Sonnenschutz multifunktional

Für den Begriff „Sonnenschutz“ wird sich bald ein neues Wort finden müssen. Denn: Während es bis vor Kurzem ausschließlich darum ging, mit Sonnenschutz-Elementen das Gebäudeinnere vor der Sonne zu schützen, so werden immer mehr Lösungen nachgefragt, die die Ressource „Sonne“ gleichzeitig für Energie- und Tageslichteinträge nutzen. Höhere Bedürfnisse nach Komfort und Energieeffizienz sind die Motoren dieser Entwicklung. Der Markt bietet inzwischen zahlreiche Lösungen dieser Art an – und das vernetzt, vollautomatisiert und bestehend aus High-tech-Materialien wie organischen Leuchtdioden (englisch: organic light emitting diode, OLED), selbstreinigenden Eigenschaften und vielem mehr.

Innen- und außenliegend

Der außenliegende Sonnenschutz hat im Vergleich zum innenliegenden natürlich noch höhere Anforderungen an Energieeffizienz und Witterungseinflüsse zu erfüllen. Sowohl im Wohn- als auch im Objektbau sind nach wie vor Raffstoren sehr stark am Markt vertreten. Das bestätigt u.a. die Messe R+T, die schon die kommende Ausstellung in 2018 plant. Die Aussteller legen bei ihren Lösungen besonders viel Wert auf eine ansprechende Optik, Energieeffizienz, Komfort und auf unkomplizierte Montage-Eigenschaften. Oftmals kann aber nur der innenliegende Schutz gewählt werden. Zum Beispiel bei zu sanierenden, bestandsgeschützten Objekten. Hier achten vorausschauende Hersteller neben optischen Qualitäten auch auf Nachhaltigkeit. Es ist keine Seltenheit mehr, dass Stoffe aus recycelten Textilien verwendet werden.

Sonnenschutz „dazwischen“

Selbst Lösungen „dazwischen“ – also weder innen- noch außenliegend – existieren bereits: z.B. die sogenannten „Closed Cavity Façades“ (CCF). Sie gelten als hocheffizienter Sonnenschutz, mit dem wichtige bauphysikalische Werte verbessert und der Reinigungsaufwand reduziert werden kann. Zwischen die Mehrfach-Isoliergläser, also im geschlossenen Fassadenzwischenraum, ist ein Raffstore mit perforierten Lamellen zur Beschattung integriert. Diesem wird konstant trockene, saubere Luft zugeführt, um Kondensat an der Fassade zu vermeiden. Auch bei weit geöffneter Sonnenschutzlamelle wird eine hohe Reflexion des direkten Sonnenlichts erreicht. Für die Tageslichtnutzung und Durchsicht kann ein weiterer Öffnungswinkel über eine lange Tageszeit beibehalten werden. Auch eine Lösung „dazwischen“ sind sogenannte Flüssigkristallfenster (Liquid Crystal Windows, LCW). Diese Fenster können selbst als Sonnen-, Blend- und Sichtschutz dienen. Sie sind inzwischen sekundenschnell von dunkel nach hell oder von transparent nach opak schaltbar.

Trends

Diese Funktionen entsprechen übrigens auch dem derzeitigen Trendthema „Cocooning“, also das sich im eigenen Haus zurückziehen, das von immer mehr Herstellern als einer der relevanten Impulse in der Produktentwicklung gilt. Besonders die Ausführungen und Neigungswinkel von Lamellen spielen dafür eine große Rolle. Hier finden sich am Markt zahlreiche Produkte, die freie Ausblicke nach draußen zur selben Zeit ermöglichen wie sie vor direkter Sonneneinstrahlung und Einblicken schützen. Die meisten der hier angesprochenen Lösungen lassen sich ins Smart-Home-System integrieren (siehe auch Beiträge ab S. 26)

Fazit

Es lohnt sich, die Entwicklungen im Sonnenschutz zu verfolgen. Gerade dann, wenn Bauherren oder Architekten ganzheitliche Lösungen verfolgen, die im System funktionieren sollen. Bislang waren solche Lösungen oft nur im Luxussegment gefragt, sie werden aber nach und nach schon für kleinere Budgets realisierbar.