Experten sprechen mit Schülern

fischer-Mitarbeiter zum Thema Dübelmontage

Neben seinem theoretischen Know-how über Dübel-, Untergrund- oder Baustoff-Beschaffenheiten hatte der technische Mitarbeiter der fischer Dübelwerke, Roberto Weyda, auch jede Menge Stoff aus der Praxis zu berichten. Ein trauriges Beispiel war die Schilderung eines tödlichen Unfalls, der sich ereignete, weil gesetzliche Vorschriften zum Thema „Verankerungstiefe“ nicht beachtet wurden. Den Auszubildenden der Fachklasse für Metallbau und Produktdesigner wurde unmissverständlich klar, wie groß ihre Verantwortung künftig sein wird, wenn sie im Tagesgeschäft, in der betrieblichen Praxis unterwegs sind. Aber nicht nur Weyda berichtete über seine Praxiserfahrungen, sondern auch die Schüler brachten sich in das Fachgespräch ein. Der Dialog, die Diskussion, der Austausch haben Priorität bei dieser Lehr- und Workshop-Veranstaltung. Inhaltlich stehen neben der fachlichen Kompetenzförderung auch die der Persönlichkeit im Fokus.

Fachwissen und Lernjob

Wie in allen Expertengesprächen gab es für die Berufsschüler den sogenannten „Lernjob“, dessen Aufgaben als roter Faden für die Präsentation Weyda‘s und als Impulse für die Fachdialoge dienten.

Der Lernjob: Das rechteckige Betonpodest am Austritt einer einläufigen, geraden Treppe eines Privatwohnhauses soll mit einem Geländer als Absturzsicherung umfasst werden. Die Absturzhöhe beträgt 2,75 Meter. Der Kunde wünscht sich eine stirnseitige Montage mit einer quadratischen, zehn Millimeter dicken Stahlplatte mit den Kantmaßen 120 x 120 Millimeter am Podest. Sie sind skeptisch, ob dieser Kundenwunsch für die Montage erfüllt werden kann? Als Auszubildender müssen Sie sich nun zügig informieren, weil Sie mit in die Montagebesprechung einbezogen werden. Machen Sie sich für den Auftrag fit!

Baustoffarten und Untergrundbeschaffenheit

Weyda empfahl den Schülern, dass sie sich gut mit Baustoffarten auskennen sollten. Er stellte unterschiedliche Baustoffe vor, deren Gefüge für die Montage eine große Relevanz haben. Zu nennen sind beispielhaft Beton, Mauerwerk und Plattenbaustoffe. Bei Beton wird zwischen Normalbeton mit einer Rohdichte von bis zu 2.600 kg/m³ und Leichtbeton, dessen Dichte bis zu 2.000 kg/m³ betragen kann, unterschieden. Entscheidender, so Weyda, seien die Festigkeitsklassen, wie zum Beispiel C 20/25 oder maximal C 50/60 bei Normalbeton, weil diese eine Aussage über die Zugfestigkeit dieses Baustoffs machen. Wie wichtig die genaue Kenntnis über den Untergrund ist, machte Weyda an der Montagearbeit an einer Betondecke in der Oper Wuppertal deutlich: „Ich bekam einen Anruf und da hieß es ‚Die Dübel von euch taugen nichts.‘ Ich machte einen Termin aus und fuhr zur Baustelle. Ich bat den Arbeiter, einen Dübel zu setzen. Dabei beobachtete ich, dass alles richtig gemacht wurde. Auch mein Montageversuch war erfolglos, da der Dübel keine Haltekraft im Untergrund erreichte. Ich setzte mich mit dem Polier in Verbindung, der mir sagte, dass der Beton erst letzte Woche vergossen wurde. Dann war es klar! Der Untergrund hatte nach einer Woche des Vergusses noch nicht die Nennfestigkeit erreicht.“ Mit diesem Praxisbeispiel zur Untergrundbeschaffenheit appellierte Weyda an die Schüler, sich künftig genaue Kenntnis über die Beschaffenheit des Verankerungsgrundes zu organisieren, die enorm wichtig für die fachgerechte und sichere Dübelmontage ist. Dieser Hinweis führte unter den Schülern spontan zu Diskussionen und offenen Fragen wie „Sie können doch kein Loch in die in die Fassade bohren!“ oder „Der Bauherr hat im Zweifel keine Ahnung oder ist nicht verfügbar“. Weyda bilanzierte seine langjährigen Erfahrungen: „Eine Standardantwort gibt es nicht.“ Er hält es jedoch für sinnvoll, die Möglichkeiten herauszufinden, wie sich der Untergrund prüfen lässt und je nach Erfordernis abzuwägen.

