Ausbildung

Meisterkurs fällt durch

Novum an der HWK Saarland

Sieben Metallbauer hatten sich ein Jahr lang in Vollzeit auf die Meisterprüfung vorbereitet, sechs Prüflinge haben die Tests dann nicht bestanden. „So ein schlechtes Ergebnis hat es in den vergangenen Jahren bei uns nicht gegeben“, stellte die HWK Saarland fest. Wir konnten bislang keinen dieser Gesellen ausfindig machen und würden uns freuen, wenn sich der eine oder andere meldet.

Der durchgefallene Meisterkurs an der HWK Saarbrücken schlug Wellen, die bis zum Wirtschaftsministerium reichten. Dieses hat als Kammeraufsicht die HWK hinsichtlich der gegenwärtigen Kritikpunkte um eine Stellungnahme über das weitere Vorgehen gebeten. Nach Information der Pressestelle des Ministeriums schult nun die HWK die Prüflinge kostenfrei nach und organisiert für Februar 2022 eine Nachprüfung, für die keine Prüfungsgebühren (ca. 1.200 Euro) anfallen.

Der Prüfungsausschussvorsitzende

Der Vorsitzende des Meisterprüfungsausschusses im Metallbauerhandwerk ist Landesinnungsmeister Martin Jakob. Der 62-Jährige führt in Eppelborn einen Betrieb. Im September dieses Jahres wurde er für sein ehrenamtliches Engagement für sein Gewerk mit der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Angesprochen auf den durchgefallenen Meisterkurs zeigte er sich selbst enttäuscht. „Die negative Prüfungsleistung war nicht nur für die Teilnehmer, sondern auch für den gesamten Prüfungsausschuss bitter“, stellte er fest und kündigte an: „Ich werde gemeinsam mit den Kollegen des Prüfungsausschusses und der Handwerkskammer des Saarlandes prüfen, an welchen Stellen es Handlungsbedarf gibt, damit sich ein solches Ergebnis nicht mehr wiederholen kann.“ Indes möchte sich der Metallbaumeister zugunsten von mehr Fachkräften nicht dahingehend beeinflussen lassen, das meisterliche Niveau der Prüfungen zu senken. Mit dem Meisterbrief in der Tasche sollen die Absolventen in der Lage sein, Verantwortung für Mitarbeiter zu übernehmen beziehungsweise den fachlichen Anforderungen eines Metallbaubetriebs standhalten können. „Um diese Fertigkeiten zu schulen, braucht es eine Weiterbildung auf hohem Niveau“, betont Jakob.

Die verärgerten Prüflinge hatten bei ihren Beschwerden auf andere Meisterkurse hingewiesen, die deutlich weniger kosten würden und dennoch höhere Quoten an Metallbaumeistern hervorbrächten. Fakt ist, dass es deutschlandweit ganz unterschiedliche Angebote der Vorbereitung, Kosten und der Förderung gibt. Für welchen Weg und welche Schule sich ein Meisterschüler entscheidet, hängt deshalb insbesondere von den verfügbaren Informationen ab.

An der HWK Saarland lag in den vergangenen Jahren die durchschnittliche Durchfallquote bei 50%. Für die letzten beiden Schulungskurse während der Corona-Zeit wurden jedoch höhere Durchfallquoten gezählt, wie HWK-Präsident Bernd Wegner informierte. Als Erklärung gab er an: Zu Pandemiezeiten hätten die Unterrichtseinheiten nicht wie sonst üblich stattgefunden, zudem musste die Schule in kürzester Zeit auf Distanzunterricht umstellen und dies in einem praktischen Berufsfeld, für das sich via Internet kein gleichwertiger Unterricht gestalten lässt. „Dieses anspruchsvolle Gewerk braucht die Kommunikation zwischen den Schülern und Dozenten in Präsenz“, betonte Wegner.   

Metallbaumeister Jakob und der Prüfungsausschuss bewerteten die Durchfallquoten der vergangenen Kurse als unauffällig. „Die Meisterprüfung direkt im Anschluss an die Gesellenprüfung hat zu Erschwernissen geführt, in früheren Jahren mussten die Anwärter zuvor einige Jahre Berufserfahrung sammeln; bei den Prüfungen profitierten sie von diesen praktischen Erfahrungen“, berichtete Jakob. Bei seiner Dozententätigkeit fallen ihm bei den Meisterschülern vor allem in der Praxis Defizite auf. Heute genügt als Voraussetzung die erfolgreich abgelegte Gesellenprüfung in dem zulassungspflichtigen Handwerk, in dem auch die Meisterprüfung abgelegt werden soll. Praxiserfahrung oder Noten spielen keine Rolle.

Was die durchgefallene Meisterklasse betrifft, räumt die Handwerkskammer ein, dass es „anscheinend ein Transferdefizit“ zwischen dem Meisterprüfungsausschuss und den Vertretern der Schule gab. Es heißt: „Grundsätzlich ist die Prüfung an den Projektunterricht in der Schule angelehnt und die Dozenten des Projektunterrichts stimmen den Prüfungsinhalt mit dem Prüfungsausschuss ab.“

Wie auch immer, der Vorfall hat Korrekturen ausgelöst. Der regelmäßige Austausch zwischen dem Prüfungsausschuss und den Dozenten der Schule wird intensiviert, sagt Jakob. Die HWK hat einen Arbeitskreis eingesetzt, dem Vertreter der Schule sowie des Prüfungsausschusses angehören. „Die Teilnehmer stehen nun in einem regelmäßigeren und fest terminierten Austausch“, berichtete Wegner. Zusätzlich wurde ein Prüfungsvorbereitungslehrgang neu ins Leben gerufen, um den coronabedingten Versäumnissen ausgleichend entgegenzuwirken. Jakob möchte dieses Angebot des zusätzlichen Lehrgangs im Anschluss an den Meisterkurs auch für die nachfolgenden Jahrgänge fortsetzen.

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