlassen können, dass Hersteller eine exakte Kenntnis der Anwendung der Roste haben. Nur so kann der optimal passende Gitterrost angeboten werden.

Vom Standard zur speziellen Anwendung

Bernd Hilbring leitet das technische Büro bei der Firma Lichtgitter, die vor rund 90 Jahren als Spezialunternehmen für die Herstellung von Gitterrosten gegründet wurde. Neben der Fertigung von Pressrosten, Schweißpressrosten und Blechprofilrosten, gehört auch ein vielseitiges Angebot an GFK-Produkten zum Sortiment. Das Portfolio umfasst darüber hinaus die Fertigung von Spindeltreppen, Treppenstufen und Leitersprossen, Zuschnitte von Tränenblechen sowie die Lohnverzinkung nach DIN EN ISO 1461. Die Montage übernehmen die Kunden des Unternehmens. Von Lichtgitter kommen Ausführungs- und Verlegepläne mit definierten Positionen. Hilbring kennt viele Anwendungsbereiche. Auch die speziellen: „Wenn es zum Beispiel in den architektonischen Bereich geht, ist Kreativität gefragt. Hier haben wir bereits bei diversen Projekten, für spezielle Decken-, Geländer-, Sonnenschutz- oder Fassadenelemente, gemeinsam mit dem Architekten ästhetische Lösungen entwickelt. Im Übrigen gilt dies, besonders in den letzten Jahren, auch für die auf den jeweiligen Anwendungsfall gemeinsam mit unseren Kunden entwickelten Lösungen in den Bereichen Lager-Logistik, Distribution und Flughäfen.“

In solchen Fällen ist eine noch intensivere Beratung seitens der Hersteller nötig, als ohnehin der Fall. Nicht nur, weil Hilbring die Erfahrung hat, sondern auch, weil die meisten Architekten die Vorteile einer Gitterrost-Lösung kennenlernen müssen. „Architekten denken beim Fassadenentwurf nicht zwingend gleich an Gitterroste. Davon müssen wir sie in der Regel erst überzeugen.“

An der Fassade

Zum Beispiel bei der Fassadenverkleidung des Münchner Einkaufszentrums MONA oder beim Freiherr-von-Stein-Gymnasium in Münster, bei dem das Gitter in strahlende Grüntöne gefärbt wurde. Bei der Fassade des Einkaufszentrums wurde der Schriftzug „MONA“ durch zwei unterschiedliche Ausführungen der Maschenteilung und unterschiedliche Farbtöne der Gitterroste realisiert. Wenn die Fassadenelemente darüber hinaus auch als Sonnenschutz dienen sollen, sind Gitterroste ebenfalls gut geeignet. Die Sonnenschutzwirkung ist abhängig von der Höhe der parallel mit dem Gebäude verlaufenden Tragstäbe und deren Abstände untereinander. Je nach Anwendungsart lassen sich auch Laufstege für Fensterputzer oder Fluchtwege gleichzeitig als Sonnenschutz nutzen. Auch an der Fassade, aber durchaus mit anderen Anforderungen, ist der Gitterrost für Parkhaus-Fassaden eine sowohl praktische als auch ästhetische Lösung. „Dank des enorm hohen freien Querschnitts kann manchmal sogar bei der Verwendung von Gitterrosten bei Parkhäusern auf Rauch- und Wärmeabzugsanlagen verzichtet werden“, sagt Hilbring. „Außerdem bieten Gitterroste kaum Angriffsflächen für Sprayer oder Vandalismus.“

Deckenabhängung und Geländerfüllung

Aber nicht nur als Gebäudehülle können Gitterroste eine passende Lösung sein, sondern auch im Innenbereich. Bei der Stadtbibliothek in Stuttgart, die nach den Plänen des südkoreanischen Architekten Eun Young Yi realisiert worden ist, hängen im Lesesaal Deckenverkleidungen von Lichtgitter. Die Vorteile für diese Lösungen lagen auf der Hand: Sie sind luft-, licht- und staubdurchlässig sowie schallabsorbierend. Darüber hinaus haben sie ein geringes Eigengewicht und ein flächiges Erscheinungsbild. Eine ebenfalls wirtschaftliche und ästhetische Lösung bieten Gitterroste für Geländerfüllungen. „Nach solchen Lösungen wurde ich in letzter Zeit immer wieder gefragt“, sagt Hilbring. Vielleicht, weil einige Architekten Fotos vom Atrium des Science Parks in Linz gesehen haben, bei denen gelbe Gitterroste von Lichtgitter als Geländerfüllung dienen und ein echter Hingucker sind. „Die Herausforderung beim Gitterrost als Geländer ist die Lastabtragung. Je nach Lage haben wir auch auf Wind- oder Anpralllasten zu achten.“

