Lamellen für die Gebäudehülle

Systeme und Produkte im Überblick

Lamellen an der Gebäudehülle erfüllen oft mehrere Funktionen: Sie bieten Schutz vor Sonne, Witterungseinflüssen und/oder sind Lüftungselement. Darüber hinaus sind sie ein beliebtes Gestaltungsmittel. So wie ihr Einsatzzweck variiert und sie unterschiedlichen Ansprüchen genügen müssen, so umfangreich ist auch die Auswahl an Lamellenarten. Einige besonders interessante Metall-Systeme stellen wir in diesem Beitrag vor.

Sonnenschutzlamellen haben die Funktion, Räume zu verschatten. Außen liegend, sind sie entweder starr oder beweglich und horizontal oder vertikal montiert. Darüber hinaus geben sie Fassaden ein markantes Erscheinungsbild. Möglich wird dies dank ihrer vielfältigen Ausführungen, Designs und Farben, wie etwa das Produktportfolio des Lamellenspezialisten MLL aus Ahrensburg zeigt. Für den Sonnenschutz finden sich hier elliptisch ausgebildete stranggepresste Lamellen als vorgefertigtes Element (Sonal H10) sowie stranggepresste Aluminiumgroßlamellen für den starren und beweglichen Einsatz (Sonal D). Die Sonal-H10-Systeme werden als Montageeinheit in Kragarmprofile eingeschoben. Das System SLC hingegen weist C-förmige, einwandige Lamellen auf und wird mit einem Klippsystem montiert. Neben den genannten Produktreihen entwirft und produziert der Ahrensburger Hersteller aber auch individualisierte Lösungen, beispielsweise eckige Lamellen.

Optik und Schutz vor Witterung

Ein weiteres Anwendungsgebiet von Lamellen ist u.a. die Einhausung von Technikzentralen auf dem Dach. Hierfür bietet der Hersteller aus Ahrensburg Systeme für die Überkopfmontage an. Darüber hinaus lassen sich durch die Verwendung von Einzelprofilen aufwendige Farbspiele an der Gebäudehülle realisieren. Besonders gefragt sind laut Sandra Lucht, der Architektenberaterin bei MLL, derzeit Matt-Töne und Eloxal-Farben. Als Projektbeispiel sei hier die Internationale Schule in Differdange/Luxemburg genannt. Diese wurde zum Schutz vor Witterungseinflüssen mit einer Fassadenverkleidung aus senkrecht verlaufenden, farbigen Lamellen ausgestattet. „Die Herausforderung des Projekts bestand darin, dass hinter der Lamellenfassade öffenbare Fenster liegen. Bei Wind besteht die Gefahr des Wassereintritts“, erklärt Patrick Faber vom verarbeitenden Unternehmen Metalica aus dem luxemburgischen Esch/Alzette. „Wir haben in intensiver Zusammenarbeit mit MLL eine eigene Lamellenform entwickelt und sie in einem spezialisierten englischen Labor auf ihre Funktionstüchtigkeit hin testen lassen.“ Das Ergebnis ist eine Lamelle mit einer speziellen Kerbung. Diese „schneidet“ den Wind und sorgt dafür, dass kein Wasser in das dahinterliegende Fenster gelangt. 

Der Hersteller aus Ahrensburg legt Wert auf Kundenbindung, wie man den Worten von Sandra Lucht entnimmt. Dazu gehört der Beratungsservice „von der Planung bis zur Montage“ und natürlich, dass die Systeme einfach zu verarbeiten sind. „Unsere Lamellen sind mit all unseren Tragsäulen kompatibel, die Verarbeitung der Profile funktioniert nach Bausatzprinzip und ist denkbar einfach“, so die gelernte Bauzeichnerin. „Geliefert wird vorkonfektioniert. Das heißt, dass die Profile zugeschnitten und die Säulen schon fertig zusammengebaut inklusive Halter sind.“ 