Richtig bohren und Dübel setzen

Auf gar keinen Fall darf einfach so los gebohrt werden. „Das Durchbohren der Bewehrung führt zu einem massiven Verlust der Festigkeit“, so der Experte. Falls doch mal falsch gebohrt wird, kann man Fehlbohrungen mit einem schwindarmen hochfestem Mörtel verschließen. Wie also wird richtig gebohrt? Weyda benannte verschiedene Untergründe und die dafür fachgerechten Bohrverfahren. Hochlochziegel beispielsweise darf ausschließlich mittels Drehbohren bearbeitet werden. So wird vermieden, dass die Stege durch die Schläge beim Schlag- oder gar Hammerbohren durchbrochen werden und damit jeglicher Formschluss zwischen Dübel und Baustoff nahezu unmöglich ist. Außerdem verändert sich die Statik des Baustoffs. Die Wirkung der unterschiedlichen Bohrverfahren war auch Bestandteil der Fragen des Lernjobs und wurde auf diese Weise zweifach in dieser Unterrichtseinheit vermittelt.

Bei den Mauerwerksbaustoffen im Verbund aus Steinen und Mörtel hob der Experte die Lochbaustoffe mit porigem Gefüge als besondere Herausforderung für die Montagearbeit hervor. Bereits montageerfahrene Schüler berichteten von ihren Erfahrungen darüber und wussten, dass aufgrund des stegartigen Aufbaus dieser Steine der Halt für die Spreizkraft des Dübels fehlt. Die Hohlräume müssen überbrückt werden. „Als sichere Montage in Vollbaustoffen mit porigem Gefüge ist ein Dübel mit großer Spreizfläche oder ein Injektionssystem zu wählen“, betonte Weyda.

Einen großen Part seiner Präsentation widmete der Experte den Wirkmechanismen unterschiedlicher Dübelsysteme. Sie beeinflussen die Verarbeitung des Dübels. Einige Schüler gaben im Vorfeld des Fachgesprächs an, häufig die Dübelmontage anzuwenden. Im Gespräch zeigte sich, das Setzen von Injektionsankern wird sehr häufig eingesetzt. Folgende Montagearten haben sich als praktikabel und mechanisch sinnvoll erwiesen:

  • Vorsteckmontage
  • Abstandsmontage
  • Durchsteckmontage

Weyda erläuterte ferner, welche Größen bei der Herstellung der Bohrung und der Herstellung der Verbindung zwischen Anbauteil und Dübel unbedingt zu unterscheiden sind. Es ist zum einen die Nutzlänge des Dübels zu beachten, die sich aus der Summe der Dicke des nichttragenden Untergrundaufbaus und der Dicke des Anbauteils ergeben. Davon unterscheidet sich die Verankerungstiefe des Dübels im Untergrund, die für die Übertragung der auftretenden Kräfte am Anbauteil in den Verankerungsuntergrund entscheidend ist. Der Experte richtete den Fokus auf die Verarbeitung von Metallankern in gerissenen / ungerrissenen Beton und unterschied das wegkontrollierte vom kraftkontrollierten Verfahren.

Zu diesem Thema hatte Weyda eine Andekdote parat: „Ein Monteur hat mit einem Dorn die Dübel eingeschlagen. ‚Was machst du denn da?‘, fragte ich? Der Monteur antwortete: ‚Dübel setzten.‘ Ich antwortete: ‚Aber das musst Du doch mit dem Setzwerkzeug machen! Oh Mann!‘ Wir stellten fest, dass die Dübel ca. fünf bis sieben Millimeter zu wenig eingetrieben waren. Unglücklicherweise wurden schon 2,5 km gesetzt. Toll!“

Die Rechtslage

Neben diesen zahlreichen Praxisbeispielen berichtete Weyda über einige relevante Paragrafen. Erläuterungen gab er zu den geltenden Vorschriften wie zum Beispiel die §§ 12, 13 der MBO, §§ 3, 18 der LBauO RLP. Die Inhalte sind neben den Verarbeitungshinweisen der Dübelhersteller zwingend einzuhalten.

Workshop im Baulabor

Der Workshop des Expertengesprächs fand im Baulabor der Schule statt. Hier ging es darum, eine Auswahl an Bauwerkstoffen zu sichten und deren besprochene Eigenschaften für die Dübelmontage praktisch zu testen. Die Schüler hatten dabei die Möglichkeit, theoretisch Erarbeitetes praktisch zu erproben und damit die für den Lernprozess hilfreiche Verknüpfung von Theorie und Praxis zu erleben.

Fazit

Viele Schüler des dritten Ausbildungsjahres verfügen bereits über Erfahrungen der Dübelmontage in der betrieblichen Praxis. Die Rückmeldung eines Schülers bestätigte den Erfolg des Expertengesprächs: „Das Expertengespräch war interessant gestaltet und die Präsentation gut gemacht. Es wurde gezeigt, was passieren kann, wenn man fehlerhafte Befestigungsmittel wählt. Auch bereits Gelerntes wurde gefestigt“.

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