Gebäude-Duett „Clara und Robert“

Eine historische Ziegelfassade umrahmt von einer modernen silbrig glänzenden Aluminiumfassade: Mit dem denkmalgeschützten Saarhaus und den beiden Neubauten steht der Bürokomplex in Düsseldorf vor allem für Kontrast. Sommer Fassadensystem hat im historischen Trakt die Glasfassade ausgeführt, in den Neubauten die Schlitzfenster und die Glasbauten. Das Auftragsvolumen betrug 2,6 Mio. Euro, die Gesamtinvestition in das Objekt ca. 65 Mio. Euro.

Der Entwurf stammt vom Architekturbüro slapa oberholz pszczulny in Düsseldorf, das vom Bauherrn developer Projektentwicklung beauftragt wurde. Idee der Architekten war es, das Saarhaus der ehemals wilhelminischen Kasernenanlage aus der Zeit um 1890 in einen Neubau zu integrieren. Namensgeber für die beiden L-förmigen Winkelbauten sind Clara und Robert Schumann – eine Hommage an das Komponistenpaar. Robert Schumann war um 1850 in Düsseldorf Städtischer Musikdirektor. Die mit vertikalen Schlitzen versehene Gebäudehülle aus gebürstetem Aluminium soll an alte Musiklochplatten erinnern, die um die Jahrhundertwende als Tonträger für mechanische Musikinstrumente und Spieldosen eingesetzt wurden.

Jedes Gebäude, sowohl Clara als auch „Robert“, zeichnet sich durch eine charakteristische Architektur aus. Beim sanierten Altbau fällt die Verbindung zwischen Alt und Neu ins Auge: Die Aufstockung über die zwei oberen Etagen ist mit Corten ummantelt, die Gravur Robert seitlich an dem Teil der Dachfassade platziert, die aus dem Neubau herausragt. Frontal wurde eine Doppelfassade umgesetzt. Die Pfosten-Riegel-Verglasung ist etwas zurückgesetzt, eine „geschuppte“ Glasfassade als zweite Haut vorangestellt. Clara hat den größeren Part an der Gebäudefläche. Die schmale Stirnseite des Neubaus lebt gestalterisch von einer gläsernen Auskragung – der viergeschossige Glaskubus ragt im rechten Winkel aus der Aluminium-Hülle heraus.

Glasfunktionen nach Standort

Weil der Glasbau direkt an eine vielbefahrene Bundesstraße grenzt, wurden in das System von Schüco FW60+ Dreifach-Isoliergläser mit einem Schallschutz der Klasse SK 5 (VDI-Norm 2719) eingesetzt. Auf Basis einer Zustimmung im Einzelfall war es möglich, die Ganz-Glas-Ecken des Kubus statisch anzusetzen. Um den Lasten der bis zu 600 kg schweren Isoliergläser statisch gerecht zu werden, wurde die Unterkonstruktion mit Stahleinschieblingen als Sonderlösung konstruiert. Damit die lichten Räume nicht überhitzen, wurden innenseitig an den Scheiben Raffstores angebracht.

Für die Glaselemente wie den Glaskubus, die vollflächig verglasten Haupteingänge oder die vertikalen Fensterelemente kamen unterschiedliche Isoliergläser zum Einsatz. Alle Dreifach-Isoliergläser haben einen Ug-Wert von 0,6 W/m2k. Um den konstruktiven Besonderheiten und den unterschiedlichen Anforderungen an Sonnenschutz, Wärmeschutz und Brandschutz je nach Ausrichtung der Fassade gerecht zu werden, variieren sowohl der Aufbau als auch die Dicke der Gläser.

