Fachbericht

Wertstoffkreislauf A|U|F

„Ein gutes Gefühl, wo wir den Schrott abgeben.“

Über 98 Prozent des Aluminiums aus dem Bausektor wird heute recycelt. Davon wandern über 50 Prozent nach Asien. Dieser Beitrag erklärt, warum das für die hiesige Branche so schlecht ist, und lässt drei Metallbauer zu Wort kommen, die sich als Mitglieder des A|U|F für einen geschlossenen Wertstoffkreislauf einsetzen.

Rund 50.000 Tonnen hochwertiges Sekundäraluminium aus Fenstern, Türen und Fassaden werden jährlich aus Europa über den Ozean verschifft. Einfach weg. Das ist sehr ärgerlich. Ärgerlich deshalb, weil damit unwiederbringlich wertvoller Rohstoff verloren geht. Anstatt die theoretisch vorhandenen Rohstoffreserven aus Sekundäraluminium zu nutzen, setzt die Branche gezwungenermaßen also immer noch mehrheitlich Primäraluminium ein – das wiederum zu rund 57 Prozent in China produziert wird. Zum Vergleich: Deutschlands Anteil an dessen weltweiter Produktion liegt bei rund 530.000 Tonnen bzw. ca. 0,9 Prozent.

Sekundär- statt Primäraluminium

Jetzt könnte man als Metallbauer sagen, „Ist doch egal, welcher Rohstoff für meine Profile verwendet wird.“ Doch weit  gefehlt. Denn die Herstellung von Primäraluminium benötigt in der Herstellung satte 95 Prozent mehr Energie als die von Sekundäraluminium. Wobei man wissen muss, dass Letzteres dieselbe Qualität und volle Gewährleistung wie Primäraluminium besitzt und unendlich oft recycelt werden kann, ohne Qualitätsverlust. Gleichzeitig werden bei der Produktion von Sekundäraluminium 95 Prozent der CO2-Emissionen eingespart – was in Zeiten des Klimawandels keine Nebensächlichkeit ist.

Nun führe sich der Leser die wöchentlich anfallenden Mengen an Aluschrott seines eigenen Betriebs vor Augen. Der Entsorger kommt und bringt sie weg. Was danach passiert? Das beschreibt Oliver Windeck von Metallbau Windeck aus Kloster Lehnin bei Berlin: „Der Schrotthändler verkauft den Schrott weiter und bekommt häufig mehr Geld bei einem Abnehmer, der nach China liefert, als bei einem, der daraus wieder für den deutschen oder europäischen Markt pressfähige Bolzen erzielt. Das ist schlimm. Ich glaube, dass es für uns und die Nachfolgegeneration wichtig ist, ein gutes Gefühl zu haben, wo man seinen Schrott hinbringt.“

Für dieses „gute Gefühl“ gründeten 1994 fünf Systemhäuser die Initiative A|U|F. 2010 stellte sie sich als Verein neu auf; heute hat sie 200 Mitgliedsunternehmen deutschlandweit. Auch Windecks Firma trat der Organisation bei. Das war 2011, zwei Jahre später wurde der Geschäftsführer aus Kloster Lehnin Vorstandsmitglied des Vereins.

Die Initiative

Zunächst sei gesagt, wofür das Kürzel aus A, U und F eigentlich steht, nämlich für „Aluminium und Umwelt im Fenster- und Fassadenbau“. Die Initiative organisiert geschlossene Wertstoffkreisläufe von Aluminium im Hochbau. Gemeint ist mit dem „geschlossenen Kreislauf“ bzw. Closed Loop, dass der Schrott aus der Fertigung und von den ausgebauten Elementen wieder zu neuen Profilen wird. Speziell der A|U|F-Recyclingkreislauf garantiert, dass der Schrott nicht nach außerhalb Europas „abwandert“ und entsprechend für den hiesigen Markt zum Einsatz kommt. Im Rahmen dieses Prozesses sind das derzeit ca. 31 Prozent bzw. 34.000 Tonnen aller in Deutschland angefallenen Bauschrotte.

Die Organisation überprüft die Mitgliedsbetriebe und angeschlossenen Entsorgungspartner und zertifiziert sie. Außerdem setzt sie die Anforderungen an den Wertstoffkreislauf fest: So müssen die Alu-Reste etwa in einem speziell entwickelten Verfahren sortenrein getrennt und geschreddert werden. Neben der Vernetzung und Überwachung der Mitglieder hat sich die Initiative zum Ziel gesetzt, die Öffentlichkeit über die Recyclingfähigkeit von Aluminium aufzuklären.

