Interview

Klaus Braun von Alukon

„Unser Markt wächst, darauf sind wir vorbereitet.“

Alukon mit Sitz in Konradsreuth ist seit 2013 ein Teil der Hörmann Gruppe. Auf der R + T in Stuttgart haben wir mit Geschäftsführer Klaus Braun und Alexander Winkler, Leiter Marketing und Produktmanagement, die aktuelle Marktpositon bilanziert.

metallbau: Haben sich denn mit Vergrößerung der R + T durch die Halle 10 die Kosten für den Messestand erhöht?

Klaus Braun: Nein, es hat eine Anpassung gegeben, die der Inflationsrate entspricht, aber keine signifikante Preiserhöhung.

metallbau: Wie sind Sie mit dem Standort in Halle 9 zufrieden?

Braun: Bevor es den Eingang West gab, war die Halle 9 die letzte Halle. Aber inzwischen wird der Westeingang immer stärker genutzt, das ist positiv für uns. Wir haben eine sehr gute Auslastung am Stand, definitiv heute am dritten Tag noch mehr Kontakte als im Jahr 2015.

Alexander Winkler: Wir haben mal analysiert, dass in den Jahren, in denen R + T und Fensterbau Frontale zugleich stattfinden, unsere Besucherzahl etwas schwächer war. Dieses Mal können wir das nicht feststellen, obwohl in drei Wochen die Fensterbau in Nürnberg eröffnet.

metallbau: Wie schätzen Sie den Markt für Sonnenschutz ein?

Braun: Wir sind überzeugt, der Markt wächst. Es werden immer größere Fensterflächen realisiert, die es zu beschatten gilt, und von einem Abriss der sich sehr gut entwickelnden Baukonjunktur ist vorerst nicht auszugehen. Allerdings gibt es in Deutschland für Rollläden und Sonnenschutz leider keine Marktzahlen wie für Fenster. Wir gehen jedoch davon aus, dass sich der Markt weiterhin positiv entwickeln wird, und sind darauf vorbereitet.

Winkler: Auch die zunehmende Sensibilisierung bei Architekten und Planern für Rollladen- und Sonnenschutzprodukte beschert Zuwächse am Markt.


metallbau: Gibt es nicht viele Mitbewerber, weshalb die Kuchenstücke kleiner ausfallen?

Braun: Es gibt viele Marktbegleiter in unserer Branche. Das Interesse anderer Unternehmen wäre ja nicht so groß, wenn der Markt stagnieren würde. Was wir hier auf der R+T sehen, spiegelt – trotz vieler Mitbewerber – Wachstum wider.


metallbau: Übernehmen die internationalen Mitbewerber den deutschen Markt für Sonnenschutz?

Braun: Wir haben zwar mehr ausländische Hersteller, die in den Markt eintreten, aber die nationalen Unternehmen werden den Markt weiterhin dominieren, da dieser eine sehr hohe Geschwindigkeit in Sachen Reaktions- und Lieferzeiten fordert. Um dieser gerecht zu werden, müssen Hersteller regional nah am Markt sein. Dass im Sonnenschutz ein großer Marktanteil wie beispielsweise im Bereich Fensterbau durch osteuropäische Importe abgedeckt wird, ist für den Sonnenschutz nicht erkennbar.


metallbau: 27 % unserer Leser sind mit Sonnenschutz beschäftigt. Wie würden Sie den Markt für Metallbauer einschätzen und welche Voraussetzungen sind nötig?

Braun: Wer mit der Außenfassade beschäftigt ist, hat mit großen Glasflächen zu tun, das geht nur mit Beschattung. Also haben wir ein gemeinsames Interesse. Wir helfen den Metallbau- und Fensterbaubetrieben größere Fensterflächen mit ausreichender Beschattung zu realisieren. Mein Eindruck ist, dass die Fensterhersteller in anderen Ländern wie zum Beispiel Österreich da schon wesentlich aktiver und erfolgreicher sind als deren deutsche Kollegen.


metallbau: Ist Alukon wie Hörmann am Endkunden interessiert?

Braun: Nein, wir arbeiten mit Fachpartnern und Fachhändlern. Voraussetzung, dass ein Metallbauer unser Fachpartner wird, ist sein Interesse für unsere Produkte. Man muss sich in Normen und Vorgaben einarbeiten, um in der Diskussion mit den Architekten bestehen zu können. Viele vergeben den Sonnenschutz auch an Subunternehmen.

Winkler: Unsere Fachpartner entscheiden , welche Produkte für welche baulichen Gegebenheiten passen, welches Produkt an welche Endkunden kommuniziert wird und wie sich die fachliche Beratung des Endkunden und des Planers gestaltet.

metallbau: Bei den außenliegenden Raffstoren müssen seit 2017 normkonform die Windgeschwindigkeiten angegeben werden, was halten Sie davon? Sehen Sie technisch noch Spielraum für eine höhere Windstabilität der Raffstoren?

Winkler: Aufgrund der technischen Konstruktion werden wesentlich höhere Windgeschwindigkeiten für Raffstoreprodukte nur schwer umsetzbar sein. Beim Raffstore sind die Entwickler derzeit weniger mit einer optimierten Windstabilität beschäftigt, sondern vielmehr mit diffiziler Lichtlenkung und der Geometrie der Lamellen. Wer eine hohe Windstabilität braucht, ist mit textilen Zip-Systemen gut beraten. Unser ZipTex-System ist bis zur Windwiderstandsklasse 6 geprüft.  Bei den Zip-Systemen wird sich zukünftig die Transmission der Stoffe noch weiter verbessern.

