Marktübersicht (Teil 2)

Multifunktionale Profilsysteme — Stahl- und Edelstahl

Stahl- und Edelstahlprofile punkten mit Verwindungsfestigkeit und hoher Stabilität. Mit sehr filigranen Ansichten erfüllen die Profile besondere Designansprüche. Vorgestellt werden 25 Stahl- und Edelstahl-Profilsysteme von vier Anbietern. Die Tabelle finden Abonnenten im digitalen Archiv.

Einfachverglaste Fenster mit ungedämmten Stahlrahmen kennt man aus alten Fabrikgebäuden. Sie waren robust und pflegeleicht. Heute sind Stahlprofile nicht nur ein Highlight für den Denkmalschutz bei der Rekonstruktion historischer Fassaden, Fenster und Türen, sondern sie sind auch in der modernen Architektur sehr beliebt. Besonders wenn es um schmale Profile und Ansichtsbreiten, um hohe statische oder sicherheitstechnische Anforderungen, extreme Windlasten oder Widerstandsfähigkeit gegenüber mechanischen Beschädigungen geht – dann sind die stabilen Stahl- und Edelstahlprofile erste Wahl.

Wertsteigerung und zeitlose Eleganz

In der Vielfalt und Anwendungsbreite sind Profilsysteme aus Stahl und Edelstahl nahezu unbegrenzt. Profile mit Sondergeometrien und Elemente mit Sonderformen wie Rundbögen, Korbbögen etc. lassen sich einfach realisieren. Was eignet sich am besten wofür? „Jedes Material bietet andere Vorteile“, sagt Thomas May, Leiter Produktmanagement Schüco Stahlsysteme Jansen. „Stahl und Edelstahl erfüllen vor allem besondere Ansprüche an das Design und zeichnen sich durch hohe Widerstandsfähigkeit in statischer sowie auch in gebrauchstauglicher Hinsicht aus, was dem Einsatz im öffentlichen Bereich entgegenkommt. Die äußerst stabilen und verwindungsfesten Profile ermöglichen außergewöhnlich filigrane und großformatige Fensterkonstruktionen.“ Und Bauteile mit hoher Transparenz sind äußerst beliebt.

Schlanke Profilansichten und großzügige Glasflächen stehen nach heutigem Zeitgeschmack für Eleganz. Das für Stahl typische, minimalistische Design mit klaren horizontalen und vertikalen Linien ist besonders für extragroße Glasflächen geeignet. „Gefragt sind scharfkantige Optik, hochwertige Oberflächen und große Glasformate“, bestätigt Andreas Esper, Produktmanager von Raico. Zu den Trends und aktuellen Entwicklungen zählt er auch das zunehmende Bewusstsein für Rohstoffkreisläufe, Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz. Außerdem wünschten sich Metallbauer mehr standardisierte Produkte, mit denen auch Sonderlösungen umsetzbar sind. „Nur so lassen sich zeit- und kostenintensive Speziallösungen vermeiden. Wir Systemgeber sind zunehmend gefordert, einfache, funktionelle Verarbeitungslösungen und aufeinander abgestimmte Produkte zur Verfügung zu stellen“, so Esper. Dass dies manchmal einen Spagat zwischen dem Architekten, dem Planer und dem Ausführenden bedeutet, weiß Raico-Geschäftsführer Dr. Stefan Lackner: „Der Architekt fordert Gestaltungsfreiheit, der Fassadenplaner technische Prozesssicherheit, der Fassadenbauer eine perfekte Verarbeitung und Montage und der Bauherr eine termin-, qualitäts- und preisgerechte Fertigstellung. Diese unterschiedlichsten Erwartungen müssen erfüllt werden.“

Besonders anspruchsvoll geht es bei hochwärmegedämmten Systemen zu. Der Metallbauer muss bei der Fertigung, dem Zusammenbau und der Montage auf mögliche Gebrauchstauglichkeitsverformungen, Toleranzen von Verglasungen, die Integration von Öffnungselementen und die bauphysikalisch korrekte Ausführung der Bauanschlussfugen achten.

Portfolio für Neubau bis Sanierung

Beispielsweise entwickelt und produziert der Schücopartner Jansen aus der Schweiz ein umfangreiches Portfolio an Stahl- und Edelstahl-Profilsystemen für Fassaden, Fenster und Türen, deren Vertrieb in Deutschland von Bielefeld aus erfolgt. Unter der Serienbezeichnung „Janisol“ wird eine umfangreiche Produktpalette von wärme- bis zu hochwärmegedämmten Profilen angeboten, die auch im Brandschutz Anwendung finden. Die torsionsstabilen, verschweißten Rahmen eignen sich sowohl für Neubauten als auch für die Sanierung vorhandener Bausubstanz.

Das wärmegedämmte Sprossensystem Janisol Arte kommt beispielsweise für Renovierungen und Sanierungen im Industrie- und Loftverglasungs-Segment in Betracht. In fein abgestuften Rastermaßen lassen sich filigrane Fenstercharakteristiken aus dem letzten Jahrhundert nachbilden. Maximale Energieeffizienz bei gleichzeitiger Vielfalt erreicht die Serie Janisol Primo. Die hochwärmegedämmten Profile sind in Stahl, Corten- und Edelstahl lieferbar und bieten ein hohes Maß an gestalterischer Freiheit. Denn mit der Serie lassen sich Fensterflügel sämtlicher Öffnungsarten realisieren, auch hohe Schalldämmwerte und Absturzsicherheit sind im System geprüft. Schlanke Ansichtsbreiten mit großen Glasflächen sind auch mit dem Brandschutzsystem VISS Fire möglich, das für die Feuerwiderstandsklassen EI30 und EI90 sowie für E30, E60 und E90 zugelassen ist.

Edle Stahlprofilfenster für Industriebrache

Ein gelungenes Beispiel, wie sich moderne Stahlfenster in historische Gebäude einfügen, zeigt das Eiffel-Gebäude im niederländischen Maastricht. Aus der ehemaligen Industriebrache wurde ein lebendiger Treffpunkt mit modernen Wohn- und Geschäftsräumen und einem Studentenhotel mit 378 vollmöblierten Zimmern, die überwiegend an ausländische Studenten vermietet werden.

Der mehrstöckige Industriekomplex aus den Jahren 1928 bis 1941 besteht aus drei Fabrikgebäuden, in denen der Keramikhersteller Royal Sphinx bis 2006 produzierte. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde einer neuen Nutzung zugeführt, nachdem es jahrelang brachlag. Für seine Revitalisierung wurde ein Gesamtkonzept unter Einhaltung des Denkmalschutzes und aktueller, energetischer Anforderungen erarbeitet. Der Bauherr und der Generalunternehmer entschieden sich für Fenster aus Stahlprofilen von RP Technik. Zum Einsatz kam das hochwärmedämmende Stahlfenstersystem ISO-FINELINE mit besonders feingliedrigen, schmalen und hochfesten Stahlprofilen. Das thermisch getrennte Profilsystem bietet Platz für hochwärmedämmende Zwei- und Dreifachisolierverglasungen, ermöglicht scharfkantige Profilecken analog den historischen Vorbildern, den Einsatz langlebiger Gummi-Dichtprofile sowie verdeckt liegender Drainageöffnungen ohne störende Kunststoffteile auf den Sichtflächen. Ansichtsbreiten ab 25 mm sind möglich. In der Fassade wurden insgesamt 494 Fensterwandelemente mit diesem Stahlprofil verbaut.

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