Thermografie für den Metallbau

Infrarot-Kameras in der Anwendung

Infrarot-Kameras werden kleiner, erschwinglicher und sind leicht zu bedienen – dennoch sollte man sich vor der Anschaffung gut informieren, bevor man zu viel Geld ausgibt oder die Billig-Variante nicht brauchbar ist.

Viele Unternehmen, die an Fenstern, Fassaden oder Dächern arbeiten, erhalten immer wieder Anfragen nach Thermografie. Manche Metallbauer sind deswegen mit einer oder gar mehreren Wärmebildkameras unterwegs. Sie runden damit ihr Angebot ab, Folgeaufträge resultieren daraus nur wenige. Doch die Geräte sind langlebig, immer einfacher zu bedienen und gar nicht mal mehr so teuer.

Einstiegsgeräte

Testo etwa verkauft seine Einstiegsgeräte bereits für 1.000 Euro. Der US-amerikanische Hersteller Flir liegt preislich sogar noch darunter. Ende 2018 ging Flir mit einem Angebot in die Offensive, als es das Thermografie-Starterpaket speziell für den Handwerker für ca. 600 Euro gab. Ein kleines Handymodul, das man einfach aufs Smartphone setzt, bietet Flir sogar schon ab 250 Euro an.
Doch billig ist nicht immer die richtige Lösung. Neben der Funktionstiefe ist ein entscheidendes Kriterium die Auflösung des Infrarot-Detektors. Noch wichtiger ist sogar die thermische Empfindlichkeit der Kamera. Wenn die Detektorauflösung niedrig ist, erhält der Anwender niemals hochauflösende Bilder, selbst wenn das Kamera-Display generell mehr Pixel darstellen könnte. Erkundigen sollte man sich stets nach der Detektorauflösung und -pixelzahl. Dieser Wert stellt die tatsächliche Auflösung der Kamera dar. Und nur hier gilt: je mehr Pixel, desto schärfer das Wärmebild. Während man beispielsweise bei Anwendungen im Elektrohandwerk auch mit geringeren Auflösungen thermische Auffälligkeiten finden kann, sollte für die Bauthermografie eine reine IR-Auflösung von 320 x 240 Pixeln nicht unterschritten werden. Auch wesentlich höhere Auflösungen und Bildverbesserungsfunktionen können sinnvoll sein.

Kameras bis 20.000 Euro

Wie bei anderen Techniken auch, gilt für Wärmebildkameras: Kleiner Preis bedeutet auch kleine Leistung. „Je nach Einsatzbereich entscheidet sich die Auswahl“, sagt Nikola Grbavac, Produktmanager bei Testo. „Für einen Handwerker oder Anfänger reichen Kameras im Bereich von 999 bis 2.699 Euro.“ Testo ist in Lenzkirch im Schwarzwald zu Hause und zählt zu den führenden Messtechnikern – und zwar weltweit. „Für den Profi empfehlen wir die besseren Kameras ab 2.700 bis 20.000 Euro“, so Grbavac. Flirs Hochtechnologie kostet um die 30.000 Euro.

Know-how für Bedienung

Für eine verlässliche Bedienung benötig man Grundwissen in der Thermografie, über Themen wie Emission und Reflektion sollte man sich ebenfalls Wissen aneignen. Will man exakte und reproduzierbare Ergebnisse erhalten, muss man in der Kamera den Emissionsgrad einstellen und die reflektierte Temperatur erfassen. Dokumentation ist wichtig. Zwar seien die Kameras durchaus intuitiv bedienbar. Fehler passieren aber trotzdem, wie Nikola Grbavac erklärt: „Die Reflektion ist wohl die am häufigsten auftretende Fehlerquelle, denn polierte Oberflächen sind wie ein Spiegel für thermische IR-Strahlung.“ Will man eine polierte Oberfläche thermografieren, hat die Kamera aber noch auf eine Holzvertäfelung kalibriert, erhält man zwar schöne, bunte Bilder – aber keine verlässlichen Daten zur Temperatur.
Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist die Bedeutung des Gewichts der Kamera. Das Thermografieren eines komplexen Gebäudes kann schon mal 20 Minuten dauern. Ein paar hundert Gramm mehr fühlen sich dann ganz schön schwer an. Ganz abgesehen davon, dass sie mit der Zeit zu einer echten Belastung für den Rücken werden können. Eine leichte, ergonomische Kamera, die bequem in der Hand liegt, ist auf jeden Fall vorzuziehen.

Schulungen

Natürlich gibt es für jede Kamera eine Bedienungsanleitung. „Die Bedienung von Testo-Kameras ist aber sehr intuitiv ausgelegt“, so Grbavac weiter. Solche Kurse bieten die Hersteller natürlich auch an. Die Grundlagenschulung von Testo etwa dauert einen Arbeitstag. Man kann sie direkt am Titisee bei Testo besuchen oder zum Beispiel in Hamburg, Hannover, Bonn oder Berlin. Insgesamt sieben Termine hat Testo für dieses Modul im aktuellen Jahr benannt. Die kosten pro Teilnehmer liegen bei 370 Euro plus Steuer. Die zweitägige Operatorschulung für Bauthermografie ist fast doppelt so teuer. Sie baut auf dem Grundlagenkurs auf. Bucht man direkt beide Kurse zusammen, zahlt man bei Testo rund 800 Euro. Das fünftägige Fachseminar nach Iso 9712 kostet dann um die 2.000 Euro.
Schulungen bieten sich übrigens oft schon an, bevor man sich für ein Modell entscheidet. Vielen Schulungsteilnehmern hat das Wissen aus dem Seminar die Kaufentscheidung erleichtert. Thermografie ist – da sollte man sich nicht täuschen – ein Messverfahren mit komplizierten Details. Das Ergebnis steht und fällt nicht nur mit der Qualität der Technik, sondern vor allem mit der Kompetenz des Bedieners.