Die Pfosten-Riegel-Fassaden an der Front des Saarhauses wurden im System Schüco FW 50+ ausgeführt. Da die Verglasung für die „geschuppte“ Fassade nur horizontal gelagert wurde (3,75 m hoch) und eine Absturzsicherheit zu gewährleisten ist, wurde dafür das System Glassline Balardo Alu Glasswall genutzt. Die Pfosten-Riegel-Fassade wurde wie beim Glaskubus mit hochwertigen Schallschutzgläsern als Dreifach-Wärmeschutz-Isolierverglasung ausgeführt. Der Eingangsbereich mit mechanischen Drehtüren (Schüco ADS 75 HD HI) ist als eine Art Windfang mit einer zweischaligen Konstruktion gestaltet. Die innere Ebene ist thermisch getrennt mit „einfacher“ Wärmeschutz-Isolierverglasung im Erdgeschoss und aus brandschutztechnischen Gründen mit einer F30-Konstruktion im ersten Obergeschoss. Die äußere Ebene ist eine „kalte“ Fassade in Structural-Glazing-Optik.

Bodentiefe Schlitzfenster

Schmale, vertikale Aussparungen bestimmen das Bild der Aluminium-Fassaden. Für die Schlitzfenster hat Sommer Fassadensysteme das eigene Fensterprofil Sokaltherm G78 B genutzt. Der verdecktliegende Beschlag Roto Avdes ist für Flügelgewichte bis 150 Kilogramm geeignet. Die bodentiefen Fenster sind dreifach verglast. Die Low-E-Beschichtung der Isoliergläser Silverstar EN2plus von Glas Trösch hat die Anforderungen an Raumklima und Energieeffizienz erfüllt. Die Scheiben erreichen einen Ug-Wert von 0,6 W/m²K und haben einen g-Wert von 53 %. Für ein Regelelement mit einem DK-Flügel auf Brüstungsriegel hat Sommer einen Uw=0,96 W/m²K erreicht. Die Lichttransmission der Trösch-Gläser beträgt 74 %, ein geringer LR-Wert (14) reduziert störende Lichtreflexionen von außen nach innen und gewährt einen verbesserten Ausblick aus dem Inneren der Räume. Je nach Entfernung zu den ringsum stark befahrenen Straßen wurde die Fassade in Schallschutzklassen von SK 2 bis SK 5 umgesetzt.

Ein ausführendes Fassadenbauunternehmen mit einem eigenen System ist bei bestimmten Anfragen klar im Vorteil. Niemz listet einige Aspekte auf: Konstruktionsfragen beispielsweise lassen sich bereits während der Angebotsphase klären, weil das gesamte technische Know-how im Haus ist. Im Kontakt mit den Presswerken hat der Metallbauer mehr Einfluss auf die Lieferzeiten und ist im Zeitmanagement flexibler.

Darüber hinaus bleibt dem Fassadenbauer mit einem eigenen Profil technischer Spielraum über das konkrete Element hinaus: So wurden die Sonderprofile für die Laibung, die vom Erdgeschoss bis zur Attika laufen, zugleich als Unterkonstruktion für die Aluverbundplatten und teils für den Sonnenschutz genutzt. Die Abstimmung mit den Gewerken Sonnenschutz und Aluverbundplatten beschreibt Projektleiter Niemz kurz als „besondere Herausforderung“.

Nachunternehmer für Montage

Seit einigen Jahren beauftragt Sommer prinzipiell Nachunternehmen mit der Montage, so auch für das Objekt in Düsseldorf. „Wir haben uns in den vergangenen Jahren mehrere Fachfirmen als Partner gesucht“, sagt Niemz. Er erklärt: „So wie es unterschiedliche Fassadenkonstruktionen gibt, so gibt es mittlerweile Fachfirmen, die sich auf die Montage bestimmter Konstruktionsarten spezialisiert haben.“ Die Nachunternehmer setzen den Einbau nach detaillierten Montageplänen um. Zudem stattet ein Mitarbeiter aus der Qualitätssicherung in regelmäßigen Abständen auf der Baustelle einen Besuch ab, um die Qualität zu überwachen. „Von Sommer ist immer mindestens ein Bauleiter auf der Baustelle, der alle Montageleistungen koordiniert.“

Info & Kontakte

Sommer Fassadensysteme – Stahlbau – Sicherheitssysteme

GmbH & Co. KG

Industriestraße 1

95182 Döhlau

Tel. 0986 60 81 0

www.sommer-hof.de