Lehrgang für Nachfolger

Warema fördert Nachwuchs der Partner

Der Sonnenschutzexperte Warema bietet seinen Partner-Unternehmen Schulungen zur Nachfolgeregelung an. Thomas Schneider von Uhl Stahl- und Metallbau aus Würzburg hat an einem solchen Lehrgang teilgenommen. Ein Erfahrungsbericht.

Dass er und sein Bruder einmal die Geschäfte des Vaters übernehmen würden, stand für Thomas Schneider außer Frage. „Die Firma Uhl hat mein Großvater 1949 übernommen. Richtig groß gemacht haben sie dann aber mein Vater und mein Onkel ab den 1970er-Jahren. Jetzt sind wir Söhne an der Reihe!“, sagt er und lacht dabei. Gejobbt hat der 38-jährige Industriekaufmann und BWLer im väterlichen Betrieb schon während seines Studiums.

Nach bestandener Prüfung, das war 2012, stieg er als fester Mitarbeiter in die Firma ein. Im Lockdownfrühling 2020 durfte er schließlich seine ersten Erfahrungen als neuer Geschäftsführer sammeln. Sein vier Jahre älterer und technisch ausgebildeter Bruder Frank Schneider verantwortet seit mehreren Jahren im Familienbetrieb die Sparte Kundendienst und ist ebenfalls seit 2020 Geschäftsführer. Das Segment Stahl- und Hallenbau lag bis 2019 in den Händen des Onkels Heribert Schneider und wird seitdem vom langjährigen Mitarbeiter Marko Graf geführt. Der 68-jährige Vater von Thomas und Frank Schneider hingegen hat sich in den vergangenen drei Jahren sukzessive aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Die Pandemie tat das Ihrige, um den Prozess des Abschieds zu beschleunigen.

Ein Lehrgang, neun Module

„Wir waren mitten im Übergabeprozess, da erzählte mir unser Ansprechpartner bei Warema von dem Nachfolgerlehrgang“, berichtet der junge Chef. Das Programm, auf das sich Schneider bezieht, gibt es seit 2016 und trägt den Namen „Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer – Qualifizierung für Nachfolger“. Kursort ist das Warema Training Center in Marktheidenfeld – für Schneider, der aus Würzburg kommt, sozusagen ein Heimspiel. Und auch deshalb genau das Richtige für ihn.

Der Kurs besteht aus neun Modulen, beginnend mit dem „Rollenverständnis“ über die „Motivation“, „Mitarbeiterführung“, „Konfliktmanagement“ und „Strategie“ bis hin zum abschließenden Modul „Absicherung des Gelernten“. Die Termine starten immer am Donnerstagabend und enden am späten Samstagnachmittag. Verteilt sind sie, wenn Corona nicht quer kommt, auf einen Zeitraum von eineinviertel Jahren.

Neben den Softskills zur Mitarbeiter- und Unternehmensführung erlernen die Teilnehmer des Kurses  betriebswirtschaftliche Inhalte oder entwickeln Unternehmensstrategien. In Rollenspielen üben sie sich in Mitarbeiter- und Kundengesprächen und wenden das Erlernte praktisch an. Gleichzeitig haben sie die Gelegenheit, sich in vertraulicher Runde über eigene Erfahrungen und Probleme auszutauschen und ein persönliches Netzwerk aufzubauen. „Wir haben in dem Lehrgang viele Werkzeuge mit auf den Weg bekommen. Weil ich schon mitten in der Verantwortung war, konnte ich dieses Wissen sofort umsetzen. Für mich kam das Seminar deshalb zum absolut richtigen Zeitpunkt“, merkt Schneider an.

Perspektiven bieten und Beziehung stärken

An jedem der Donnerstagabende gibt es ein kleines Einstiegsevent; fürs erste Treffen etwa organisierte der Sonnenschutzexperte ein gemeinsames Kochen mit der Vorstandsvorsitzenden Angelique Renkhoff-Mücke. Ein andermal ging die Gruppe in den Klettergarten, machte einen Glasbläserkurs oder einen Waldspaziergang. Dabei begleitete sie, passend zum Inhalt des Seminars, ein externer Kommunikationsexperte.

Armin Fischer ist der Leiter des Trainingszentrums und erläutert, warum sich Warema vor sechs Jahren entschloss, den Lehrgang ins Leben zu rufen. So stellte man damals eine wenig erfreuliche These in den Raum: dass nämlich nahezu 30 bis 40 Prozent der Betriebe, mit denen der Sonnenschutzexperte aus Marktheidenfeld zusammenarbeitet, in den kommenden fünf bis 15 Jahren vor einem Generationenwechsel stehen würden. „Mit dem Angebot einer überbetrieblichen Ausbildung, die sich explizit mit dem Thema ‚Leitung eines Unternehmens‘ auseinandersetzt, wollen wir den Betrieben und ihren Nachfolgern eine Perspektive bieten“, sagt Fischer. Verständlicherweise setze man auch auf langfristige Kundenbindung. Der Sonnenschutzexperte beauftragte daher einige Dienstleister mit der Aufgabe, einen auf die Branche zugeschnittenen Lehrplan zu entwickeln. Das überzeugendste Konzept kam von der Agentur Cum Nobis der beiden Coaches und mittelstanderfahrenen Unternehmer Jutta Knauer und Tobias Augsten. Fischer findet nur lobende Worte für sie: „Der Kurs lebt von ihrer einnehmenden Persönlichkeit und sie wissen, wovon sie sprechen. In der Kombi sind die beiden ein unschlagbares Team.“