Metallbauer berichtet

Metallbauer Volker Stammer kennt diese Herausforderungen auch. Bei Metallbau Perger aus Heilbronn hat er Gitterroste – wie er sagt – auch schon „zweckentfremdet“. Am häufigsten verwendet er jedoch verzinkte Gitterroste mit MW 30 x 10 und 30 x 30. Ansonsten sind Größen und Formen individuell je nach Objekt. Auf die Frage, worauf es bei der Verarbeitung von Gitterrosten generell ankommt, beschränkt sich Stammer auf drei wesentliche Dinge: „Qualität, Preis und Passgenauigkeit!“ Beim Einsatz von Sonderlösungen kommen noch ein paar Aspekte hinzu. „Wir müssen dann einen geeigneten Werkstoff wählen, zum Beispiel verzinkten Stahl, Edelstahl oder GFK. Weiter gilt es, auf die Tragfähigkeit und auf Höhenanpassungen des Gitterrosts zur umliegenden Fläche zu achten.“ Auch knifflig wird es beim Einsatz von Gitterrosten in der Industrie und speziell dort, wo ätzende Flüssigkeiten eingesetzt werden. „In solchen Fällen“, sagt Stammer, „ werden bevorzugt Edelstahl und GFK-Gitterroste verwendet.“ Er bestätigt, wie wichtig die Beratung und der persönliche Kontakt beim Arbeiten mit Gitterrosten ist. „Ich sage es in meinen schwäbischen Worten immer so: Es muss menscheln!“

Support für Verarbeiter

Volker Stammer arbeitet unter anderem mit dem Hersteller MEA zusammen, der im bayerischen Aichach seinen Hauptsitz hat und bereits 1886 als Schlosserei gegründet wurde. In der Sparte MEA Metal Applications werden Gitterroste und Schiebebeschläge angeboten. Schwerpunkte des Portfolios sind Stahlbau, Hallenbau, Industriebau, Agrarbau, Logistik und der Spezialhandel. „Speziell wird ein Auftrag für uns“, sagt der Geschäftsführer der MEA Metal Applications Jens Ulbrich, „wenn Maße oder Belastungen jenseits des Standards abgefragt werden, oder wenn es um maßgeschneiderte Flächen geht, die jeweils nach individuellen Anforderungen der Kunden konstruiert werden müssen. Wir fertigen Gitterroste mit geraden und/oder runden Zu- und Ausschnitten.“ Ulbrich zählt ein paar dieser Exoten auf: „Dazu gehören zum Beispiel der Schiffsbau, die Einhausung von Treppenanlagen, Deckenabhängungen, Podeste für Regalanlagen oder auch Bootsstege.“ MEA stellt in der Regel Gitterroste aus Stahl her, der bezüglich Korrosion abschließend feuerverzinkt wird. „Bei besonders hohen Ansprüchen produzieren wir auch Roste aus Edelstahl“, sagt Ulbrich. „Überhaupt ist die Nachfrage nach Edelstahlrosten größer geworden.“

Digital und nachhaltig

Das ist nicht der einzige Trend derzeit. Auch die Herausforderungen wie Digitalisierung oder Klimawandel betreffen Fertigung und Montage. Das merkt auch Jens Ulbrich. „Im Prozess- und Dokumentenmanagement ist ein Wandel in Richtung Digitalisierung immer mehr spürbar und bei uns längst im Gange. Das betrifft zum Beispiel unsere Stücklisten oder auch unsere Pläne, Zeichnungen und Konfiguratoren.“ Auch das Umweltbewusstsein zeigt sich in konkreten Maßnahmen auf allen Ebenen, von der Fertigung bis zur Wiederverwertung von Produkten am Ende ihrer Nutzungsdauer. „Unsere Produkte“, sagt Jens Ulbrich, „sind langlebig, was für eine gute Qualität spricht, weil sie nicht oft ausgetauscht werden müssen. Außerdem können Komponenten aus verzinktem Stahl praktisch endlos recycelt werden.“ Darüber hinaus hat sich das Unternehmen Leitziele zur nachhaltigen Fertigung gesetzt, zu denen unter anderem die Abfallverringerung oder auch die hochwertige Verarbeitung von Materialien gehören.

Fazit

Die Anforderungen beim Planen, Fertigen und Montieren von Gitterrosten sind umfassend. Von Haus aus ist der enge Kontakt zwischen Hersteller, Metallbauer und Planern bzw. Architekten wichtig. Darin sind sich alle einig. Wenn die Aufgaben vom Standard abweichen, umso mehr.

Info & Kontakte

Lichtgitter Gesellschaft mbH
Siemensstr. 1
48703 Stadtlohn
Telefon +49 25 63 911-0

www.lichtgitter.com

MEA Metal Applications GmbH
Sudetenstraße 1
86551 Aichach
Telefon +49 82 51 91-0

www.mea-group.com

Metallbau Perger GmbH & Co.KG
Salzstraße 191
74076 Heilbronn
Telefon +49 71 32 919 31-0
www.metallbau-perger.com

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