„Haben schon immer Schrott getrennt“

Metallbauer erhalten, wie die anderen Vereinsmitglieder auch, vom Verein ein jährlich erneuertes Zertifikat. Als Nachweis meldet der Entsorger des Metallbauers dem Verein alle sechs Monate, welche Mengen Aluminiumschrotte er bei der jeweiligen Metallbaufirma abgeholt bzw. von ihr geliefert bekommen hat. So kann der Verein prüfen, ob sich der Betrieb auch an die Vereinbarungen hält. Auf die Frage hin, ob die Mitgliedschaft mit großem Aufwand verbunden sei, antwortet Mathias Krause-Haskamp, der Geschäftsführer des Unternehmens Haskamp aus dem niedersächsischen Edewecht, mit einem klaren Nein. Auch wenn man erst seit 2013 Mitglied sei, so habe man schon vorher allen anfallenden Schrott getrennt und dokumentiert. Im Gespräch mit dem Unternehmenschef wird deutlich, dass ein bewusster Umgang mit den Ressourcen eine Selbstverständlichkeit und letztendlich auch an wirtschaftliche Erfordernisse geknüpft ist. So wundert es nicht, dass er bereitwillig über sein Engagement informiert – beispielsweise, indem er politische Vertreter durch die eigenen Hallen führt. „Wir wollen durch unsere Mitgliedschaft zeigen, was die Initiative ausmacht und wofür sie steht“, so Krause-Haskamp.

Ziele nach außen kommunizieren

Für ihn besteht der Nutzen denn auch darin, „dass man mit dem Zertifikat ein Instrument hat, seine eigenen und generell Umweltziele zu untermauern, sie weiter zu bestärken und dies letztendlich nach außen zu zeigen“. Das Thema Wertstoffkreislauf erachtet er als Bestandteil eines Ganzen. Nach DIN 9001 und DIN ISO 14001 zertifiziert, hat die Edewechter Firma in allen Unternehmensbereichen Umweltziele festgelegt und entsprechende Maßnahmen getroffen. Um den allgemeinen Energieverbrauch und die Schadstoffemissionen zu senken, wurde zum Beispiel in den Betriebsräumen komplett von Halogen- auf LED-Beleuchtung umgestellt. Langfristig wolle man in Erwägung ziehen, noch mehr Elektrofahrzeuge und Hybridmodelle einzusetzen. Zwei Hybridfahrzeuge fahren die Mitarbeiter von Krause-Haskamp schon.

Vorteil bei Ausschreibungen

Zu den Mitgliedern des Vereins zählen auch Architekten und Planer. Sie fragen in ihren Ausschreibungen für die Bauleistungen zum Beispiel ab, ob den Fenstern, Türen und Fassaden ein optimierter Recyclingprozess zugrunde liegt. Bevorzugt werden natürlich die Produkte des Lieferanten mit entsprechendem Recyclingkonzept sowie ausführende Unternehmen, die dezidiert dem A|U|F angeschlossen sind. Oliver Windeck erläutert seinen Standpunkt: „Wir möchten Nachhaltigkeit nicht nur im Unternehmen leben, sondern auch in den Gebäuden, an denen wir beteiligt sind. Der Kreislauf bei LEED- oder DGNB-zertifizierten Objekten ist aber nur dann geschlossen, wenn die Unternehmen, die dafür bauen, wirklich nachhaltig produzieren. Das wird auch durch die Mitgliedschaft im A|U|F sichergestellt.“

Norbert Rumpel von Haga Metallbau aus Hofheim vertritt eine ähnliche Ansicht: „Wir sind seit 2011 mit dabei, auch weil wir merken, dass die Mitgliedschaft bei Ausschreibungen des Öfteren verlangt wird. So machen das mittlerweile verschiedene Großstädte und öffentlich ausschreibende Stellen. Weil wir das A|U|F-Zertifikat vorweisen können, sind wir gegenüber den Wettbewerbern im Vorteil.“ Was sein Betrieb in Bezug auf Nachhaltigkeit sonst noch umsetzt? Man praktiziere die „perfekte Mülltrennung“ – im Hof stünden ca. 15 Container u.a. für Glas, Holz, Palletten, Alu, Kartonagen, Restmüll, Stahlschrott, Folien und Bauabfälle. Auch in den drei Fertigungsstätten leuchtet es heute in LED statt in Halogen. Das Thema Hybrid- bzw. Elektromobilität wurde bereits angegangen. Die neu geplante Produktionshalle am Standort Hofheim wird auf 3.500 m² eine Photovoltaikanlage bekommen, zur Einspeisung in die eigene Produktion. An der Fertigungsstädte in Römhild läuft bereits seit vielen Jahren eine Photovoltaikanlage.