Lamellen aus Lochblech und Streckmetall

Aus Standardsystemen für den Sonnenschutz entwickelt Colt International gemeinsam mit Metallbauern und Architekten individuelle Lösungen. Dies bedeutet, dass er die bestehenden Produktlinien bedarfsbezogen modifiziert. Die Lamellen sind konfigurierbar in Länge und Breite und lassen sich zudem wunschgemäß farblich gestalten. In der Regel übernimmt der Hersteller die Montage und Wartung der Systeme. „Grundsätzlich wächst der Bedarf an Sonnenschutz, sowohl im Neubau als auch im Bestand. Wir können außerdem einen Trend hin zu Lochblech- und Streckmetall-Lamellen feststellen“, sagt Simon Roemgens, Verkaufsleiter D-A-CH bei Colt. Davon zeugt auch das 2018 fertiggestellte Kundenzentrum der Robert Bosch Automotive Steering in Schwäbisch Gmünd. Die Gebäudehülle besteht aus einer multifunktionalen Lamellen-Lösung, den Shadometall-Lamellen, die sich über eine SolTronic-III-Steuerung automatisch an Wind und Wetter ausrichten. Die Fassade des sechsstöckigen Mitarbeiter-Parkhauses hingegen wurde mit einem System aus starren Metalllamellen verkleidet. Diese wurden senkrecht montiert und überspannen jeweils ein bis drei Geschosse.

Die 1.910 Shadometall-Lamellen des Kundenzentrums bestehen aus gelochten und pulverbeschichteten bzw. eloxierten Aluminiumblechen. Die Bauteile sind jeweils zwischen 3,5 und rund 4 m lang und knapp 70 cm breit. Jede Lamelle ist im Querschnitt mehrmals um 90 Grad abgeknickt. Bis zu sechs Elemente sind miteinander gekoppelt und lassen sich um ihre vertikale Achse um 110 Grad bewegen. Geachtet hatte der Hersteller u.a. darauf, dass die Lamellen-Fassade möglichst wartungsfrei und geräuscharm ist.

Lamellen aus Aluminium-Kassetten

Man kennt sie von vorgehängten hinterlüfteten Fassaden: die Alucobond-Verbundplatten. Die Aluminium-Kassetten kommen an Gebäudehüllen aber auch als Lamellen vor. So fungieren sie etwa als feststehende horizontale Verschattungselemente oder können in Form geschosshoher, beweglicher Flügel einzelne Fenster verkleiden oder ganze Fassaden umhüllen.

Zu den Eigenschaften der Verbundplatten zählen die hohe Stabilität und leichte Verarbeitbarkeit, ein geringes Gewicht sowie die hohe Biegefähigkeit und Beständigkeit gegen Witterungseinflüsse. Außerdem lassen sie sich mit einer einfachen Verarbeitungstechnik formen. Dieses Verfahren, Fräskanttechnik genannt, ist für Verbundplatten mit allen Standardoberflächen geeignet und ermöglicht die Herstellung von gekanteten Elementen in verschiedenen Formen und Größen. Dabei werden die Platten ohne Biegebank händisch abgekantet. Auf der Rückseite der Verbundplatte fräst man eine Nut ein; diese bestimmt den Biegeradius. Aufgrund dieser Verarbeitbarkeit sind Aluminium-Verbundplatten prädestiniert für den Einsatz in dreidimensionalen VHF. Eine Gebäudehülle dieser Art trägt zum Beispiel der Neubau eines Einrichtungshauses in Saarbrücken. Die einzelnen Verbundplatten dieser gefalteten und 20 Meter hohen Verkleidung wurden zunächst im Werk rückseitig gefräst und gebohrt und am Einbauort in die Unterkonstruktion eingehängt. Kniffelig gestaltete sich die Ausführung der schrägen, meterhohen Fugen. Hier war millimetergenaues Arbeiten gefragt. Auch wenn diese VHF keine Lamellenfassade im engeren Sinne darstellt, so ähnelt sie ihr doch visuell. Aus den Faltungen resultiert ein Wechsel von Licht und Schatten. Den Ansichten verleiht sie, wie eine klassische Lamellenfassade auch, Prägnanz und Struktur.  

Metalllamellen als VHF

Ein weiteres System für vorgehängte hinterlüftete Fassaden stammt von FShape Fassadentechnik. Das fshape system basiert auf schmalen Aluminium-Lamellen, die sowohl senkrecht als auch horizontal angeordnet werden können. Es gibt sie in drei unterschiedlichen Standard-Profilformaten in 45 oder 102 mm Breite mit eloxierter oder pulverbeschichteter Oberfläche und in einer Vielzahl an Farbtönen. Befestigt werden die Lamellen auf einer thermisch vom Bauteil getrennten Wandkonsole. Diese ist nach Angaben des Herstellers flexibel an den vorhandenen Untergrund anpassbar und schnell montiert. Die Feinjustierung erfolgt über eine einzige Inbusschraube und ist auch nach Montage der Dämmung möglich. Dadurch wird eine Planebenheit mit einer Toleranz von < 1 mm auf 10 m in Aussicht gestellt.

