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Betrachtet man die wirtschaftliche Situation im Bereich der österreichischen Metalltechnik-Betriebe, so ergibt sich ein durchaus verhaltenes Bild: 56% der Betriebe könnten sofort Aufträge annehmen, 41% in drei Monaten und der Auftragsbestand liegt bei 37% der Firmen bei 1 bis 4 Wochen, bei 36% zwischen 5 und 9 Wochen. Positive und negative Auftragseingangserwartungen halten sich etwa die Waage, die Stimmung ist aber leicht besser als noch vor einem Jahr. Von Optimismus kann aber keine Rede sein. Dabei ist die Lage nicht einheitlich: die Betriebe in den östlichen Bundesländern leiden stark unter dem Preisdruck durch Wettbewerber aus den angrenzenden Nachbarländern. Für seriös auf der Basis heimischer Kollektivverträge kalkulierende Unternehmen stellen Billigstanbieter, meist aus Osteuropa, wegen der dort niedrigen Löhne trotz gesetzlicher Maßnahmen gegen Lohndumping oft unbezwingbare Konkurrenz dar. Dagegen wissen die Kollegen aus dem Westen oft nicht, wie sie ihre Aufträge bewältigen sollen, da die Situation mit dem Schweizer Nachbarn für ein kräftiges Umsatzplus sorgt.
Im technischen Bereich hat die Branche im Großen und Ganzen gelernt, mit Herausforderungen wie der EN 1090 umzugehen, die umfangreichen Aktivitäten der Standesvertretungen, wie Beratungsangebote und Normenpakete für die Mitgliedsbetriebe haben Wirkung gezeigt. Allerdings ist natürlich auch die Metallbranche von den Umwälzungen durch die Digitalisierung betroffen, und „BIM“ – „Building Information Modeling“ ist nur ein Schlagwort von vielen in diesem Zusammenhang. Dabei zeigt sich, dass es kein Patentrezept für die Herausforderung durch die Digitalisierung gibt. Letztendlich muss sich jeder Betrieb individuell darauf einstellen. Diese Bemühungen sollten besser früh als spät gestartet werden, um den Wettbewerbsvorsprung zu sichern.
Eine weitere „Baustelle“ im negativen Sinn sind die vielen Hürden durch die Bürokratie. Ausufernde arbeitsrechtliche Vorschriften, Verzögerungen bei Betriebsanlagengenehmigungen, starre Arbeitszeitregelungen lähmen die Wirtschaftskraft der Unternehmen. Die derzeitige Diskussion über den Zugang zum Gewerbe ist für die Betriebe, die sich unisono zur Qualität durch Qualifizierung bekennen, eigentlich nicht das Thema. Wesentlich wichtiger sind die Spielregeln bei der Ausübung der wirtschaftlichen Tätigkeiten, diese sollten einfach, transparent und technisch, wirtschaftlich und organisatorisch umsetzbar sein. Dann läuft der Wirtschaftsmotor von selbst."

Christian Atzmüller
Geschäftsführer
Bundesinnungsgruppe der Metalltechniker
Wirtschaftskammer Österreich, Wien