Omniturm Frankfurt

Eine Fassade mit Hüftschwung

Der rund 190 Meter hohe Turm in Frankfurts Bankenviertel bietet Räume für Wohnen, Arbeit und Freizeit. Dafür steht der Name Omniturm. Die Architektur der über 45 Stockwerke hohen Metall-Glas-Fassade wird auf der Höhe von ca. 70 Metern unterbrochen. Über acht Stockwerke wurde die sogenannte Residential-Fassade ausgebildet, die auf einer Seite über die Gebäudegrundfläche auskragt und auf der gegenüberliegenden nach innen versetzt ist. Die augenfällig, markante Hochhausfassade hat Dobler Metallbau ausgeführt.

Das Hochhaus im Frankfurter Bankenviertel, Kreuzung Große Gallusstraße und Neue Mainzer Straße hat über 54.000 m² Nutzfläche. Die ersten drei der insgesamt 45 Geschosse sind der Öffentlichkeit zugänglich. Neben Cafeteria, Veranstaltungszentrum und Dachterrasse sind bis zu 83 Prozent der Nutzflächen Büroflächen, die zum Großteil an Morgan Stanley und die Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells langfristig vorvermietet wurden.

Knapp 8.200 m² Fläche unterhalb der Turmmitte werden für rund 150 Wohnungen genutzt. Dafür bieten die acht Geschosse vom 15. bis zum 22. Stockwerk mit nach außen und nach innen versetzten Grundflächen eine exponierte Wohnlage. Jeweils bis zu vier Meter sind die Grundlinien dieser Wohngeschosse versetzt, was sich in der spektakulären Residential-Fassade abbildet. Mit dieser architektonischen Finesse wurden auf der Höhe von 70 bis 100 Metern Terrassenflächen geschaffen, die den Bewohnern einen privilegierten Ausblick auf Frankfurts Zentrum schenken.

Baubeteiligte sprechen vom Hüftschwung des Turms, dessen Gestaltung von Dobler Metallbau umzusetzen war. Die Gebäudehülle erlangte mit Platinum bei der Zertifizierung nach dem Green Building Standard LEED die höchstmögliche Stufe. „Um Punkte für Nachhaltigkeit zu erzielen, waren bei der Materialbeschaffung beispielsweise Recyclingquoten einzuhalten; Schlüsselprodukte galt es unter dem Schlagwort ‚regionaler Einkauf‘ in definierten Beschaffungsradien zu bestellen“, berichtet Thomas Kiefer von der Dobler Metallbau Geschäftsleitung.

Im Jahr 2016 wurde der Däne Bjarke Ingels als Architekt mit der Planung des Omniturms beauftragt, 2017 hat Tishman Speyer Immobilien den Grundstein gelegt. Das Hochhaus wird von 50 Pfählen mit Längen bis zu ca. 27 Metern gestützt, das Fundament bildet eine kombinierte Pfahl-Plattengründung. 2019 wurde der Turm fertiggestellt. Ein weiterer Bau des amerikanischen Unternehmens sind der Opernturm in Frankfurt, in New York betreibt es das Chrysler Building sowie das Rockefeller Center.  Der Omniturm wurde allerdings inzwischen an die Commerz Real AG verkauft.

Fassadenbauer Dobler Metallbau

Das Projekt konnte im Rahmen eines Teamwettbewerbs von Dobler akquiriert werden. Als Basis für die Ermittlung der Projektkosten wurden die Hauptkonstruktionen und Baustellenrandbedingungen mit begleitender Kalkulation zusammen mit dem Auftraggeber, dem Architekten und dem Fassadenplaner entwickelt, abgestimmt und optimiert. IFC-Daten wurden im Sinne einer vernetzten Planung ausgetauscht.

Die Ausführungsvarianten der Elemente haben die Baubeteiligten mithilfe einer Musterfassade eingegrenzt. Dobler hatte dazu vorab einen Auftrag erhalten. „Auf dieser Basis konnte dann nach Zuschlag zur Ausführung kostenbewusst mit reduzierten Optionen für die Öffnungselemente und die Farb- sowie Materialwahl der Hauptfassaden gearbeitet werden“, informiert Kiefer. Endgültige Festlegungen erfolgten nach Fertigstellung einer weiteren Musterfassade am Bau.

Zeitlich parallel lief die Entwicklung der Profile passgenau für den Hochhausturm. Die Sicherstellung der Serienreife wurde mit umfangreichen Fassadenprüfungen am betriebseigenen Teststand abgesichert. „Die Fertigung erfolgte planmäßig“, so Kiefer.

Die gesamte Außenfassade hat eine Fläche von 34.000 m². Die Gebäudehülle des Office-Bereichs mit 20.000 m² wurde mit 2.100 Elementen (Lowrise bis 14. OG und Highrise ab 23. OG) geschlossen. In die exponierten Geschosse – die sogenannte Residential-Fassade vom 15. bis zum 22. Stockwerk – wurden 400 spezielle Elemente teils mit dem Dobler-Horizontalschiebeflügel (HSF) ausgestattet

Um in der Fassadenansicht die horizontale Betonung der Deckenstirnverkleidung zu erzeugen, wurden die Profile einheitlich schwarz eloxiert, die Oberflächen allerdings unterschiedlich behandelt. So wurde ein Teil der Profile in E6/C35 gebeizt und der andere Teil in E5/C35 geschliffen und poliert.