Anwender berichten

Andreas Töpfer macht seine Aufnahmen mit einem Modell des Testo-Wettbewerbers Flir. Nach Rücksprache mit Architekten, anderen Handwerkern und eigenen Recherchen im Internet hat er sich vor gut fünf Jahren für eine Flir E50bx entschieden. Die Kamera hat damals fast 8.000 Euro gekostet, ein zusätzliches Weitwinkelobjektiv weitere 1.000 Euro. Töpfer hat im Betrieb auch Drohnen im Einsatz, hat diese aber noch nicht mit der Kamera gekoppelt. „Dafür ist die Nachfrage noch zu gering. 80 Prozent unserer Aufträge kommen von Privatkunden“, sagt der Handwerker aus Marbach am Neckar. „In der Regel geht es dabei um Schäden an Fenstern, Fassaden oder Dach.“ Die Kamera kann dann zum Beispiel eingesetzt werden, um eingetretene Feuchtigkeit zu orten, die Bauthermografie besser zu verstehen oder Leckage zu orten. „Mit der Kamera sieht man gut, wo der Schaden ist“, sagt Töpfer. Für den Einsatz der Thermografie stellt er pauschal 75 Euro in Rechnung, zusätzlich zum normalen Stundenlohn.
Doch mit dem Fotografieren ist es nicht getan. Die Kamera bietet zwar ein gutes Bild dessen, was ist. Sie ersetzt aber nicht die Analyse und Fehlersuche. „Sie nimmt einem keine Entscheidung ab“, so Töpfer. Der gelernte Dachdecker mit Metallbau-Vergangenheit hat für die Bedienung der Kamera keine Schulung gemacht. Ein gewisses Fachwissen bringt er durch sein Tagesgeschäft am Dach mit. „Daneben habe ich mich durch die Bedienungsanleitung gearbeitet“, sagt er schmunzelnd.
Die Übermittlung der Bilddateien an den Kunden erfolgt relativ unkompliziert. So gut wie alle Wärmebildkameras verfügen heute über integrierte Schnittstellen. Per Bluetooth oder USB-Anschluss kann man die Bilder einfach als Dateien auf den Rechner laden und dann zum Beispiel per E-Mail verschicken. „Wir machen das per Dropbox“, sagt Töpfer. Dabei werden die Bilder in einem Ordner eines externen Dienstleisters gespeichert, wo der Kunde sie dann abrufen, ansehen und auch runterladen kann. Flir gibt seinen Kunden sogar eine kostenlose Software zur Bildbearbeitung an die Hand. Und gemeinsam mit dem Drohnen-Hersteller DJI haben die Amerikaner ein Paket aus Kamera und Fluggerät im Angebot.

Wärmebildkamera im Metallbau

Andreas Fricke aus Bovenden bei Göttingen hat bereits vor elf Jahren eine Wärmebildkamera in seinem Unternehmen angeschafft. Der Metallbauer aus dem südlichen Niedersachsen ist auch ein Experte für Dämmtechnik und kommt somit wieder mit den Wärmebildern in Berührung. „Deshalb hat unser Unternehmen 2007 in eine Wärmebildkamera investiert, mit der wir verschiedene Dienstleitungen rund ums Bauen, Renovieren und Sanieren durchführen können“, erklärt Fricke. Haupteinsatzgebiet ist dabei die Bauthermografie.
Doch die Kameras eignen sich auch, um etwa Leckagen in Leitungen zu lokalisieren. Die Geräte zeigen ja Temperaturunterschiede in verschiedenen Farbstufen an. Das funktioniert dann eben auch, wenn Flüssigkeiten aus einer Leitung austreten. Denn an dieser Stelle hat die Flüssigkeit in der Regel noch nicht die Temperatur der Umgebung angenommen. Auch Wärmebrücken an fehlerhaft eingebauten Fensterrahmen oder Fensterbänken können mittels Thermografie klar erkennbar dargestellt werden. So können auch schwer zugängliche Bereiche sicher inspiziert werden. Und: Dort wo man Feuchtigkeitsprobleme hat, kann man mit der Kamera dann auch den Trocknungsprozess kontrollieren. Relativ neu sind Wärmebild-Feuchtemessgeräte, die ein potenzielles Problem mit der Feuchtigkeit direkt auch visuell im Wärmebild darstellen können. Der Anwender sieht sofort, wo er die Sonden des Geräts auf Wand-, Boden- oder Deckenoberfläche platzieren muss, um Probleme und Feuchtigkeitniveaus am besten zu bestimmen.

Das sollte die Software einer Wärmebildkamera können:

Die meisten Infrarotkameras haben bereits eine vorinstallierte Software. Mittlerweile gibt es sogar kleine Aufsatzvarianten für das Smartphone. Dabei kommt ein Großteil der Rechnerleistung aus dem Telefon. Bei den klassischen Kameras sollte man sich vorher informieren, ob die Kamera gewisse Mindeststandards erfüllt.

Dazu zählen:
– Berichtserstellung als PDF und/oder Word-Dokument
– einfache Bildbearbeitung
– sofortige Protokollerstellung
– bewegliches Bild-im-Bild
– Trending
– Anpassung von Protokollen
– Versenden und Archivieren von Protokollen
– Formeln
– Pfeilwerkzeug
– Digitaler Zoom

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