Der Kirchenschmied vom Rhein

Wie kann man heutzutage einen Betrieb mit traditioneller Handwerkskunst erfolgreich führen, ohne ins Fahrwasser der üblichen Preisschlachten zu kommen? Kunstschmied und Metallgestalter Sebastian Hoppen hat es geschafft, sich einen Kundenstamm zu erarbeiten, der den Wert seines Handwerks schätzt.

Auch wenn man es fast vermuten möchte: Sein Betrieb macht alles andere als einen altertümlichen Eindruck. Zum großen und modernen Maschinenpark gehören zwei spezielle Fräsmaschinen, eine CNC-Drehbank, zwei manuelle Drehbänke, fünf Bandsägen, zwei Hydraulikpressen, vier Standbohrmaschinen, eine große Abkantbank, ein sechs Meter langer Bandschleifer mit Polieraggregat, eine Zuschnittplattensäge sowie Tafelschere, Plasmaschneidgeräte, Polierböcke und jede Menge Bandschleifer, Handschleif- und Poliermaschinen. Auch hochwertige Geräte sowohl zum Löten als auch für MIG-, MAG- und WIG-Schweißen gehören dazu. Keine der Maschinen ist älter als zehn Jahre, mit Ausnahme der Deckel-Fräsmaschinen, die Hoppen als Rarität von seinem Vater übernahm.

Herzstück der Werkstatt sind die sechs Schmiedefeuer und neun Lufthämmer. Die Schmiedefeuer, die als Doppelfeuer mit einem 5-Tonnen-Bunker für die Kohle angeordnet sind, verbrauchen jeden Monat zwei bis drei Tonnen Schmiedekohle. Weil gute Schmiedekohle schwer zu bekommen ist, lagern bei Hoppen stets 50 bis 100 Tonnen auf Vorrat.

Untergebracht ist dies alles in zwei großen Hallen mit einer Gesamtfläche von 2.700 Quadratmetern. Eine 14 Meter hohe Überdachung verbindet die beiden Hallen. Sein Vater, der den Betrieb 1946 gründete, hat bereits als Kunstschmied und Restaurator gearbeitet und sich einen besonderen Kundenstamm geschaffen. Sebastian Hoppen führt den Betrieb mit hohem Qualitätsanspruch an die handwerkliche Schmiedekunst fort und entwickelt diesen Anspruch laufend weiter. Der Erfolg gibt ihm recht: „Die Auftragslage ist gut bis sehr gut, ohne dass wir werben müssen. Wir werden weiterempfohlen.“

Jedes Projekt wird aufwändig vorbereitet

Betriebe wie den von Sebastian Hoppen gibt es nicht mehr viele in Deutschland. Schätzungsweise sind es 30 bis 40. Mit 11 Mitarbeitern gehört er schon zu den größeren dieser Art. „Theoretisch könnte ich vom Kunstschmiedehandwerk und der Restaurierung allein existieren“, meint Hoppen, „zum Betrieb gehört aber traditionell schon immer der handwerkliche Metallbau.“ Alle drei Bereiche ergänzen sich optimal, zumal auch dieselben Fertigungsprozesse angewendet werden. So ist es völlig normal, wenn in der Werkstatt gleichzeitig jahrhundertealte Leuchter oder Kirchturmspitzen restauriert, Balkon- oder Fenstergitter neu angefertigt oder schwere Hoftore originalgetreu nachgebaut werden. Immer entstehen Unikate. Auch die Arbeitsvorbereitung ist gleich. Stets werden Zeichnungen angefertigt und die Kunden in der Werkstatt ausführlich beraten. Hoppens Ziel ist es, die Kunden mit Qualität zu überzeugen. Seine Kalkulationen macht er transparent.

Wenn der Zuschlag erteilt ist, werden die Objekte 1:1 auf große Holztafeln gezeichnet und mit farbigen Kreiden künstlerisch dargestellt. Dazu werden Details bemustert und als Schmiede- oder Schlosserarbeit ausgeführt. „So können sich die Kunden am allerbesten vorstellen, was sie einmal bekommen werden und wissen auch, wie es gearbeitet wird“, sagt Hoppen aus langer Erfahrung. „Nach einer solchen, durchaus sehr aufwändigen Vorbereitung schätzen die Kunden den Wert unserer Arbeit ganz anders ein und honorieren das auch.“

Ständig auf dem Laufenden sein

Auf seine Mitarbeiter ist Sebastian Hoppen sehr stolz. Sie sind alle gut ausgebildet und legen äußersten Wert auf handwerklich solide Arbeit. „Wir haben zwei Meister, aber eigentlich arbeiten alle meisterlich“, berichtet er. Dabei muss jeder alles können, auch wenn der Einzelne seine Spezialitäten hat. Dadurch sind alle in der Lage, Aufträge von A bis Z eigenverantwortlich zu erledigen. Teamarbeit wird großgeschrieben und Arbeitssicherheit ist selbstverständlich. „Wir versuchen vorbildlich zu sein, aber es gibt noch vieles zu verbessern.“

Sebastian Hoppen legt auch auf das Äußere seiner Mitarbeiter großen Wert, damit das Erscheinungsbild dem Kunden gegenüber immer perfekt ist. Der Wiedererkennungswert des gesamten Unternehmens wird beispielsweise durch einheitliche Schriftzüge und Farbgebung betont und ist ihm ebenfalls sehr wichtig. Und so freut es ihn besonders, wenn es regelmäßig positive Kundenrückmeldungen gibt.

Vor einem halben Jahr hat Sebastian Hoppen seinen Betrieb nach der neuen Norm EN 1090 zertifizieren lassen, obwohl das für eine Kunstschmiede eigentlich nicht erforderlich wäre. Als Obermeister der Innung Rhein-Lahn-Westerwald, die mit 136 Betrieben die größte Innung in Rheinland-Pfalz ist, musste er sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzen und stellte fest, dass überall mit viel halbem Wissen geredet wurde: Das braucht man nicht, das muss man haben, und alles ist so kompliziert. Nachdem Reisen durch Deutschland und auch in die Nachbarländer Belgien und Niederlande nicht die nötige Klarheit brachten, entschloss er sich, eigene Erfahrungen mit der Norm zu sammeln. „Bevor ich den Kollegen irgendwas erzähle, mache ich das selbst, und dann weiss ich auch, worum es geht“, sagt Hoppen.

Engagiert ist Sebastian Hoppen außerdem als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger im Metallbauhandwerk. Diese Tätigkeit bezieht sich auch auf Metallgestaltung und Kunstschmiedearbeiten.

Hoppen ist froh, dass sein Sohn Thomas in seine Fußstapfen getreten ist. Nach Realschule, Abitur und Studium der Betriebswirtschaft ist er seit eineinhalb Jahren fest im Betrieb und lernt neben der Arbeit den Beruf des Metallgestalters. Das Schmiedefeuer kennt er schon von Kindheit an und hatte schon immer Gefallen daran.

Info & Kontakte

Sebastian Hoppen GmbH

Auf der Hohl 11 - 13

53547 Dattenberg

Tel. 02644 96140

www.hoppen.de