Eine farbenfrohe, markante Aluminium-Lamellenfassade kann man beispielsweise an der Mark Twain Schule in Ulm sehen; hier wechseln rote, gelbe und grüne Elemente einander ab. Einheitlich und ruhig wirkt hingegen das Äußere eines Wohnhauses in der Schweiz. Die VHF besteht aus schmalen Sonderprofilen vertikal montierter Metalllamellen, die unsichtbar auf einer horizontal verlaufenden Unterkonstruktion fixiert sind. Eine Besonderheit dieses Objekts sind die fassadenintegrierten Balkon- und Brüstungsgeländer. Sie haben die gleiche Farbe und nahezu die gleichen Abmessungen wie die Fassadenlamellen, also 23/25/4 mm bzw. 25/25/2 mm. Damit sind die Lamellen optisch identisch. Dies unterstreicht die Homogenität der Gebäudehülle und verleiht ihr räumliche Tiefe.

Lamellendächer

Eine beliebte Form der Wohnraumerweiterung sind Lamellendächer. Sie bieten Schutz vor Sonne und Witterung, sind freistehend oder an der Fassade angebracht. Außerdem lassen sie sich je nach Bedarf in Größe und Ausstattung konfigurieren und miteinander kombinieren. Von Warema stammt beispielsweise das Dachsystem Lamaxa, das bisher ausschließlich in den Premium-Ausführungen L60 und L70 verfügbar war und vor kurzem um eine Version in niedrigerem Preissegment, das L50, ergänzt wurde. Rahmenkonstruktion und Lamellen bestehen auch bei diesem Modell aus hochwertigem pulverbeschichtetem Aluminium, die Abmessungen der Konstruktionen sind  nahezu identisch. So beträgt die max. Größe eines L50 4,5 m x 6,0 m; darüber hinaus ist es in Reihe sowie in Stern- und L-Form erweiterbar. Die Lamellen des neuen Modells sind drehbar und, wie bei den Premiummodellen auch, für eine Windlast von 1,1 kN/m2 ausgelegt. Ihre Steuerung erfolgt wie gewohnt per Tablet oder Smartphone durch WMS WebControl pro.

Der wesentliche Unterschied zu den beiden Vorgängermodellen besteht darin, dass Traversen und Pfosten schmaler sind und dass der Lamellen-Motor direkt in dem drehbaren Bauteil liegt. Wie sich die Einführung des neuen Modells in der Praxis darstellt, davon berichtet Warema-Partner Kris Hendricks aus Kleve: „Zunächst einmal eröffnen sich damit neue Kundenkreise. Einen Vorteil sehen wir aber auch in der hohen Stabilität des Systems und der leichten und schnellen Montierbarkeit. Vor allem die Eckverbindungen sind generell bei den Lamaxa Dächern und insbesondere beim L50 geschickt gelöst.“ Darüber hinaus lobt Hendricks den Montagservice des Systemanbieters. Geschult wurden er und sein Team durch zwei Mitarbeiter direkt vor Ort.

Zum optionalen Zubehör der Lamellendächer aus Marktheidenfeld zählen u.a. dimmbare LED-Strips sowie ZIP-Markisen und Schiebesysteme aus Glas, Holz und Aluminium. Die meisten Kunden von Hendricks entscheiden sich für eine Lamellenbeleuchtung und senkrechte Verschattungsscreens. „Die Traverse, in dem sich der Tuchbalken der Senkrechtmarkise befindet, wird mit den Führungsschienen schon in nicht montiertem Zustand verbunden“, sagt der Metallbauer. „Auch das erleichtert den Aufbau der Anlage ungemein.“

