Fensterwerkstoffe im Vergleich

Aluminium punktet mit Lebensdauer

Beauftragt wurde die Potenzialanalyse vom AFI (Aluminium-Fenster-Institut) und der AMFT (Arbeitsgemeinschaft der Hersteller von Metall-Fenster/Türen/Tore/Fassaden). Die Potenzialanalyse der Fensterwerkstoffe ist im September 2015 veröffentlicht worden. Im Rahmen der Analyse wurden die klassischen fünf Werkstoffe für Fenster unter der Maßgabe der Lebensdauer verglichen. Das Langfrist-Szenario geht von einer 60-jährigen Lebensdauer aus, was für Alufenster technisch möglich ist. Weiter wurde ein kurzfristiges Szenario von 30 Jahren Lebensdauer geprüft.
Die wissenschaftliche Analyse zeigt, dass aufgrund ihrer höheren Lebensdauer und der geringen Wartungsansprüche Alufenster auf lange Sicht — 60 Jahre — nicht nur einen entscheidenden Kostenvorteil bringen, sondern auch weniger die Umwelt belasten als Fenster, die innerhalb des Betrachtungszeitraums öfter getauscht werden müssen. Es werden daher innerhalb des Betrachtungszeitraums die Holz- und Holz-Aluminiumfenster einmal komplett erneuert (das bedeutet eine zweimalige Neuanschaffung und Entsorgung), die Kunststoff und Kunststoff-Alu-Fenster im selben Zeitraum zweimal (dreimalige Neuanschaffung und Entsorgung), während die Aluminiumfenster nur einmal eingesetzt werden müssen.

Die Erstinvestition ist nur ein Faktor

Da Fenster einen bedeutenden Kostenbestandteil im Wohnbau darstellen, lohnt sich ein Blick nicht nur auf die Erstinvestition, sondern auf alle im gesamten Lebenslauf anfallenden Aufwendungen. Der Faktor Erstinvestition wird derzeit zu hoch bewertet. Im Rahmen der Untersuchung zeigt sich, dass die Betrachtung über einen längeren Zeitraum zu einer gänzlich anderen Beurteilung der Kosten führt als die reine Beurteilung der Erstinvestition.
Während etwa bei den Anschaffungskosten Kunststofffenster beinahe um den halben Preis von Aluminiumfenstern erhältlich sind, zeigt sich über einen Betrachtungszeitraum von sechzig Jahren, dass sich dieses Verhältnis am Ende umkehrt und eben diese Kunststofffenster fast doppelt so hohe Kosten verursachen wie die zunächst scheinbar teureren Aluminiumfenster.
Beim kurzfristigen Szenario hingegen, das eine Nutzungsdauer für alle Fensterwerkstoffe einheitlich auf 30 Jahre festlegt, schneidet das Kunststofffenster am günstigsten ab. Die Höhe der Erstinvestition bleibt in diesem Fall der ausschlaggebende Parameter.

Alufenster für 60 Jahre

Aufgrund der hohen technisch möglichen Lebensdauer von Alu-fenstern wird im langfristigen Szenario davon ausgegangen, dass im Zeitraum von 60 Jahren nur eine einmalige Investition zu tätigen ist, während bei allen anderen Fenstertypen zumindest ein zusätzlicher Fenstertausch vorgenommen werden muss. Der Anteil an den Lebenszykluskosten des Gebäudes erhöht sich dementsprechend. Im Vergleich dazu sinkt dieser bei Alufenstern: Er geht von 8 auf 3,8% deutlich zurück und stellt damit den absolut geringsten Kostenanteil dar.

