Grüne Produkte

Der richtige Umgang mit EPDs ist nicht immer klar: Fallen zusätzliche Arbeiten für den Metallbau an, wenn ein Gebäude z.B. nach DGNB erstellt wird? Fällt die Kalkulation anders aus? Wer gibt die Bauprodukte vor?

Wenn ein Gebäude z.B. nach DGNB oder LEED zertifiziert werden soll, spielen bereits im Planungsverfahren die Bauprodukte eine wichtige Rolle, besonders im Hinblick auf ihre Ökobilanz und ihren Lebenszyklus. Es müssen also Grundlagen geschaffen werden. Bauprodukte werden deshalb nach Ökokriterien bewertet. Das offiziell anerkannte Siegel für solche Bauprodukte heißt EPD (Environmental Product Declarations). In Deutschland gibt es zwei Institutionen, die solche Produktdeklarationen für den Bausektor erstellen und veröffentlichen dürfen: Das Institut für Bauen und Umwelt e.V. (IBU) und das Institut für Fenstertechnik in Rosenheim sind öffentlich anerkannte Programmbetreiber in Deutschland.

Beratung

Jörg Egener ist Leiter der Abteilung Architektenberatung bei Hörmann. Er erzählt von den ersten Aktivitäten des Unternehmens in Sachen EPDs: „Wir haben damals im Jahr 2010 schnell reagiert und EPDs erstellen lassen, noch bevor es Verbandsregelungen gab. Außerdem wurden wir Mitglied im Institut Bauen und Umwelt e.V. (IBU). Es ist nicht genau messbar, was die Produktdeklarationen im Einzelnen bringen, jedoch ist eindeutig zu definieren, dass es zum Ausschluss führt, wenn sie gefordert sind und nicht erbracht werden können. Der Anteil von Türen und Toren liegt bei maximal 5 % des Gesamtbauvolumens, somit können diese Produkte durchaus das Zünglein an der Waage der Zertifizierungslevel von DGNB oder LEED sein.“ Hörmann informiert Planer und Verarbeiter gezielt zum Einsatz von EPD-Produkten. „Es handelt sich meistens um konkrete Anfragen seitens der Planer, wenn ein Gebäude zertifiziert werden soll. Dann gibt unser Außendienst die EPDs in persönlichen Gesprächen in Kurzform heraus. Das sind in der Regel Herstellernachweise, Produktinformationen und technische Datenblätter, VOC-Werte oder Ähnliches.“

Günter Dreher, der das Kunden Service Center Industrie leitet, und Joachim Wetschenbacher, Leiter Integrierte Managementsysteme, berichten von Erfahrungen bei Novoferm, wenn Planer von nachhaltigen Gebäuden umweltrelevante Forderungen an die Lieferanten stellen. „Novoferm arbeitet größtenteils mit Lieferanten zusammen, die uns in Bezug auf Nachhaltigkeit unterstützen: Sie geben relevante Auskunft über ihre Produkte und Materialien oder sie können bereits eine Zertifizierung nach EPD vorweisen. Diese Informationen werden an die Architekten und Planer weitergegeben.“

Nachfrage Zertifizierungen – Nachfrage EPDs

Die Nachfrage nach Gebäudezertifizierungen ist groß. Das berichtet jedenfalls Dreher. „Kunden, Bauherren und Planer haben eine konkrete Vorstellung, nach welchen Kriterien ein Gebäude ausgeführt werden soll (DGNB, LEED). Die Entscheidung, nur nach nachhaltigen Aspekten zu bauen, verpflichtet die Lieferanten, ihre Produkte ebenfalls mit Nachhaltigkeitsgedanken zu produzieren.“ Planer erkundigen sich im Vorfeld nach umweltschädlichen Inhaltsstoffen von Produkten, welche z.B. das Raumklima in Gebäuden negativ für die Benutzer beeinflussen.

Egener verrät, weshalb es wichtig ist, persönlich mit den Planern zu sprechen. „Es gibt so viele zertifizierte Objekte nach LEED oder DGNB. Das ist nur in der direkten Betreuung nachvollziehbar, wenn wir persönlich beraten und Unterlagen zur Verfügung stellen. Läuft die Abwicklung über den Handel, bemerken wir eine Zertifizierung unter Umständen gar nicht, weil alle Nachweise bei uns abgerufen werden können.“ Die Nachfrage nach Green Products (EPD-Zertifizierungen) bewertet Egener eher zurückhaltend. „Wir haben sehr schnell und mit großem Aufwand die Umweltproduktdeklarationen erstellt. Aber schaut man sich Downloadzahlen an, so sind diese im mittleren dreistelligen Bereich.“

Unterschiede in Kosten und Verarbeitung

Neue Anforderungen sind oft mit höheren Kosten verbunden. Nicht so bei den grünen Produkten. „Da fast alle Produkte eine EPD haben, gibt es keinen Unterschied“, erklärt Egener. Ähnlich klingt es bei Novoferm, Dreher und Wetschenbacher erläutern: „Mit Entwicklung der neuen Türen, NovoPorta Premio zum Beispiel, hat Novoferm bereits die Anforderungen an umweltverträgliche Produkte bei nachhaltiger Fertigung mit einfließen lassen. In der Produktion werden, wenn möglich, bevorzugt Materialien verarbeitet, bei denen der Lieferant eine Zertifizierung nachweisen kann. Zudem plant unsere Logistik die Transporte auch nach umweltrelevanten Aspekten wie Auslastung, Ladungsplanung und Tourenplanung. Es werden ständig umweltrelevante Optimierungen in die Gebäudetechnik und in die Fertigungstechnik eingebracht.“