Händlersuche oft ein Hindernis

Ein bisschen Probleme kann es bei der Suche nach einem autorisierten Abnehmer für den Schrott geben. Mit den Entsorgern pflegt man oft langjährige Geschäftsbeziehungen. Wird sich nun auch dieser Partner von heute auf morgen umstellen und Mitglied werden? Oder muss sich der Metallbauer auf die Suche nach einem neuen Schrotthändler machen, der bestenfalls schon zertifiziert und in der Nähe ist? Haskamp und Windeck haben ihre Partner überzeugen können. Dem Betrieb aus Hofheim gelang das nicht. Norbert Rumpel berichtet: „Wir hatten über Jahrzehnte einen Partner vor Ort. Er ging unseren Weg zum A|U|F aber nicht mit. Trotzdem nahm er unseren Schrott ab und lieferte ihn an einen autorisierten Händler weiter. Der Nachteil für uns war, dass wir nicht den marktüblichen Preis für unseren Schrott bekamen. Vor Kurzem haben wir allerdings zu einem neuen Entsorger gewechselt. Er ist  noch nicht solange Mitglied, aber das macht nichts. Jetzt läuft die Entsorgung ohne Probleme und zu den gängigen Konditionen.“

Der Verein hat elf Entsorgungsunternehmen, genannt „Umweltpartner“, und diese wiederum weitere Schrottsammelunternehmen, die zu Verpflichtungen des Vereins arbeiten. Zudem gibt es deutschlandweit ca. 270 Sammelstellen. Auch wenn das Entsorgernetzwerk noch ausbaufähig ist: Warum man sich als verarbeitender Betrieb der Initiative nicht anschließt, kann der Metallbau-Chef aus Hofheim „nicht wirklich nachvollziehen“. Er vermutet, dass die Verarbeiter den Aufwand der Suche scheuen oder eine Teilnahme gar nicht erst in Erwägung ziehen, weil ihre Entsorgungspartner auch nicht zertifiziert sind. Am Mitgliedsbeitrag kann es jedenfalls nicht liegen. Der beläuft sich für Metallbaubetriebe, je nach Umsatz gestaffelt, jährlich auf 200, 750 oder 1.500 Euro. Im Verhältnis zu den erwartbaren Einnahmen ist dieser Beitrag verschwindend gering.

Die Zukunft der Alubranche

„Für die Generation Z ist Nachhaltigkeit bei der Suche nach dem richtigen Arbeitgeber ein wichtiges Auswahlkriterium. Eine moderne Firma ist die, in der ich nachhaltig arbeiten und nachhaltig mit Materialien umgehen kann. Ich glaube, über dieses Argument gewinnt man als Unternehmer den ein oder anderen guten Mitarbeiter“, führt Oliver Windeck an.

Inwiefern die Wiederverwendung von Aluminium im geschlossenen Kreislauf letztendlich dem eigenen Verarbeitungsbetrieb zugute kommt, verbildlicht folgendes Gedankenspiel: Was wäre, wenn man mit dem Material Aluminium nicht umweltfreundlich umgehen und ein Großteil der Auftraggeber es weiterhin als nicht nachhaltig erachten würde? Auch darauf hat das A|U|F-Vorstandsmitglied eine Antwort: „Dann bräuchten wir uns nicht zu wundern, wenn Bauherren andere Werkstoffe, zum Beispiel Holz bevorzugen, weil es bekannterweise ein nachwachsender Rohstoff ist. Und was das Thema Entsorgung von Kunststoff angeht, ist auch deren Lobby nicht untätig. Wenn wir Metallbauer nicht erkennen, welche Verantwortung wir tragen, muss man wirklich sagen: ‚Leute, es geht um unsere Zukunft. Verspielen wir sie nicht!‘“

Info & Kontakte

Metallbau Windeck GmbH

Rietzer Berg 29

D-14797 Kloster Lehnin OT Rietz

Tel. 03381 52700

www.metallbau-windeck.de


Metall- und Elementbau HASKAMP GmbH & Co. KG

HASKAMP Fassadentechnik GmbH & Co. KG

Industriestraße 34

26188 Edewecht

Tel. 04405 9288-0

www.haskamp.de


HAGA Metallbau GmbH

Industriestr. 3

97461 Hofheim

Tel. 09523 9220-0

www.haga-metallbau.de

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