Normen

Tore nach DIN/TS 18194

Klassifizierung einbruchhemmender Tore

Seit Juli 2020 können Tore nach den Prüfvorgaben der DIN/TS 18194 getestet und zertifiziert werden. Mit Gültigkeit dieser Norm besteht die Möglichkeit, Tore vergleichbar mit den Produkten der DIN EN 1627 − Fenster, Türen, Fassaden − zu zertifizieren und ebenso mit RC 1N-6 zu klassifizieren.

Mit der DIN/TS 18194 ist das Bauelement Tor offiziell sowohl normativ prüf- als auch zertifizierbar. Das war zuvor nicht der Fall, da der Anwendungsfall Tor in der DIN 1627-1630 seit 2011 nicht mehr berücksichtigt wird. Es wurde die veraltete DIN V ENV 1627 für die Prüfung und Klassifizierung weiter genutzt, diese wies die Widerstandklassen für Einbruchhemmung in WK (2–6) aus statt in RC (1N–6). Eine offizielle Zertifizierung war mit den Testergebnissen nicht möglich.

Oliver Träger, bei Hörmann in Ichtershausen Produktmanager für Garagen-Sektionaltore, erläutert: „Unsere Hörmann Industrie- und Garagen-Sektionaltore haben schon seit jeher verschiedenste einbruchhemmende Elemente im Standard. Das konnten wir nur nie durch Zertifizierungen ausweisen, da es diese wegen der fehlenden Normung nicht gab.“ Deswegen konnten bis vor Kurzem keine offiziell RC 2 geprüften Tore angeboten werden. Tore mit höheren Widerstandsklassen, die ein besonderes Schutzniveau erfüllen, gibt es am Markt, jedoch bietet Hörmann solche Produkte nicht an.

„Wir haben seit dem 1. Oktober 2020 nach DIN/TS 18194 zertifizierte Industrie- und Garagen-Sektionaltore“, berichtet Träger. Inhaltlich baut die DIN/TS 18194 auf der DIN 1627-1630 auf. „Beispielsweise wurden die Prüfanforderungen der statischen und dynamischen Tests übernommen, die auch bei Türen und Fenstern zum Einsatz kommen“, so der Tor-Experte.

Garagensektionaltore

Die zertifizierte RC 2 Sicherheitsausstattung ist serienmäßig bei allen automatischen Garagen-Sektionaltoren LPU 67 Thermo (ohne Zusatzausstattungen wie z.B. Verglasungen, Griffe) und optional bei allen automatischen LPU 42 Toren – ebenfalls ohne Zusatzausstattungen – enthalten. Bei neuen LPU 42 Toren ist auch die Ausführung mit Schlupftür zertifiziert worden.

Für LPU-Tore im Bestand ab Baujahr 1998 steht ein RC 2 Nachrüstset zur Verfügung, das Systempartner mit wenigen einfachen Handgriffen installieren können. Oliver Träger: „Das Nachrüstset für das Garagen-Sektionaltor besteht im Wesentlichen aus Zusatzprofilen zur Stabilisierung einzelner Komponenten. Darüber hinaus werden einzelne Beschlagteile in verstärkter Ausführung geliefert. Der Wandanschluss bei Toren ist nicht zu vernachlässigen. So müssen Anforderungen an den Baukörper wie beispielsweise Wandart, Festigkeitsklasse oder Wanddicke erfüllt sein.“

KFW-Förderung

Die Hörmann Tore in RC 2 Ausstattung sind im Herstellerverzeichnis „Kommission Polizeiliche Kriminalprävention“ (KPK) gelistet. Diese Listung gilt als Grundlage für die Förderung. Ein wichtiges Verkaufsargument: Mithilfe der KfW-Förderung ist ein Garagen-Sektionaltor mit RC 2 Ausstattung günstiger als ein Tor ohne diesen Gewinn an Sicherheit.