Braun: Jedes Produkt hat Vor- und Nachteile. Die Entscheidung für eine Sonnenschutzlösung muss dabei je nach Anwendungs- und Anforderungsbereich erfolgen. Die Kunden entscheiden, wie sie beschatten möchten: mit Raffstoren, Rollläden oder Zip-Systemen.


metallbau: Ist der Zusammenschluss Alukon und Schlotterer rollcom bereits über die Bühne?

Braun:  Auf der R+T und der Fensterbau Frontale präsentieren wir die Zusammenführung der beiden Marken. Viele Dinge, wie beispielsweise die Broschüren und Visitenkarten, sind hierzu bereits umgesetzt. Zusätzlich wird zur Fensterbau Frontale ein neuer Internetauftritt präsentiert. Ab Mai ist der einheitliche Markenauftritt dann offiziell.


metallbau: Wurde denn im Zuge der Zusammenführung das Portfolio von Doppelungen bereinigt?

Braun: Es gab vor allem Ergänzungen, fast keine Doppelungen. Wir haben einige Produkte aus dem Sortiment von Schlotterer rollcom übernommen und Tore, Insektenschutz sowie Zip-Systeme von Alukon beigesteuert.


metallbau: Worauf kommt es im Unternehmensmanagement bei so einer Zusammenführung an?

Braun: Wichtig war die Kommunikation. Mitarbeiter und Kunden sollten sich darauf verlassen können, dass nichts an Personal und Standort verloren geht und Kunden von gleichbleibenden Ansprechpartnern betreut werden. Aufgrund der hohen Investitionen bei Alukon in Konradsreuth in den vergangenen zwei Jahren hätte man vermuten können, wir schließen uns an einem Standort zusammen. Dies wird nicht der Fall sein – im Gegenteil: Wir investieren in Haigerloch, 18 km vom jetzigen Schlotterer rollcom Standort in Bodelshausen entfernt, in ein neues Firmengebäude. Der Neubau wird unter anderem eine erweiterte Produktions- und Lagerfläche umfassen und garantiert unseren Kunden weiterhin kurze Wege und schnelle Lieferzeiten. All das war ausschlaggebend, dass die Zusammenführung so reibungslos verlaufen ist.

Winkler: Wenn die Mitarbeiter von Schlotterer rollcom Anfang 2019 in das neue Werk in Haigerloch umziehen, dann steht auch dort Alukon an der Fassade. Indes bleiben beide Werke eigenständige Unternehmensgesellschaften mit selbständigen Entscheidungen im Betriebsmanagement.


metallbau: Was sind die Meilensteine der Veränderungen seit der Übernahme?

Braun: Alukon wird aktuell komplett restrukturiert, wir haben die Gebäude erweitert, die Produktionsflächen um 40 % ausgebaut, neue Maschinen angeschafft und ein Hochregallager in Betrieb genommen. Sämtliche Produktionsprozesse und Abläufe werden optimiert und werden für unsere Kunden für noch schnellere Lieferzeiten sorgen. Der Zusammenschluss mit Schlotterer rollcom unter der Marke Alukon und der Neubau eines neuen Werks in Haigerloch sind unsere neuesten Meilensteine.


metallbau: Werden Sie mit Bezug des neuen Werks in Haigerloch zusätzliche Mitarbeiter anstellen?

Braun: Wir werden bei gleicher Mannschaft mithilfe neuester Maschinenanlagen und optimierter Prozesse einen wesentlich höheren Output erzielen.

metallbau: Welche wichtigen Produkte sind seit der Übernahme durch Hörmann in den Markt eingeführt worden?

Winkler: Es gab in den letzten Jahren drei große Produktentwicklungen bei Alukon: Der AK-Flex, ein geschäumter Aufsatzkasten mit sehr guten Schall- und Wärmedämmwerten, unser textiles Sonnenschutzsystem ZipTex und jetzt das ab Juni 2018 erhältliche Raffstoresystem aus eigener Produktion und Entwicklung. Hinzu kommen viele weitere Projekte wie der Raff-E, ein Schnellbaukasten für Raffstorelamellen sowie ein nach DIN EN 13659 normgerechter, einbruchhemmender Rollladen.

metallbau: Alukon exportiert 50 % seiner Produkte, welche Länder sind die wichtigsten Exportländer?

Braun: Österreich, Frankreich, Tschechien, Polen und die Beneluxstaaten – im Weiteren alle an Deutschland angrenzenden Länder.


metallbau: Gibt es länderspezifische Vorlieben?

Braun: Die Kunden in Frankreich setzen gerne in Rollläden eine 42er Lamelle ein, die in Deutschland so gut wie keine Verwendung findet. Zudem sollten alle Elemente automatisiert sein – das Thema Smart Home ist dort bereits viel stärker präsent als hierzulande. Die Österreicher mögen ihren Sonnenschutz gerne farbig, individuell und modern. Viele Neuerungen in Deutschland waren zuvor Trends in Österreich, z.B. vor einigen Jahren die Rundkästen für Rollläden oder aktuell die kubische Form und dunkle Anthrazit-Töne im Sonnenschutz. Klassisch Deutsch ist hingegen noch immer der Rollladen mit einem robusten, stabilen Kasten, traditionell mit Gurt und ohne Motor. So langsam ändert sich nun auch hierzulande der Bedarf in Richtung Automation und Smart Home.

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