Ökobilanz von Alufenstern überzeugt

Bei der Ökobilanz zeigt sich, dass gerade im Wohnbau, mit einem durchschnittlich geringen Fensterflächenanteil von 20-30 %, der Einfluss des Rahmenmaterials von Fenstern auf die Gesamtgebäudebilanz von untergeordneter Bedeutung ist, da hier der mit Abstand größte Einflussfaktor die durch den Betrieb des Gebäudes hervorgerufenen Umweltwirkungen sind. Durch den lebenszyklischen Ansatz, welcher sowohl die Phasen der Herstellung, der Nutzung als auch der Entsorgung berücksichtigt, kommt es in der langfristigen Betrachtung zu einem überraschenden Ergebnis: Hinsichtlich der untersuchten Wirkkategorien weist das Aluminiumfenster die geringsten Auswirkungen auf. Dies kommt vor allem daher, dass das Grundmaterial Aluminium nach einer langen Lebensdauer einem hochwertigen stofflichen Recycling zugeführt werden kann. Andere Fensterrahmenmaterialien sind zwar in der Phase der Herstellung durch einen zunächst geringeren Energiebedarf weniger umweltwirksam, letztendlich schlagen sich jedoch Faktoren wie niedrigere Gutschriften aus Materialrückgewinnung oder eine energieintensive thermische Verwertung am Ende ihres Lebensweges negativ in deren Ökobilanz nieder.
Je nach Wirkkategorie haben die Materialien unterschiedlich zu reihende Auswirkungen. Während das Kunststofffenster etwa beim Ozonbildungspotenzial und beim Treibhauspotenzial die höchsten Emissionen zeigt, wird es beim Primärenergiebedarf bei Berechnung mit den zugrundeliegenden Daten des ift Rosenheim (v. Houwald et. al., 2011) vom Holz- und Holz-Aluminium-Fenster übertroffen.
Nur das Aluminiumfenster zeigt beim Betrachtungszeitraum  von 60 Jahren in allen Kategorien durchgehend die geringsten Auswirkungen auf die Umwelt. Dies ist eine Folge der, der Häufigkeit des Fenstertauschs entsprechenden, Vervielfachung der Wirkungen aus Herstellung und Entsorgung bei den anderen Fenstertypen. Überraschend ist auch zu sehen, dass in den Kategorien Treibhauspotenzial und Primärenergieverbrauch das Holzfenster entgegen der landläufigen Meinung nicht besser abschneidet als das Aluminiumfenster. Das wäre bei einer ausschließlichen Betrachtung der Herstellungsphase natürlich anders.
Erstreckt sich die Ökobilanz der Fensterwerkstoffe über 30 Jahre und geht man davon aus, dass alle Fenster, gleich welchen Materials, nach diesem Zeitraum getauscht werden, schneidet das Alufenster bedeutend schlechter ab. Die Vorteile des Aluminiums gehen verloren. Wie beim Zeitraum über 60 Jahre ist aber auch bei der kurzfristigeren Betrachtung kein durchgängig bestes oder schlechtestes Material festzumachen. Rahmenmaterialien, die in der einen Kategorie am besten abschneiden, schneiden in einer anderen Kategorie am schlechtesten ab. Die Unterschiede zwischen den Materialien sind jedoch gering.

Fazit

Im Hochbau sind Methoden wie Lebenszykluskostenberechnung und Ökobilanzierung zwar bekannt, werden aber noch nicht standardmäßig angewandt. Auch in der zugehörigen Industrie und bei den Lieferanten im Baubereich sind diese Methoden noch nicht weit genug ins Bewusstsein getreten, als dass sich die einzelnen Hersteller mithilfe diesbezüglicher Analysen differenzieren und am Markt positionieren würden. Gleichzeitig muss man sich auch den Grenzen der Aussagekraft von Lebenszykluskosten- und Ökobilanzberechnungen bewusst sein und darf diese nicht überinterpretieren. Beide hängen in hohem Maße vom Vorhandensein sowie der Transparenz und der Qualität von Daten ab. In jedem Fall gilt, dass je länger ein Material funktionserfüllend verwendet werden kann und je besser das Material dann wieder in den Stoffkreislauf eingebunden werden kann bzw. auch tatsächlich wird, desto geringer sind seine Auswirkungen auf die Umwelt. ⇥red ◊