Ein System für vier Funktionen

Trennwände, Zäune, Geländer oder Carport

Das multifunktionale System Valu besteht aus wenigen, kombinierbaren Elementen, die der Metallbauer beim Kunden lediglich zu montieren braucht. Die Redaktion metallbau hat die Besonderheiten des Baukastens hinterfragt.

Eigentlich müsste man annehmen, es gibt bereits genügend Zaunvarianten, Sichtschutzwände und Geländerideen aus allen nur denkbaren Materialien auf dem Markt. Und trotzdem hat Geschäftsführer Harald Böhl gemeinsam mit Vertriebsfachmann Jan Krämer mit dem eigens entwickelten Baukasten Valu offenbar eine Marktlücke erwischt. „Wir kommen selber aus dem Metallbau und wissen, mit welchen Materialien der Metallbauer umgeht und wie er denkt. Wir bieten einen Baukasten mit wenigen Elementen, der aber viel Kreativität lässt und einfach in der Umsetzung ist“, erläutert Böhl.

In der Tat besteht der Systembaukasten aus nur drei verschiedenen Aluminium-Pfostenprofilen, einem Anschlussprofil sowie verschiedenen Verbindungselementen, Füllungen, Nutensteinen, Reduziergummis und Montagezubehör. Mit einem Online-Konfigurator kann man die gewünschten Bauteile gestalten, optimieren und bestellen. Man kann aber auch vorkonfektionierte Bausätze montagefertig und pulverbeschichtet bestellen. Und wer die letzten Millimeter lieber auf der Baustelle zuschneidet, dem bleibt die Möglichkeit, Meterware zu beziehen und Details vor Ort mit einer Kappsäge anzupassen. Harald Böhl sagt: „Es gibt Kunden, die lassen sich alles individuell vorkonfektionieren. Es gibt aber auch welche, die fahren mit sechs Meter langen Profilen auf die Baustelle, setzen ihre Pfosten und schneiden erst vor Ort die Maße zu, die sie brauchen.“

Wenige Elemente, viele Varianten

Die Aluminium-Pfostenprofile p90, p60, p40 und das Anschlussprofil sind mit Schwalbenschwanznuten von 21 Millimeter Breite konstruiert, um Füllungen und Platten mittels Nutensteinen aufzunehmen. Die Anschlussprofile sind 40 Millimeter breit und 25 Millimeter tief. Die Pfosten verfügen an ein, zwei, drei oder vier Seiten über Schwalbenschwanznuten, die Anschlussprofile an ein oder zwei Seiten. Die Profile p60 und p90 können wahlweise als Pfosten oder für statisch tragende Gerüstkonstruktionen verwendet werden. Mit Spezialgummis kann die Schwalbenschwanzbreite auf 12, 10, 8 oder 6 Millimeter reduziert werden, sodass die Nuten auch unterschiedlich dicke Materialien aufnehmen können. Damit sind sowohl die 20 Millimeter dicken Valu-Aluminiumprofile als auch Materialien wie Holz, Glas, HPL oder Bleche als Füllung verwendbar.

Die Valu-Profile wiederum sind auf ihrer Längsseite mit einer acht Millimeter breiten Nut versehen, um sie z.B. mit Standard-HPL-Platten, Glas, Holz oder Blechen kombinieren zu können. Auch für diese Längsnuten gibt es Reduziergummis, z.B. für dünne Bleche ab 1,5 Millimeter. „Damit hat der Anwender alle Freiheiten, was mögliche Materialkombinationen in Querrichtung anbelangt. Neben geradlinigen Designs können auch Lamellen und Rhombus-Optiken umgesetzt werden“, erläutert Harald Böhl die Vielfalt.

Mit der besonders konstruierten Nutenform der Profile ergeben sich viele Vorteile in der Montage. Beispielsweise ist seitlicher Versatz bis 15 Grad kein Problem, womit sogar Rundungen gebaut werden können. Durch die besondere Nuttiefe können, je nach Füllung, Höhenversätze bis acht Grad ausgeglichen werden — Vorteile, die bei der Montage von großem Nutzen sein können.

Großzügige Fertigungskapazitäten

Harald Böhl beschäftigt in seiner Firmengruppe, zu der die Haboe Edelstahl-Systeme, die Habö CNC Dreh- und Frästechnik und die Hebö Maschinenfabrik gehören, insgesamt 160 Mitarbeiter und ist mit seiner Arbeit nach DIN ISO 9001-2015 zertifiziert.

