Nachhaltiger Stahl

Der am meisten rezyklierte Rohstoff

Stahl wird in Deutschland zu großen Teilen recycelt. Insgesamt werden so pro Kopf 120 kg an CO2-Emissionen eingespart. Baustahl kann sogar ohne Qualitätsverlust unendlich oft recycelt werden. „Dieser Aspekt wird häufig nicht gesehen. Ebenso wenig wie die Langlebigkeit des Werkstoffs“, so Dr. Rolf Heddrich, Geschäftsführer und Sprecher bauforumstahl e. V.

„Uns begegnet häufig die Frage, wie ein Baustoff, der bei seiner Produktion so hohe CO2- Emissionen verursacht wie Stahl, nachhaltig sein kann. Uns stellt sich umgekehrt die Frage: Wie kann ein Baustoff, der unendlich oft recycelbar ist, in Zeiten der Ressourcenknappheit nicht nachhaltig sein?“, so Dr. Rolf Heddrich.

In anderen Ländern ist man beim Thema Recycling längst nicht so weit. „China beispielsweise liefert einen großen Teil des in Deutschland verbauten Stahls, recycelt aber deutlich weniger als ein Drittel des dort hergestellten Stahls“, so Heddrich. Angesichts dieses Ungleichgewichts sollten die Ausschreibungs- und Vergabekriterien in Deutschland neu überdacht werden. „Nachhaltigkeitskriterien gilt es wegen der Klimakrise stärker zu gewichten. Wenn das geschieht, hat der Baustoff Stahl im internationalen Markt fast automatisch die Nase vorn“, so Heddrich.

Als Geschäftsführer des Spitzenverbandes für das Bauen mit Stahl in Deutschland vertritt er die Interessen der Stahlbauindustrie in der Politik, bei Verbänden und auf Veranstaltungen. Darüber hinaus ist bauforumstahl eines der ersten Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen. In deren Recherche-Tools wie beispielsweise dem DGNB Navigator sind auch die Produkte der bauforumstahl-Mitgliedsunternehmen gelistet.

EPD bestätigt Recyclingrate

Die Umwelt-Produktdeklaration (EPD) „Baustähle“ liefert exakte Daten zum Thema Recycling. Sie bestätigt Stahl eine Wiederverwendungsrate von 11 Prozent und eine Recyclingrate von 88 Prozent. Die Sammelrate beträgt 99 Prozent und nur ein Prozent geht verloren. 84,4 Prozent des Baustahls, für den diese Deklaration gilt, werden durch Recycling gewonnen.

Stahlschrott spart Klima- und Umweltkosten

Und auch die neue Fraunhofer IMWS Studie „Schrottbonus“ zeigt: „Der Einsatz von Stahlschrott spart Klima- und Umweltkosten in Milliardenhöhe. Mit jeder Tonne Schrott, die in der Herstellung von Kohlenstoffstahl eingesetzt wird, spart die Stahlindustrie gegenüber der Produktion aus Erzen durchschnittlich 1,67 Tonnen CO2 ein.“

Stahl: der am meisten rezyklierte Rohstoff

Aktuelle Zahlen, Statistiken und die technischen Möglichkeiten des Stahlrecyclings im Bauwesen wurden außerdem durch das Lehr- und Forschungsgebiet Baubetrieb und Bauwirtschaft der Bergischen Universität Wuppertal unter Prof. Manfred Helmus ermittelt und in einem Sachstandsbericht zusammengefasst. Hauptthemen hierbei waren: Rückbau, Recycling und Sammelraten, der Recyclingprozess und die Schrottsorten, der Schrotteinsatz in der Stahlproduktion, die erreichbaren Stahlgüten beim Recyclingstahl und bekannte Beispiele zum Einsatz von Recyclingstahl. Im Ergebnis wird „Stahlschrott als der weltweit am meisten rezyklierte Rohstoff“ benannt.  Weiter heißt es: „Im Recyclingprozess treten keine Qualitätsverluste auf, dies macht Stahl zu einem der nachhaltigsten Werk- und Baustoffe überhaupt. Durch Fortschritte bei den Gieß- und Walzverfahren können über die Elektrostahlroute jegliche Stahlprodukte hergestellt werden, die bisher nur der Hochofenroute vorbehalten waren, beispielsweise Flachprodukte.

