VFF Obmann, Christian Anders

Leitfaden zur Montage von Fassaden

Im September 2017 wird das 180 Seiten umfassade Handbuch erscheinen, das künftig im Fassadenbau die Spielregeln zwischen Planern und Ausführenden definieren soll. Inhaltlich verantwortet den Leitfaden die Gütegemeinschaft Fenster, Fassaden und Haustüren e.V in Zusammenrabeit mit dem ift Rosenheim und dem technischen Ausschuss des VFF. Wir haben den Obmann Christian Anders zum neuen Standardwerk befragt.

metallbau: Der Leitfaden zur Montage von Fassaden ist in Kooperation zwischen VFF, ift und der RAL Gütegemeinschaft für Fenster, Fassaden und Haustüren entstanden. Haben Sie einige ausführende Firmen, Zulieferer und Hochschulen parat, die sich um dieses Heft verdient gemacht haben?

Christian Anders: Damit der Leitfaden als Standard gelten kann, war es entscheidend, dass im Gremium alle Perspektiven rund um den Fassadenbau vertreten waren. Von ausführenden Fassadenbauern haben beispielsweise Krebbers Fenster- und Fassadentechnologie, Schindler Fenster und Fassaden und Gebrüder Schneider Fensterfabrik mitgearbeitet, von Zulieferseite die Firmen Tremco Illbruck, Schüco, Interpane und Ejot. Vertreter aus Hochschulen waren etwa Prof.  Michael Lange und Wolfgang Jehl (ift Rosenheim) . Insgesamt waren ca. 20 Firmen bzw. Institutionen beteiligt. Die Experten des ift Rosenheim sichern dank ihrer Erfahrungen und wissenschaftlichen Forschungsarbeiten das technische Fachwissen ab.

metallbau: Wer ist denn verpflichtet, nach dem Leitfaden zu arbeiten?
Anders: Die Betriebe mit dem RAL-Gütezeichen Fassade, darunter die Firma Anders Metallbau — insgesamt sind in Deutschland zwölf Fassadenbauunternehmen dazu verpflichtet. Wir gehen jedoch davon aus, dass auch die Fachingenieure den LzM-Fassaden  berücksichtigen und es in der Lehre an den Hochschulen eingesetzt wird. Ebenso werden Gutachter hin und wieder in diesem Werk blättern. Ich würde mir wünschen, jeder Planer hat den Leitfaden in seinem Regal stehen und nutzt ihn auch.

metallbau:   Was ist mit den Monteuren auf der Baustelle?

Anders: Für die Monteure planen wir eine Kurzfassung, wie beim LzM-Fenster und Haustüren, sozusagen eine Version für die Hosentasche. Auch eine englische Ausgabe ist für 2018 vorgesehen, der Fassadenbau ist deutlich internationaler geworden. Ob es auch ein E-Book gibt, ist noch nicht entschieden.

metallbau: Müssen die Firmen mit mehr Aufwand rechnen, wenn sie nach dem Leitfaden arbeiten?

Anders: Nein, mit einem  Mehraufwand für eine fachgerechte Ausführung ist nicht zu rechnen, es geht darum, dass fachgerecht gearbeitet wird. Vor allem Fehler in den Anschlussbereichen könnten vermieden werden, bei fachgerechter Ausführung lässt sich z.B. Tauwasseranfall vermeiden, auch statische Prinzipien sollten mit dem Buch künftig klarer sein und die Fehler in diesem Bereich reduzieren. Wer den Leitfaden für Fenster und Haustüren benutzt, findet sich auch in diesem Leitfaden  schnell zurecht, der Aufbau und die Begrifflichkeiten sind analog.

metallbau: Weshalb wurde erst jetzt der Leitfaden erstellt?

Anders: Das Projekt steht schon länger auf der Agenda der Gütegemeinschaft und des technischen Ausschusses, wir waren lange Zeit unsicher, ob es dafür ein ausreichend großes Publikum gibt, da der Leitfaden sich ausschließlich über den Verkauf finanziert. Natürlich war der Leitfaden Fassade schlussendlich eine logische Konsequenz aus der langen Tradition des Leitfadens zur Montage von Fenstern, Fassaden und Haustüren. Aber es gibt nun mal deutlich weniger Fassadenbauer als Fensterbauer.

metallbau: Und ist das 180 Seiten starke Werk nun der große Wurf geworden?

Anders: Alles, was die Gütegemeinschaft bislang zum Thema Vorhangfassaden herausgegeben hat, ist nicht vergleichbar. Firmen, die sich an die Vorgaben halten, werden qualitativ hochwertige Produkte liefern mit hoher Ausführungssicherheit sowohl in der Planung als auch in der Ausführung.  Auf Basis dieser „Spielregeln“ können sich alle am Bau einer Fassade Beteiligten verständigen. Ich halte den LzM-Fassaden für gelungen, insbesondere da er vollständig ist; alle wesentlichen Punkte für Konstruktion und Ausführung wurden berücksichtigt. Es geht nicht nur um Befestigung oder Bauphysik, sondern alle Themen sind zumindest angeschnitten, und das materialübergreifend.

metallbau: Aluminium-, Stahl- und Holzfassaden auf 180 Seiten. Ist das machbar?

Anders: Ja, es gibt materialübergreifende Anforderungen, zum Beispiel Bauphysik und Schallschutz. Sofern mit den unterschiedlichen Materialien unterschiedlich umgegangen werden muss, wird dies klar formuliert. In Bezug auf Ausdehnungskoeffizienten haben wir beispielsweise klar gemacht, dass je nach Material und Oberfläche mit unterschiedlichen Werten gearbeitet werden muss. Die Abbildungen der Konstruktionen berücksichtigen alle drei Materialien. Und häufig wird auf weiterführende Literatur verwiesen, beispielsweise auf die Merkblätter des VFF.

metallbau:  Knapp über zwei Jahre wurde an dem Leitfaden gearbeitet. Gab es denn Dinge, die schwierig waren?

Anders: Es stand immer wieder die Frage im Raum, wie weit sollen wir ins Detail gehen, wie genau sollen die Ausführungen werden. Die Umsetzung wurde im Konsens entschieden, das Gremium hat sich auf die stichhaltigsten Argumente festgelegt. Sonderkonstruktionen wurden ausgeklammert und nicht behandelt.

metallbau: Wann werden Sie mit der Überarbeitung der jetzigen Ausgabe beginnen müssen?

Anders: Ich denke in zwei bis drei Jahren nach Erscheinen. Für eine Überarbeitung muss man ein dreiviertel bis ein Jahr Zeit kalkulieren.

Info & Kontakte

Der LzM-Fassade kostet:
Nicht-Mitglieder: 50 Euro (inkl. MwSt.)
Mitglieder: 40 Euro (inkl. MwSt.)
Veröffentlichung in Engl.: vorauss. 2018

www.window.de

Fassadentypen im Leitfaden:

- Pfosten-Riegel-Fassade  - Elementfassade
- Structural Sealant Glazing Fassade
- Warmfassade (nicht hinterlüftet)
- Kaltfassade (hinterlüftet)
- Kalt-Warm-Fassade
- Zweite-Haut-Fassade (Doppelfassade)
- Lichtdächer, Wintergärten, Schrägverglasungen