Foppe Metallbaumodule

Vom Metallbauer zum Systemlieferanten

Am Anfang standen Hufbeschlag und Wagenbau. Hätte man dieses Modell weiterbetrieben, dann müsste Foppe heute konsequenterweise Automobile und Reifen herstellen. Aber es kam ganz anders.

Stärken erkennen und ausbauen
Großvater Anton Reisiger gründete 1910 einen kleinen Betrieb in Handrup, nordwestlich von Osnabrück. Der Hufschmied und Wagenbauer verstand sich als Allrounder: Vom Auftrag bis zur Übergabe. Dass dieses Geschäftsmodell nicht von ewiger Dauer sein konnte, erkannte der Schwiegersohn Johannes Foppe Senior schnell. Er übernahm den Betrieb in der zweiten Generation, als die Komplexität im Wagenbau ständig zunahm. Konsequent fokussierte er das Unternehmen in den 50er-Jahren auf den Anhängerbau.
Eine weitere grundlegende Neuausrichtung des Unternehmens wurde in den 70er-Jahren vollzogen. Der Betrieb bot seine im Anhängerbau erworbene Kompetenz im Stahlbau und Schweißen als Dienstleistung an. Die heutige Geschäftsführerin Gaby Foppe sieht diese Jahre als Geburtsstunde des von ihr geführten Zulieferbetriebes Foppe Metallbaumodule an. Heute ist Dienstleistung kein Zusatzangebot, sondern der ausschließliche Dreh- und Angelpunkt.

Vom Anhängerbau zum Fassadenprofi
In den ersten zwei Generationen dachte keiner der Geschäftsinhaber, dass Architektur jemals ein zentrales Geschäftsfeld des Unternehmens werden würde. Doch die Architektur der Moderne mit ihren lichtdurchfluteten Räumen und großen Fensterformaten setzte auf Stahl. Dabei reizten die Architekten die hohe Festigkeit des Materials bis auf das Äußerste aus und forderten immer filigranere Fensterprofile. Der Stahlbauer war für diesen Markt aufgrund der langjährigen Erfahrungen gut gerüstet.
Der zunächst noch kleine Markt wuchs in den 70er-Jahren rasch mit der Entwicklung von thermisch getrennten Metallprofilen. Plötzlich war das bauphysikalische Problem der raumseitigen Kondensatbildung gelöst und der Markt boomte. Der neue Shootingstar war das Aluminium. Bei Foppe wurden die enormen Chancen des neuen Marktes erkannt. Ende der 70er-Jahre wurde der Anhänger- bzw. mittlerweile Kipperbau aufgegeben. Das Unternehmen stieg in die Herstellung und Montage von Fenstern und Türen aus Aluminium und Kunststoff ein. Bis Mitte der 90er-Jahre lieferte Foppe Komplettfassaden sowie Fenster und Türen – von der Planung, über die Fertigung bis hin zur Montage.

Vom Allrounder zum ­Zulieferer
Der große Markterfolg der Aluminiumkonstruktionen führte zu einer ständig wachsenden Zahl an Systemherstellern und Aluminiumprofilen. In der Praxis bedeutete dies für alle metallverarbeitenden Betriebe, ständig neue Werkzeuge anschaffen zu müssen. Diese Investitionen rechneten sich erst ab größeren Auftragsvolumen. Für viele Anfragen war man nicht mehr wettbewerbsfähig.
In dieser Situation änderte Foppe sein Geschäftsmodell und wurde zum „Dienstleistungsbetrieb“. Das Unternehmen entschied sich für den systematischen Ausbau der Kernkompetenz „Produktion“. Mitte der 90-er Jahre verabschiedete sich Foppe aus der Montage und konzentrierte sich auf Planung und Beratung sowie die Vorfertigung und Zulieferung von Fenster- und Türelementen für Wiederverkäufer.
Mit dieser Neuausrichtung konnte der Durchsatz der bearbeiteten Profile enorm erhöht werden. Das Ergebnis: Die Anschaffung neuer Maschinen und Werkzeuge rechnete sich wieder. Und zugleich rechnete sich das Dienstleistungsangebot  für die Kunden. Diese konnten und können bis heute die Vorteile einer kosteneffizienten Produktion nutzen. Außerdem profitieren sie von der breiten Erfahrung des Unternehmens mit allen relevanten Profilsystemen und können wettbewerbsfähige Angebote erstellen. Foppe hat eine Win-win-Situation für seine Kunden geschaffen und seinem eigenen Geschäftsmodell eine wirtschaftlich solide Grundlage gegeben.

Brandschutz als Zusatz­angebot
Mit Dienstleistungen hatte das Unternehmen bereits jahrzehntelange Erfahrung in einer Sonderdisziplin: dem Brandschutz. Zunächst in Stahl, später in Aluminium. Die Fertigung dieser Elemente unterliegt bis heute einer strengen, genau geregelten Überwachung. Nicht jeder Betrieb darf Brandschutzelemente fertigen. Die Stichworte lauten: Mitgliedschaft in einer Überwachungsgemeinschaft, Benennung eines Brandschutzverantwortlichen, Schulungen sowie Anmelde- und Prüfgebühren für jedes gefertigte System. Know-how alleine reicht nicht, Brandschutz kostet auch richtig Geld.
In diesem Marktsegment punktete Foppe als erfahrener Dienstleister am Markt: Der Kauf von Brandschutzelementen vom spezialisierten Zulieferer ist für viele Metallbaubetriebe wirtschaftlicher als die Eigenproduktion. Mit dem Dienstleister Foppe im Hintergrund kann der weiterverarbeitende Betrieb auch Brandschutzelemente wettbewerbsfähig anbieten und sich selbst besser auf dem Markt positionieren.