Private Bauherren können beim Einbau RC 2 geprüfter Ga-ragentore vom staatlich finanzierten KfW-Programm „Einbruchschutz – Investitionszuschuss 455-E“ profitieren. Die Förderung sieht 20 Prozent Zuschuss bei Investitionskosten bis 1.000 Euro und zehn Prozent für die weiteren Investitionskosten bis 15.000 Euro vor. Voraussetzung ist, dass die Garage direkt an das Wohnhaus grenzt und es sich um keine Neubau-Maßnahme handelt.

Metallbauer sollten auf diesen Investitionszuschuss bei der Beratung von Endkunden hinweisen. Erfüllt der Antragsteller die Voraussetzungen, kann bei einem Garagen-Sektionaltor, das inkl. Antrieb, Montage und RC 2 Sicherheitsausstattung zum Beispiel 2.200 Euro kostet, eine Gesamtförderung von 320 Euro genutzt werden. Gefördert werden 20 Prozent auf die ersten 1.000 Euro, somit 200 Euro, und 10 Prozent auf die weiteren 1.200 Euro. So ist dieses Tor günstiger als ein vergleichbares ohne RC 2, das in diesem Beispiel 2.030 Euro kostet.

RC 2 geprüfte Industrietore

In vielen Bereichen, in denen Tore zum Einsatz kommen, spielt der Einbruchschutz eine wichtige Rolle, da die Zugänge bestmöglich vor unerwünschtem Eindringen geschützt werden sollen. Gerade wenn zum Beispiel die Garage über eine Verbindungstür den direkten Zugang zum Haus ermöglicht, kann das reizvoll für Einbrecher sein. Hat der Täter das Garagentor geknackt, schließt er es wieder, um sich dann unbemerkt der Tür zum Haus zu widmen. Auch im gewerblichen Bereich sollen die Tore von Lager- und Produktionshallen sowie Industriegebäuden die Gebäudeöffnungen bestmöglich verschließen.

Fazit

Die DIN/TS 18194 ist die einzig geltende Prüfgrundlage für Tore samt Schlupftüren – das jedoch aktuell nur in Deutschland. An der europäischen Norm wird noch gearbeitet. Wenn sich ein Einbrecher am Tor zu schaffen macht, hängt es sehr stark von dem Niveau der Sicherheitsausstattung der Tore ab, ob es bei einem Einbruchsversuch bleibt oder ein Eindringen gelingt. Beim RC 2 Standard muss ein Tor einem Angriff von insgesamt drei Minuten mit Werkzeugen wie Schraubendreher, Zange und Keilen standhalten. Das dauert dem Einbrecher meist zu lang und er lässt in der Regel von seinem kriminellen Unterfangen ab. Die Prüfung und Zertifizierung der Hörmann Tore nach der DIN/TS 18194 wurde nach Herstellerangaben durch das Prüfzentrum für Bauelemente (PfB) durchgeführt. ⇥red ◊

www.hoermann.de

Innovationstage für Metallbauer

Hörmann stellt rund 50 Produktneuheiten und -weiterentwicklungen bei Innovationstagen vor. Ab Mitte Februar werden diese Produkte beispielsweise im Hörmann Forum oder in den vielen regionalen Vertriebsniederlassungen mit eigenen Showrooms vorgeführt. Auf die Vertriebspartner wartet ein ähnliches Programm wie sonst auf der Messe BAU. Neben einem Rundgang durch die Ausstellung soll ein informativer Austausch mit den Hörmann Ansprechpartnern zu den Neuheiten stattfinden. Alternativ oder ergänzend zu den Vor-Ort-Veranstaltungen wird ein Online-Konzept angeboten. Auf einer eigens für die Innovationstage erstellten Website können sich die Vertriebspartner zu allen Neuheiten mittels Texten, Fotos und Videos informieren. Die Innovationstage sollen den Partnern trotz der aktuellen Pandemie-Situation umfangreiche Informationen an die Hand geben.

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