Das Erdgeschoss sowie das Podium darüber ist mit Pfosten-Riegel-Fassaden (3.200 m²) teils aus Alu- teils aus Stahlprofilen gestaltet. Eine Fläche von knapp 5.000 m² ist vorgehängt-hinterlüftet mit Blechen verkleidet.

Darüber hinaus gehörte die Technikeinhausung am Gebäudekopf zu den Aufgaben des bayerischen Fassadenbaubetriebs ebenso wie Beläge, Untersichten und Glasgeländer der Balkone auf Höhe des sogenannten Gebäude-Hüftschwungs.

Die Fassadenkonstruktion

Funktionelles Markenzeichen des Turms ist der patentierte Vertikalschiebeflügel im Office-Bereich. „Das System haben wir konstruktiv exakt für das Frankfurter Objekt entwickelt und patentieren lassen“, erzählt Kiefer. Mit diesem Fassadenbauelement, in das teils elektrische Antriebe integriert wurden, lassen sich architektonische Anforderungen mit vielfältigen Nutzerfunktionen kombinieren. Beispielsweise ermöglicht der Einbau der Vertikalschiebeflügel (VSF) mit Lüftungsklappe eine natürliche Raumlüftung zusätzlich zur zentralen Lüftungsanlage. „Die VSF können optisch unauffällig in die vertikalen Profile von Fassadenelementen integriert werden, der Beschlag ist vollständig verdeckt angeordnet.“ Kiefer versichert, dass sich die Schiebeflügel durch gleitende Elemente aus Kunststoff geräuscharm und mit geringen Bedienkräften bedienen lassen. Eine Einhandbedienung funktioniert problemlos. Vernetzt mit der Gebäudeleittechnik lassen sich die Flügel mittels Magnetkontakt über die zentrale Verschlussüberwachung kontrollieren.

Bei der Elementfassade des Residential-Bereichs war nicht nur der Vertikalbereich zu betrachten, sondern auch die angrenzenden Untersichten und Balkonaufsichten. Diese waren im Wechsel von acht Geschossen in der Fläche versetzt zu planen, zu fertigen und zu montieren. So wurden auch die Untersichten als geschlossene horizontale Elementfassade ausgebildet, in den oberen Abschluss wurden dichte Blechwannen eingebaut. Die Balkone sind komplett in die Fassade integriert. Die Brüstungsscheiben der bis zu 1,3 m frei auskragenden Balkonverglasung haben eine Gesamthöhe von ca. 2 m und erforderten Unterkonstruktionen zur Abtragung der Lasten aus Wind, Anprall etc.

Sonnenschutzglas

Dank der niedrigen g-Werte der Glas-Metall-Elemente konnte auf einen außenliegenden Sonnenschutz verzichtet werden. Die bauphysikalischen Vorgaben des sommerlichen Wärmeschutzes wurden mit Sonnenschutzgläsern und einem innenliegenden Screenbehang erreicht. Die Residential-Fassade (15. – 22. OG) ist dreifach verglast, es wurden die Scheiben Iso Stopray Vision 50 von Interpane verarbeitet; in der Office-Fassade, in den Stockwerken 1 – 14 und 23 – 45 kam der Glastyp Iso Cool-Lite Xtreme 70/33 von Saint-Gobain als Zweifachverglasung zum Einsatz. Zudem wurde im Office-Bereich eine innenliegende Deckenabsaugung integriert, um Raumtemperaturen zu regeln.

Logistik

Die Montage der Unterkonstruktion und Dichtungen erfolgte teils mit „Brückenzangengerüsten“. Für das Einhängen der Elemente wurden Etagenkräne genutzt. „Diese Aktionen in Gebäudehöhen von bis zu 100 m erforderte von den Monteuren Schwindelfreiheit und hohe Konzentration“, betont Kiefer.

Wegen beengter Verhältnisse im Frankfurter Zentrum mussten Materialien in den Nachtstunden abgeladen werden; bei den Sondertransporten für Eckelemente wurden Innenlader genutzt. Unterschiedlichste Montagevarianten sowohl von innen als auch von außen mit Baukran, Etagenkranen, Traversen und Zangengerüsten erwiesen sich als Herausforderung für die routinierten Montagetrupps. Einige Vehikel haben die Mitarbeiter eigens für die speziellen Anforderungen konstruiert.

Fazit

Technisch anspruchsvoll gestaltete sich die Integration der neu zu entwickelnden Öffnungselemente und die in der Fassade konstruktiv zu berücksichtigende Langzeitverformung des Rohbaus. „Die Anforderungen an Windlast und Schlagregendichtigkeit sind bei einer Turmfassade generell hoch“, sagt Kiefer. Die Regeldetails der Elementsattelkonstruktion des Systems sind langjährig erprobt und müssen lediglich projektbezogen adaptiert werden. Dobler steht für einen „hybriden Fassadenbau“; das heißt, zugunsten von wirtschaftlichen und qualitätvollen Ergebnissen werden digitale Arbeitsabläufe und traditionelles Handwerk kombiniert und koordiniert. „Wir bringen die Belange aus professioneller Baustellenabwicklung mit industriellen Fertigungsprozessen und handwerklichem Geschick in Einklang“, unterstreicht Kiefer. Die Anforderungen aus LEAN Management, dass z.B. definierte Teilbauabschnitte (Lose) exakt zu planen und abzuarbeiten sind, bilden die Basis der Projekt-abwicklung. Dies beginnt mit der Werksplanung und Materialbeschaffung.

www.dobler-metallbau.de

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