Planung und Beratung als Schlüssel zum Erfolg
Mit dem zunehmenden Erfolg war die Umfirmierung in  Foppe Metallbaumodule nur konsequent: Das Geschäftsmodell wird im Namen sichtbar. Unter dem Leitgedanken „Vom Profi für den Profi“ berät das Unternehmen seither Metallbaubetriebe von der technischen Ausführung bis hin zur Kalkulation, fertigt die Bauelemente und – falls gewünscht – liefert diese verpackungsneutral auf die Baustelle. Auf diese klare Trennung legt das Unternehmen großen Wert. Hier sind die Claims klar abgesteckt.

Einstieg in die industrielle Produktion
Mit der CAD-Planung änderte sich die Architektur grundsätzlich. Für den Fassadenbau bedeutete dies mehr Komplexität in der Profilbearbeitung. Außerdem kamen zu den vielen neuen Profilen und Beschlägen auch komplizierte Gehrungsschnitte hinzu, und Standardablängungen wurden seltener. Parallel stiegen die Anforderungen in puncto Maßgenauigkeit.
Gaby Foppe entschied sich im Zuge dieser Entwicklung für einen kompletten Technologiewechsel in der Vorfertigung. Mit der Inbetriebnahme eines vollautomatischen Bearbeitungszentrums für Profile verabschiedete sich das Unternehmen 2014 endgültig von der Technologie der Stanzen und Kappsägen und wagte den Schritt in die industrielle Fertigung. Um eine reibungslose Übertragung der CAD-Planung zu gewährleisten, wurde in Zusammenarbeit mit Orgadata zusätzlich eine für die Profilbearbeitung maßgeschneiderte Maschinenansteuerung realisiert.
Der Einstieg in eine industrielle Fertigungstechnologie brachte die vorerst letzte tiefgreifende Umstrukturierung des Unternehmens mit sich. Heute sind mehr hochqualifizierte Mitarbeiter erforderlich, und in der Weiterverarbeitung wird mehr Personal benötigt. Auch in der Akquise muss entsprechend zugelegt werden, denn alles geht nicht nur präziser, sondern auch wesentlich schneller. Für ein gut eingeführtes mittelständisches Unternehmen muss solch ein unternehmerischer Schritt deshalb reiflich überlegt und durchkalkuliert werden. Die aktuellen Zahlen von 2016 bestätigen die Richtigkeit dieser Entscheidung. Die Auslastung des Bearbeitungszentrums entwickelt sich sehr positiv.
Mit der industriellen Fertigungstechnologie können Auftragsspitzen deutlich besser abgefangen werden als früher. Der Kunde profitiert vor allem durch die höhere Qualität und Maßhaltigkeit sowie deutlich schnellere Lieferzeiten. Außerdem kann er über die Zusammenarbeit mit dem Dienstleister fast alle europäischen Aluminium-Profilsysteme anbieten. Hier zeigt sich wieder der Leitgedanke, Win-win-Situationen zu schaffen.

Alles aus einer Hand
Es ist zur Unternehmenskultur geworden, weiterzudenken und neue Ideen und Erleichterungen für das Handwerk zu entwickeln. Die Montage von Bauelementen bedeutet auch immer die technische Lösung einer bauphysikalischen Schnittstelle – besonders in der Fassade. Wärme- und Schallschutz müssen beachtet, bei bodenständigen Einbauelementen muss gegen Schlagregen oder drückendes Wasser die praxisgerechte Antwort gefunden werden.
An diesen Schnittstellen tritt die Partnerfirma auf den Plan: Foppe Direkt Versand. Als Praktiker schaut deren Geschäftsführer Johannes Foppe Junior auf die alltäglichen Bedürfnisse des Handwerks. Er stellt für seine Kunden alle Hilfsmittel für die Montage bereit. Darüber hinaus kümmert er sich um die Entwicklung sinnvoller Systemanbindungen und um Sonderzubehör. Im Geschäftsbereich Foppe Systeme wurde zum Beispiel ein hochwärmegedämmter Einbaurahmen für die Montage der Elemente in der Wärmedämmebene entwickelt. Eine mehrfach prämierte Schwerlastdämmschwelle ermöglicht die sichere Lastabtragung von bodenständigen Tür- und Fensterelementen. Für die Abdichtung im Sockelbereich werden vorgeformte Innen- und Außenecken sowie Sonderformteile für Blendrahmen mit aufgesetzten Rollladenführungen angeboten.
Heute sind unter der Dachmarke Foppe + Foppe zwei rechtlich eigenständige Unternehmen zusammengefasst: Foppe Metallbaumodule und Foppe Direkt Versand – mit den Vertriebsbereichen Module, Systeme und Zubehör. So aufgestellt können Fensterbauer und Montagebetriebe die gesamte Baustelle kosteneffizient abwickeln. Sie bekommen alle Produkte und Dienstleistungen aus einer Hand. „Wir für Dich“, so der Unternehmensslogan. Eine einfache Formel, um ein Unternehmen erfolgreich auf dem Markt zu positionieren.⇥red ◊ 

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