Klarheit über die Rolle bieten

Die meisten Kursteilnehmer kommen aus Sonnenschutzfachbetrieben, doch auch Fensterbauer und Metallbauer lassen sich in Marktheidenfeld in dem Nachfolger-Lehrgang weiterbilden. Laut Fischer waren von den bisher 40 Absolventen neben Thomas Schneider vier weitere aus dem Metallbau-Segment dabei. Neun von zehn stammen aus Unternehmerfamilien, in den anderen Fällen handelt es sich in der Regel um einen zur Nachfolge erkorenen Mitarbeiter. Aus vielen Gesprächen weiß der Leiter des Trainingszentrums, dass diese Männer und Frauen den Kurs in der Überzeugung antreten, mit der Unternehmensübernahme den für sie richtigen Weg zu gehen. Einmal jedoch nahm die Geschichte einen anderen Verlauf. Er erzählt: „Während des Kurses wurde einem der Teilnehmer klar, dass ihn die Geschäftsübernahme überfordern würde. Also hat er die Idee verworfen. Die Eltern waren zunächst tief enttäuscht und unglücklich, sind aber heute froh darum. Es hätte passieren können, dass sich ein junger Mensch in eine Rolle reindrängen lässt, die er nicht spielen möchte und nicht spielen kann. Die Teilnahme an dem Kurs hat hier für Klarheit gesorgt.“

Gelernt, das eigene Handeln zu reflektieren

Für den Metallbauer aus Würzburg dagegen war besonders die vertrauensvolle Atmosphäre und das konstruktive Miteinander im Kurs von großem Wert. Er erinnert sich: „Schon beim ersten Wochenende ging es sehr emotional zu. Ich glaube, das hat dazu geführt, dass alle das Gefühl hatten, dass man sich öffnen kann und in einer Gruppe ist, in der Vertrauen herrscht.“ Die Dozentin beschreibt er als eine Person, die es durch ihre Art und Techniken immer wieder geschafft habe, dass man sein eigenes Handeln reflektiert. Über die Problemstellungen der anderen konnten sich die Teilnehmer so Antworten auf eigene Fragen liefern. Noch während des Lehrgangs gründete man eine Chatgruppe. Auch heute noch trifft sich das Team in regelmäßigen Abständen virtuell. Schön findet Schneider, dass man sich nach wie vor in sämtlichen Fragestellungen austauschen könne.

Etwas Kopfschmerzen bereiteten ihm allerdings anfangs die Seminarzeiten: Würde er, der gerade Vater und Geschäftsführer geworden war, es schaffen, jedes Mal rechtzeitig am Donnerstag und über die ganze Dauer des Lehrgangs da zu sein? Vorsichtshalber pickte sich Schneider deshalb bei der Kursanmeldung nur einige wenige Module heraus. Doch „Nein!“ hieß es von den Organisatoren. Buchen könne er den Lehrgang nur als Ganzes, zumal die Inhalte aufeinander aufbauen. Das sah Schneider ein. Es sei zwar manchmal nicht leicht gewesen, sich von Arbeit und Familie loszueisen. Aber „als ich dann am Trainingszentrum war“, sagt er, „konnte ich alles andere ausblenden und war unter Gleichgesinnten.“ Summa summarum nahm der junge Chef und Vater an allen Terminen teil. Und bereut das nicht – im Gegenteil.

Optimistisch in die Zukunft blicken

Die Pandemie hatte dem Lehrgang im vergangenen Jahr eine viermonatige Pause beschert. Zwei Themenblöcke wurden zwangsweise durch digitale Formate ersetzt – wobei „Ersatz“ das falsche Wort ist. Fischer: „Wir sind glücklich, heute wieder in Präsenz zu sein. Sie können sich vorstellen, dass bei den jungen Leuten das Networking eine extrem wichtige Rolle spielt. Und das geht nur, wenn man sich persönlich trifft.“ Deswegen wird man auch den Beginn des Lehrgangs 2022/23 auf die wärmeren Frühlingsmonate legen – in der Hoffnung, dass kein weiterer Lockdown einen Strich durch die Rechnung macht.

Über mangelnde Anfragen von jungen Nachwuchschefs und -chefinnen kann man sich in Marktheidenfeld jedenfalls nicht beschweren. Das legt den Gedanken nahe, den Kurs einer größeren Teilnehmerzahl zu öffnen. Dieses Argument lässt Fischer aber nicht gelten: „Wir halten die Gruppe bewusst klein, um den Lehrgang auf hohem Niveau führen zu können. Wir sind uns aber sicher, dass wir den Lehrgang auch noch in zehn Jahren anbieten werden.“ Es kommt also theoretisch jeder Interessent zum Zug – und sinnvollerweise dann, wenn gerade die Nachfolge ansteht.

www.uhl-wuerzburg.de

Warema – Qualifizierung für Nachfolger

Kosten: 4.500 Euro bzw. 6.000 Punkte im Warema Prime Partner System.

Kursbeginn: Frühjahr 2022 (die genauen Termine werden noch bekannt gegeben)

Voranmeldung/Infos: training@warema.de;

Tel. 09391 204142

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