CO2-arme Produktion fördern

„Doch allein durch Recycling können wir nicht klimaneutral werden. Deshalb unterstützt bauforumstahl seine Mitglieder in ihren politischen Forderungen bei der Umstellung auf eine C02-arme Produktion, die erneuerbare Energien oder Wasserstoff nutzt“, so ­Heddrich.

Die Mitgliedsunternehmen von bauforumstahl gehen  mit gutem Beispiel voran. Sie haben das Ziel, bis 2050 klimaneutral zu produzieren. „Entscheidend ist jetzt, dass auch die Politik in den nächsten Monaten die richtigen Weichen für die Transformation in eine grüne Stahlproduktion in Deutschland stellt. Dafür setzen wir uns als Verband ein.“ ...

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Trotz wenig Wartung langlebig

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der gerne unbeachtet bleibt, ist die Langlebigkeit des Werkstoffs Stahl. „Nicht selten prägen Bauwerke aus Stahl über viele Jahrzehnte hinweg unsere Stadt- und Infrastrukturbilder, und das bei — verglichen mit anderen Werkstoffen — deutlich niedrigeren Wartungsfrequenzen. Und einmal gebaut, lassen sich Bauwerke aus Stahl zudem auch leicht wieder instand setzen“, so Heddrich.

Neben der ökologischen und ökonomischen Nachhaltigkeit gibt es noch einen weiteren wichtigen Punkt: Wenn es gelingt, die Stahlproduktion in eine klimaarme Herstellung zu überführen, können mittel- bis langfristig wichtige Arbeitsplätze in Deutschland erhalten bleiben.

„Eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Stahlindustrie und damit der Stahlbauindustrie ist daher für Europa nicht nur in Sachen Klimapolitik, sondern auch wegen der ökonomischen und sozialpolitischen Verantwortung von herausragender Bedeutung“, betont Heddrich.

Normungsinitiative Responsible Steel

ResponsibleSteel™ ist eine gemeinnützige Organisation, die Nachhaltigkeitsstandards und ein unabhängiges Zertifizierungsprogramm für die Stahlwertschöpfungskette entwickelt hat. An dieser Initiative sind inzwischen über 40 Mitglieder und Partner beteiligt. Im Kern handelt es sich dabei um eine Zusammenarbeit mehrerer Interessensgruppen aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

Bereits zertifizierte Unternehmen berichten über verschiedene Aktivitäten, die zum Erhalt der Zertifizierung beigetragen haben – von den Transformationsplänen zu einer klimaneutralen Stahlproduktion über soziale Grundsätze und betriebliche Sozialleistungen bis hin zu professionellem Beschwerdemanagement und gesellschaftlichem Engagement vor Ort.

ResponsibleSteel™ hat folgende Prinzipien:

Prinzip 1. Unternehmensführung

Prinzip 2. Sozial-, Umwelt- und Governance-Managementsysteme

Prinzip 3. Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz und in der Ortsgemeinde

Prinzip 4. Arbeitsrechte

Prinzip 5. Menschenrechte

Prinzip 6. Lokale Gemeinschaften

Prinzip 7. Einbeziehung von Interessengruppen und Kommunikation

Prinzip 8. Klimawandel und Treibhausgasemissionen

Prinzip 9. Lärm, Emissionen, Abwässer und Abfälle

Prinzip 10. Wassermanagement

Prinzip 11. Artenvielfalt

Prinzip 12. Stilllegung und Schließung

ArcelorMittal Eisenhüttenstadt ist zertifiziert

Nach drei Jahren intensiver Arbeit ist die Zertifizierung nach Responsible SteelTM für das brandenburgische Stahlunternehmen ein besonderer Erfolg, auch im Hinblick auf den Plan zur Dekarbonisierung der deutschen Stahlstandorte. Eisenhüttenstadt gehört weltweit zu den ersten Standorten des ArcelorMittal-Konzerns, die nach der Normungsinitiative für Nachhaltigkeit zertifiziert worden sind (s. Abbildung). Gemeinsam mit dem Bremer Werk sowie weiteren Produktionsstätten in Belgien und Luxemburg wurde ArcelorMittal Eisenhüttenstadt im Juni bei einer Veranstaltung im belgischen Gent ausgezeichnet.

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