Das erst 2014 gegründete Unternehmen Valu hat mittlerweile 11 Mitarbeiter. Die in der Unternehmensgruppe insgesamt zur Verfügung stehenden 50 CNC-Maschinen bieten ein großes Potenzial für rationelle und präzise Fertigung. „Wir beliefern vorwiegend die Automobil- und Luftfahrtindustrie, da müssen wir perfekt sein“, so Böhl. Und das setzt er auch bei Valu um. Sämtliche Profile werden exklusiv und nur für Valu mit höherer Festigkeit F25 stranggepresst. Füße und Befestigungsplatten bestehen aus Edelstahl V2A, die Abdeckkappen für die Profile aus Aluminium. Gefertigt wird alles im eigenen Haus, bis auf die empfohlene Pulverlackierung der Bauelemente.
Zur Frage der Statik antwortet Böhl: „Wir haben die Statik von einem neutralen Institut berechnen lassen und verfügen bei jedem Pfosten über eine Urkunde.“ Eine bauaufsichtliche Zulassung ist geplant, zurzeit gibt es sie nicht.

Wer mit dem System Zäune, Carports oder Überdachungen bauen will, der wird von Valu mit Berechnungen zur Windlast, Fundamentangaben und Erfahrungswerten bezüglich der Pfostenabstände bei bestimmten Feldgrößen unterstützt. „Werden beispielsweise geschlossene Sichtschutzfelder von zwei mal zwei Metern mit den Pfosten p90 gebaut, erreicht man Windlastzone zwei“, sagt Böhl.

Einfaches und designorientiertes System

Valu kann für Innen- und Außenbereiche eingesetzt werden, ganz gleich, ob es sich um Geländer, Zäune, Sichtschutzwände, Bürotrennwände, Überdachungen, Carports, Gartenhäuser, Sommerpavillons oder Pergolen handelt. Selbst Fassaden oder Wandverkleidungen seien denkbar, meint Böhl. Zu den Kunden gehören derzeit neben Zaun- und Geländer- sowie Garten- und Landschaftsbauer vor allem Metallbauer und Schreiner.

Welche Vorteile bringt das System, angesichts etlicher Mitbewerber bei Bausätzen und Fertigprodukten in den genannten Sparten? Harald Böhl kennt gleich eine ganze Menge: „Wir bieten ein fertiges System, das jeder Fachhandwerker einfach und schnell aufbauen kann. Wir haben uns bei der Entwicklung viele Gedanken gemacht, denn mir macht es selbst keinen Spaß, wenn ich erst eine halbe Stunde eine Anleitung lesen muss, bevor ich dann hunderte Schrauben drehe.“

Böhls Anspruch ist es, ein multifunktionales, langlebiges Produkt anzubieten. Wichtig sind ihm aber auch hohe Flexibilität und Vielfalt im System. Vor allem farbige Elemente und Materialkombinationen seien derzeit sehr beliebt; und er meint, ob ein Geländer oder ein Zaun schön werde, liege an der Kreativität in der Umsetzung. „Wir wollen es dem Handwerker einfacher machen. Vor allem in Zeiten, wo Fachkräfte fehlen, muss man effektiv sein. Mit dem Valu-Baukasten kann der Metallbauer Geld verdienen“, behauptet Harald Böhl. „Und wer vor Ort selbst sägt, der spart schon mal im Einkauf.“

Ein besonderes Merkmal sind auch die Kombinations­mög­lichkeiten mit kunden­eigenen oder handelsüblichen Materialien. Über die An­schluss­profile können bei­spiels­weise Gabionen, Stab­mat­ten oder handelsübliche Sicht­schutz­elemente kombiniert werden. Außerdem können Türen, Lichtleisten, Strom- und Wasserleitungen inte­griert oder verschiedene Bedachungs- und Beschattungselemente montiert werden.

Fachhändler gesucht

Der Vertrieb des Systems liegt aktuell in den Händen zweier Außendienstmitarbeiter, die gezielt Metall- und Galabauer betreuen. Künftig sollen es deutlich mehr Fachhändler mit eigenem Lager werden, die Kunden vor Ort bedienen können. Auch private Anfragen sind nicht selten. Die meisten Anfragen dieser Art beziehen sich aber auf die Suche nach einem Handwerker, der das Valu-System nicht nur liefert, sondern auch installiert. Geschäftsführer Böhl freut sich, dass Valu auch im Schweizer Markt nachgefragt wird. Über die Einkaufsplattform Zaunteam erreicht er vor allem Galabauer und Zaunverarbeiter, die durch den Verbund Einkaufsvorteile haben.

www.valu.de

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