Das Unternehmen Schweitzer Bautechnik vertreibt seit neun Jahren Renson Lamellendächer. Sein meistverkauftes Lamellendach ist das Modell Camargue, eine mehrteilig koppelbare Aluminium-Konstruktion im Premiumsegment. Verfügbar in sechs verschiedenen Designlinien, wird es mit einer großen Auswahl an Unterbauten angeboten. Alle stammen sie aus dem Hause des Systemherstellers und sind deshalb in Verarbeitung, Gestalt und Farbe aufeinander abgestimmt. Wegen der Vielfalt an Zubehörprodukten lässt sich die Loggia nach individuellen Wünschen konfigurieren. Zu den verfügbaren Seitenteilen gehören z.B. Schiebeläden mit Alurahmen und verstellbaren Holz- bzw. Alulamellen, unsichtbar in die Tragkonstruktion integrierte Screens wie auch feste Wände aus Aluminium mit horizontaler Linienstruktur. „Licht und Atmosphäre sind für unsere Kunden zentrale Themen“, sagt Thomas Diehr, Sonnenschutzfachberater bei Schweitzer. „Ganz stark im Kommen sind Outdoor-Vorhänge. Mit ihnen lassen sich die Loggien nicht nur besonders wohnlich gestalten, sondern auch akustisch abschirmen.“ Überzeugend findet der Berater zudem die solide Ausführung und Montagefreundlichkeit des Dachsystems – und dass die Konstruktion zur Montage vom Hersteller in festen Holzkisten angeliefert wird. „Das ist für mich auch ein Qualitätsmerkmal. Genauso wie die 15- jährige Lackgarantie“, meint er.

Lamellenfenster

Mit Hahn Lamellenfenstern lassen sich einerseits gestalterische Ansprüche, andererseits bautechnische Aufgaben wie Lüftung, Rauchabzug und Klimatisierung erfüllen. Die Profile der Fensterelemente sind äußerst schmal gehalten, und die Fensterbreite variiert je nach Oberflächenverarbeitung, individuell definierbaren Maßen und unterschiedlichen Anforderungen an die Verglasung. Je nach Einsatzzweck stehen unterschiedliche Systeme zur Verfügung: Diese reichen vom Einfachglas-System mit 8 mm Sicherheitsverglasung und wahlweise überlappend oder bündig schließenden Lamellen bis hin zum Dreifachglas-System mit oder ohne Rahmen.

Aufgrund der Zulassung nach EN 12101-2 für natürliche Rauchabzugsgeräte können die Fenster parallel zur Lüftung wie auch zur Brandrauchentlüftung genutzt werden. So werden im Notfall die Fluchtwege frei von giftigen Rauchgasen gehalten und die Rettung ermöglicht. Mittels im Rahmen integrierter oder aufgesetzter variabler Klemmprofile lassen sich die Fenster in unterschiedliche Fassadenkonstruktionen aller bekannten Hersteller integrieren; alternativ ist die einfache Verschraubung durch die Profile in die Unterkonstruktion machbar. Der Montageaufwand der Lamellenfenster ist laut Hersteller mit dem eines regulären Dreh-/Kippfensters vergleichbar. „Insbesondere der ökologisch und ökonomische Dreifachnutzen der Fenster ist im Hinblick auf heutige Erwartungen ein echter Vorteil“, urteilt Melanie Schüssler, Marketingleiterin bei Hahn.

Nachfrage am Markt

„Was die aktuelle Nachfrage am Markt angeht, können wir keinen Rückgang feststellen“, so Schüssler weiter. „Nicht zuletzt durch die aktuelle Medienberichterstattung zur Relevanz einer guten Lüftung und immer strengerer Brandschutzauflagen haben wir, ganz im Gegenteil, eine erhöhte Nachfrage an Lamellenfenstern zu verzeichnen.“ Allerdings prognostiziert sie aufgrund der aktuellem Beschaffungsproblematik längere Lieferzeiten sowie eine Verknappung der Rohstoffe zu erhöhten Preisen. Wie viele Unternehmen hofft deshalb auch Hahn auf eine baldige Rückkehr zum früheren Normalzustand.

Vergleichbares berichtet das belgische Unternehmen Renson: Mit dem Auftreten von COVID-19 setzte im Markt ein Boom ein, der sich erst in den vergangenen Monaten leicht abgeschwächt habe, allerdings auf hohem Niveau. Die Nachfrage nach Lamellendächern sei nach wie vor sehr hoch, was zu längeren Lieferzeiten führen könne.

Fotos: Referenzobjekte Lamellen

Links zu den Firmen

www.mll-gmbh.com

www.colt-info.de

alucobond.com

fshape.de

www.warema.com

www.renson-outdoor.com

www.hahn-lamellenfenster.de

metalica.lu

www.hendricks-metallbau.de 

www.schweitzer-bautechnik.de

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